Test: Overlock Nähmaschine

Overlock-Nähmaschinen im Test : Schnell zusammengenäht

Veröffentlicht 16.03.2021

Eine Overlock-Nähmaschine ist eine gute Ergänzung zur Standardnähmaschine. Sie näht schneller und eignet sich besonders fürs Säumen oder Zusammennähen von Stoffen. Wir haben 8 Modelle getestet.

Andrea Zschocher
schreibt als freie Journalistin und Bloggerin bevorzugt über Familie und mehr und testet Produkte für Babys und Kleinkinder.

Eine Overlock-Nähmaschine kann eine normale Nähmaschine nicht ersetzen: Man kann mit ihr nicht rückwärts und auch nur am Stoffrand nähen. Auch Verzieren oder Applizieren ist nicht möglich. Doch fürs Säumen oder Zusammennähen einzelner Stoffe sind Overlock-Nähmaschinen eine gute Alternative, da sie viel schneller arbeiten als ein Standardmodell. Dafür arbeiten sie aber auch deutlich lauter und das Einfädeln ist bei manchen Modellen recht kompliziert.

Vergleichstabelle
Vergleichstabelle
Viele ExtrasViel KomfortBesonders leise
Test: Gritzner 788Test: Juki Mo 2000Test: Baby Lock Acclaim
Modell Gritzner 788 Overlock Special Edition Juki MO-2000 Baby Lock Acclaim
Pro
  • Guter Preis
  • Viele Extras
  • Schafft auch dicke Stoffe
  • Sehr feste Saugfüße
  • Mit Easy Threading
  • LC-Display
  • Näht sehr leise
  • Stichwahl automatisch (kein Ausbauen der Nadeln nötig)
  • Mit RevolutionAir-System
  • Näht sehr leise
  • Kann auch dekorative Nähte
  • Schafft auf dicke Stoffe
Contra
  • Eher laut
  • Braucht Geduld beim Einfädeln
  • Hoher Preis
  • Hoher Preis
  • Keine Auffangschale
Bester Preis
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Viele Extras: Gritzner 788 Overlock Special Edition

Viele Extras

Gritzner 788 Overlock Special Edition

Test: Gritzner 788
Der Testsieger kann mit einer guten Nähleistung und vielen Extras bei einem relativ geringen Preis überzeugen.

Mit der Gritzner 788 kann man sofort loslegen: Sie wird bereits einsatzbereit mit eingespannten Minikonen geliefert. Trotzdem sollte man sich das Einfädeln ansehen, um die Overlock-Nähmaschine kennenzulernen. Man sollte wissen, was gemacht werden muss, läuft es mal nicht rund.

Getestet wurde hier die Overlock-Version, die einiges an Zubehör bietet, aber dennoch unter 300 Euro kostet. Im Lieferumfang finden sich Garn, ein Auffangbehälter, zusätzliche Nähfüßchen und ein Nähbuch. Andere Modelle des gleichen Herstellers bieten entweder nur Nähbuch und Auffangbehälter, oder den Behälter und Nähfüßchen. Hier muss man schauen, was notwendig ist und auf was man verzichten kann.

Bei dieser Maschine kann jedes Overlock-Garn verwendet werden. Getestet wurde das Modell mit dem mitgelieferten Ackermann-Garn. Das Einfädeln ist etwas mühsam: Jeder Faden muss einzeln eingezogen werden, bei Ober- und Unterfaden muss man etwas geduldig sein. Die Piktogramme helfen ein wenig, doch der ganze Prozess dauert seine Zeit. Kommt man mit der Anweisung nicht weiter, bietet es sich an, nach Videos auf YouTube zu suchen. Nach mehreren Versuchen geht das Einfädeln schneller von der Hand.

Das Nähen macht mit der Gritzner Spaß: Die Saugfüße sind ziemlich stark, sodass die Maschine sicher steht. Es gibt viele Overlock-Nähmaschinen, die durch Vibrationen bei 1.300 und mehr Stichen je Minute fast über den Tisch hüpfen. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Das Nähen an sich geht sehr zügig. Das Modell setzt bis zu 1.300 Stiche in der Minute. Dabei gleitet das Messer sauber durch den Nähstoff und es entstehen gleichmäßige Schnittkanten. Das Messer lässt sich aber auch wegklappen. Auch Teddyfell verarbeitet die Gritzner problemlos und näht es sauber und ordentlich zusammen. Für eine Overlock-Nähmaschine in dieser Preisklasse ist das bemerkenswert.

