Test: Fahrradhose

Fahrradhosen im Test : Bequem und gut gepolstert

Veröffentlicht 23.11.2020

Wer viel Rad fährt, wird den Komfort einer Fahrradhose zu schätzen wissen. Sie sollte bequem und von guter Qualität sein und unabhängig vom gefahrenen Rad und verwendeten Sattel ihren Zweck erfüllen. Dabei gibt es allerdings ganz unterschiedliche Modelle.

Arnold Zimprich
ist Autor und Outdoor-Freak und testet für verschiedene Magazine Sportartikel und Outdoor-Produkte. Er schreibt unter anderem für Alpin, das Bergzeit-Magazin und die Alpenvereins-Magazine Panorama und Bergauf.

Eine Fahrradhose kaufen – schon beim Gedanken an diese Aufgabe verdrehen die meisten die Augen. Es gibt eine Vielzahl an Einsatzbereichen, Formen und Marken. Und doch verbindet alle eine Gemeinsamkeit: Sie müssen eine guten Sitz haben. Während einer Testphase von zwei Monaten haben wir uns unterschiedliche Hosen genauer angeschaut – von der Luxus Pant bis zur günstigen Hose.

Beim Ringen um die Gunst der Käufer lassen sich die Hersteller eine Menge einfallen, um auf ihre Produkte aufmerksam zu machen: Grazile Silikon-Applikationen werden mit Flachnähten kombiniert, Materialien aus Stretch treffen auf abriebfeste und robuste Stoffe. Wir haben 16 teilweise ganz unterschiedliche Fahrradhosen getestet und für jeden eine passende Empfehlung parat.

Vergleichstabelle
Vergleichstabelle
LeistungsfähigBella ItaliaFür KennerFür die KurzstreckeRobust
Test: Cycorld Mtb Hose Herren RadhoseFahrradhose Test: Alé Bibshort Solid Picture 6 WhiteTest: Pearl Izumi Pro Bib ShortsTest: Nooyme Radlerhose Herren Mit Sitzpolster 3dTest: Endura Hummvee Ii
Modell Cycorld MTB Hose Herren Radhose Alé Solid Corsa Bib Short Pearl Izumi Pro Bib Shorts Nooyme Radlerhose Herren mit Sitzpolster 3D Endura Hummvee II
Pro
  • Unschlagbarer Preis
  • Integrierte Innenhose
  • Angenehmer Stoff
  • Umfassende Ausstattung
  • Gutes Klimamanagement
  • Optimal dimensioniertes Sitzpolster
  • Komfortable Träger
  • Gute Atmungseigenschaften
  • Ausgereifter Schnitt
  • Dezentes Design
  • Hoher Tragekomfort
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Ausgezeichnetes Klimamanagement
  • Silikoneinsätze gegen Verrutschen
  • Komfortable Träger
  • Günstigste Hose im Test
  • Ausreichend komfortables Sitzpolster
  • Zufriedenstellende Materialeigenschaften
  • Reichhaltigste Ausstattung im Test
  • Inklusive Innenhose
  • Hosenbund mit Gürtel
  • Regulierbare Belüftung
  • Angenehmer Stoff
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Contra
  • Mängel bei der Vernähung am Hüftsaum
  • Etwas wulstige Silikonapplikationen
  • Teuer
  • Etwas wulstiger Bund
  • Schwer
  • Vergleichsweise enge Beinabschlüsse
Bester Preis

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Leistungsfähig: Cycorld MTB Hose Herren

Leistungsfähig

Cycorld MTB Hose Herren Radhose

Test: Cycorld Mtb Hose Herren Radhose
Toll ausgestattete Mountainbike- und Tourenhose zu unschlagbarem Preis. Kleine Abstriche bei der Verarbeitung – für Gelegenheitsfahrer und Wochenendtouren jedoch absolut ausreichend.

