Test: Road Bike Shoe

Herren-Rennradschuhe im Test : Für einen schnellen Antritt

Veröffentlicht 27.11.2020

Bereits vor einigen Jahren sind bei Rennrädern Radschuhe zur Norm geworden, die mit Klickpedalen kompatibel sind. Vor 40 Jahren waren noch Lederschuhe mit Hackenpedale erhältlich, nun gibt es spezielle Rennradschuhe mit sensibel auslösender Klickpedale. Wir haben 10 Modelle getestet.

Arnold Zimprich
ist Autor und Outdoor-Freak und testet für verschiedene Magazine Sportartikel und Outdoor-Produkte. Er schreibt unter anderem für Alpin, das Bergzeit-Magazin und die Alpenvereins-Magazine Panorama und Bergauf.

Die modernen Rennradschuhe sind aus Kombinationen diverser raffinierte Kunstfasern hergestellt und mit verschiedenen technischen Funktionen ausgestattet. So bieten viele Modelle Schnellschnürsysteme, komfortable Fußbetten und strategisch positionierte Belüftungssysteme. Bei der Wahl des richtigen Schuhs sind aber auch Passform, Preis-Leistungs-Verhältnis, Funktionalität und Kraftübertragung wichtig.

Unter all diesen Faktoren haben wir 10 Modelle aus allen Preiskategorien getestet.

Vergleichstabelle
Vergleichstabelle
Italienisches DesignFür lange TourenFür KurstreckenKlassischGünstig
Test: Gaerne G. TornadoTest: Vaude Rd Snar ProTest: Sundried Men's Pro Road Cycling ShoesTest: Sidi Alba 2 Cycling ShoesTest: Luck Evo Red Road Cycling Shoes
Modell Gaerne G. Tornado Vaude RD Snar Pro Sundried Men's Pro Road Cycling Shoes Sidi Alba 2 Luck Evo
Pro
  • Geringer CO2-Abdruck dank Produktion in Italien
  • Tolle Passform bei schmaleren Füßen
  • Pedalplatte längenverstellbar
  • Elegante Erscheinung
  • Geradliniges Design
  • Toller Halt
  • Angenehmes Fußbett
  • Viel Technik für wenig Geld
  • Schnellschnürsystem
  • Leichte Konstruktion
  • Anti-Rutsch-Material am Heck
  • Ausgezeichnete, langlebige Verarbeitung
  • Präzises Schnürsystem
  • Bester Halt im Test
  • Made in Spain
  • Überzeugende Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Komfortables Fußbett
  • Auffällige Fersenreflektoren
Contra
  • Nichts für "Breitfüßer"
  • Verschmutzt leicht
  • UVP relativ teuer
  • Hartes Fußbett
  • Vergleichsweise klobige Gestalt
  • Vergleichsweise teuer
  • Schwerster Schuh im Test
  • Etwas lockerer Sitz
Bester Preis
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Italienisches Design: Gaerne G. Tornado

Italienisches Design

Gaerne G. Tornado

Test: Gaerne G. Tornado
Ein Schuh, der von der Bedienfreundlichkeit und in Sachen Komfort seinesgleichen sucht: Leicht bedienbares, festes Schnürsystem und elegantes, zeitloses Design.

Der G. Tornado des italienischen Herstellers Gaerne ist hochwertig verarbeitet, gradlinig designt und dadurch zeitlos schön. Er ist relativ schmal zulaufend und erinnert so fast an einen modernen Herrenschuh. Das Siegel Made in Italy bedeutet auch kurze Lieferwege statt langer Anreise aus Fernost. Somit ist der G. Tornado vor allem für Leute interessant, die einen gewissen Wert auf den Öko-Aspekt legen.

Der Rennradschuh kommt ohne Klettverschluss aus und hat ein leichtgängiges BOA-L-6-Schnellschnürsystem. Das sorgt für einen guten Halt und auch das Fußbett ist angenehm. Außerdem ist der Schuh durch zügige Schnürvorgänge im Handumdrehen einsatzbereit und kann auch schnell im Fahren nachjustiert werden.

