Test: Smartlock

Smart Locks im Test : Sesam, öffne dich

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Veröffentlicht 04.08.2020

Für viele klingt es verlockend, Türen ohne Schlüssel, einfach per Smartphones zu öffnen – am besten sogar automatisch. Dabei liegt der Teufel jedoch im Detail: Nicht alle Smart Locks erledigen ihre Aufgaben zuverlässig. Wichtige Kriterien sind außerdem Funktionsumfang, Installation sowie Sicherheit.

Ibrahim Altiparmak
Ibrahim Altiparmak
hat als Technik-Redakteur unter anderem für das Computermagazin CHIP geschrieben. Er schreibt vor bevorzugt über die Themen PC, Smartphone, Tablet und Smart Home.

Das Smartphone wird auch in den eigenen vier Wänden immer mehr zur Allzweckwaffe. So kann man mit einer entsprechenden App etwa Heizung oder Licht steuern, oft sogar per Sprachbefehl. Doch immer mehr setzt sich auch ein neuer Trend durch: Handys als Schlüssel-Ersatz. Die sogenannten Smart Locks werden per Smartphone-App, und in manchen Fällen gar per Smartwatch, auf- und zugesperrt und bieten gegenüber Schlüsseln einige Vorteile, bergen aber auch Gefahren.

Praktisch ist etwa die häufig angebotene Funktion »Auto-Unlock«, bei der das Schloss automatisch erkennt, wenn man sich auf die Tür zu bewegt. Außerdem ist es so unproblematisch, weiteren Personen Zugangsberechtigungen zu erteilen, da man sie einfach zur App einlädt, anstatt einen neuen Schlüssel bestellen zu müssen. Verliert man sein Smartphone, so ist der digitale Schlüssel deaktivierbar – und falls man sich nur aussperrt, können andere Nutzer einem aus der Ferne die Tür öffnen.

In der Theorie klingt das erstmal sehr angenehm, aber natürlich muss auch in der Praxis alles funktionieren, und zwar zuverlässig. Daher haben wir bei 7 Smart Locks getestet, ob sie ihre Versprechungen halten, oder sich im Alltag doch als unpraktisch oder unsicher erweisen.

Viel Zubehör: Nuki Smart Lock 2.0

Viel Zubehör

Nuki Smart Lock 2.0

Test: Nuki Smart Lock 2.0
Ein Smart Lock mit einer komfortablen Bedienung, das mit bestehenden Zylindern funktioniert. Das Zubehör lässt keine Wünsche offen.

Ein ausgezeichnetes Gesamtpaket bekommt man beim Nuki Smart Lock 2.0. Nicht nur in grundlegenden Punkten wie Montage und Software weiß Nuki zu überzeugen, auch das Zubehör fällt sehr umfangreich aus. Besonders ist hier vor allem der Opener, der in Mehrfamilienhäusern mit Gegensprechanlagen einen echten Mehrwert bietet.

Angenehm simpel ist die Montage: Den bestehenden Zylinder muss man zunächst einmal nicht ausbauen. Je nach Art des Zylinders liegen zwei unterschiedliche Montageplatten bei, die man auf den Zylinder aufklebt. Danach steckt man den Schlüssel ins Schlüsselloch und fixiert das Schloss mithilfe dreier Schrauben auf der Platte. Zuletzt montiert man das Batteriefach von unten, hier finden vier AA-Batterien Platz. Alternativ kann man aber auch einen Akku, also wiederaufladbare Batterien, benutzen, wenn man die Batterien nicht ständig neu kaufen möchte. Die Batterien sollen zwar laut Hersteller 10 bis 12 Wochen halten, allerdings bekamen wir schon nach rund vier Wochen eine Batteriewarnung per Mail – eine Anzeige in der App gibt es leider noch nicht.

Smart Lock Test: Smart Lock Nuki
Schön kompakt und leicht zu montieren: Das Nuki Smart Lock 2.0.

Vor der Montage muss man allerdings ein paar Dinge beachten: Beim Zylinder sollte es sich um ein Modell handeln, das auch von außen aufgeschlossen werden kann, wenn innen schon ein Schlüssel steckt. Diese sogenannte Not- und Gefahrenfunktion ist in vielen Fällen lohnenswert. Außerdem empfiehlt es sich, vorher einen Kompatibilitätscheck zu machen. Unser Schlüssel etwa ragte zu weit vom Zylinder ab, weshalb wir den Schlüssel, und somit auch gleich den Zylinder, wechseln mussten.

