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E-Scooter im Test : Flexibel und unabhängig unterwegs

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Veröffentlicht 23.12.2020

11 E-Scooter sind wir probegefahren. Im Fokus stand neben der Akkulaufzeit das Verhalten im Straßenverkehr: Lässt sich mit dem Roller sicher abbiegen, wie gut kann man damit bremsen und welches Modell bietet so viel Fahrkomfort, dass damit man damit über Kopfsteinpflaster düsen kann?

Jochen Wieloch
Jochen Wieloch
schreibt unter anderem für Audiovision und i-fidelity und testet überwiegend Unterhaltungselektronik, Sport- und Fitnessgeräte sowie Video-Drohnen.

Die Vorteile der elektrifizierten Tretroller liegen auf der Hand: Sie sind klein, (relativ) leicht und bringen ihren Fahrer ohne Kraftanstrengung und Schweißproduktion von A nach B. Diese Eigenschaften machen die kleinen Flitzer auch zunehmend für Pendler interessant, die dem öffentlichen Nahverkehr entfliehen wollen und die berüchtigte letzte Meile individuell und an der frischen Luft zurücklegen möchten. Durch ihr kompakten Maße sind sie dafür wie geschaffen.

Für den Alltag: Micro Emicro Explorer

Für den Alltag

Micro Emicro Explorer

Test: Micro Explorer
So viel Fahrspaß wie der Micro Emicro Explorer bietet kein anderer E-Scooter, zudem ist er auf Langlebigkeit ausgelegt.

Der Micro Emicro Explorer schafft einen gelungenen Spagat zwischen Leichtbau und Fahrkomfort. Mit einem Gewicht von 13,5 Kilo lässt er sich bequem transportieren und liegt dennoch satt auf der Straße. Dazu kommt, dass der Roller äußerst robust und verwindungssteif ist, was angesichts der Aussage des Schweizer Herstellers, er habe den Roller für eine Lebensdauer von mindestens 5.000 Kilometer ausgelegt, nicht weiter überrascht.

 E-Scooter Test: E Scooter Test7 2020 Micro Explorer
Nicht kaputt, nur geparkt: Der Parkmechanismus des Emicro ist optisch gewöhnungsbedürftig.

Etwas gewöhnungsbedürftig war für uns der fehlende Ständer, der durch einen Klappmechanismus kompensiert wurde, bei dem das Vorderrad so weit nach vorne geklappt wird, bis der Roller mit der Unterseite des Trittbretts auf der Straße aufliegt. Das sieht zwar etwas unorthodox aus, erfüllt aber seinen Zweck. Der Lenker des Micro lässt sich in der Höhe verstellen, und um beim Transport möglichst platzsparend zu sein, lassen sich auch seine Griffe zusammenfalten.

Der Roller erfüllt alle Kriterien für einen Betrieb im Straßenverkehr mit Bravour, das Licht ist vorhanden und reichlich hell und die beiden Trommelbremsen sind kräftig und lassen sich gut dosieren. Der größte Vorteil des Rollers ist allerdings sein agiles Fahrverhalten. Der Emicro Explorer würde, hätte man ihn nicht für den deutschen Markt gedrosselt, 30 Kilometer in der Stunde schaffen, was man ihm deutlich anmerkt.

 

Selbst bergauf, wenn so manchem Roller die Puste ausgeht und bestenfalls noch erhöhte Schrittgeschwindigkeit leistungstechnisch machbar ist, hängt der Schweizer noch am Gas, als gäbe es diese Steigung garnicht. Nach unserem 15-Kilometer-Test waren noch 2/5 der Akkuladung vorhanden. Sofern man sich beim Fahren etwas zurückhält, liegen die vom Hersteller angegebenen 30 Kilometer also durchaus im Bereich des Möglichen.

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In der Micro-App lassen sich nicht nur Fahrparameter abrufen. Auch eine Sperr- und eine Navigationsfunktion stehen zur Verfügung.

Diese Leistung wird von einem durch und durch stimmigen Fahrverhalten flankiert. Die Räder sind angenehm groß und sorgen für eine gute Straßenlage, der eingebaute Stoßdämpfer am Vorderrad bügelt so manches Schlagloch aus. Das i-Tüpfelchen der durchwegs guten Leistung des Micro Emicro Explorer bildet die App, mit der sich nicht nur zahlreiche – mehr oder weniger relevante – Fahrdaten abrufen lassen, sondern auch ein Navigationssystem zur Verfügung steht.