Das Modell bietet acht unterschiedliche Stiche. Das Wechseln zwischen den einzelnen Stichen ist ein wenig frickelig, da braucht es ein bisschen Geduld. Das gilt aber für die meisten Overlock-Nähmaschinen. Zudem lässt sich die Stichlänge sowie der Druck des Nähfußes recht leicht individuell einstellen. Möchte man viele verschiedene Stoffe nähen, sollte man davon Gebrauch machen. Näht man aber immer nur Jersey oder Baumwolle zusammen, reichen auch die Standardeinstellungen. Die Gritzner ist im Vergleich recht laut beim Nähen. Im Testfeld gab es wesentlich leisere Modell, die aber auch deutlich mehr kosten.

Diese Overlock-Nähmaschine kann vor allem mit ihren Extras überzeugen: Es gibt diverse Ausführungen, in jeder Variante sind aber eine Auffangschale, eine Pinzette, eine Werkzeugbox mit Öl, eine Bürste zur Reinigung, sowie Ersatznadeln enthalten.

Die Gritzner 788 bietet viel Nähspaß, eine einfache Bedienung, näht schnell und ist relativ günstig. Zudem bietet sie viele Extras und ist so ein verlässlicher Nähbegleiter. Vor allem für Einsteiger und Gelegenheitsnäher ist dieses Modell empfehlenswert.

Viel Komfort: Juki MO-2000

Viel Komfort

Juki MO-2000

Test: Juki Mo 2000
Die Overlock-Maschine ist für alle, die es komfortabel mögen eine echte Entdeckung: LC-Display und das Easy Threading System sorgen für viel Spaß beim Nähen.

Viel Komfort bietet die Juki MO-2000: Mittels eines Luftstoßes wird hier der Ober- und Unterfaden eingefädelt. Dieses Feature nennt sich JetAir und erspart dem Nutzer viel Fummelarbeit. Statt nur mit unscheinbarem Weiß oder Beige zu nähen, ist es dank JetAir spielend leicht, verschiedene Farben auszuprobieren ohne sich lange mit dem Einfädeln beschäftigen zu müssen. Man muss lediglich darauf achtgeben, dass die zwei Fäden vernünftig eingezogen werden. Die beiden Fäden, die durch die Nadeln gezogen werden, müssen weiterhin selbst eingefädelt werden, was jedoch viel schneller erledigt ist als bei dem Ober- und Unterfaden. Zudem helfen dabei zwei Nadeleinfädler.

Ganze 15 Stichen stehen bei der Juki zur Verfügung. Auf einem LCD-Display kann man den passenden Stich auswählen, das bietet kein anderes Modell im Test. Zudem zeigt das Display alle wichtigen Informationen an, sodass man sich im Prinzip die Betriebsanleitung spart. Wählt man den passenden Stich aus, erfährt man auf einen Blick, was man dafür verändert muss – von der Fadenspannung über den Differentialtransport bis hin zu der Stichlänge. Es lassen sich zudem drei individuelle Einstellungen abspeichern.

Obwohl die Juki MO-2000 so schnell arbeitet, näht sie sehr leise – sie ist mit die leiseste getestete Overlock-Maschine. Zudem ist das Stichergebnis schön flach und gleichmäßig. Dank des doppelten LED-Lichts wird alles gut ausgeleuchtet und man hat eine gute Sicht darauf, was man so zusammennäht.

Auch dieses Modell bietet einiges an Tools: Es gibt einen praktischen Auffangbehälter, eine Pinzette, Öl, Extranadeln, sowie einen Pinsel zur Reinigung. Das Messer lässt sich bei Bedarf wegklappen. Mit dem Nähgarn von Ackermann kam diese Maschine gut zurecht, der Faden riss hier nicht. Auch mit verschiedenen Stoffen kommt das Modell gut zurecht: Ob Musselin oder Teddyfell, alles wurde ohne Risse zusammengenäht.

Das Nähen geht mit der Juki MO-2000 schnell, angenehm und leicht. Für diesen Komfort muss man aber auch bereit sein, deutlich mehr Geld zu investieren.

Besonders leise: Baby Lock Acclaim

Besonders leise

Baby Lock Acclaim

Test: Baby Lock Acclaim
Das RevolutionAir-System macht das Einfädeln zum Kinderspiel. Die Maschine näht leise alles zusammen, was Sie ihr vorlegen.

Die Baby Lock Acclaim ist mit drei LED-Lichtern ausgestattet, die den Arbeitsbereich insgesamt sehr gut ausleuchten und so ein angenehmes Nähen ermöglichen.

