Fernglas Test: 22 Ferngläser im Test

Ferngläser im Test : Immer einen scharfen Durchblick

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Veröffentlicht 24.09.2020

Ferngläser sind wahre Allround-Werkzeuge. Sie sind universell einsetzbar und bieten eine große Anzahl an Einsatzmöglichkeiten. Unabhängig von den Lichtverhältnissen liefern sie stets gestochen scharfe Bilder. Wir haben 26 Ferngläser getestet.

Sven Kloevekorn
Sven Kloevekorn
ist Technik-Journalist und Fotograf. Er schreibt unter anderem für Giga, AndroidNext und Notebookcheck. Er testet regelmäßig Drucker, Scanner, Speichergeräte und mehr.

Ferngläser sind ein altbewährtes Hilfsmittel bei der Erfüllung unseres Wunsches, die natürliche Barriere unserer Augen überwinden zu können und weit Entferntes nah heranzuholen.

Ganze Berufszweige wären ohne Fernglas nicht denkbar: Vogelforscher, Förster, Feuerwehrleute und Seeleute könnten ihren Beruf gar nicht oder nur schlecht ausüben. Der Faszination, die von einem Fernglas ausgeht, konnte sich auch der Tester nicht entziehen. Einige Besucher, die kurzerhand, wenn auch nicht ganz freiwillig, als Mittester eingespannt wurden, verfielen der Faszination ebenso. Da Ferngläser auf vielen Wunschzetteln nicht zu finden sind, macht sie das oft zu einer guten Geschenkidee.

Ein vernünftiges Fernglas sollte in keinem Haushalt fehlen. Allerdings sollte man sich vor dem Kauf umfassend informieren und nicht allzu sparsam sein. Da jedes Augenpaar unterschiedlich ist, kann ein Testblick durch die verschiedenen Okulare ebenfalls nicht schaden. Wer auf diese Dinge bei der Anschaffung achtet, bekommt einen jahrelangen treuen Begleiter, der auch von der technischen Weiterentwicklung nicht ins Aus gedrängt wird. Zum Teil sind noch alte, über Jahrzehnte genutzte Binokulare im Gebrauch, die ihre erfahrenen Besitzer gegen nichts Neues eintauschen würden.

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Athlon Midas 8 x 42 ED

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Athlon Midas 8x42 ED Binoculars

Test [Entwurf] Fernglas: Athlon Midas 8 x 42 ED Binoculars
Der Testsieger überzeugt bei Weitem nicht nur mit seinem extrem klaren Bild und ist dafür wirklich nicht teuer.

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Das Athlon Midas 8×42 ED ist das beste Universalfernglas. Es bietet eine exzellente Abbildungsleistung mit dem zweitgrößten Sehfeld in unserem Test, lässt sich ausgezeichnet handhaben, hat eine ordentliche Verarbeitung und ist robust. Neben dem erstklassigen Preis-Leistungs-Verhältnis hat uns die hohe Qualität des Midas überzeugt.

Die US-amerikanische Firma Athlon gilt im Optiksegment als renommierter Hersteller. Sie stellt neben Ferngläsern auch Entfernungsmessern, Gewehrvisiere und Zielfernrohre her. Der Hersteller gewährt auf alle seine Produkte eine lebenslange, weltweite Garantie. In Athlons Produktsortiment rangiert das in China hergestellte 8×42-Glas im oberen bis mittleren Bereich.

Die Haptik bestätigt das: Die Verarbeitung ist nicht ganz perfekt, vermittelt aber einen hochwertigen und sehr soliden Eindruck. Das Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung ist laut Hersteller stoßfest und mit dem Edelgas Argon gefüllt. Durch eine griffige, teilweise texturierte Gummiarmierung liegt es ausgezeichnet in der Hand. Das Mittelgelenk wies einen für uns idealen Widerstand auf. Mit einem Gewicht von 708 Gramm gehört das Midas zu den eher schweren Gläsern im 8×42 Modellbereich.

Links und rechts befinden sich Ösen beziehungsweise Befestigungsmöglichkeiten für Trageriemen, die einen ausgesprochen stabilen Eindruck machen. Die im Umfang enthaltenen Gummikappen erwecken den Eindruck, die zerbrechlichen empfindlichen Linsen nicht nur vor Stößen zu schützen, sondern auch das Eindringen von Staub und Wasser verhindern zu können. Beide Okular-Kappen sind miteinander verbunden und halten Ösen für die Befestigung von Schnüren bereit, während die Abdeckung des Objektivs ohne Ösen auskommt. Diese lassen sich am unteren Ende des Binokulars mithilfe von Ringen befestigen.

