Bohrhammer Test: Bohrhammer

Bohrhammer im Test : Mit voller Kraft in die Wand

Veröffentlicht 04.08.2020

Für die meisten baulichen Tätigkeiten im Haushalt genügt eine Schlagbohrmaschine, doch ab und zu braucht es noch mehr Leistung. In solchen Fällen sind Bohrhammer die richtige Wahl. Ihre starken Schlagwerke machen selbst mit harten Materialien, wie Stein, kurzen Prozess. Wir haben 10 Modelle getestet.

Marc Hüffer
ist Produktdesigner und Ladenausstatter und arbeitet ständig mit Werkzeug aller Art. Er testet regelmäßig Profi- und Heimwerker­-Tools.

Ein Bohrhammer ist der große Bruder der Schlagbohrmaschine, er kommt meistens mit deutlich mehr Gewicht und ist auch in seinen Funktionen stark eingeschränkt. Sein Einsatzgebiet sind lediglich die ganz harten Materialien, wie Beton oder Stein. Im Grunde beschränkt sich ein klassischer Bohrhammer auf diese Leistung, er ist also ein Spezialist. Das Unternehmen Hilti aus Lichtenstein hat diese Produktkategorie ins Leben gerufen, die anfangs ausschließlich für den professionellen Gebrauch auf Baustellen konzipiert wurde, sprich hauptsächlich dem Bohren von vielen Löchern in Beton. Deshalb liegen die Stärken eines Bohrhammers in seiner kontinuierlich hohen Leistung, die ein schnelles und kompromissloses Arbeiten ermöglichen.

Variabilität ist bei diesen Geräten nicht unbedingt gefragt, vielmehr soll der gleiche Job immer wieder und für eine möglichst lange Zeit wiederholt werden können. Allerdings können Bohrhämmer auch die ein oder andere Meißel-Arbeit erledigen, sofern man den passenden Aufsatz ins Bohrfutter einsetzt. Die Geräte kommen meistens mit einem SDS-Bohrfutter, welches sie in der Werkzeugaufnahme begrenzt und somit, wie bereits erwähnt, auch in der Bearbeitung von Materialien einschränkt. Wer auch mal etwas in Metall fräsen oder in Holz bohren möchte, der kann den Bohrhammer dafür nicht benutzen, außer er kommt mit einem zweiten Schnellspann-Bohrfutter, denn für das SDS-System gibt es lediglich Beton- oder Steinbohrer. Geräte, bei denen sich das Bohrfutter wechseln lässt, werden aufgrund ihres größeren Einsatzgebietes auch Multihammer genannt.

Vergleichstabelle
Vergleichstabelle
Kraftvoller HeimwerkerVielseitiger HandwerkerLanglebiger Profi
Test  Bohrhammer: Einhell RT-RH 32 ETest  Bohrhammer: Makita HR2631FT13Bohrhammer Test: Hilti 7-C
Modell Einhell RT-RH 32 E Makita HR2631FT13 Hilti TE 7-C
Pro
  • Sehr starker Motor
  • Sehr gute Bohrleistung
  • Gut bedienbares SDS-Bohrfutter
  • Vibrationsdämpfung im Griff
  • Stabiles Kabel
  • Guter, laufruhiger Motor
  • Gute Bohrleisung
  • Gute Ergonomie
  • Gut bedienbares SDS-Bohrfutter
  • Sehr gute Ausstattung
  • Fast vollständig symmetrisch (für Linkshänder interessant)
  • Feststellknopf
  • Guter, laufruhiger Motor
  • Gut bedienbares SDS-Bohrfutter
  • Inklusive Wechsel-Schnellspannfutter
  • Gute Bohrleistung
  • Kompakte Bauform
Contra
  • Sehr schwer
  • Kein Linkslauf
  • Kein Feststellknopf
  • Kein Wechselbohrfutter
  • Billiger Kunststoffkoffer
  • Unterdurchschnittliche Schlagstärke
  • Teuer
  • Keine Drehzahlregulierung zum Bohren
  • Kein Wechselbohrfutter
Bester Preis
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Kraftvoller Heimwerker: Einhell RT-RH 32 E

Kraftvoller Heimwerker

Einhell RT-RH 32 E

Test  Bohrhammer: Einhell RT-RH 32 E
Groß, schwer und leistungsstark: Die RT-RH 32 E bietet viel Bohrhammer für relativ wenig Geld.