Rundum gelungen: Walberg Urban Electrics The-Urban #RVLTN

Rundum gelungen

Walberg Urban Electrics The-Urban #RVLTN

Eine Preisklasse tiefer ist der Walberg Urban Electrics The-Urban #RVLTN angesiedelt. Mit seinen 14 Kilo ist er ausreichend leicht, um noch überall hin mitgenommen zu werden, macht aber gleichzeitig, was die Verarbeitung anbelangt, einen mehr als soliden Eindruck. So sind beispielsweise die Kabel mit einem Gewebeband ummantelt und während des Fahrens sind keinerlei störende Klappergeräusche oder Ähnliches wahrzunehmen gewesen.

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Seine Stärken spielt der The-Urban #RVLTN vor allem auf der Langstrecke aus.

In unserem Test spielte der Walberg seine Stärken vor allem bei etwas längeren Überlandfahrten aus. Das gefederte Vorderrad sorgt hier, zusammen mit den ergonomisch gestalteten Lenker, für zusätzlichen Fahrkomfort. Das angeraute Trittbrett vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, das nicht nur von den beiden Reflektoren am Vorderrad unterstrichen wird, sondern zu dem auch das Bremsverhalten des Urban Electrics The-Urban #RVLTN beiträgt. Die beiden Räder sind jeweils mit einer Trommelbremse ausgestattet, welche den Roller im Bedarfsfall schnell und sicher abbremsen. Lediglich an der Dosierung könnte der Hersteller hier noch ein wenig feilen, das ist allerdings ein Problem, das nahezu alle Roller in unserem Test hatten.

Die Höchstgeschwindigkeit lässt sich über fünf verschiedene Fahrmodi einstellen, in der höchsten Stufe legt der Roller – wenig überraschend – 20 Kilometer die Stunde zurück. Gas wird über einen Pistolengriff gegeben. Das funktioniert sehr gut und erscheint uns auch unter ergonomischen Gesichtspunkten als durchaus sinnvoll.

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Die zusätzliche Federung am Hinterrad verzeiht so manche Unebenheit.

Der 350 Watt starke Motor lieferte in unserem Test sehr ansprechende Fahrleistungen, die laut Hersteller über eine Strecke von 20 Kilometern ohne aufladen des Akkus anhalten sollen. Nach 15 Kilometern (inklusive Steigung) wurde uns noch einer der fünf Ladebalken angezeigt, die Reichweitenangabe des Herstellers scheint – günstige Bedingungen vorausgesetzt – also durchaus möglich.

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Auch zusammengeklappt macht der Scooter eine gute Figur.

Trotz seiner lediglich acht Zoll großen Reifen lag der Roller gut auf der Straße und bot ein durchwegs souveränes und angenehmes Fahrverhalten.

Mithilfe einer Metallöse an der Vordergabel lässt sich der Walberg Urban Electrics The-Urban #RVLTN – unter Zuhilfenahme eines Fahrradschlosses – absperren. Ein gleichermaßen nützlicher wie cleverer Sicherheitsaspekt, wie wir finden.

Preiswert: Fischer ioco 1.0

Preiswert

Fischer ioco 1.0

Test: Fischer Ioco 1.0
Wer keine Unsummen ausgeben will, erhält mit dem Fischer ioco 1.0 einen agilen E-Scooter mit ordentlicher Reichweite.

Der Fischer ioco 1.0 richtet sich an den schmalen Geldbeutel. Erfreulicherweise wurde dabei vor allem am Preis und weniger an der Leistung des kleinen Elektroflitzers gespart – und am Display, das sucht man beim Fischer nämlich vergeblich. Lediglich ein Schalter zum Starten beziehungsweise Ausschalten des Rollers, sowie vier LEDs, welche den Ladestand des Akkus anzeigen, sind an der Lenkstange des E-Scooters verbaut. Puristen würden hier die Übersichtlichkeit des Lenkers loben, Realisten werden das fehlende Display mit dem geringen Preis erklären. Der Lenker selbst lässt sich nicht abklappen, für den Transport ist das ein Nachteil, dem Fahrgefühl kommt die Stabilität des Lenkers allerdings zugute.

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Der Lenker ist auf das Wesentliche reduziert.

Im Fahrbetrieb konnte uns der Roller mit durchwegs guten Leistungen überzeugen, die 20 Kilometer pro Stunde erreichte der E-Scooter locker, an seine Grenzen kam er lediglich bei großen Steigungen, dort wurde der Roller spürbar langsamer. Die acht Zoll großen Reifen waren für eine komfortable Fahrt völlig ausreichend und bügelten so manche Unebenheit zuverlässig aus, beim Stoßdämpfer wurde vom Hersteller allerdings der Rotstift angesetzt, auf diesen muss man beim Fischer leider verzichten.