Das Rad für die Zentralfokussierung gefällt uns ebenfalls ausgezeichnet: Es ist so breit und griffig , dass es mit Mittel- und Zeigefinger gleichzeitig gedreht werden kann. Außerdem verfügt es über eine angenehme Übersetzung, einen ansprechend sanften Lauf und einen makellos abgestimmten Widerstand. Die Fokussierung mit dem Athlon ist uns im Test jederzeit intuitiv und sicher gelungen.

Die Augenmuscheln gehören zu den Besten in unserem Test. Wie bei einem Großteil der Konkurrenz wird die Distanz zum Okular beim Midas durch Drehen eingestellt. An drei Punkten (größter, mittlerer, kleiner Abstand) rasten die Augenmuscheln ein, sind aber im Allgemeinen nicht anfällig dafür, vom Druck der Brille oder des Gesichts zurück in das Gehäuse geschoben zu werden.

Unter dem rechten Okular befindet sich der Dioptrienkorrektur-Ring, der mit einem Rändelprofil versehen ist. Aus unserer Sicht hat Athlon den Spagat zwischen zu leichter Verstellbarkeit und zu hohem Widerstand sehr gut gelöst.

Das Midas bringt ein äußerst breites Sehfeld von 144 auf 1.000 Meter mit. Laut Angaben der jeweiligen Hersteller kommen die sonstigen getesteten 8×42 Gläser auf 101, 119, 131 und 142 Meter. Diese weite Sichtwinkel bleibt allerdings nicht ohne Nebenwirkungen. Am äußeren Sichtfeldrand trat eine moderate Unschärfe auf. Auch in den Randbereichen fielen uns ausgeprägte kissenförmige Verzeichnungen auf. Architekturfreunde sollten sich nach einer verzeichnungsfreien Alternative umschauen, wie der Fujinon KF 8x42H.

Dank des erstklassigen ED-Glases werden chromatische Abberationen (Farbquerfehler) nicht durchgehend komplett unterdrückt, sind aber alles in allem gut unter Kontrolle. Koma-Bildfehler finden am Bildrand nur eine schwache Ausprägung.

Das Midas zeichnet sich durch seine Klarheit und durch seine hervorragende Schärfe und Auflösung im zentralen Sichtfeld aus. Durch die hohe rechnerische Lichtstärke kann das Glas auch bei Dämmerung oder dunklem Wetter verwendet werden. Auch beim Detailkontrast ist das getestete Athlon den meisten Konkurrenten überlegen. Eine kurze Eingewöhnungsphase benötigt das richtige Halten des Glases bei hellem Wetter, da es anfällig für Abschattungen ist.

Hier kommt der Hersteller nicht über Standardwerte hinaus, was wir aber dank des famosen Preis-Leistungsverhältnisses aber verschmerzen konnten. Die Tasche bietet wenig Funktionen, macht aber einen stabilen und anständigen Eindruck. Zum weiteren Zubehör des Athlon Midas gehören ausschließlich eine Kurzanleitung mit Hinweisen zur Pflege und ein Trageriemen mit dem Schriftzug des Herstellers.

Günstig und ergonomisch: Omegon Talron HD 10×42

Günstig und ergonomisch

Omegon Talron HD 10x42

Test [Entwurf] Fernglas: Omegon Talron HD 10x42
Wer zugunsten von viel Vergrößerung auf Übersicht verzichten kann und nicht so viel ausgeben möchte, ist hier richtig.

Die kleinen Sehfelder der 10×42-Gläser bieten nicht viel Übersicht. Keine Ausnahme stellen da die 106 Meter des Omegon Talron HD 10×42 dar. Es besitzt eine mittelmäßige Lichtstärke und eine 10-fach-Vergrößerung. Wer also ruhige Hände hat, und bei der Beobachtung in der Natur ausgesprochen nach »ran« möchte, sollte sich das Talron allein schon wegen des hervorragenden Preis-Leistungsverhältnisses näher anschauen.

Das mit 720 Gramm für diese Fernglas-Klasse eher schwere Universal-Binokular mit Dachkantprisma muss sich weder in ergonomischer noch in optischer Hinsicht vor der zum Teil immens teureren Konkurrenz verstecken. Die gummierte mattschwarze Farbe des Glases ist farblich sehr schlicht gehalten. Einzig die beiden silbernen Ringe unter den Okularen und das auffallende Fokusrad in silberner Farbe setzen einen starken optischen Akzent.