Smart Lock Test: Smart Lock Nuki Montage
Zur Montage benötigt man nur eine Montageplatte sowie drei Schrauben.

Hat man die Montage geschafft, so fehlt nur noch die Kalibrierung mit der Nuki-App, die man in den gängigen App-Stores herunterladen kann. Nach dem Download wählt man einen Benutzernamen und koppelt das Smartphone mit dem Schloss. Haben sich die Geräte erkannt, so vergibt man einen Namen für das Schloss und startet die Kalibrierung. Bei der gesamten Installation wird man kompetent von der Nuki-App unterstützt, die übrigens auch viele Einstellungsmöglichkeiten bietet.

Die Verwaltung des reichlichen Zubehörs findet unter »Meine Geräte verwalten« statt. Nuki bietet zusätzlich eine Bridge zur Einbindung ins WLAN, einen Opener für Gegensprechanlagen sowie die Schlüssel-Alternativen Keypad und Fob an. Übrigens kann man das Schloss auch per Smartwatch mit einer entsprechenden App öffnen. Dank klarer Anweisungen in der App hat man das gesamte Zubehör fix hinzugefügt, ohne dass man das Handbuch zu Hilfe ziehen muss – sehr angenehm.

Interessant ist beim Zubehör besonders die Bridge, die Fernzugriff ermöglicht. So kann man die Tür für andere Leute aufsperren, auch wenn man nicht in der Nähe ist. Außerdem lässt sich das Nuki in ein Smart-Home-System einbinden und per Siri, Alexa und Google Assistant steuern.

Smart Lock Test: Smartlocks Screenshots Nuki00021
Der Geofence stellt den Radius dar, in dem Auto-Unlock genutzt werden kann.

Im alltäglichen Gebrauch erweist sich die App als ebenso simpel. Per Wisch nach rechts oder links sperrt man die Tür auf und zu, man kann aber dafür auch andere Aktionen festlegen. Auch weitere Funktionen sind schnell durch Wischen oder Tippen erreichbar. Als besonders praktisch erweist sich die »Lock-’n‘-Go«-Funktion, die man entweder im Dropout-Menü findet, oder aber – noch besser – durch zweimaliges Drücken des Knopfs auf dem Schloss aktiviert. Die Tür schließt sich dann automatisch ab, sobald sie geschlossen wird, sodass man nicht mehr manuell absperren muss.

Wenn es noch zeitsparender und bequemer gehen soll, nutzt man die Auto-Unlock-Funktion. Dazu speichert man den Standort des Smart Locks und lässt die App gleichzeitig auch das Smartphone tracken. Eine zentrale Rolle spielt hier der Geofence, ein individuell festzulegender Radius von mindestens 50 Meter rund um das Schloss. Das Smart Lock erkennt, wenn man den Radius verlässt. Betritt man ihn dann wieder, so sucht das Smartphone per Bluetooth nach dem Schloss und öffnet es automatisch, anschließend muss man die Tür nur noch aufdrücken.

Ein Problem bei diesem Feature ist der hohe Mindestradius. Beim Gang zum Briefkasten etwa verlässt man diesen logischerweise nicht, weshalb dann auch Auto-Unlock nicht greift. Und selbst wenn man den Geofence verlässt, wird das nicht immer zuverlässig erkannt – oder es dauert einfach zu lange. Trotz dieser Mängel funktionierte Auto-Unlock hier im Vergleich zur Konkurrenz noch am besten.

In puncto Datenschutz und Sicherheit macht das Nuki Smart Lock 2.0 einen guten Eindruck: Laut den Nutzungsbedingungen darf Nuki die Standort-Daten nur für die Funktionalität der App nutzen, aber nicht anderweitig verwerten. AV-Test, ein Forschungsinstitut für IT-Sicherheit, stuft zudem die Software von Nuki als sicher ein. Die Kommunikation ist demnach gut verschlüsselt, somit gibt es keine Schwachpunkte, die Hacker anziehen könnten.