Auch diese Overlock-Nähmaschine verfügt über einen Luftstrom, der das Einfädeln von Ober- unter Unterfaden übernimmt. Das System heißt hier RevolutionAir und man braucht hier tatsächlich ein Video, um das System wirklich zu verstehen. Stellt man den Schalter von »Serging« zu »Threading« um, klappt alles. Danach muss diese Einstellung wieder gelöst werden, damit mit dem Nähen begonnen werden kann.

Die beiden Fäden sind in Sekunden durchgezogen, danach müssen sie lediglich durch die Nadeln gezogen werden. Als einziges Modell im Test bietet die Acclaim am Garnhalter einen kleinen Puschel, der dafür sorgt, dass sich die Garnkonen gleichmäßiger abrollen. Zudem gibt es Unterstützung für das Einfädeln der zwei Nadeln. Die Overlock-Nähmaschine näht sehr leise, sodass man nebenbei noch Musik hören oder sich unterhalten kann.

Mit dabei ist ein Werkzeug-Set, bei dem aber leider keine Auffangschale für Nähreste dabei ist. Das ist bei dem aufgerufenen Preis ein bisschen enttäuschend. Da dieses Modell das teuerste im Testfeld ist, sollten hier die Basics schon im Lieferumfang dabei sein. So muss der Auffangbehälter separat erstanden werden.

Das Nähergebnis ist gleichmäßig und das Nähen ist schnell und mühelos. Die Maschine von Baby Lock kann jeden Stoff verarbeiten. Die Fadenspannung muss man nicht selbst verändern: Dank des ATD-Systems, ein Fadenzufuhrsystem, übernimmt das Modell das ganz automatisch. Betätigt man die »Wave«-Taste, kann man zwischen unterschiedlichen Stichen wechseln. Bei dem »Wave«-Stich handelt es sich um einen speziellen Baby-Lock-Stich, der sich nur bei ausgewählten Modellen findet.

Gewöhnungssache ist der Nähfuß, der vorne rechts herunter- und hochgelassen wird. Darauf muss man sich erst einmal umstellen, aber nach kurzer Zeit wird man feststellen, dass es so deutlich bequemer ist, das Füßchen zu senken und zu heben. Das Messer lässt sich auch hier wieder versenken. Ein magnetisches Nadelfeld sammelt die Nadeln auf, die während des Nähens aus dem Stoff gezogen werden. Dadurch fliegen sie nicht herum und der Arbeitsplatz bleibt sauber.

Die Baby Lock Acclaim ist keine Overlock-Nähmaschine für Jedermann, alleine schon aufgrund des hohen Preises. Sie überzeugt aber mit Komfort, einem super Nähergebnis und der geringen Lautstärke. Für Menschen, die viel und gerne mit einer Overlock-Nähmaschine nähen, kann sich die Investition also dennoch lohnen.

Was gibt es sonst noch?

Auch die Bernina L 450 bietet jede Menge Extras. Beim Einfädeln sollte man sich genau an die Anweisungen halten, damit es auch wirklich klappt. Der Auffangbehälter hakte im Test leider nicht so gut ein und konnte dadurch auch nur halb so gut genutzt werden. Zudem sind die Haken ein wenig fragil, sodass man nicht allzu viel Druck ausüben sollte. Das Modell näht schnell, zuverlässig und recht leise. Das Nähergebnis kann überzeugen, jedoch kann die Maschine lediglich Stoffe bis zu einer Dicke von sechs Millimetern verarbeiten. Beim Wechseln der Stiche ist ein wenig Geduld gefragt. Wenn man aber nur dünnere Stoffe und vor allem in einem bestimmten Stich näht, könnte diese Overlock-Nähmaschine eine Überlegung Wert sein.

Die Baby Lock Enspire spart an Extras: Es gibt keinen Auffangbehälter und auch keine Abdeck-Hülle. Zudem gibt es für die diversen Werkzeuge keine echte Box zum Verstauen und auch die Lautstärke ist recht hoch. Dafür kommt das Modelle mit allen Stoffen zurecht und auch hier gibt es das JetAir System, das das Einfädeln übernimmt. Das Nähen geht sehr schnell und das Nähergebnis ist schön gleichmäßig. Ungewöhnlich ist die über Eck angelegte Garnhalterung, die aber keine nennenswerten Vorteile bringt.

Bei der W6 Wertarbeit N656D verlaufen der Ober- und Unterfaden nahezu identisch, sodass nicht kompliziert eingefädelt werden muss. Um das Nähfüßchen zu senken und zu heben, muss der Hebel angehoben werden. Hier muss man sich erst einmal umgewöhnen. Die Lautstärke der W6 ist akzeptabel. Leider löste sich beim Nähen mehrfach der Garnhalter, unabhängig davon wie fest er verankert wurde. Zudem ist es ärgerlich, dass sich die Pinzette unter der Klappe für Ober- und Unterfaden befindet und sich dort verklemmt. Sie sollte besser separat aufbewahrt werden. Das Nähen geht aber schnell und das Modell kommt auch mit allen Stoffen zurecht.