Das griffige Fokusrad hat einen angenehm weichen Lauf, bietet einen makellosen Widerstand und ist perfekt erreichbar. Die rechtsseitige Dioptrienkorrektur finden wir ein wenig zu schwergängig. Auch die Augenmuscheln sind etwas hakelig, aber verstellsicher. Die Abschattungstoleranz ist dagegen sehr hoch und mal abgesehen vom leicht durchwachsenen Detailkontrast hatten wir an Schärfe und Auflösung nichts wenig auszusetzen. Frei von Farbsäumen und Verzeichnungen und so klar wie die mehr als dreifach so teure Zeiss Terra ED 10×42 ist das Omegon dagegen dann aber nicht.

Hervorragende optische Eigenschaften: Zeiss Terra ED 8×45

Hervorragende optische Eigenschaften

Zeiss Terra ED 8x25

Test Fernglas: Zeiss Terra ED 8x25
Das kleine Zeiss hat zwar keine Kappen und etwas fummelige Einstellräder, in Sachen Abbildungsleistung bleiben aber keine Wünsche offen.

Das kleine Fernglas Zeiss Terra ED 10×42 wird in den Farben Schwarz und Grau angeboten. Ein optischer Hingucker sind das Zeiss-Logo unter dem zentralen Fokusrad und die beiden blauen Ringe an den Okularen. Im Großen und Ganzen macht das preislich im mittleren Bereich angesiedelte kleine Terra ED einen hochwertigen, aber keinen professionellen Eindruck.

Gespart hat der Hersteller am Zubehör. Im Karton befinden sich neben einem Mikrofasertuch nur ein Trageriemen, eine Schnellstartanleitung und ein Hardcase mit gutem Schutz. Im Lieferumfang sind keine Kappen enthalten. Dank des Hardcase ist das auch nicht nötig, im Einsatz aber schon.

Das Terra ED punktet bei der Ergonomie. Beim Fokusrad hätten wir uns einen flexibleren Lauf und einen größeren Durchmesser gewünscht, allerdings lässt es sich dafür ohne Probleme erreichen. Die Augenmuscheln können bequem herausdreht und in in voll ausgefahrener Position eingerastet werden, was versehentliches Verstellen bei Nicht-Brillenträgern verhindert.

Nicht gefallen hat uns die Position der Dioptrienkorrektur, die sich am Steg zwischen den beiden Tuben gegenüber des Fokusrads befindet. Das kann die Korrektur fummelig werden lassen. Nutzt nur eine Person das Fernglas, ist das allerdings unerheblich.

Die optischen Eigenschaften sowie die Ergonomie des Zeiss haben uns voll und ganz überzeugt. Mit Abschattungen konnten wir weniger Probleme feststellen als bei den Konkurrenzgläsern im Test. Das Terra lieferte für ein 8×25 Fernglas ein beständig scharfes Bild mit viel Kontrast und großer Klarheit, trotz des mit 119 Metern weiten Sehfelds. Die Verzeichnung hielt sich am äußersten Bildrand in engsten Grenzen und die Farbsäume waren sehr gut kontrolliert.

Durch seine kompakte Bauform mit dem kleinen Durchmesser des Objektivs ist der Wert der errechneten Lichtstärke sehr gering. Das führt bereits bei Einbruch der Dämmerung zu deutlichen Einbußen. Für Sichtsituationen bei Tageslicht ist die Austrittspupille von 3,1 Millimetern aber in der Regel ausreichend.

Sehr gute Ergonomie: Kowa SV 8×25 DCF

Sehr gute Ergonomie

Kowa SV 8x25 DCF

Test [Entwurf] Fernglas: Kowa SV 8x25 DCF
Klein, leicht, gute Optik und extrem günstiger Preis: Wer sparen will, ist hier richtig.

Wenn Sie ein Faible für kompakte Ferngläser haben und preisbewusst sind, können wir Ihnen sie überaus günstige und kleine Kowa Sv 8×25 DCF ans Herz legen. Ösenlose Kappen sind nur für die Okulare dabei. Wichtiger sind der angenehme Widerstand der Zentralfokussierung und die gute Erreichbarkeit. Dass das Kowa nicht die Qualität einer Leica hat, fällt an den leisen Knistergeräuschen beim Justieren auf.

Die Verarbeitung des schwarz gummierten Mini-Glases, das sich durch zwei Gelenke sehr kompakt falten lässt, macht einen wirklich anständigen Eindruck. Die Okulare sind eine Spur zu leichtgängig und verstellen sich manchmal, sind in komplett ausgefahrener Position aber arretiert. Wie beim Modell von Talron empfanden wir die Gegenkraft der Dioptrienanpassung als zu hoch. Das fällt aber nur bei wechselnden Benutzern ins Gewicht. Für Benutzer mit einem besonders großen Abstand der Augen könnte es hier allerdings etwas knapp werden.