Die Einhell RT-RH 32 E ist das Mittel der Wahl, wenn Sie nicht allzu viel Zeit auf der Baustelle verbringen möchten, denn in Sachen Geschwindigkeit war sie im Test ungeschlagen. Das liegt nicht zuletzt am leistungsstarken Motor, der mit satten 1.250 Watt die Speerspitze in unserem Test bildete. Selbst in harten Granit schlug das Kraftpaket tiefe Löcher.

Die Fähigkeiten des pneumatisch betriebenen, roten Bohrhammers sind übersichtlich. Er kann in Stein bohren und meißeln – das war es auch schon. Zum Einsatz kommen dabei SDS-Plus-Werkzeuge, nur die passen in die nicht wechselbare Aufnahme der Maschine. Über einen Linkslauf verfügt das Gerät ebenso nicht. Das ist zwar zu verschmerzen, wenn sich der Bohrhammer aber einmal im Beton verkanten sollte, lässt er sich dadurch schwieriger befreien.

Dank seiner beachtlichen Leistung von 5 Joule pro Schlag kann der RT-RH 32 E innerhalb kürzester Zeit tiefe Löcher in hartes Material bohren. Dass eine solche Wucht natürlich auch für den Benutzer spürbar ist, lässt sich zwar nicht verhindern, aber lindern. Der Griff des Einhell-Bohrhammers verfügt deshalb über eine Vibrationsdämpfung, welche die Belastung spürbar reduziert. Allerdings sollte man unbedingt beachten, dass die Maschine mit ihren 5,7 Kilogramm selbst unter den Bohrhämmern zu den Schwergewichten gehört. Dementsprechend anstrengend ist es auch, damit zu arbeiten.

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Die Marke Einhell ist vor allem für günstiges Werkzeug bekannt. Umso erfreulicher ist die dennoch recht gute Verarbeitung, die klar über dem liegt, was man üblicherweise von Billig-Maschinen kennt. Zwar wird das Gehäuse stark von Kunststoff dominiert, weist aber weder Grate noch Spaltmaße auf und ist an beiden Griffen mit rutschfestem Gummi überzogen. Das Stromkabel ist dick, flexibel und zugentlastet – erfreulich! Der Getriebekopf ist solide, wenn auch »nur« pulverbeschichtet – das ist aber in dieser Preisklasse auch nicht anders zu erwarten.

Somit ist die Einhell RT-RH 32 E eine sehr gute Wahl für gut gebaute Heimwerker mit der nötigen physischen Konstitution, die ihren Bohrhammer nur hin und wieder brauchen, dann aber auf Kraft und Geschwindigkeit nicht verzichten wollen. Für einen tagtäglichen Einsatz auf der Baustelle könnte die Maschine unter Umständen nicht robust genug sein. Das ist aber nur eine Mutmaßung, denn einem Langzeittest konnten wir sie leider nicht unterziehen.

Vielseitiger Handwerker: Makita HR2631FT13

Vielseitiger Handwerker

Makita HR2631FT13

Test  Bohrhammer: Makita HR2631FT13
Dank sauberer Verarbeitung, guter Ausstattung und sinnvoller Komfortfunktionen ist die Makita HR2631FT13 eine gute Wahl für viele Anwendungsgebiete.

Die Makita HR2631FT13 gehört zur Kategorie Multihammer und ist somit kompromissbereit und vielseitiger einsetzbar, als die stark eingeschränkten Bohrhämmer. Mit nur wenigen Handgriffen, lässt sich das SDS-Plus-Bohrfutter durch ein Schnellspannbohrfutter ersetzen, setzt man hier die entsprechenden Bohrer ein, können auch Holz- oder Metallplatten bearbeitet werden. Mit nur 3,1 Kilogramm ist das Gerät im Vergleich mit der Maschine von Einhell außerdem ein ziemliches Leichtgewicht. Auch in Sachen Motorleistung hat die Maschine, auf dem Papier mit 800 Watt deutlich weniger, als die Konkurrenz zu bieten.

Diese vermeintlichen Schwächen lassen sich jedoch in der Bohrleistung nicht erkennen. Hier leistete sie überzeugende Arbeit, war selbstverständlich nicht ganz so schnell, wie etwa die vor Kraft strotzende Maschine von Einhell, aber im Vergleich zur Maschine von Hilti nur minimal langsamer. Nach zehn Sekunden hatte sie bereits 17 Millimeter in Granit gebohrt.