Zusätzlich gibt es sinnvolle Details wie reflektierende Applikationen am Heck. Die Carbon-Nylon-Sohle ermöglicht eine ausgezeichnete Kraftübertragung und somit einen sehr direkten Antritt. Mit dem Gaerne G. Tornado lassen sich auch kurze Strecken zu Fuß zurücklegen, ohne sofort wegzurutschen.

Für lange Touren: Vaude RD Snar Pro

Für lange Touren

Vaude RD Snar Pro

Test: Vaude Rd Snar Pro
Unkomplizierter, leichter und gutmütiger Rennradschuh mit schönem, leichtgängigen Schnürsystem.

Der RD Snar Pro ist ein Modell aus der Snar-RD-Serie des Outdoor-Ausstatters Vaude. Das Design ist funktional, schnörkellos und unprätenziös, aber in einem edlen Schwarz-Weiß gehalten. Der Schuh ist vor allem für lange und harte Rennradeinsätze konzipiert.

Der Schuh überzeugt auch auf langen Touren mit einem harmonischen Sitz: Die Schuhzunge ist weich, wirkt dabei aber nicht schwammig. Das Fußbett hat die richtige Mischung aus ausreichend Komfort und guter Kraftübertragung. Neben der BOA-Schnellschnürung gibt es einen Klettverschluss auf der Vorderseite. Die Sohle besteht statt aus Carbon aus unscheinbarem Kunststoff.

Auch bei nassen Verhältnissen bietet der RD Snar Pro einen bequemen Sitz ohne Reibungen. Der Fersenbereich hat einen speziellen Anti-Schlupf-Stoff, der ein Rausrutschen der Ferse aus dem Rennradschuh verhindert. Alles in allem ist der Rennradschuh von Vaude überaus empfehlenswert.

Für Kurzstrecken: Sundried Men’s Pro Road Cycling Shoes

Für Kurstrecken

Sundried Men's Pro Road Cycling Shoes

Test: Sundried Men's Pro Road Cycling Shoes
Viel Schuh für wenig Geld: Relativ hartes Fußbett, für Kurzstrecken aber gut geeignet.

Die Sundried Men’s Pro Road Cycling Shoes haben sowohl einen Klettverschluss als auch ein Schnellschnür-System. Dabei handelt es sich aber nicht um das bewährte BOA-System, sondern um eines des eher unbekannten Anbieters »atop«. Hier wird der Drehknopf nicht herausgezogen, um die Schnürung zu lösen. Stattdessen muss er im Uhrzeigersinn gedreht werden.

Das Fußbett fällt recht hart aus und die Zunge ist etwas dick gepolstert. Dadurch wirkt der Schuh im Vergleich etwas klobig. Auch dieser Schuh hat Anti-Schlupf-Material im Fersenbereich: Das Material sperrt sich, wenn der Fuß in der Antriebsbewegung hoch gezogen wird und verhindert ein Herausrutschen der Ferse.

Für den Preis ist der Schuh detailverliebt gebaut, punktet mit viel Technik und macht auch optisch etwas her. Das Schnellschnürsystem funktioniert ganz anständig, der Tragekomfort hat allerdings Verbesserungsbedarf. Daher eignen sich die Men’s Pro Road Cycling Shoes vor allem für kurze und mittlere Strecken von höchstens 80 Kilometern.

Klassisch: Sidi Alba 2

Klassisch

Sidi Alba 2

Test: Sidi Alba 2 Cycling Shoes
Wertiger, ausgezeichnet verarbeiteter Schuh mit sehr präzisem Schnellschnürsystem und tollem Halt

Im traditionellen Sidi-Design kommt der Alba 2 daher: Die Ferse ist in rot gehalten und hat das Sidi-typische Feuerball-Emblem. Der Oberschuh ist schwarz, weiß und rot und bietet das Tecno-3-Schnellschnürsystem von Sidi. Das Qualitätsniveau des Rennradschuhs ist sehr gut – wie man es von Sidi gewohnt ist.