Obwohl es nicht mit dem Detailkontrast und der Auflösung des Zeiss Terra ED 8×25 mithalten kann, ist von der Optik alles in Ordnung. Die Schärfe des kleinen Fernglases reicht vom Rand bis zur Mitte. Die Verzeichnung fällt moderat aus, während die Farbsäume an kontrastreichen Kanten beeindruckend gut unter Kontrolle sind. Für den Einsatz bei Dämmerung eignet sich das extrem lichtschwache Glas nicht.

Leider kann Kowa mit dem wirklich kümmerlichen Zubehörumfang und der schlichten Tasche keinen Blumentopf gewinnen. Insgesamt bietet das SV 8×25 DCF aber ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis in unserem Test.

Was gibt es sonst noch?

Mit 665 Gramm hat das Olympus 10×42 PRO das typische Gewicht eines 10×42-Glases und gehört zu den teuersten getesteten Ferngläsern. Die Leistung der Abbildung gehörte dank nur unwesentlicher Verzeichnung zu den besten im Test. Die Farbsäume wurden nicht optimal kontrolliert, dafür war die Ergonomie in Ordnung. Das übersichtliche Zubehör sowie die funktionsarme und sehr schlichte Tasche haben in Hinblick auf den hohen Preis einen Rüffel verdient.

Das Zeiss Terra ED 10×42 gehört zu den optisch besten Ferngläsern im Test und liefert bei uns eine ausgezeichnete Leistung ab. Die Handhabung ist abgesehen von den verstellsicheren, aber schwergängigen Okularen absolut in Ordnung. Wie alle anderen 10×42 Ferngläser bietet das Terra ED allerdings nur mittelmäßige Lichtstärke.

Das Bresser Pirsch ED 10×42 ist für das Gebotene etwas zu teuer, aber insgesamt ein gutes Fernglas. Die Gesamtergonomie bewerten wir als mittelmäßig. In Sachen Abbildungsleistung gibt es ein paar leichte Einschränkungen bei Verzeichnung, Farbsäumen und Randauflösung. Das Bildzentrum ist klar und scharf abgebildet. Die Tasche macht einen sehr guten Eindruck und das umfangreiche Zubehör weiß zu gefallen.

Im mittleren Preisbereich ist das Fujinon KF 8x42H zu Hause. Bei der Lichtstärke kann es wie alle 8×42-Binokulare von einer mit bescheidener Vergrößerung gepaarten, großen Objektivöffnung profitieren. Als ehrgeizig, wenn auch nicht aufsehenerregend lässt sich das breite Sehfeld von 131 Metern beschreiben. Einige Aspekte der Handhabung sind weniger gut und in Sachen Farbsäume, Detailkontrast und Randauflösung gibt es Potential für Verbesserungen.

Beim Leica Ultravid 8×20 handelt es sich um ein besonders leichtes und kleines Modell des deutschen Herstellers. Es gehört zu den lichtschwächsten und teuersten Gläsern im Test und zeigt Schwächen bei der Handhabung. Dafür leistet es sich mit seiner hervorragenden optischen Leistung und seinem Sehfeld von 113 Metern keine Schwächen. Die Tasche im Retro-Look ist hochwertig, für den Preis ist der Umfang des Zubehörs allerdings aus unserer Sicht zu knapp bemessen.

Am Kowa BD 8×25 können wir eigentlich nichts bemängeln, nur ist das unwesentlich teurere Terra ED 8×25 insgesamt einen Hauch überlegen. So besitzt das Sichtfeld des Zeiss etwas mehr Weite, hat aber keine Kappen. Die Dioptrienanpassung  und das Fokusrad fanden wir beim BD 8×25 etwas besser. Den Sieg im direkten Vergleich sichert sich der deutsche Hersteller aufgrund der größeren Klarheit. Trotzdem macht man mit dem Kauf des Kowa kauft nichts verkehrt.

Wissenswertes über Ferngläser

Ein Binokular oder Fernglas ist im Prinzip ein zweiäugiges (binokulares) transportables Fernrohr, das das räumliche Sehen in der Entfernung mit einer Vergrößerung des Bildes ermöglicht. 7- bis 10-fach sind gebräuchliche Vergrößerungsfaktoren. »Normale« handelsübliche Ferngläser haben meistens ein Gewicht von 200 bis 1.000 Gramm. Die Frontlinse und die vordere Gruppe von Linsen tragen die Bezeichnung Objektiv. Die Augenlinsen werden Okular genannt.