Was der chinesische Hersteller Cycorld bei seinem Modell MTB Herrenhose für so wenig Geld bietet, erstaunte uns. Ein Blick auf die Internetseite des Unternehmens wirkte auf uns allerdings wenig vertrauenserweckend: Die Gründung durch eine gewisse »Amy« und einen »Bourne« nehmen wir der Firma nicht so richtig ab. Dafür beeindruckte die Hose während unseres Tests – auf einer Bike&Hike-Radtour mit circa 1.200 Höhenmetern – mit einer tollen Leistung.

Das bequeme Innenhosenpolster ist stark vorgeformt, besitzt eine gewisse Steifheit und ist irgendwie ein bisschen störrisch. Für Touren bis 30-40 Kilometer und Kurzstrecken ist es aber angemessen komfortabel. Das Material der Innenhose besteht zu 100 Prozent aus Mesh-Material. Daher sollte sie nur als Unterziehhose getragen werden. Wird sie allein getragen, kann sie unerwünschte »Einblicke« gewähren. Obwohl der Innenhosenbund relativ schmal ist, schnitt er während unserer Tour nicht ein. Beim Reißverschluss im Hosenschritt setzt die Firma auf die Qualitätsmarke YKK. Die restlichen Reißverschlüsse sind von No-Name-Anbietern. Hier ist deutlich ein Sparzwang zu spüren.

Bei der »Haupthose« wird dem Käufer einiges geboten: Oberschenkeltaschen, die mittels zwei unterschiedlicher Reißverschlüsse zu öffnen sind und seitliche Eingrifftaschen ohne Reißverschluss. Fahrradfahrer, die viel Kleinkram mit sich herumschleppen, werden von diesem Taschenaufgebot wohl begeistert sein. Praktisch: Trotz der Gürtelschlaufen am Hüftbund hat Cycorld zwei zusätzliche Klettverschlüsse eingebaut, über die sich die Hose anpassen lässt. Da der Verstellbereich etwas klein ist, hätte die Länge der Klettbänder hier gern etwas länger dimensioniert sein können. Ein weiterer kleiner Nachteil sind die Nähte des Einsatzes aus Stretch unter dem Bund der Hüfte. Diese wirken sehr filigran und ließen bei uns die Frage aufkommen, wie viel Belastung die Nähte aushalten, ohne dabei kaputt zu gehen.

 Test: Cycorld (2)
Die Cycorld-Radhose überzeugt mit einer praktischen Klettverstellung am Saum, einer Vielzahl von Taschen und einem bequemen Sitz.

Im Großen und Ganzen überzeugte uns die Cycorld-Hose aber. Egal ob man auf einem E-Bike, einem Tourenrad oder einem Mountainbike sitzt, der Stoff war komfortabel und der Schnitt bewegungsfreundlich. Perfekt finden wir außerdem, dass die Hose für Radtouren mit unterschiedlichen Längen ausgestattet ist. Allerdings sollten Ausdauerprofis und qualitätsbewusste Langstreckenfahrer lieber auf die Anschaffung der Cycorld verzichten, denn die qualitative Verarbeitung wirkt bei der Hose an manchen Stellen billig. Die Klettverstellung hätte etwas sorgfältiger durchdacht sein können, und mit der Innenhose sind wahrscheinlich auch nur eher kürzere Strecken möglich.

Bella Italia: Alé Corsa Solid Bib Short

Bella Italia

Alé Solid Corsa Bib Short

Fahrradhose Test: Alé Bibshort Solid Picture 6 White
Eine schön verarbeitete Hose direkt aus Bella Italia – Alé macht vor, woran sich andere die Zähne ausbeißen. Komfortabel, leicht, tolles Klimamanagement.

Im Unterschied zu vielen anderen der von uns getesteten Radlerhosen wird die Corsa Solid Bib Short von Alé im europäischen Raum hergestellt. Nämlich in einer, wenn nicht der Radsport-Nation schlechthin: In Italien. Hersteller Alé zeigt damit, dass Bekleidung im Radsport-Sektor nicht zwangsläufig aus Fernost kommt.