Festzuhalten bleiben beim Nuki Smart Lock 2.0 die gelungene App sowie die einfache Montage und Installation. Beim Auto-Unlock ist noch etwas Luft nach oben, aber gegenüber anderen Herstellern funktioniert auch das automatische Öffnen schon recht gut. In Sachen Datenschutz und Sicherheit leistet sich das Schloss keine Schwächen.

Gut verarbeitet: Danalock V3

Gut verarbeitet

Danalock V3

Test: Danalock V3
Danalock bietet ein gutes Smart Lock für Einsteiger an auf Wunsch gleich mit passendem Zylinder.

Mit seinem Aluminiumgehäuse macht das Danalock V3 einen sehr hochwertigen und stabilen Eindruck. Das dritte smarte Schloss des dänischen Herstellers ist zunächst ähnlich konstruiert wie das Nuki: Man bringt das Schloss innen an, sodass es von außen unsichtbar ist und man von dort die Tür auch noch auf klassische Weise per Schlüssel öffnen kann. Ein wesentlicher Unterschied ist allerdings, dass man für das Danalock einen speziellen Zylinder benötigt, der aber nicht mitgeliefert wird und separat erworben werden muss.

Smart Lock Test: Smart Lock Danalock
Das Danalock ist keine Nachrüstlösung, funktioniert aber auf dieselbe Weise.

Beim Kauf des Danalock hat man die Wahl zwischen unterschiedlichen Versionen: Neben der Standardvariante mit Bluetooth gibt es verschiedene Smart-Home-Ausführungen, und zwar für HomeKit, Zigbee und Z-Wave.

Die Installation dauerte bei uns ein wenig länger als bei Nuki, was vor allem daran liegt, dass man zunächst den bestehenden Zylinder entfernen und dann den mit Danalock kompatiblen einbauen muss. Dieser Zylinder besteht aus mehreren Adapterstücken, die man zusammenfügen und verschrauben kann – somit ist die Länge verstellbar. Anschließend kürzt man noch den Mitnehmer, auf den später das Smart Lock gesetzt wird.

Smart Lock Test: Smartlocks Screenshots Danalock00006
Unter Android ist der Radius des Geofence riesig.

Hat man den Zylinder dann eingesetzt, ist die Extra-Arbeit getan. Den Rest kennt man von Schlössern, die mit bestehenden Zylindern funktionieren: Auf den Zylinder kommt eine Montageplatte, worauf schließlich das Danalock geschraubt wird, das man noch mit dem Zylinder verbindet. Das Ganze kann durchaus etwas mühselig sein, sollte aber auch für handwerklich unbegabte Menschen zu schaffen sein.

Smart Lock Test: Smartlocks Screenshots Danalock00013
In der Android-Version hat sich die App ein zwei Mal aufgehängt.

Ist das Smart Lock einmal an der Tür, gehen die finalen Schritte der Installation aber schnell. Man koppelt sein Smartphone mit dem Danalock, meldet sich als Administrator an und konfiguriert das Schloss, indem man es beibringt, wie weit es das Schloss drehen muss, um auf- oder eben abzuschließen.

Familienmitglieder oder Arbeitskollegen kann man in der App leicht zur Nutzung berechtigen. Hier erweisen sich besonders die Zeitprofil-Einstellungen als hilfreich, mit denen man Nutzern nur beschränkten Zugang erteilen kann, also zu bestimmten Zeiten. Mit der Danabridge ist darüber hinaus ein Fernzugriff möglich.

Ebenso gibt es eine Auto-Unlock-Funktion, die – ähnlich wie bei Nuki – per GPS und Bluetooth sowie mit einem Geofence funktioniert. Auch hier kam es leider besonders bei unseren iOS-Testhandys zu Problemen bei der Zuverlässigkeit, die Android-Smartphones machten das besser. Die andere Schwachstelle ist der Geofence, der beim Danalock viel zu groß ausfällt. So beträgt der niedrigstmögliche Radius stolze 400 Meter – unverständlich, warum man nicht auch kleinere Entfernungen anbietet.

Einen guten Eindruck macht die Danalock Deutschland App, die intuitiv bedienbar ist und schön einfach gehalten ist – fast schon zu einfach, denn die Einstellungsmöglichkeiten sind doch recht begrenzt. Bei unserem Test hat sie sich leider hier und da einmal aufgehängt, dann half nur ein Neustart.