In unseren Test wurden zwei Porro-Ferngläser getestet, der Großteil der Testkandidaten waren jedoch Dachkant-Prismen-Gläser. Die Bauweise der Porrogläser ermöglicht einen größeren Abstand der Objektive, die so auf besondere Weise das plastische Sehen ermöglichen und den Stereoeffekt verbessern. Im Unterschied zur Porro-Bauweise mit versetzten Objektiven und Okularen ermöglichen die heutzutage dominierenden Dachkant-Prismen eine kompakte und gerade Bauweise.

Die verschiedenen Ferngläsern-Arten

Taschen oder Kompaktferngläser dienen üblicherweise eher zu Amateurzwecken. Das minimales Eigengewicht macht sie zu perfekten Reisebegleitern, allerdings zu Lasten ihrer Leistungsfähigkeit. Ein sehr gutes Beispiel für diese Fernglas-Kategorie ist das leichte und wirklich kompakte Leica Ultravid 8×20, das eine sehr gute Optikqualität bietet. Der bedingte Makel der markanten Lichtschwäche aufgrund der Bauart dieser Modell trifft auch hier zu.

Museums- oder Theaterferngläser müssen nicht allzu lichtstark sein. Sie benötigen kein großes Objektiv. Der Vergrößerungsfaktor um 5 reicht hier aus beziehungsweise ist bereits zu viel. Das kommt der Lichtstärke entgegen. Im Test lag der kleinste Faktor der Vergrößerung der Gläser bei 8.

Test Ferngläser: Universalfernglas im Einsatz
Ein Universalfernglas.

Klassische Feldstecher sind Universalferngläser, die beim Jagen, beim Militär oder sonstigen Beobachtungen benutzt werden können. Das Gewicht dieser Gläser liegt zwischen 500 und 1.000 Gramm. Das Gewicht am Gürtel sollte aber 500 Gramm nicht überschreiten. Gängige Objektivdurchmesser sind 42 und 50 Millimeter. Die typische Vergrößerungen sind 8- und 10-fach.

Mit einem Stativ benutzte Gläser – wie sie von Beobachtungspunkten für Touristen bekannt sind – oder fest installierte Gläser fallen unter die Kategorie Großferngläser. Auch auf Fahrzeugen installierte, in der Astronomie, der Grenzsicherung oder dem Militär eingesetzte Geräte fallen darunter.

Spezielle Ferngläser

Binocom der Nautic-Ferngläser sind extra für den Wassersport oder nautischen Bedarf optimiert. Das Eindringen von Wasser wird bei diesen Sichtgeräten meist durch eine Füllung mit Nitrogengas verhindert. Sie verfügen über eine besondere Druckresistenz und besitzen oft  (Glas-) Oberflächen, die daran angepasst sind.

Nachtferngläser haben eine höhere Lichtstärke und sind für Einsätze mit einer geringen Umgebungshelligkeit konzipiert. Hier ist meistens ein Vergrößerungsfaktor von weniger als 9 und Objektive mit großen Durchmessern anzutreffen.

Nachtfernrohre oder Ferngläser mit einem Restlichtverstärker verstärken geringste Wärme- oder Lichtquellen auf Hilfe von Elektronik um das bis zu Mehrtausendfache. Einige Geräte verfügen zusätzlich noch über ein Infarotlicht.

Ferngläser mit Zoom bieten eine änderbare Vergrößerung, was allerdings meistens mit ein paar Nachteilen bei der Optik wie einer geringeren Lichtstärke verbunden ist. Außerdem erhöht das aufwändige Linsensystem das Gewicht zusätzlich.

Das Gewicht der Ferngläser

Kompaktferngläser wiegen in der Regel weniger als 300 Gramm und finden oft in der Tasche der Hose bequem Platz. Für ein bequemes Tragen, wie beispielsweise am Gürtel, sollte das Gewicht nicht mehr als 500 Gramm betragen. Für Universalferngläser mit mehr Gewicht sollte bei etwas längeren Touren einen Rucksack oder eine Tragetasche dabei haben.

Im Test waren Ferngläser mit einem Gewicht von 220 bis 980 Gramm vertreten. Auch beim Größenunterschied der Gläser sah es ganz ähnlich aus. Es muss nicht von Nachteil sein, wenn ein Fernglas ein größeres Gewicht als eines gleicher Größe hat. Eine höhere Anzahl an Linsen bedeutet gleichzeitig auch mehr Gewicht, können aber auch ein Anzeichen für ein aufwändiges Optiksystem sein. Ausführungen aus Metall bedeuten zwangsläufig auch ein Mehr an Gewicht. Schwere und größere Ferngläser lassen sich einfacher in einer ruhigen Position halten als leichte beziehungsweise kleine.