Wir stürzten uns sofort in den Test und trugen die Hose während einer Gravelbike-Fahrt auf einer 155-km-Tour über verschiedene Alpenpässe. Auf so einer Tour werden schnell die Unterschiede zwischen den Radhosen deutlich. Hinterher waren wir von der Hose mehr als angetan. Das dünne Polster arbeitet so, wie es soll: Es rieb nicht, war komfortabel und blieb optisch unauffällig. Die Träger der Hose sind perfekt dimensioniert. Sie besitzen eine gute Breite und lassen sich beispielsweise besser tragen als die extrem schmalen Hosenträger der Rh+. Die Fahrradhose verfügt an ihren Beinen über einen etwas längeren Schnitt als die Mehrheit der anderen Konkurrenzmodelle. Das ist aber kein Nachteil – bei zugigen Abfahrten hält sie so etwas wärmer.

Nach einem Gewitterschauer trocknet das Material sehr schnell – wesentlich schneller als bei günstigen Modellen. Ein kleiner Nachteil fiel uns aber doch auf: Die Applikationen aus Silikon an den Beinabschlüssen der Hose neigten im Test etwas zum Reiben. Die etwas wulstigere Form im Vergleich zu den Hosenmodellen von Rh+, Pearl Izumi und Shimano scheint der Grund dafür zu sein. Ungeachtet dessen mögen wir die Alé Solid Corsa Bib Short. Bei dem preiswerten italienischen Modell stimmt einfach der Gesamteindruck.

Für Kenner: Pearl Izumi Pro Bib Shorts

Für Kenner

Pearl Izumi Pro Bib Shorts

Test: Pearl Izumi Pro Bib Shorts
Fahrrad-Trägerhose der Spitzenklasse mit ausgezeichnetem Tragekomfort, optimal dimensioniertem Polster und überragenden Materialeigenschaften.

Keine Preise gefunden.

Schon seit einigen Jahren ist der Hersteller Pearl Izumi ein Garant für langlebige, zurückhaltend designte und funktionale Bekleidung für das Fahrrad. Unter Fahrrad-Liebhabern ist das schon lange ein offenes Geheimnis.

»Pearli«, wie das Label von vielen Kennern bezeichnet wird, blickt auf über 70 Jahre Fertigungs-Erfahrung von Radbekleidung zurück, was wir der Pro Bib Shorts im Test sofort anmerkten. Durch die Fertigung aus sieben einzelnen »Pro Transfer«-Stücken passt sie sich nahezu perfekt dem Radlerkörper an und besitzt leicht zusammenziehende Eigenschaften. Beinabschlüsse und Träger sind mit dem Laser geschnitten, was beim Tragen sofort erfreulich fühlbar ist. Schon das Anziehen der Hose ist eine Wohltat, ganz abgesehen von den Eigenschaften beim Tragen, wenn man  unterwegs ist. Davon konnten wir uns selbst auf einer 80-Kilometer-Tour überzeugen.

Die Träger kommen mit wenigen Nähten aus und tragen sich aufgrund des Materials sehr angenehm. Am Saum der Beine wurden gar keine Nähte verarbeitet. So trägt dieser nicht auf. Eine Ausstattung mit Silikonapplikationen verhindert ein Hochrutschen. Besondere Begeisterung löste das wenig strukturierte und weiche Sitzpolster bei uns aus. Es schmiegt sich dem Gesäß auf optimale Weise an, hat genau die optimale Dicke, um dabei nicht aufzutragen und nicht zu reiben. Die herausragenden Stretcheigenschaften gefielen uns sehr gut.

Wer sich bisher mit einer zu unflexiblen Hose herumgeplagt hat, wird mit der Pearl Izumi Pro Bib Shorts sehr begeistert sein. Die Hose glänzt zwar bei Verarbeitung und Tragekomfort, dafür ist der Verkaufspreis nicht gerade allzu günstig. Im Internet bekommt man sie mittlerweile etwas günstiger.

Für die Kurzstrecke: Noomye Radlerhose Herren

Für die Kurzstrecke

Nooyme Radlerhose Herren mit Sitzpolster 3D

Test: Nooyme Radlerhose Herren Mit Sitzpolster 3d
Günstige, aber erstaunlich komfortable trägerlose Rennradhose mit bequemem Sitzpolster. Perfekt für Kurzstreckenausritte und kleine Budgets.