Der Alba 2 hat in der normalen Form bereits eine rechte breite Passform, es gibt aber auch noch eine breitere Variante auf dem Markt. Der Rennradschuh bietet mit seiner hochfesten Sohle im Test die beste Kraftübertragung – beim Ziehen und Drücken. Die Passform ist wie vom Schuhmachermeister.

Der einzige Kritikpunkt ist das Gewicht: Als einziger Rennradschuh im Test wiegt er über 700 Gramm. Das bedeutet zum einen, dass der Sidi Alba 2 sehr stabil und langlebig ist. Zum anderen ist er so weniger für »Leicht & Schnell«-Rennradfahrer geeignet, denen es vor allem um eine sehr leichte Ausrüstung geht. Vielmehr richten sich die Schuhe von Sidi an qualitätsbewusste Radfahrer, die sich zu hundert Prozent auf ihr Material verlassen können wollen und auch bereit sind, dafür etwas mehr Geld zu investieren.

Günstig: Luck Evo

Günstig

Luck Evo

Test: Luck Evo Red Road Cycling Shoes
Gutmütiger, bequemer und fußschmeichelnder Schuh mit guten Fahreigenschaften. Perfekt für Einsteiger!

Der Luck Evo bedient sich recht unverhohlen am Design des italienischen Herstellers Sidi: Auch dieser Schuh ist in Schwarz, Weiß und Rot gestaltet. Der Begriff Luck wiederum erinnert an die angesehene Zubehör- und Fahrradmarke Look aus Frankreich. Der Rennradschuh selbst wurde in Spanien produziert, was einen kurzen Lieferweg bedeutet.

Die Passform des Schuhs ist sehr breit und bietet somit viel Bewegungsfreiheit. Die Klettverschlüsse haben einen breiten Verstellbereich und sind recht lang. Zudem sind sie anfangs etwas steif, das gibt sich aber nach der Zeit. Sie neigen außerdem dazu etwas nachzugeben. Das Fußbett ist durchaus bequem. Bei längeren Anstiegen wäre beim »Ziehen« ein bisschen mehr Festigkeit wünschenswert.

Für den Preis hinterlässt der Luck Evo vor allem beim Tragekomfort einen zufriedenstellenden Eindruck. Hier hat man das Gefühl, einen ordentlich geschusterten Schuh zu tragen. Allerdings ist er für Menschen mit schmalen Füßen aufgrund der breiten Passform eher nicht empfehlenswert.

Was gibt es sonst noch?

Der Shimano RC5 ist bis auf ein paar schwarze Elemente komplett blau gehalten. Der BOA-Schnellverschluss ist transparent und gibt so einen Einblick in das simple, aber gute BOA-Innenleben. Der Rennradschuh muss zunächst etwas eingefahren werden, danach hat er aber eine angenehme, wenn auch schmale Passform. Somit ist er eher nichts für breite Füße. Dank dieser engen Passform, der präzisen Schnürung und dem festen Material hat der Rennradschuh eine beeindruckende Kraftübertragung. Die Sohle ist mit Kohlefaser verstärkt und angenehm steif, das Fußbett ist eher hart. Dieser Rennradschuh ist eher nicht für Einsteiger geeignet, sondern eher für versierte und ambitionierte Rennradfahrer.

Der CB-R04 ist, wie die Marke XLC insgesamt, eher in der unteren Preisklasse zu finden. Der Schuh ist schlicht und vollständig in schwarz gestaltet. So lässt er sich vielfältig kombinieren. Der Rennradschuh verfügt nur über drei Klettverschlüsse und nicht über ein Schnellschnürsystem. An die Sohle aus Hartplastik lassen sich auch MTB- und Tourenrad-Cleats anbringen. Allerdings rutscht man auf der Sohle schnell aus und das Material nutzt sich ebenfalls schnell ab. Das Fußbett ist bretthart: Dies ist für kurze Strecken kein Problem, auf längeren Touren wäre mehr Komfort wünschenswert. Der Rennradschuh ist vor allem für Radfahrer empfehlenswert, die wenig Geld ausgeben wollen, eher kleinere Touren fahren und einfach einen Schuh mit guten Funktionen wollen.