Übrigens funktioniert die App auch für watchOS und Wear OS, sodass man das Schloss auch per Smartwatch steuern kann. Eine weitere Alternative zum Smartphone stellt das Danapad dar: Dabei handelt es sich um ein Keypad, auf dem man die Tür per Zahlencode aufsperren kann.

Beim Datenschutz macht Danalock leider nur schwammige Angaben, sodass nicht genau geklärt ist, was mit gespeicherten Daten passiert oder welche Rechte Dritten eingeräumt werden. Immerhin wird beteuert, dass nur Informationen genutzt werden, die zur Funktionalität der App beitragen. Kritisch zu betrachten ist der Debug-Modus: Hier werden Logs erstellt und auf dem Handy gespeichert, die durchaus Zielscheibe für Hacker sein könnten. Ansonsten ist die Kommunikation aber ausreichend verschlüsselt.

Vom Grundpreis her ist das Danalock V3 ziemlich günstig, allerdings muss man bedenken, dass man zusätzlich den besonderen Zylinder benötigt. Dann ist man zwar immer noch ein wenig unter dem Preis von Nuki, allerdings fehlen dafür auch einige Funktionen, unter anderem eine Lösung für Gegensprechanlagen. Trotzdem macht das Danalock insgesamt eine gute Figur.

Fürs Büro: Evva AirKey

Fürs Büro

Evva AirKey

Test: Evva Airkey
Gutes Smart Lock für Business-Anwender: Die Cloud-Administration ist ein großer Pluspunkt, wenn viele Nutzer an verschiedenen Orten verwaltet werden sollen.

Im Gegensatz zu Nuki und Danalock kommt das Evva AirKey ohne Motor aus. Es eignet sich besonders im Inneren von Gebäuden und ist als Business-Lösung gedacht – also darauf ausgelegt, eine Vielzahl von zugangsberechtigten Personen zu verwalten.

 Test: Smartlocks Evva
Nicht nachrüstbar: Der Evva AirKey ersetzt den Zylinder.

Wer viel Wert auf seine Datensicherheit legt, wird bei Evva schlucken, denn die Administration läuft via Browser und Cloud. Vor dem Kauf sollte man zwei weitere Dinge bedenken: Erstens sind NFC-fähige Smartphones hier wichtig, besonders wenn man das Schloss mit NFC-Tags steuern möchte. Zweitens braucht man zur Vergabe von Zugangsberechtigungen sogenannte KeyCredits. Jede Änderung kostet einen Credit, und zwar egal ob man eine kleine Änderung oder gleich viele Einstellungen vornimmt, weshalb man die gut planen sollte.

Beim Auspacken wird man positiv überrascht: Das Smart Lock wirkt für einen Sicherheitstechnik-Hersteller standesgemäß hochwertig und schön verarbeitet. Leider ist die folgende Installation nicht gerade selbsterklärend, sodass man hier besser die Anleitung zu Hilfe nimmt.

Zuerst legt man die Batterien in den Außenknauf ein, in dem sich auch große Teile der Elektronik befinden. Dazu muss man ihn auf- und wieder zuschrauben. Bei der Montage sollte man darauf achten, dass man die Pins präzise an der Platine einsetzt, da ist das AirKey empfindlich. Mithilfe des beigelegten Werkzeugs verbindet man im Anschluss den Zylinder und den Außenknauf. Ähnlich wie eine Zange drückt das Werkzeug die Pins des AirKey-Knaufs und erlaubt dann das Verschrauben. Das alles ist nicht so ganz einfach, weshalb es keine Schande ist, wenn man mehrere Anläufe braucht.

Vor dem Verschrauben muss man schon etwa die richtige Position für den Außenknauf finden, dazu stellt man das Logo am Knauf auf etwa 4 Uhr. Dann schraubt man genau fünf Mal im Uhrzeigersinn, bis das Logo ca. auf 8 Uhr steht. Anschließend dreht man wieder auf 6 Uhr zurück, wonach ein Klicken signalisiert, dass man die Montage geschafft hat.

Ist dieser Part erledigt, ist es also endlich an der Zeit, die Software zu konfigurieren. Dazu ruft man airkey.evva.com auf – die Steuerzentrale für das smarte Schloss. Hier, und nur hier, kann man Smartphones und NFC-Tags zum Zugang berechtigen. NFC-Geräte können zum Glück per Smartphone konfiguriert werden, jedoch eben erst, wenn man dem Handy die Berechtigung dafür erteilt hat. In der Steuerzentrale ist außerdem das Protokoll sichtbar, das kann man ebenfalls auf dem Smartphone abrufen.