Die Verarbeitung ist, wie man es vom japanischen Hersteller kennt, hervorragend. Die HR2631FT13 hat eine tolle Haptik und man kann sie perfekt halten, da sich an den richtigen Stellen ergonomische Ausbuchtungen und Soft-Grip-Beschichtungen befinden. Den vorderen Griff kann man praktischerweise mit einer Hand und einer Drehbewegung lösen, in die gewünschte Position bringen und festziehen. Auch der Bohrtiefenanschlag lässt sich über einen praktischen Knopf schnell, individuell einstellen.

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Zwei Hände benötigt man dagegen, wenn man den drehbaren Schalter betätigt, der drei verschiedene Modi hat, nämlich Bohren, Bohren und Hämmern oder nur Hämmern. Der Festschaltknopf, mit dem man die Drehzahl beibehalten kann, befindet sich auf der linken Seite und ist während dem Arbeiten nur dann gut zu erreichen, wenn man die rechte Hand am hinteren Griff hat. Besser gelöst wurde das mit dem Klick-Schalter, der die Laufrichtung bestimmt, dieser befindet sich auf beiden Seiten.

Insgesamt ist die Makita HR2631FT13 ein Bohrhammer, der genauso flexibel einsetzbar ist, wie eine Schlagbohrmaschine, aber gleichzeitig auch die ganz harten Materialien schnell und problemlos bearbeiten kann. Hinzu kommen eine sehr gute Ergonomie, sowie ein handliches Gewicht, wodurch sie sehr gut in der Hand liegt. Lobenswert ist auch der stabile Alukoffer, außerdem Makita legt auch noch einen Satz Bohrer bei. Für den Preis ist das ein tolles Gesamtpaket. Für anspruchsvolle Hobbyhandwerker, bei denen ein Schlagbohrer an seine Leistungsgrenze kommt, ist das Gerät von Makita eine sehr gute Wahl. Für den alltäglichen Baustellenbetrieb werden die meisten Profis eine schnellere und kraftvollerer Maschine bevorzugen.

Langlebiger Profi: Hilti TE 7-C

Langlebiger Profi

Hilti TE 7-C

Bohrhammer Test: Hilti 7-C
Hilti gilt nicht umsonst als berühmter Bohrhammer-Veteran. Die Maschine ist profimäßig gut, aber auch profimäßig teuer.

Echte Profis vertrauen in Sachen Bohrhammer seit vielen Jahren auf dem Namen Hilti. Das ist sofort nachvollziehbar, sobald man die Hilti TE 7-C in die Hände nimmt. Die Maschine ist für den Dauereinsatz konzipiert, dementsprechend verarbeitet und somit extrem widerstandsfähig. Die professionelle Ausrichtung spiegelt sich aber auch in ihren Fähigkeiten wider, denn es handelt sich wirklich um einen reinen Bohrhammer – um eine herkömmliche Bohrmaschine zu ersetzen, fehlt es ihr an einer Geschwindigkeitsregulierung.

Dennoch liegt der TE 7-C ein extra Schnellspannbohrfutter bei, das zum Einsatz kommt, wenn man Werkzeug nutzen möchte, das keinen SDS-Schaft aufweist. Der Wechsel des Bohrfutters geht dabei schnell und unkompliziert von der Hand. Präzises Arbeiten gelingt dann trotzdem nur mit einem sehr ruhigen und geübten Finger, denn dafür wurde sie nicht konzipiert.

Das Gehäuse ist sehr hochwertig gefertigt und kürzer als bei den meisten anderen Modellen, was der Handhabung zugutekommt. Der vordere Handgriff ist stufenlos drehbar, um dessen Winkel ändern zu können. Auch alle Bedienelemente sind problemlos zu erreichen. In Sachen Ergonomie setzt sich die Hilti dadurch mit Leichtigkeit an die Spitze.

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Im Praxistest setzte sich der positive Eindruck fort: Nicht nur die Bohrergebnisse waren herausragend, auch die Handhabung war beispielhaft. Man muss so gut wie keinen Druck auf die Maschine geben, die Hilti fraß sich quasi von selbst in das Material.

So weit, so gut, könnte man meinen – was sollte denn noch gegen eine derart großartige Maschine sprechen? Die Frage beantwortet ein Blick auf das Preisschild, denn der Profi-Bohrhammer kostet auch dementsprechend viel. Dreh- und Angelpunkt ist die hohe Haltbarkeit – und die braucht man zwar auf der Baustelle, aber nicht an der heimischen Werkbank. Für Hobby-Handwerker dürfte sich die Anschaffung einer derart teuren Spezialmaschine nicht lohnen. Wer aber – aus welchen Gründen auch immer – größere Vorhaben plant, kommt kaum am Pionier Hilti vorbei und findet in der TE 7-C ein hervorragendes Exemplar.