Die Noomye Radlerhose Herren ist die preisgünstigste Tight in unserem Testfeld. Die Haptik der Hose erinnerte uns an das Hosenmodell von Souke, Hersteller Noomye verwendet jedoch weniger Nähte. Die Hose kommt in komplett schwarzer Farbe daher. Wenn man sich das Sitzpolster anschaut, fällt auf den ersten Blick kein Unterschied zwischen den Radlerhosen auf.

Spontan testen wir die Hose auf einer morgendlichen 40 Kilometer-Runde auf einem Rennrad. Der Eindruck: Die Hose bietet mehr als ihre im Billigsektor beheimatete Gegenspielerin von Souke. Die Polster mögen zwar eine ähnliche Dicke haben, das Polster der Noomye fühlt sich für uns aber nicht so voluminös und schwammig an. Die Radlerhose wurde bei unserem »Ausritt« ziemlich gefordert, denn die kleine morgendliche Testrunde hatte es fraglos in sich: Zügige Abfahrten, schnelle Antritte, steile Anstiege. Das günstige Modell absolvierte alles mit Bravour, Grund zur Kritik gab es wenig.

In einem Satz: die Noomye Radlerhose hat die Tester auf der gefahrenen Kurzstrecke absolut überzeugt. Allerdings nur bis zu einem bestimmten Grad, denn in Sachen Qualität kann die Radlerhose nicht mit preislich teureren Konkurrenzmodellen mithalten. Der etwas voluminöse, schmale Stretchbund wird wahrscheinlich bei längeren Strecken ab etwa 80 Kilometer dann einschneiden. Aber wir mutmaßen nur, denn manchmal reicht einfach eine unproblematische, günstige und gut funktionierende Radlerhose für eine Tour mit der Familie an den nahen See oder eine schnelle, morgendliche Ausfahrt. An dieser Stelle punktet die Noomye. Sie bekommt von uns daher den Tipp für den sparsamen Radfahrer.

Robust: Endura Hummvee II

Robust

Endura Hummvee II

Test: Endura Hummvee Ii
Die Hummvee II ist die am umfangreichsten ausgestattete Testhose. Robust, schön verarbeitet, mit breitem Bund und tollem Verstellsystem. Eine durchdachte Hose für All Mountain-Fahrer und Mountainbiker.

Die Radhose Endura Hummvee II wirkt förmlich ein Panzer. Das aber nur beim ersten Hinsehen, denn die Hose besitzt äußerst angenehme, komfortable und softe Seite. Der Hosenschnitt rangiert hier zwischen weit und leger, die herausnehmbare, mitgelieferte Innenhose sorgt für ein bequemes Tragegefühl und punktet in unserem Test mit Silikonapplikationen die Rutschsicherheit garantieren. Die Ausstattung lässt bei uns keine Wünsche offen: Der einstellbare, innen weiche Gürtel, der über einen mit Clip ausgestatteten Bund verfügt, lässt sich angenehm tragen.

Anfangs haben wir die Humvee II mit dem Prädikat »zu schwer« erstmal zur Seite gelegt. Ist sie erst mal angezogen, überzeugt die Hose dann schnell mit einem angenehmen Tragekomfort, mit reißverschluss-regulierbaren Öffnungen zur Belüftung und einer sinnvollen Auswahl an Taschen mit zwei rückseitigen Klett-Stautaschen, zwei RV-Seitentaschen sowie zwei weitere Taschen am Hosenbein-Abschluss.

Der Hosenstoff fühlt sich nicht allzu steif, aber robust an. Da merkt man, dass die Hose für den Mountainbike-Einsatz entwickelt worden ist. Der fein gearbeitete, breite Einsatz mit Stretch an der Hosenrückseite macht sie dabei offenkundig komfortabler. Und das zu einem ehrlichen Kaufpreis – das muss die Konkurrenz dem Hersteller erst mal nachmachen. Das macht die Hose zu einer Empfehlung für Mountainbike-Radler.