Die teuersten Rennradschuhe im Test sind die Classic Shoes von Rapha. Von der Optik erinnern die Schuhe an traditionelle Leder-Radschuhe. Alles andere ist aber sehr modern gestaltet: Das Obermaterial ist aus Mikrofaser, die Oberfläche ist glänzend grau und bunt schillernd. Somit sind diese Radrennschuhe echte Hingucker. Die Sohle ist TPU-beschichtet, hochfest und zudem einigermaßen rutschfest. Im Pedalbereich ist sie carbonverstärkt. Die Sohle sorgt für eine sehr gute Kraftübertragung, bietet einen direkten Antritt und die Passform ist sehr komfortabel. Sie ist angenehm breit und bietet im Zehenbereich viel Raum. Der Rennradschuh ist zudem sehr pflegeleicht – es reicht aus, einmal feucht drüberzuwischen. Im Bereich Funktionen haben andere Produkte die Nase vorn, Rapha bedient eher Rennrad-Lifestyle und Optik.

Wissenswertes über Herren-Rennradschuhe

Die meisten Rennradschuhe sind mit einem BOA-Schnellschnüsystem ausgestattet: Dabei wird ein filigraner, aber fester Nylonfaden auf eine Spule, die sich in einem Drehknopf befindet, aufgerollt. Über eine Rasterung in der Spule wird der Nylonfaden beim Aufrollen fixiert. Wird an dem Drehknopf gezogen, klinkt sich die Rasterung aus und die Schnürung lasst sich problemlos öffnen. Der Nylonfaden bietet besseren Halt, der Schnürvorgang ist schneller und kann auch beim Fahren einfach nachjustiert werden.

Rennradschuhe sind allein zum Rennradfahren konzipieren. Das Profil ist dementsprechend nur mit kleinen »Bodenkontaktflächen« oder Stollen ausgestattet. Diese bieten für kurze Strecken zu Fuß lediglich etwas Kippsicherheit. Der kurze Gang in den Supermarkt oder ins Cafe ist somit kein Problem. Möchte man größere Strecken gehen, sollte man eher auf einen »gutmütigeren Tourenschuh« zurückgreifen.

Im Rennradsektor haben sich vier Pedaltypen durchgesetzt: Look, Shimano SPD-SL, Speedplay und Time. Hier wird die Kraft über recht voluminöse Plastikelemente – Cleats oder Pedalplatten – übertragen. Diese schraubt man an die Rennradschuhe und schon wird die Beinkraft auf den Antrieb übertragen. Durch die Cleats sind Schuh und Pedal großflächiger verbunden, was jene Übertragung optimiert.

Rennradschuhe sind also Teil des Antriebs und sollten daher relativ passgenau sitzen. Zu viel Spiel würde zu Reibungen und unharmonischen Bewegungsabläufen führen. Beim Rennradfahren wird im Antriebsvorgang nach unten logischerweise auf das Pedal gedrückt und bei der Aufwärtsbewegung an der Kurbel gezogen. Ist hier der Rennradschuh zu groß, wird der Vorgang weniger effektiv.

So haben wir getestet

Die Rennradschuhe wurden über einen Zeitraum von drei Monaten getestet. Die Touren hatten dabei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und waren zwischen 25 und 150 Kilometer lang. Die Schuhe wurden dabei nicht nur auf einem Rennrad, sondern auch auf einem Gravelbike genutzt. Bewertet wurde unter anderem die Kraftübertragung bei kurzen, heftigen Steilanstiegen.

   Unsere Empfehlungen sind redaktionell unabhängig.

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