Test: Gesamt

Fahrradhandschuhe im Test : Für mehr Grip

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Veröffentlicht 22.01.2021

Auf dem Markt finden sich eine Reihe an verschiedenen Fahrradhandschuhen für alle Einsatzzwecke: Sommer, Winter, für den Übergang oder auch Halbfinger-Handschuhe. Doch welches Modell ist für wen das Beste?

Arnold Zimprich
Arnold Zimprich
ist Autor und Outdoor-Freak und testet für verschiedene Magazine Sportartikel und Outdoor-Produkte. Er schreibt unter anderem für Alpin, das Bergzeit-Magazin und die Alpenvereins-Magazine Panorama und Bergauf.

Fahrradhandschuhe sorgen für mehr Grip, eine höhere Sicherheit und schützen die Hände bei Stürzen. Dabei gibt es viele unterschiedliche Modelle auf dem Markt: Gut belüftete Handschuhe für den Sommer, Modelle mit einer hohen Wärmeleistung für den Winter und für Übergangszeiten. Zudem gibt es Modelle mit langen Fingern oder in der Halbfinger-Variante.

Auch preislich gibt es Unterschiede: So gibt es Modelle ab rund 10 Euro bis hin zu 80 Euro. Dabei heißt billig nicht unbedingt schlechter, wie auch die Empfehlungen zeigen. Wir haben 15 Fahrradschuhe ausgewählt und getestet.

Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis: Avidda Fahrradhandschuhe

Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis

Avidda Fahrradhandschuhe

Test: Avidda Fahrradhandschuhe
Für einen sehr günstigen Preis bieten die Aviddas einen hohen Tragekomfort, eine flexible, anschmiegsame Innenhand und stretchiges, reflektierendes Obermaterial.

Keine Preise gefunden.

Die Fahrradhandschuhe von Avidda kosten gerade einmal rund zehn Euro. Das ist man skeptisch, was für eine Qualität man für diesen Preis erhält. Doch die Handschuhe machen einmal angezogen sofort Spaß. Sie bieten ein modernes Design mit rechtwinklingen Polstern.

Getestet wurde das Modell auf einer 20 Kilometer langen Runde mit dem Tourenrad. Besonders überzeugte dabei die unkomplizierte Handhabung: Die Klettverschlüsse funktionieren gut, die Ausziehlaschen sind schön vernäht und wirken langlebiger als die vernähten Schlaufen bei anderen Modellen, die häufig nach einiger Zeit abreißen. Zwischen der Handfläche und den Fingerballen ist zudem eine Stretchzone eingenäht, sodass sich der Fahrradhandschuh zusätzlich der Handgröße anpasst.

Der große Pluspunkt der Fahrradhandschuhe von Avidda ist aber die große Reflektionsfläche auf dem gesamten Handrücken. Das findet sich bei keinem anderen getesteten Modell. Für seinen günstigen Preis bietet der Handschuh ein gewisses Maß an Eleganz und ist so optisch ansprechender als so manches teurere Modell.

Das Anziehen der Handschuhe wird durch eine Anziehlasche am Bündchen erleichtert. Es bleibt die Frage nach der Haltbarkeit der preiswerten Aviddas. Dazu kann man aber erst nach 200 bis 300 gefahrenen Kilometern eine erste Aussage treffen. Daher verbleibt der Fahrradhandschuh im Langzeit-Test und sollten negative Eindrücke entstehen, werden diese nachgetragen.

Perfekte Passform: Q36.5 Unique

Perfekte Passform

Q36.5 Unique

Test: Handschuhe
So viel Geld für einen kurzen Handschuh sind schon eine Ansage. Dafür erhält man einen nahezu nahtlosen, vorgeformten Rennradhandschuh, der die Test-Konkurrenz beim Tragekomfort souverän abhängt.

Die Q36.5 Summer Glove Unique Handschuhe haben im Test mit ihrem Tragekomfort überrascht. Das Modell war mit Abstand das bequemste fingerlose im Testfeld. Das liegt vor allem an seiner Nahtfreiheit, was zugleich auch das vorrangige Kaufargument ist.

Der italienische Hersteller Elastic Interface beschreibt die 3D-Handinnenfläche als die erste dreidimensionale, nahtfreie und elastische Handinnenfläche für Fahrradhandschuhe. Durch diese Dreidimensionalität schmiegt sich der Handschuh an die Hand an, es zwickt und reibt nichts – die Passform ist wie eine zweite Haut.

Während der 100 Kilometer langen Testfahrt überzeugen die Unique Fahrradhandschuhe mit einem hervorragenden Tragekomfort. Auch die Belüftung über das Mesh auf dem Handrücken beeindruckt. Zudem sorgen seitlich großflächige Reflektoren für Sicherheit. Ob all das den hohen Preis wert ist, sei dahingestellt. Ist man aber bereit das Geld zu investieren, erhält man einen Fahrradhandschuh, der beim Tragekomfort alle anderen getesteten Modelle abhängt.