Was gibt es sonst noch?

Die Einhell TE-RH 26 4F fällt deutlich kompakter aus als die sperrige Schwester, kann allerdings auch nicht mit der gleichen Leistung aufwarten. Für den gelegentlichen Gebrauch im privaten Bereich reicht sie aus, für häufige oder langwierige Einsätze eignet sie sich aber nicht, dafür fehlt es ihr an Robustheit.

Den beiden grünen Geräten Bosch PBH 3000-2 FRE und besonders Bosch PBH 2100 RE mangelt es vor allem an Schlagkraft, entsprechend wenig konnten wir damit gegenüber sehr hartem Gestein ausrichten. Die Ausstattung geht klar, bei der Handhabung lassen beide Maschinen aber einige Federn.

Etwas enttäuscht waren wir von der Duss P 26 SDS: Während die Bohrleistung sehr gut war und sich der Bohrhammer dank seines logischen Aufbaus problemlos zur Wartung zerlegen lässt, störte uns die schlechte Ergonomie der kantigen Maschine. Dass das Bohrfutter nicht ausgetauscht werden kann und kaum Zubehör verfügbar ist, war uns ein weiterer Dorn im Auge – zumal das Profi-Modell alles andere als günstig ist.

So haben wir getestet

Wir haben die Geräte an drei verschiedenen Objekten getestet, an einem Betonklotz, an einem doppelt gebrannten Tonziegel, und einem Granitbalken. Einmal wurde mit einem acht Millimeter Bohrer und einmal mit einem 16 Millimeter Bohrer gearbeitet. Die Geschwindigkeit haben wir mit unserem 10-Sekunden-Test überprüft, bei dem wir die geschaffte Bohrtiefe nach zehn Sekunden verglichen haben.

Im Grunde gibt es drei Kategorien die von Laien fälschlicherweise als Bohrmaschine bezeichnet werden könnten.

Im Heimwerker-Bereich und für kleinere Einsätze im Haushalt kommen meistens Schlagbohrmaschinen zum Einsatz. Sie eignen sich vor allem für nicht allzu feste Materialien und man kann mit ihnen auch präzise Arbeiten in Holz oder Metall vornehmen. Diese Geräte haben wir in unserem Schlagbohrmaschinen-Test genauer unter die Lupe genommen. Außerdem sind die Geräte um einiges günstiger als ihre großen Brüder. Der Unterschied liegt im Schlagwerk: bei Schlagbohrmaschinen erzeugen zwei Metallscheiben, mit schräger Verzahnung, Schläge in hoher Frequenz, indem sie gegeneinander arbeiten. Dabei entsteht auch der bekannte Rückschlag, gegen den man mit der eigenen Körperkraft arbeiten muss.

Test Bohrhämmer: Schlagwerk einer Schlagbohrmaschine
Schlagwerk einer Schlagbohrmaschine.

Bei Bohrhämmern hingegen übt ein pneumatischer oder hydraulischer Hammer Schläge auf den Bohrer aus, diese sind weitaus kraftvoller und stärker, als die der Schlagbohrmaschinen. Dadurch eignen sich die Bohrhämmer vor allem für Arbeiten in Beton, harten Steinen oder mehrfach gebrannten Ziegeln und waren ursprünglich ausschließlich für den professionellen Handwerksbetrieb vorgesehen. Vorreiter war Hilti, die in Handwerker-Kreisen immer noch bestes Ansehen genießt. Bohrhämmer sind sozusagen Spezialwerkzeuge, die fast ausschließlich zum Bohren in harte Materialien benutzt werden. Wenn man einen entsprechenden Aufsatz hat, kann man die Hammer-Funktion auch zum Meißeln benutzen. Filigranes Arbeiten ist dagegen nicht möglich, außerdem kommen die Bohrhämmer meistens mit einem SDS- oder SDS-Plus-Bohrfutter, für die es keine passenden Holz- oder Metallbohrer gibt.

Test Bohrhämmer: Schlagwerk einer Hilti
Bei einem Bohrhammer schlägt ein Kolben/Hammer auf den Bohrer.

Dieses Problem beseitigen Multihammer, bei denen sich das Bohrfutter austauschen lässt und durch ein Schnellspann-Bohrfutter ersetzt werden kann, wie es bei Schlagbohrmaschinen vorhanden ist. Schaltet man die Hammer-Funktion aus, kann man den Multihammer auch für präzisere und wenig kraftaufwändige Arbeiten nutzen. Das geht allerdings nur, wenn man auch die Drehzahl präzise regulieren kann.

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