Zunächst legt man dort einen Account an und loggt sich ein. Für die Registrierung des eigenen Smartphones bekommt man einen Aktivierungslink per SMS, die restlichen Anweisungen erhält man dann in der AirKey-App. Hat man alle Schritte erfüllt und möchte das Smartphone schließlich mit dem Smart Lock koppeln, so setzt man das Schloss auf der Evva-Website in den Wartungsmodus, damit man die Kopplung letztendlich in der Evva-App via Bluetooth oder NFC abschließen kann.

Dank einer Standby-Funktion wird effizient Energie gespart. Nutzt man Bluetooth zur Kommunikation, so weckt man das AirKey durch Tippen erst auf, bevor es sich öffnet. Im sogenannten Hands-free-Modus reicht dieses Tippen sogar, ohne dass man das Smartphone aus der Tasche holen muss. Noch etwas bequemer ist die NFC-Verbindung, denn hier muss man nicht mal mehr tippen. Welche Variante man auch bevorzugt, beide sind fix und zuverlässig. Nutzt man NFC, so kann man natürlich auch einen Tag oder eine Karte hinzufügen.

Alles in allem fällt die Verwaltung etwas komplizierter, dafür aber auch detaillierter aus als bei anderen Smart Locks. Sicherheit ist dank Verschlüsselung und Zwei-Faktor-Authentifizierung jederzeit gegeben. Auch an der Datenschutzerklärung gibt es nichts zu mäkeln, allerdings sollte man bedenken, dass man ständig Daten mit der Cloud austauscht. Daher gilt: Für den Business-Einsatz etwa in großen Büroräumen ist das Evva AirKey eine gute Lösung, für den Heimgebrauch findet man aber simplere und günstigere Alternativen.

Außerdem getestet

Wie auch das Danalock benötigt das Yale ENTR einen speziellen Zylinder, den man entweder zusammen mit dem Schloss oder separat bekommt. Die Montage ist auch ohne handwerkliche Erfahrung recht flott geschafft. Bedient wird das Schloss per Smartphone oder mit einer Fernbedienung, die einen sehr guten Eindruck macht. Weiterer, optionaler Zubehör sind ein Fingerprint-Scanner, ein Keypad und eine Powerbank. Gerade die ersten beiden dürften aber gerne besser verarbeitet sein, da die jeweiligen Tastaturen ohne wirklichen Druckpunkt auskommen – außerdem ist der Fingerabdruck-Scanner nicht besonders verlässlich.

Die Kommunikation zwischen Smart Lock und Handy läuft per Bluetooth. In der App hat man vergleichsweise wenige Möglichkeiten: Öffnen, absperren und Benutzer verwalten ist alles. Somit fehlt etwa eine Auto-Unlock-Funktion, einen Auto-Lock hingegen gibt es aber. Insgesamt ist die Oberfläche unabhängig vom Betriebssystem noch ausbaufähig, auch bei der Software ist noch Luft nach oben.

Smart Lock Test: Smartlocks Screenshots Burgwächter00001
Ziemlich altbacken: Die zugehörige App von Burg-Wächter.

Ebenfalls aus Software-Gründen schafft es das secuEntry Easy Plus 5652 Fingerprint von Burg-Wächter nicht unter die Empfehlungen. Es kommt zudem ohne Motor aus und wird Außen angebracht – immerhin ist für den Fall eines technischen Problems ein Schlüssel mitgeliefert. Der Zylinder ist an die jeweilige Tür anpassbar, allerdings erfordert seine Montage etwas Fingerspitzengefühl. Ist das einmal geschafft, so kann man wahlweise am Keypad, in der App oder am PC die Benutzer verwalten. Für jene PC-Software muss man jedoch draufzahlen. Egal, welche Möglichkeit man wählt – die Bedienung fällt vergleichsweise kompliziert aus.

Besser gelöst hat man das Entsperren: Alle Varianten, also Smartphone, Fingerabdruck oder Transponder, funktionieren einwandfrei und zuverlässig. Zur Verschlüsselung der Funk-Kommunikation haben wir keine Informationen gefunden, Bluetooth wird aber per AES verschlüsselt.