Sehr komfortabel: Grebarley Fahrradhandschuhe MTB

Sehr komfortabel

Grebarley Fahrradhandschuhe MTB

Test: Grebarley Fahrradhandschuhe Mtb
Günstiger, stretchiger und komfortabler Langfingerhandschuh aus Strickmaterial. Angenehmes Neopren-Material am Bund, großes Wisch-Frottee.

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Bereits auf den ersten Blick gefallen die Fahrradhandschuhe von Grebarley dank ihres weichen Strickmaterials, das sich flexibel anpasst und sich dadurch entsprechend komfortabel trägt.

In Sachen Materialstärke liegt das Modell im Vergleich im Mittelfeld. Es wurde an einem kühlen Morgen im Oktober getestet: Dabei sorgte es ausreichend für Wärme, kam aber in puncto Wärmeleistung schnell an seine Grenzen.

Die Innenhand hat eine angenehme Polsterung. Für Gelegenheitsfahrer sind die grauen Handschuhe durchaus empfehlenswert. Was die Haltbarkeit betrifft, ist ein wenig Skepsis angesagt, denn der Übergang vom elastischen Strick hin zu den steiferen Materialzonen ist häufig eine mögliche Bruchstelle. Im Langzeittest wird sich herausstellen, was der Fahrradhandschuh leisten kann.

Für jedes Wetter: Rh+ Shark Evo Glove

Für jedes Wetter

Rh+ Shark Evo Glove

Test: Rh+ Shark Evo Glove
Angenehm sitzender Allrounder mit langlebiger Verarbeitung, schönen technischen Features wie der Gelpolsterung und unkompliziertem Handling.

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Die Shark Evo Gloves von Rh+ bieten eine ausgezeichnete Passform: Der italienische Hersteller hat sich hier für eine Kombination aus festeren Materialien und Stretch-Materialien entschieden.

In Sachen Materialstärke liegt das Modell etwa im Mittelfeld der Testreihe. Der Handschuh ist etwas dicker als der MTB Glove von Alé, jedoch dünner als das Modell von Kyncilor. Dadurch fühlt er sich flexibel an, lässt sich problemlos in kleinen Trikotaschen verstauen und behindert nicht bei Lenkmanövern. Auch auf längeren Touren konnte der mit Gelpolstern versehene Handschuh im Bereich Komfort überzeugen.

Auch auf einer Bike&Hike-Tour konnte der Shark überzeugen: Er ermöglicht einen problemlosen Wechsel vom Rad- in den Wandermodus, zudem konnte er bei steilen und kräftezehrenden Anstiegen mit Wanderstöcken und mit ausgezeichnete Trocknungseigenschaften punkten. Somit bietet der Handschuh ein großes Einsatzspektrum.

Für den Winter: Rh+ Soft Shell Glove

Für den Winter

Rh+ Soft Shell Glove

Test: Rh+ Soft Shell Glove
Sehr warmer, angenehm sitzender und schön verarbeiteter Winterhandschuh, der bis rund -5°C Grad angenehm warm hält.

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Besonders während der kalten Tage im Test konnte der Rh+ Soft Shell Glove voll überzeugen. Das liegt vor allem an seiner Passform: Reinschlüpfen und wohlfühlen lautet hier die Devise. Da können die anderen Winter-Fahrradhandschuhe im Test nicht mithalten.

Die Wärmeleistung des Handschuhs reicht bis minus sieben Grad. Die Bedienung wird durch die steifere Klettverschlusslasche vereinfacht. Zudem kann der Handschuh an der Innenfläche mit der Positionierung der Polster überzeugen. Das Futter des Soft Shell Gloves ist etwas dicker, was ein etwas »wulstiges« Fahrgefühl bedeutet. Dies ist aber für einen Winterhandschuh nicht unüblich und sollte somit nicht als Nachteil ausgelegt werden.

Vor allem der neoprenartige Armabschluss gefällt: Er schmiegt sich förmlich dem Handgelenk an, so hat Luftzug keine Chance. Auch hier haben die Fahrradhandschuhe von Rh+ verglichen mit den anderen getesteten Winterhandschuhen die Nase vorn. Darüber hinaus bietet das Modell mit reflektierenden Elementen mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Zudem wird an der Innenhand durch kleine Silikonnoppen ein Abrutschen verhindert. Insgesamt ist es vor allem die ausgezeichnete Passform mit dem der Soft Shell Glove das Winterhandschuh-Rennen für sich entscheidet.

Was gibt es sonst noch?

Der Boildeg Fahrradhandschuh fällt zuerst durch sein Design auf, das wenig ansprechend ist: Der Print erinnert an ein Skelett, was an Halloween oder bei einem Einsatz im Dirtpark vielleicht passend ist, aber nicht für kurze Fahrradhandschuhe, die auch auf dem Rennrad genutzt werden. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Durch ihre weiche Konstruktion gleichen sich die Handschuhe angenehm an und können so vor allem in Sachen Tragekomfort punkten.