Was gibt es sonst noch?

Als eine Alternative zur ziemlich kostspieligen Pro Bib Shorts hat uns der Hersteller Pearl Izumi die Interval Bib Shorts zugeschickt, die beträchtlich günstiger als die Pro angeboten wird. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Verarbeitung ist simpler, der Einsatz ist weniger soft und das Material ist günstiger. Die Träger der Hose bestehen am Rücken komplett aus Mesh und sie besitzt mehr Nähte. Die Haptik des Materials ist weniger hochwertig als bei bei der Testschwester. Es verfügt ebenfalls über eine gewisse Geschmeidigkeit, ist aber vergleichsweise weniger weich.

Eine kleine Sache fiel uns auch auf: Durch die sehr hoch geschnittene Rückenpartie verleiht sie dem Träger ein geborgenes, sehr warmes Tragegefühl. Das konnte keine andere Hose in unserem Test bieten – bis auf das Shimano-Modell, allerdings besteht die Rückenpartie hier aus einem gröberen Mesh und ist somit luftiger. Die Interval Bib Short ist für Radfahrer geeignet, die bei jeder möglichen Wetterbedingung draußen unterwegs sind und die extra Wärme am Rücken gebrauchen können. Für die Ausfahrt an sehr warmen Sommertagen könnte die Intervall Bib Shorts dann allerdings zu mollig sein. Außerdem fiel uns auf: Die Radlerhose verfügt über sanft komprimierende Eigenschaften, ohne dabei einzuengen. Wie das teurere Pearl Izumi-Modell ist sie somit für Lang- und Kurzstrecken gleichermaßen geeignet.

In unserem Testfeld hatte es die Interval Bib Short nicht gerade leicht. Die italienischen Konkurrenten von Rh+ und Alé laufen ihr in Bezug auf das Verhältnis von Preis und Leistung den Rang ab. Für Pearl Izumi-Liebhaber sollte sie aber die eine oder andere Überlegung wert sein.

Von der Logo Bibshort des aus Italien stammenden Produzenten Rh+ sind wir mehr als hingerissen. Sie begeistert mit dem »Summus Pad«- Polster, das über mehr Struktur verfügt als etwa beim Hersteller Pearl Izumi. Das Ergebnis ist eine festere Haptik und ein kompakterer Sitz am Körper, was uns bei mehreren Testläufen mit bis zu 90 Kilometer Länge äußerst gut gefiel. In seinem Produkttext kündigt Hersteller Rh+ an, dass die Logo Bibshort besonders für Langstrecken geeignet ist.

Das flotte Design stach uns besonders ins Auge. Die Hose besitzt farblich abgesetzte Streifen an ihren Beinen, bei unserem Testmodell war das ein knalliger Rot-Ton. Das sorgt zusätzlich für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr. An den Beinen besitzt die Hose eine Rundum-Beschichtung aus Silikon, was für Rutschbeständigkeit sorgt. Durch den nicht einengenden, körperbetonten Schnitt und die breiten Beinabschlüsse sitzt die Rh+ ausgezeichnet.

Beim Design der Träger gibt sich die Logo Bibshort graziler als manch anderes Modell. Sie bestehen komplett aus Mesh-Material, tragen sich angenehm und lassen den Schweiß des schnell entweichen. Dafür müssen diese beim Anziehen sorgfältiger geführt beziehungsweise angelegt werden. Die breitere Träger der Konkurrenzmodelle fanden schneller den richtigen Platz. Obwohl die Logo Bibshort insgesamt gut abschneidet, haben uns die Trägerdetails der Konkurrenzmodelle besser gefallen.

Wir freuten uns, mit der C5 Trägerhose auch ein Modell aus dem Hause Gore im Test zu haben. So bietet der Hersteller schon seit einigen Jahren für Radfahrer mit verschiedensten Leistungsansprüchen eine große Anzahl an Bekleidungsstücken.