Wie bereits angedeutet ist die App leider nicht mehr zeitgemäß. Optisch wirkt sie, als wäre man zurück in der Zeit der ersten Smartphones – dementsprechend muss man auch auf einige smarte Funktionen verzichten. Neben dem fehlenden Auto-Unlock ist es vor allem schade, dass man das Schloss nicht mit dem Smart-Home-System verknüpfen kann. Wer das nicht braucht und sich ein einfaches Smart Lock wünscht, ist mit dem Burg-Wächter trotzdem nicht schlecht beraten.

Auch beim Dom Tapkey Pro V2 bleibt einem nichts anderes übrig, als das Schloss manuell zu öffnen, denn es ist nicht motorisiert und kommuniziert per Bluetooth (mit AES-Verschlüsselung) oder NFC. Leider kann man nur fünf Benutzer hinzufügen, für mehr wird ein Aufpreis fällig.

Kein großes Problem stellt die Montage und Installation dar. Der Zylinder ist schnell eingebaut, danach lädt man die Tapkey-App herunter, erstellt einen Account und koppelt Smartphone und Schloss. Einziges Manko: Bei der Installation könnte man mit der Elektronik in Berührung kommen. Das ist zwar nicht gefährlich, kann selbige jedoch beschädigen. Die App reagiert dafür aber erfreulich schnell und wirkt insgesamt modern, auch die Verwaltung der Zugangsberechtigungen geht angenehm fix.

Das Schloss an sich macht einen soliden Eindruck, allerdings wirkt es so, als solle man dem Außenknauf besser nicht zu viele Wettereinflüsse zumuten. Auf eine ungewöhnliche Lösung setzt man bei den Batterien: Hier kommen zwei Lithium-Batterien (CR2, 3V) zum Einsatz, die zudem per Kabel verbunden sind. Überall wird man die nicht finden – im Zweifel bekommt man sie beim Hersteller.

 Test: Smart Lock Tapkey
Bei der Installation sollte man darauf achten, nicht mit der Elektronik in Berührung zu kommen.

Bei den Grundfunktionen lief leider auch nicht immer alles reibungslos. Das Entsperren machte gerade in der App manchmal Probleme, besser lief es da mit einem NFC-Tag. Hin und wieder erreichten wir das Smart Lock gar nicht mehr, dann blieb uns nur ein Neustart. Nicht optimal, besonders vor dem Hintergrund, dass es keinen Notfall-Schlüssel gibt.

Auch wenn es so beschrieben ist – wirklich smart ist das We.Lock L6PB nicht. Die Montage klappt noch ganz ordentlich, aber schon hier merkt man dem Schloss seine billige Verarbeitung an. Zu kritisieren ist dann aber vor allem die Software. Sie ist nicht nur unschön gestaltet, sondern auch nur teilweise übersetzt. Zur Aktivierung muss man Telefonnummer und E-Mail-Adresse angeben, immerhin funktioniert dann das Entsperren ganz zuverlässig, hier hat man die Wahl zwischen RFID-Tag oder Pin.

Bei jener Pin-Eingabe stört allerdings, dass sie sich schnell wieder in den Standby-Modus versetzt, wenn man nicht schnell genug tippt. Zur Sicherheit informiert der Hersteller nicht – nur so viel sei gesagt: Auf dem Zylinder findet man das Super-Passwort, womit man das Smart Lock zurücksetzen kann. Daher sollte man sich zweimal überlegen, ob man dieses Schloss an seiner Wohnungstür anbringen möchte.

Wissenswertes über Smart Locks

Ein gutes Smart Lock soll selbstverständlich mehr können, als nur eine Tür auf- und abschließen. Für Schlösser mit zusätzlichen, smarten Features muss man meist tiefer in die Tasche greifen – das lohnt sich dann aber in der Regel auch.

Schon für das Öffnen und Schließen von Türen gibt es verschiedene Lösungen: Oft kommunizieren Smartphone und Smart Lock via Bluetooth, es geht aber theoretisch auch per Internet. Da allerdings keines der getesteten Smart Locks eine WLAN-Funktion integriert hat, muss man dafür nochmal zusätzlich investieren. Der Vorteil: Nur über Internet ist Fernzugriff möglich, etwa um jemanden hereinzulassen, wenn man selbst gerade nicht da ist. Außerdem lässt sich das Schloss so in Smart-Home-Systeme wie Amazon Alexa und Apple HomeKit einbinden.