Objektivdurchmesser und Vergrößerung

Die allgemeine Leistungsfähigkeit eines Binokulars geben die zwei maßgebenden Werte an. Die Bezeichnung 10×50 besagt, dass eine Zehnfachvergrößerung vorliegt und der Durchmesser des Objektives 50 Millimeter beträgt. Diese Werte geben jedoch wenig Auskunft über die grundsätzliche Qualität des Fernglases. Sie nehmen erst einmal auf Größe und Brennweite der Linsen Bezug. Aus diesen beiden Werten lassen sich Werte für Lichtstärke und Dämmerungszahl und die Austrittspupillengröße errechnen lassen.

Die Austrittspupille oder Austrittsblende

Für das Nacht- und Dämmerungsehen ist die Austrittspupille von essenzieller Bedeutung. Sie schreibt den Lichtaustritts-Durchmesser am Okular und wird durch Teilung des Durchmessers durch die Vergrößerung berechnet. Ein 10×50 Fernglas hat also eine 5 Millimeter Austrittspupille. Allgemein ermöglichen geringere Vergrößerungen und größere Objektivdurchmesser eine Vergrößerung der Austrittspupille.

Die Augenpupille des Menschen weist bei Tageslicht nur einen Gesamtdurchmesser von zwei bis drei Millimetern auf, sodass ein Teil des einfallenden Lichts von beispielsweise einer Austrittspupille mit einer Größe von 5 Millimetern nicht in das Auge eintreten kann. Bei guten Lichtverhältnissen ist mit einem schweren und großen Fernglas im Vergleich zu einem kompakten Fernglas für die Tasche mit einer Austrittspupille von 3,1 Millimeter (8,25) erstmal nicht allzu viel dazu gewonnen.

Dämmerungszahl und Lichtstärke

Die Lichtstärke gibt die rein rechnerische Fernglas-Helligkeit ohne qualitative Berücksichtigung der verwendeten Prismen und Gläser und deren Vergütungen an. Bei einem 7×50-Glas wird sie folgend berechnet: Lichtstärke = ( 50/7)² = 51.

Aus dem Objektivdurchmesser und der Vergrößerung wird die Dämmerungszahl berechnet. Die Rede ist von der Quadratwurzel des Produkts von Objektivdurchmesser und Vergrößerung. Hier gilt die Faustregel: Ein höherer Wert ist immer besser. Dämmerungszahl = Quadratwurzel (7 x 50) = 18,7.

Fernglas Test: Universal-Ferngläser
Aufgrund der größeren Objektive gelangt mehr Licht in die Universal-Ferngläser.

Die Transmission ist der Lichtdurchlässigkeitwert der verbauten Gläser und Linsen. Ein natürlicher Transmissions-Gegner sind Spiegelungen an den Oberflächen der Linsen.

Hier werden Vergütungen eingesetzt, um diese zu verringern. Das sind aufwändige technologische Beschichtungen, die neben der Transparenz auch noch weitere der optischen Merkmale verbessern. So können Ferngläser mit qualitativ gut vergüteten Linsen einen besseren Lichtstärkewert als schlechter vergütete Exemplare mit den gleichen Eckdaten bieten.

Aus den blumigen Hersteller-Marketing-Bezeichnungen ihrer Vergütungen ist die Qualität nicht ableitbar. Hier ist eventuell eine ergänzende Nachforschung erforderlich. Als Regel gilt, dass die Vergütungen der höherpreisigen Gläser von renommierten Optik-Herstellern wie beispielsweise Zeiss wahrscheinlich besser sind, wohingegen Sie bei einem billigen 3o-Euro-Modell froh sein können, wenn das Glas überhaupt eine Vergütung bekommen hat. Spricht man von der Vollvergütung, sollten alle Linsenoberflächen vergütet sein. Das ist gegenwärtig bei Gläsern an der Tagesordnung.

Ins Gewicht fällt auch die Qualität und Bauart der Spiegel-Prismen. Diese sind erforderlich, um das Bild in eine aufrechte Position zu stellen und bei den Porro-Gläsern mit den weiter auseinander stehenden Objektiven den Strahlengang umzuleiten.