Die verarbeitete Qualität der in der Mittelklasse platzierten Hose lässt zunächst einmal keinerlei Wünsche offen. Etwas festere, breite Bänder aus Stoff an den Abschlüssen der Beine sorgen für einen guten Halt, eine Fülle von Reflektoren sorgt für eine erhöhte Sicherheit im öffentlichen Straßenverkehr. An der Hosen-Rückseite hat der Hersteller am Anfang der Schulterträger ein Fach für Energieriegel eingearbeitet.

Diese Hose absolvierte ebenfalls eine Testrunde von 80 Kilometern Länge. Das bot uns genug Zeit, um den Einsatz und das Material der Hose zu bewerten. Der Gore-Einsatz überzeugte uns auf der ersten Testausfahrt nicht so sehr. Der Einsatz neigte etwas zum Auftragen, darüber hinaus hatte die verarbeitete Naht die lästige Eigenschaft, etwas zu scheuern.

Da wir mit dem Hersteller Gore in unseren bisherigen Tests deutlich bessere Erfahrungen gemacht hatten, gaben wir der Hose eine weitere Chance. Bei regnerischem Wetter nahmen wir sie auf eine 60-Kilometer Testrunde mit. Und siehe da: Bei diesen unbeständigen Wetterverhältnissen machte die C5 einen viel besseren Eindruck. Der Einsatz funktionierte im durchnässten Zustand »reibungsloser«und sie trug sich auch bequem. Trotzdem kommt das Tragegefühl nicht an das der Rh+ Logo Shorts oder Pearl Izumi Pro Bib heran. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis muss sich Hersteller Gore dem Alé-Modell geschlagen geben.

Die günstigste Träger-Tights in unserem Test ist die Airtracks Funktions Fahrradhose mit Trägern. Bei einer bekannten Markenfirma bekommt man normalerweise zu diesem Preis noch nicht mal eine Unterzieh-Tight ohne Träger. Das Material der Hose und die Verarbeitung fallen sofort ins Auge. Das aus 20% Elasthan und 80% Polyamid bestehende Mischgewebe fühlt sich von der Haptik her deutlich weniger hochwertig an als bei den teureren getesteten Hosen. Das Cool Max-Polster machte dafür aber einen anständigen Eindruck.

An einem recht nebligen Morgen machten wir uns mit unserem Rennrad auf den Arbeitsweg und zogen die Airtracks unter einer wasserundurchlässigen Überziehhose an. Auf der Arbeit angekommen, konnten wir die Airtracks beinahe auswringen, so sehr hatte sie sich vollgesogen. Trotz schwieriger Verhältnisse hätten wir uns sehr gewünscht, dass der Stoff durch das atmungsaktive Material der Überhose mehr Körperfeuchtigkeit abgegeben hätte. Das beim Material der Preis gedrückt wurde, merkt man der Hose deutlich an. Von Bodymapping keine Spur. Die Airtracks besteht komplett aus dem selben Stoff, selbst an Stellen stärkerer Transpiration wie den Schulterträgern beziehungsweise am Rücken.

Auch bei den Details gibt es Pro und Kontra. Zwar kann die Fahrradhose mit zwei Beintaschen und einer großen Rückentasche überzeugen, allerdings fehlt dafür ein Einsatz aus Silikon, der das Rutschen der Hosenbeine verhindert. Sind Sie solche Silikon-Applikationen bereits von anderen Modellen gewohnt, werden Sie sie hier schmerzlichst vermissen.

Für Gelegenheitsfahrer ist dieses Schnäppchen durchaus geeignet. Viel falsch kann man beim Preis auch nicht machen. Wer allerdings Wert auf gute Qualität legt, für den wird die Hose zu viele Defizite bieten. Das war auch der Grund, weshalb wir die Hose auf Langstrecken – also auch die langfristige Bequemlichkeit – nicht zu testen gewagt haben. Die größte Strecke, die mit der Hose gefahren wurde, betrug 52 Kilometer. Ein größeres Wagnis wollten wir in unserem Test nicht eingehen.