Das Obermaterial ist leider nicht besonders robust: Bereits nach einer einzigen Toure zeigen sich kleine Reibestellen, wo das Material Fäden lässt. Ein Pluspunkt sind jedoch die Ausziehschlaufen – mit ihnen kann mit die Handschuhe im Nu problemlos ausziehen. Insgesamt reihen sie sich im Mittelfeld ein, für eine Empfehlung fehlt die Materialqualität und das gewisse Etwas.

In vielen verschiedenen Farben ist der Fahrradhandschuh von Souke erhältlich. Die Handinnenflächen sind aus einem griffigen, lederähnlichen Material. Gepolstert sind sie an den neuralgischen Ballenbereichen mit Schaumstoffeinlagen. Für ein wenig Belüftung sorgen eine Perforierung an den Fingern und an der Handinnenfläche. Der Handrücken ist zum Großteil aus gut lüftendem, leichtem Mesh, der Daumenrücken verfügt über saugfähiges Mikrofasermaterial zur Schweißaufnahme. Fixiert werden die Handschuhe durch einen klassischen Klettverschluss.

Die ansprechende Verarbeitung ist sorgfältig ausgeführt und dank kleiner, gummierter Grifflaschen sind die Fahrradhandschuhe leicht anzuziehen. Die Passform ist gut und es fallen auch keine störenden Nähte auf. Auf einer längeren Testfahrt bewährten sich die fünf verschieden geformten und gut platzierten Schaumstoffpolster und leisteten mit ihrer Stärke von fünf Millimetern hervorragende Arbeit. Da die Kurzfinger-Konkurrenz etwas durchdachter ist, hat es trotzdem für den Souke nicht zu einer Empfehlung gereicht.

Ein weiterer Winterhandschuh im Test ist der Alé MTB Winter Glove. Er ist etwas weniger stark gefüttert als der Handschuh von Rh+ und deckt dadurch nicht ganz so einen breiten Temperaturbereich ab. Zudem fällt das Modell von Alé offensichtlich ein wenig kleiner aus, dadurch ziept es an den Fingerspitzen.

Zudem bietet der Handschuh kein Wischfrottee oder -leder und der labbrige Klettverschluss lässt sich nicht so gut bedienen wie der etwas steifere am Rh+. Außerdem verfügt er nicht über einen separaten Neopren-Schaft oder Armbündchen, sondern ist aus größeren Textilstücken gefertigt. Dadurch schließt der Fahrradhandschuh schlechter am Handgelenk ab. Somit hat der Rh+ insgesamt die Nase vorn.

Wissenswertes über Fahrradhandschuhe

Fahrradhandschuhe verfügen über Klett- und Reißverschlüsse, um am Handgelenk verschlossen und fixiert zu werden, um so einen unangenehmen Luftzug zu verhindern. Manche Modelle haben dagegen auch nur einen Stretch-Bund. Ein Klettverschluss ist aber die beste Wahl, da er sich nach Wunsch etwas fester verschließen lässt und ein gewisses Maß an Flexibilität erlaubt. Wenn er nicht nur aus weichem Textil besteht, sondern auch mit härteren Gummielementen versehen ist, lässt er sich besser greifen.

An den Handinnenflächen werden entweder Gel-Polster oder günstigere Schaumstoffpolster eingesetzt. Dabei behält Schaumstoff seine dämpfenden Eigenschaften nur selten über einen längeren Zeitraum, Gelpolster überzeugen dagegen mit einer langanhaltend homogenen Dämpfung.

Viele Modelle sind auch mit Touchscreen-tauglichen Einnähern versehen, sodass man das Smartphone auch mit Fahrradhandschuhen bedienen kann. Dabei funktioniert das Wisch-Material mal besser, mal schlechter. Im Test ließ sich das Smartphone jedoch insgesamt ganz gut bedienen.

Auch wenn auf dem Rad einmal die Nase läuft, können die Handschuhe Abhilfe schaffen: Bei den meisten Modellen ist an der Seite des Daumens ein Wisch-Frottee integriert, sodass man nicht jedes Mal ein Taschentuch aus der Tasche ziehen muss. Zudem kann es auch zum Abwischen beschlagener Brillengläser verwendet hat. Die verunreinigten Handschuhe kann man nach Gebrauch in die Wäsche geben.

So haben wir getestet

Alle 15 Modelle wurden ihrem spezifischen Einsatzbereich entsprechend mehrere Monate und bei jedem Wetter getestet. Dabei reichten die Testbedingungen von heißen Sommertagen auf dem Rennrad bis zu Touren mit dem Mountainbike bei Minusgraden. Die Teststrecken waren zwischen 10 und 100 Kilometer lang. Dabei wurde jedes Modell mehrfach getestet, um einen umfassenden Eindruck zu erhalten. Einige Handschuhe wurden auch bei Bergtouren, Läufen und Wanderungen genutzt.

   Unsere Empfehlungen sind redaktionell unabhängig.

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