Wissenswertes über Overlock-Nähmaschinen

Braucht man zusätzlich zur »normalen« Nähmaschine noch eine Overlock-Nähmaschine? Kurz gesagt: Mit diesen Maschinen geht das Nähen sehr viel schneller, sie sind aber eher für gröbere Arbeiten wie das Zusammennähen zweier Stoffteile als fürs Verzieren oder Applizieren geeignet. So ist für alles, was nur miteinander vernäht werden soll, die Overlock die schnelle Lösung.

Der Begriff Overlock besteht aus den englischen Wörtern »over« für über und »to lock« für Abschließen und beschreibt, was genau die Nähmaschine macht: Die Fäden werden über die Stoffkanten gelegt und ab- bzw. zusammengeschlossen. An dieser Stelle kann der zusammengenähte Stoff nicht mehr ausfransen. Bei der Overlock-Nähmaschine muss man keine überstehenden Stoffreste abschneiden: Die Maschine hat ein integriertes Messer, das beim Zusammennähen den überschüssigen Stoff abschneiden. Dieses Messer lässt sich bei Bedarf aber auch wegklappen.

Zeitersparnis und tolle Nähte

Die meisten Nähmaschinen verfügen über einen (falschen) Overlockstich, alternativ kann man die Nähte mit einem Zickzackstich sichern. Beides bedeutet doppelte Arbeit, die man sich mit einer Overlock-Nähmaschine erspart. Zudem ist die Overlock beim Nähen viel schneller als jede Standardnähmaschine, sodass man beim Zusammennähen viel schneller fertig ist.

Zudem spart man sich das nachträgliche Abschneiden der überstehenden Stoffränder. Auch Saumabschlüsse können mit einer Overlock genäht werden. Gemessen an der Stichauswahl der Maschine, lassen sich auch für unterschiedliche Stoffarten besonders feine oder elastische Nähte kreieren.

Braucht man Nähmaschine und Overlock?

Mit einer Overlock-Nähmaschine kann man nicht im Stoff selbst nähen, sondern nur am Rand, selbst wenn man das Messer wegklappt. Zudem kann man mit der Overlock nicht rückwärts nähen. Daher ist eine Overlock eine gute Ergänzung zu einer Standardmaschine, kann diese aber nicht vollständig ersetzen.

Faden einspannen

Kompliziert wird es beim Einfädeln der vier Fadenstränge: Dabei sollte man sich zwingend an die vorgegebene Reihenfolge halten, die auf den Maschinen aufgedruckt ist. Da das Ansehen der Piktogramme alleine oft nicht sonderlich hilfreich ist, lohnt es sich, nach hilfreichen Videos zu suchen, die das Fadeneinspannen der vorliegenden Overlock-Nähmaschine erklären.

Manche Modelle bieten auch sogenannte Air-Systeme, die den Ober- und Unterfaden mithilfe von Luft automatisch einfädeln. Dadurch erspart man sich viel Fummelarbeit. Dieser Komfort hat allerdings auch seinen Preis: Diese Modelle kosten gerne um die 1.000 Euro.

Bei günstigeren Modellen muss man Geduld aufbringen. Tipp: Damit man nicht immer wieder diese nervenaufreibende Arbeit übernehmen muss, kann man, wenn man das Garn wechseln möchte, kleine Knoten an das abgeschnittenen Ende der Faden knüpfen. Dadurch wird das neue Garn automatisch eingezogen und man hat wenigstens ein bisschen Zeit gespart.

So haben wir getestet

Insgesamt wurden 8 Overlock-Nähmaschinen getestet. Dabei wurde zuerst bewertet, wie leicht oder schwer das Einfädeln ist. Zudem war auch die Lautstärke wichtig. Natürlich wurden die Modelle mit unterschiedlichen Stoffen getestet, um zu prüfen, wie gut die Maschinen mit ihnen zurechtkommen.

Die meisten Hersteller bieten auch eigenes Overlock-Garn an, das wurde im Test allerdings nicht verwendet. Alle Maschinen wurden mit den gleichen Garnkonen von Ackermann bestückt. Dabei hatte keine der getesteten Modelle ein Problem mit dem Garn.

Weiterhin wurde darauf geachtet, welche Extras im Lieferumfang enthalten sind. Gerade bei den teureren Maschinen fehlte hier das ein oder andere.

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