Bei flüchtigem Hinsehen ist die Radhose von Ally ein Preisschlager. Sie besteht aus einem schön stretchigen, sehr angenehmen Stoff, der sich schon fast nach Baumwolle anfühlt. Unter den etwas weiter geschnittenen Mountainbike-Hosen in unserem Test ist das etwas Besonderes. Da ist Wohlfühlen garantiert. Der Hosenbund wird mittels zweier Klettverschlüsse reguliert. Das System empfanden wir als gelungen, da der Verstellbereich sinnvoll gewählt und die vernähten Klettverschlüsse optimal dimensioniert worden sind.

Ein Manko der Ally ist die nicht vorhandene Innenhose, die aber extra dazugekauft werden kann. Die Hose ist zwar bequem, für die ernsthafte Nutzung als Radlerhose sollte aber die Innenhose dazu gekauft werden. In Bezug auf die Ausstattung haben wir kaum etwas zu meckern. Alle verarbeiteten Reißverschlüsse kommen vom Marktführer YKK. Die Radlerhose besitzt zwei RV-Oberschenkeltaschen und zwei RV-Seitentaschen.

Für noch mehr Tragekomfort ist an der Hosenrückseite ein breiter schwarzer Einsatz aus Stretch eingearbeitet. Wie bei unserem Testsieger prognostizieren wir eine eher kurze Lebensdauer, da der Stoff sehr dünn und filigran wirkt.

Preislich ist die Shimano Evolve Bib Shorts eine High-End-Radlerhose. Die Hose überzeugte sofort mit einer sehr guten Haptik, ähnlich der etwas günstigeren Pearl Izumi Pro Bib Shorts.

Auf den zweiten Blick fällt die mangelhafte Verarbeitung auf: Die Naht des Sitzpolsters ist fehlerhaft, darüber hinaus gibt es keine Einsätze aus Silikon an den Beinabschlüssen. Die Beinabschlüsse sind ziemlich eng – was natürlich Geschmackssache ist. Wir ziehen eher eine Version mit Silikoneinsätzen vor, weil diese nicht einengt. Gut gefällt uns, dass großzügige Reflektor-Applikationen an der Hosen-Außenseite die Sichtbarkeit im öffentlichen Straßenverkehr verbessern.

Sehr bequem ist der breite Rücken aus Meshmaterial mit breiten Trägern. Das Polster fühlte sich dagegen unkomfortabel und labil an. Hier hätten wir uns ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis gewünscht.

Dabei hat die Hose Potential. Shimano hätte mehr an den Details arbeiten müssen, um den hohen Ansprüchen, den die Ingenieure bei der Konstruktion der Hose haben gelten lassen, voll und ganz zu genügen. Im Vergleich greifen Sie wohl besser zu den günstigeren Modellen Alé Solid Corsa Bib Short oder der Pearl Izumi Interval Bib Short – diese Hosenmodelle sind bis ins Detail einfach besser ausgeführt.

Wissenswertes über Fahrradhosen

Fahrradhosen sind nicht alle gleich. Tourenradler haben andere Anforderungen an eine Fahrradhose als etwa Rennradler oder Mountainbiker.  Die Hersteller haben darauf reagiert, weshalb besondere Modelle für den jeweiligen Bereich angeboten werden.

Weite Short oder enge Bib? Es kommt auf den Einsatzbereich an

Die knallenge Tights gehört eher in die sportliche Kategorie. Sie werden in Hosen mit Trägern (»Bibtights«) und trägerlose Hosen eingeteilt. Diese Modelle werden in erster Linie beim Fahren mit einem Rennrad getragen, in einzelnen Fällen aber auch beim Tourenradfahren und Mountainbiken. Der enge Schnitt gewährleistet einen besseren Sitz und eine verbesserte Aerodynamik.

Fahrradhose Test: Noomye (1)
Ein typisches Exemplar für eine Tights: Die Noomye-Fahrradhose, die auch unsere Empfehlung für Sparfüchse ist.