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Alles am Fischer-Roller wirkt stabil.

Die Eckdaten des Fischer lesen sich ganz ähnlich wie die des Walberg Urban Electrics The-Urban #RVLTN: Der Elektromotor mit 350 Watt Leistung wird über einen 5,2 Amperestunden fassenden Akku mit Strom versorgt. In unserem Test reichte diese Kombination, um nach der 15 Kilometer langen Teststrecke mit einer (von vier) leuchtenden LED anzukommen, auch hier ist der Herstellerangabe von 20 Kilometern also – günstige Bedingungen vorausgesetzt –  zu vertrauen.

Um den ioco 1.0 zusammenzuklappen, muss man lediglich den Bügel an der Vorderseite des Rollers lösen – das wars. Für rund 500 Euro bietet Fischer hier ein rundum gelungenes Einsteigermodell, das im Alltagsbetrieb eine sehr gute Figur macht.

Kraftpaket: Walberg Urban Electrics Egret-Ten V4 36V

Kraftpaket

Walberg Urban Electrics Egret-Ten V4 36V

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Der Egret-Ten V4 36V bietet hohen Fahrkomfort und viel Reichweite und ist damit für höchste Ansprüche konzipiert.

Der Walberg Urban Electrics Egret-Ten V4 36V gehört in unserem Testfeld, was den Preis betrifft, eindeutig zur Spitzengruppe. Um die 1.300 Euro werden für den Besitz des Luxusrollers fällig. Dafür bekommt man allerdings auch einen E-Scooter, der nahezu keine Wünsche offen lässt. Reichweite, Fahrkomfort und Verarbeitungsqualität sind hier durchwegs auf einem sehr hohen Niveau.

Das gute Gesamtpaket hat nicht nur seinen Preis, sondern auch sein Gewicht: Mit seinen 17 Kilo ist der Scooter nicht gerade ein Leichtgewicht, was seine Transportfähigkeit erheblich einschränkt. Wer den Roller täglich in der Bahn mitnehmen möchte, sollte also zuvor einige Besuche im Fitnessstudio absolviert haben. Seine Stärken liegen jedoch eindeutig weniger in der Transportfähigkeit, als im Transport selbst.

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Die Scheibenbremse sorgt für Bremskraft satt.

650 Watt Spitzenleistung und ein Akku mit 10,4 Amperestunden Kapazität katapultieren den Walberg Urban Electrics regelrecht nach vorne. Die 10 Zoll großen Räder werden mithilfe von Scheibenbremsen zum Stehen gebracht, die einen Tick besser als die Trommelbremsen der Konkurrenz arbeiten. Die großen Reifen sorgen für ein Mehr an Fahrkomfort, das durch das hohe Eigengewicht des E-Scooters noch zusätzlich unterstützt wird.

Die Herstellerangabe von 30 Kilometern Reichweite erscheint uns jedoch ein wenig zu optimistisch, nach dem Testparkour zeigte der Akku noch 2/5 verbleibende Kapazität an. Abseits des Antriebs und der Bereifung ähnelt der Walberg Urban Electrics Egret-Ten V4 36V stark seinem kleinen Bruder, dem The-Urban #RVLTN. Beleuchtung und Klingel sind nahezu identisch, ebenso das Display und der zuvor schon angesprochen Pistolengriff.

Was gibt es sonst noch?

Der Micro Emicro M1 Colibri bietet ein kleines Extra, das ihn vom Rest des Testfelds unterscheidet: Er verfügt über ein Rekuperationsbremssystem. Darüber hinaus ist der M1 Colibri mit seinen Gewicht von knapp 10 Kilogramm perfekt für den Transport geeignet und lässt sich problemlos überall hin mitnehmen. Ein weiteres Extra des Rollers ist, dass man ihn auch wie einen Tretroller benutzen kann. Ist beim Treten noch ein wenig Restkapazität im Akku vorhanden, macht der Scooter etwas besonders Cleveres: Er analysiert die Tretbewegung seines Fahrers und unterstützt ihn genau beim Abstoßen mit einem kleinen Energieschub. Motion-Control nennt Micro diese Technik. Die geringe Reichweite von 12 Kilometern macht den Roller vor allem für die Kurzstrecke attraktiv, der Motor mit einer Leistung von 200 Watt machte in unserem Test einen sehr agilen Eindruck, lediglich bei kräftigen Steigungen geriet er an seine Grenzen.