Das Sichtfeld (oder Sehfeld)

Das Sehfeld ist die Bezeichnung für die optisch sichtbare Breite auf eine Entfernung von 1.000 Metern. Die Angabe von 120 Meter/1000 Meter bedeutet, dass in einer Entfernung von einem Kilometer ein Sichtfeld mit dem Durchmesser von 120 Metern zu sehen ist. Je stärker die Gerätevergrößerung ist, desto enger ist im Allgemeinen das Sichtfeld. Manchmal wird die Größe des Sehfeldes in Winkelgrad angegeben.  Wird dieser Gradwert mit 17,45 multipliziert, ergibt das den Wert in Meter. Ein 120-Meter-Sehfeld kann also außerdem eine Angabe von 6,88 Winkelgrad haben.

Ein höhere Breite des Sehfelds hat den Vorteils eines besseren Überblicks und das bedeutet eine Erhöhung des Sehkomforts. Um das Sehfeld zu erhöhen, werden bei manchen Gläsern Weitwinkelokulare verbaut. Diesen verdankt das DDoptics EDX Fieldstar 8×30 sein auffallend weites Sehfeld. Da im optischen Bereich nichts umsonst ist, haben Weitwinkelokulare auch Nachteile wie eine zunehmende Randunschärfe oder eine stärkere Verzeichnung.

Bei weitwinkligen Ferngläsern kann es außerdem zu Abschattungen im Sichtfeld kommen (»Kidney Beans«), wenn sich beispielsweise die Pupille nicht exakt in der optischen Achse des Okulars oder zu nah am Okular befindet. »Wandern« die Augen im Sehbereich, kann dies der Fall sein. Da die Pupille des Auges sich bei schwächer werdendem Licht vergrößert, kann auf gewisse Weise ein Toleranzbereich entstehen. Das Strahlenbündel kann dann auch noch komplett in die Pupille des Auges eintreten, wenn im Okular zur Seite, nach unten oder nach oben geschaut wird.

Die Pupillen-Distanz

Der Abstand zwischen den Okularen wird als Pupillendistanz bezeichnet. Dieser kann durch die Anzahl der Knickgelenke eines Fernglases verändert werden. Bei kompakten Ferngläsern ist der Abstand für einige Benutzer zu klein. Das kam in unserem Test allerdings nicht vor.

Fernglas Test: Kompaktferngläser
Alle von uns getesteten Kompaktferngläser.

Abbildungsfehler

Im Gegensatz zu einem Foto-Zoomobjektiv ist ein Fernglas ein vergleichsweise simpel aufgebautes Optiksystem. Auch Binokulare weisen, wie alle optischen Systeme, sogenannte Abberationen oder Abbildungsfehler auf.

Als chromatische Aberrationen werden Farbsäume oder Farbfehler an den kontrastreichen Objektkanten bezeichnet. Diese finden sich vor allem an günstigeren Optiken.

Das menschliche Auge sieht lediglich in einem äußerst engen Winkelbereich richtig scharf, der allerdings deutlich geringer als das Okular-Gesichtsfeld ist. Die Randschärfe des Fernglases ist daher auch von gewisser Wichtigkeit. Ist sie vermindert, handelt es sich auch um einen Abbildungsfehler.

Koma ist eine Besonderheit, bei der die Lichtbündel von punktförmigen Beleuchtungskörpern wie etwa den Sternen ungleichmäßig abgebildet werden. Das ist besonders am Sichtfeldrand zu bemerken. Sterne lassen sich nicht scharf stellen, wirken diffus und haben beispielsweise eine Art optischen Schweif. Stichproben in unserem Test haben nur kleinere Probleme mit Koma aufgezeigt. Da dieser Abbildungsfehler eher in der Weltraumforschung wichtig ist, haben wir ihn in unserem Test nicht berücksichtigt.

Die Verzeichnung ist ein weiterer maßgeblicher Abbildungsfehler, die meist in einer Kissen- oder tonnenförmigen Form auftritt und gerade Linien am Bildrand krümmt. Bei den getesteten Ferngläsern konnte von uns nur die erste Variante beobachten werden, für die gerade die Binokulare mit Weitwinkel anfällig sind.

So haben wir getestet

Wir haben uns eine große Menge von Binokularen in einem preislichen Bereich von 30 bis über 600 Euro angesehen und 26 aktuelle Gläser für den Test ausgewählt. Dabei wurden von uns sowohl namhafte Hersteller als auch vielversprechende, aber weniger bekannte Produzenten berücksichtigt.

Im Testrahmen wurden die Ferngläser von uns auf zahlreiche qualitative, ergonomische und optische Kriterien untersucht und eine Bewertungstabelle mit unterschiedlichen Priorisierungen erstellt. Auf einige für die Bewertung relevante Eigenschaften gehen wir hier kurz ein.