Andere Hosen verfügen über einen weiteren Schnitt und erinnern eher an Wander- oder Laufshorts. Sie sind für E-Biker, Touren-Mountainbiker und Tourenradler entworfen. Eine sehr gute Belüftung und Komfort stehen hier im Vordergrund, die Aerodynamik ist eher zweitrangig.

Fahrradhose Test: Cycorld (2)
Die Cycorld-Tourenshorts überzeugte in unserem Test komplett – auch was Preis und Leistung angeht.

Zur letzten Kategorie gehören strapazierfähigere Hosen, die extra für den fordernden Einsatz auf dem Mountainbike gefertigt wurden. Sie bestehen aus einem scheuerfesten Material, besitzen einen Bund, der verstellbar ist und haben intelligent positionierte Taschen, die auch während der Fahrt leicht zu erreichen sind.

Fahrradhose Test: Endura Hummvee (1)
Mountainbike-Fahrer, die Wert auf die Belastbarkeit der Hose legen, werden in der Endura Hummvee II ihre perfekte Hose finden.

Mit oder ohne Innenhose?

Bei den weit geschnittenen Radler-Shorts fragt man sich anfangs, ob man jetzt eine Innenhose drunter zieht oder nicht. Viele der von uns getesteten Hosen werden ja ebenfalls ohne eine Innenhose angeboten. Wir meinen: Rad fahren ohne Innenhose ist ein No-Go! Wer das Extra an Bequemlichkeit, das durch die Polsterung geliefert wird, einmal erlebt hat, wird darauf nicht mehr verzichten. Auch wenn es anfänglich vielleicht etwas zwicken mag. Da verwundert es umso mehr, dass es Produzenten gibt, die Fahrradhosen mit einem weiten Schnitt ohne eine Innenhose anbieten. Das führte in unserem Test zu einer schlechteren Bewertung.

Das Sitzpolster

Das wichtige Thema des Sitzpolsters ist auch so ein Thema. Manche mögen es dünn, andere mögen es lieber dicker. Die einen lieben einen schmalen Sitz-Einsatz, die schwören auf einen breiten Einsatz. Fakt ist: Jedes Gesäß ist anders geformt. In unserem Test haben wir auf einen guten Mittelweg geachtet: Abzüge gab es für schlecht vernähte, wulstige oder lieblos gearbeitete Sitzpolster. Pluspunkte gab es für nicht zu sehr auftragende, flach eingenähte Sitzpolster, deren Profil sich an der Anatomie des verlängerten Rückens orientierte.

Thema Bodymapping

Auch bei der Fahrradbekleidung hat das Bodymapping Einzug gehalten, wenn auch nur in erster Linie bei den sorgfältiger verarbeiteten und teureren Modellen. Bodymapping bedeutet, dass die Fahrradhosen an verschiedenen Bereichen wie den Beinen, an den Seiten, dem Gesäß und den Trägern aus unterschiedlichen Materialien gefertigt sind, um den mannigfaltigen Anforderungen wie Abriebfestigkeit, Luftdurchlässigkeit und Schweißtransport in jeder Situation Genüge zu leisten. So wird an den Hosenträgern häufig feuchtigkeitsdurchlässiges Mesh-Material vernäht, während am Hintern abriebfestere Materialien zum Einsatz kommen.

Fahrradhose Test: Gesamt (5)
In unserem Test haben wir 16 unterschiedliche Modelle getragen.

So haben wir getestet

Alle Fahrradhosen wurden auf Fahrradtouren zwischen 10 bis 160 Kilometern ausgiebig von uns getragen. Sie wurden von uns auf dem Tourenrad, dem Gravelbike und dem Mountainbike getestet, bei Sonne und Regen, unter einer wasserundurchlässigen Regenhose und natürlich auch allein. Der getestete Zeitraum betrug dabei etwa 60 Tage zwischen Spätfrühling und Frühsommer. Einige der Modelle wurden lediglich auf einer sehr langen Radtour getragen. Bei andere Hosen waren mehrere kleine Touren nötig, um auf ein befriedigendes Ergebnis zu kommen.

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