Smart Lock Test: Nuki Press 5
Oft kann man Smart Locks nicht nur per Handy, sondern auch mit einer Bluetooth-Fernbedienung oder einem NFC-Tag öffnen.

Der Teufel liegt jedoch im Detail: Nicht immer funktioniert alles so reibungslos, wie von den Herstellern versprochen. Schon bei der Installation können Probleme auftreten: Bei manchen Modellen muss man etwa den Schließzylinder austauschen, dann wieder passt der Schlüssel nicht. Daher sollte man sich vor der Anschaffung informieren, ob alle Bestandteile kompatibel sind.

Ist das Smart Lock einmal montiert, so kann einem noch die Batterie oder die Verbindung einen Strich durch die Rechnung machen. Gegen solche Probleme sind Smart Locks empfehlenswert, die nur innen an der Tür angebracht werden. Folglich bleibt außen das übliche Schloss, dass man eben im Notfall auch per Schlüssel öffnen kann. Gerade weil einige Schlösser noch nicht besonders zuverlässig sind, ist diese Absicherung sehr sinnvoll.

Insbesondere die Auto-Unlock-Funktion wird bei vielen Modellen zur Glückssache. Ursache dafür ist oft, dass Smartphones ihre Bluetooth-Funktion einschränken, um Energie zu sparen. Mit konstanterer Abfrage wäre auch Auto-Unlock zuverlässiger, allerdings kostet das sowohl dem Handy, als auch dem Schloss selbst, viel Energie. Ein guter Kompromiss muss also gefunden werden.

Funktionsweise

Smart Locks unterscheiden sich in ihrer Technik. Am gängigsten ist der Austausch zwischen Smartphone und Smart Lock via Bluetooth. Besonders in puncto Sicherheit ist das gut, da einerseits keine persönlichen Daten wie etwa der Standort preisgegeben werden, man andererseits aber auch vor Hackerangriffen aus dem Internet geschützt ist. Wirklich »smarte« Funktionen bekommt man allerdings über Bluetooth nicht. Möchte man sein Schloss ins Smart Home einbinden oder aus der Ferne steuern, so braucht man eine »Bridge«, die quasi als WLAN-Repeater und Zugangspunkt zugleich fungiert.

Das Smartphone ist aber nicht die einzige Möglichkeit, ein Smart Lock zu öffnen. Alternativen sind beispielsweise eine Bluetooth-Fernbedienung oder ein NFC-Tag. Besonders mit NFC (»Near Field Communication«) ist man vielseitig aufgestellt, da neben den Tags auch NFC-fähige Smartphones das Schloss öffnen können. Praktisch ist außerdem, dass der Austausch über NFC elektromagnetisch stattfindet und so unabhängig von Energieversorgung bleibt. Weitere Schlüssellösungen sind Code-Eingabe oder Fingerabdrucksensor.

Smart Lock Test: Smart Lock Burg Wächter 1
Bei vielen Smart Locks kann man Keypads dazukaufen – manchmal sogar mit Fingerabdrucksensor, wie hier beim Burg Wächter.

Um die Auto-Unlock-Funktion nutzen zu können, braucht man neben Bluetooth, auch eine Internetverbindung sowie GPS. Da die permanente Bluetooth-Abfrage den Akku zu sehr in Anspruch nimmt, sucht das Handy das Smart Lock erst, wenn es sich laut GPS in der Nähe befindet. Dazu wird ein sogenannter Geofence festgelegt, also ein bestimmter Radius um das Schloss.

Klingt clever, hat aber seine Tücken: Oft ist der Geofence ziemlich groß, sodass man ihn nicht verlässt, wenn man etwa nur kurz an den Briefkasten geht. Das automatische Öffnen funktioniert aber nur, wenn man den Radius einmal verlassen hat und dann wieder eintritt – denn sonst wäre die Tür ja ständig offen, wenn man sich zuhause aufhält.

Smart Lock Test: Smart Lock Tapkey
Einige Smart Locks setzen auf NFC-Tags als Schlüssel.