Fernglas Test: Panorama
Ein Panorama auf der Südseite bietet fast alles Nötige für eine Beurteilung der Optik-Qualität der Ferngläser.

Der von einem Fotoobjektiv bekannte Bild-Stabilisierer (»Image Stabilizer«, oder »IS«) findet sich lediglich bei einem von 22 getesteten Modelle. Aufgrund seines Vergrößerungsfaktors lässt sich das Canon 8X25 IS Binocular so schon ziemlich ruhig halten. Wenn man den Schalter für die Stabilisierung gedrückt hält, scheint das Bild fast wie eingefroren zu wirken. Sinn ergibt diese Konzept erst bei einer noch stärkeren Vergrößerung.

Wir finden es von Vorteil, wenn es bei den Gläsern hinten und vorne Schutzkappen gibt. Die Kappen sollten Ösen für eigene Lösungen bieten oder sich zu mindestens am Glas befestigen lassen.

Das Rad für die Zentralfokussierung ist das zentrale Bedienelement jedes Binokulars. Dazu sollten Sie wissen, dass 10-fach-Ferngläser im Test grundlegend mehr Angleichung brauchen, wenn von einem nahen Objekt auf ein Fernes geschwenkt wird. Der Grund ist, dass die Tiefenschärfe bei einer stärkeren Vergrößerung geringer ist. Wir haben uns Übersetzung, Lauf und Erreichbarkeit der verschiedenen Fokusräder angesehen.

Eine gewöhnliche Fehlsichtigkeit ohne eine stärkere Verkrümmung der Hornhaut oder andere Charakteristiken lassen sich durch die Zentralfokussierung an einem Binokular ausgleichen. Für Nutzer, deren linkes und rechtes Auge eine abweichende Fehlsichtigkeit aufweist, verfügen viele der Gläser über eine integrierte Dioptrienkorrektur. Die jeweiligen Lösungen wurden von uns auf ihre Ergonomie überprüft.

Diese befindet sich gemeinhin direkt am rechten der Okular, wo sie nach unserer Erfahrung auch hingehört. Man schließt das rechte Auge, visiert ein nahestehendes Objekt an und justiert mit dem Fokusrad stellt mit dem mittigen Fokusrad scharf. Dann wird das linke Auge geschlossen und das rechte geöffnet, um mit der Dioptrienkorrektur die Sicht für das rechte Auge ebenso scharf zu stellen.

Wie weit die Entfernung des Auges vom Okular betragen muss, gibt der Brennpunkt an. Durch justierbare Naturkautschuk- oder Gummi-Augenmuscheln kann der Abstand angepasst werden. Bei »Brillenträger-Okularen« (für Träger von Brillen mit stärkeren Gläsern) muss der Brennpunkt weiter hinten liegen. Wichtig ist hier, ob das Glas durch das Andrücken an Brille oder Gesicht wieder ins Binokular-Gehäuse geschoben werden und ob der Widerstand beim Verstellen angenehm ist.

Da es beim Wasserschutz große Unterschiede gibt, war uns wichtig, ob das Binokular in alltäglichen Situationen wetterfest ist. Im Test traf das auf beinahe jedes Modell zu. Sollte mit Unterwassersituationen oder harten, dauerhaften Wettereinsätzen gerechnet werden, empfehlen wir die Webseiten der Hersteller zu konsultieren.

Einen Stativanschluss brauchen die meisten Nutzer wahrscheinlich eher nicht. Es kann aber auch nicht schaden. So findet er zum Beispiel bei der Sternbeobachtung Anwendung. Bei den getesteten Gläsern war er gegebenenfalls mit einer Abdeckschraube ausgestattet.

Eine Tasche lag jedem der getesteten Ferngläser bei. Sonstiges Zubehör, welches wir oft antrafen, bestand beispielsweise aus Mikrofasertüchern, Garantieunterlagen, Trageriemen, Abdeckkappen und mehr oder weniger ausführliche Bedienungsanleitungen. Qualität und Umfang sind ebenfalls zu einem kleinem Teil in unsere Bewertung eingeflossen.

Die Abschnitte Austrittspupille, Dämmerungszahl und Lichtstärke haben wir schon näher beleuchtet. Hier wurden von uns die errechneten Werte herangezogen. Zusätzliche (subjektiv) maßgebende Kriterien sind der Detailkontrast, die Klarheit, Schärfe und natürlich die Auflösung. Außerdem wurde von uns bewertet und geprüft, wie stark eventuelle Abbildungsfehler sind und ob sie überhaupt vorliegen.

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