Der CityBlitz Beast ist – wie der Name bereits vermuten lässt – ein Roller, mit dem es kein anderer in unserem Testfeld im Hinblick auf Reichweite und Gewicht aufnehmen konnte. Satte 21 Kilogramm bringt das Beast auf die Waage. Schuld daran ist, neben der massiven Verarbeitung des Rollers, dessen Akku. Dieser verfügt über eine Kapazität von 12,8 Amperestunden. Nach unserem 15-Kilometer-Test zeigte der Cityblitz noch immer 3/4 Ladung an, die vom Hersteller prognostizierten 40 Kilometer erscheinen etwas zu ambitioniert, 30 Kilometer sollten mit dem Ungetüm aber ohne Probleme machbar sein. Vorne hat das Beast eine elektrische, hinten eine Trommelbremse verbaut. Beide lassen sich gut bedienen und sorgen für ein sicheres Fahrgefühl. Apropos Fahrgefühl: Der Scooter fährt sich mehr wie ein Zug, als ein E-Scooter. Dafür verantwortlich ist natürlich das hohe Gewicht und die großen 10-Zoll-Reifen.

In unserem Testfeld war der Trekstore e.Gear EG40610 der einzige Roller, dessen Akkumulator sich austauschen lies. So kann der 14 Kilo schwere Roller bequem geparkt und der Akku zum Laden einfach mitgenommen werden. Neben diesem pfiffigen Extra konnte uns der Trekstore auch mit seinen Fahrleistungen überzeugen. Auf der Geraden waren bis zu 22 Kilometer pro Stunde drin, bergauf sank dieser Topspeed allerdings auf etwas mehr als die Hälfte ab. Die 10-Zoll-Bereifung sorgte für ein angenehmes Fahrverhalten, die meisten Unebenheiten der Straße wurden vom e.Gear EG40610 geschluckt. Negativ hingegen ist die geringe Reichweite des Rollers, nach 14 Kilometern war die Fahrt mit dem Trekstore bereits zu Ende, für längere Touren empfiehlt sich deshalb der Erwerb eines zweiten Akkus.

Wissenswertes über E-Scooter

Bevor man sich für einen E-Scooter entscheidet, sollte man sich mit den Voraussetzungen für einen gesetzeskonformen Betrieb des elektronischen Rollers auseinandersetzen. Das Wichtigste ist nämlich, dass der E-Scooter über eine Betriebserlaubnis-Nummer (ABE-Nr.) und eine Zulassung verfügt. Voraussetzung für die Zulassung ist wiederum, dass der Roller eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde nicht überschreitet und über ein sicheres Bremssystem verfügt.

Sind diese beiden Faktoren gegeben, muss der Flitzer dann noch versichert werden. Ohne diese Punkte ist ein Betrieb des elektronischen Rollers im Stadtverkehr nämlich nicht erlaubt und kann im Zweifel richtig teuer werden. Die Zweirad-Haftpflichtversicherung gibt es schon für kleines Geld, ADAC-Mitglieder haben beispielsweise die Möglichkeit, diese für eine Jahresgebühr von 32,90 Euro zu erwerben.

Für das Führen eines E-Scooters gelten die gleichen Promille-Grenzwerte wie beim Fahrrad, das Mitnehmen einer zweiten Person ist ausdrücklich nicht gestattet.

Sind diese Grundlagen alle erfüllt, kann die Fahrt beginnen. Gerade für E-Scooter-Neulinge empfehlen wir, mit dem Roller zuerst ein paar Runden in einem verkehrsberuhigten Bereich zu trainieren, denn das Abbiegen und Bremsen mit einem elektronischen Roller sollte man im Straßenverkehr gut beherrschen. Aktuelle Informationen – etwa die Geschwindigkeit oder die Restkapazität des Akkus – teilt der Roller meist über sein Display mit. Ein guter Indikator für den zu erwartenden Fahrkomfort bietet die Größe der Reifen, eine Federgabel bietet hier zusätzlichen Komfort.

So haben wir getestet

Unsere 11 E-Scooter haben wir auf ihre Zulassungs-Tauglichkeit geprüft. Ferner standen in unserem Test die Kriterien Handling, Gewicht, Fahrkomfort und Fahrstabilität neben den allgemeinen Brems- und Fahrleistungen im Mittelpunkt. Um die Reichweite zu testen, absolvierten wir mit jedem E-Scooter außerdem einen 15 Kilometer langen Fahrparcours.

   Unsere Empfehlungen sind redaktionell unabhängig.

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