Ebenso ist die Funktion bedenklich hinsichtlich Datenschutz, schließlich wird durchgehend der Standort überwacht, und zwar nur damit man beim Nachhausekommen nicht sein Handy oder den Schlüssel herauskramen muss. Hier lohnt es sich definitiv, einmal die Datenschutzerklärung zu prüfen. Manche Apps behalten sich nämlich vor, die erhobenen Daten zu Werbezwecken weiterzugeben.

Bauarten

Smart Locks werden entweder mit einem Schlüssel am schon verbauten Zylinder montiert, oder aber komplett mit neuem Zylinder eingebaut und dann muss der Ursprüngliche weichen. Erstere haben den Vorteil, dass sie von außen unsichtbar sind und man die Tür daher auch noch per Schlüssel öffnen könnte – allerdings nur, wenn der Zylinder von beiden Seiten sperrbar ist. Solche Zylinder, erkennbar an der »Notfall- und Gefahrenfunktion«, sind überhaupt eine lohnenswerte Investition, da man die Tür auch dann noch aufschließen kann, wenn etwa ein Schlüssel im Schloss feststeckt – oder eben ein Smart Lock auf der anderen Seite.

Meist sind Smart Locks, die mit dem ursprünglichen Zylinder funktionieren, motorisiert und öffnen so auch wirklich selbständig das Schloss. Smart Locks mit integriertem Zylinder und einem oder zwei Knäufen hingegen geben jenen Zylinder lediglich zum Entriegeln frei. Der Nutzer dreht dann am Knauf, worauf sich die Tür öffnet. Wurde das Schloss nicht freigegeben, ist der Knauf zwar drehbar, entriegelt aber nicht das Schloss. 

Sicherheit

Interessant ist natürlich die Frage nach der Sicherheit der Smart Locks. Oberste Priorität ist hier, stets die Software des Geräts sowie die des Smartphones zu aktualisieren. Ohne regelmäßige Updates läuft man Gefahr, dass Schwächen in der Software von Kriminellen genutzt werden, um das Schloss zu knacken. So wird es besonders zum Problem, wenn der Hersteller pleite geht.

Aber selbst mit aktueller Software ist man nicht automatisch sicher. Schlechte Konfiguration oder mangelnder Schutz des Smart-Home-Systems, in das das Schloss eingebunden ist, macht die einzelnen Komponenten durchaus für Hacker angreifbar. Um daraus Kapital zu schlagen, müsste der Hacker allerdings logischerweise vor Ort sein und zudem wissen, welches Smart Lock man verwendet. Dass all das zusammenkommt, ist sehr unwahrscheinlich, weswegen Smart Locks von technischer Seite als allgemein sicher gelten.

Smart Lock Test: Einbrecher
Mit dem Stemmeisen geht’s einfacher und schneller.

Für Einbrecher ist es daher erfolgsversprechender, auf altbekannte Waffen wie etwa ein Stemmeisen zurückzugreifen. Eine andere Möglichkeit wäre noch ein Elektropick – dafür sind aber sehr gute IT-Kenntnisse erforderlich. Im Moment lohnt sich das für Kriminelle noch nicht, da Smart Locks einfach nicht verbreitet genug sind. Ein gut konfiguriertes Smart Lock mit aktueller Software stellt daher kein Sicherheitsrisiko dar.

So haben wir getestet

Die Smart Locks haben wir im alltäglichen Gebrauch in unserer Redaktion getestet. Natürlich sollen die Schlösser zunächst möglichst simpel zu montieren sein. Danach kommt es in erster Linie auf die Zuverlässigkeit der Funktionen an, weshalb sich jedes Smart Lock über mehrere Wochen an unserer Tür beweisen musste.

Der Funktionsumfang war nicht immer der gleiche: Bei manchen Herstellern bekommt man eine Bridge zur Einbindung ins heimische WLAN, andere bieten etwa einen Fingerprint-Reader an. In Nukis Combo-Set sind etwa eine Bridge, ein Keypad sowie die Bluetooth-Fernbedienung Fob enthalten.

Entscheidend war für uns aber nicht der Umfang des Zubehörs, sondern vor allem die Zuverlässigkeit, die Zeit, die man sich hoffentlich spart, sowie die Benutzerfreundlichkeit der jeweiligen App.

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