Test: Fleischwolf Update092020 Caso

Fleischwölfe im Test : Wurst selbst herstellen

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Veröffentlicht 30.10.2020

Ein Fleischwolf fand sich einst in jedem Haushalt. Damals wurde das Fleisch manuell mit einer Kurbel gewolft. Durch ein Aussterben der Tierhaltung im privaten Bereich und ein enormes Fleischangebot im Supermarkt schien der Fleischwolf obsolet. Aber nun erlebt er ein kleines Revival.

Sebastian Jentsch
Sebastian Jentsch
ist Technik-Journalist, passionierter Heimwerker und Hobbykoch. Er schreibt unter anderem für Notebookjournal und Notebookcheck über mobile Technik und testet regelmäßig Küchen-, Haushalts- und Gartengeräte.

Gourmets und Fleischfans wünschen sich immer noch Alternativen zum standardisierten Supermarkt-Fleisch: Sie möchten die Zutaten ihrer Bratwurst und ihres Fleischbräts selbst auswählen oder die Konsistenz des Hackfleisches selbst bestimmen. Statt manueller Fleischwölfe wird das Fleisch heute elektrisch gewolft. Viele moderne Fleischwölfe bieten auch ein großes Zubehör, sodass man mit ihnen auch Entsaften, Plätzchen backen oder Gemüse schneiden kann. Wir haben 8 Fleischwölfe getestet.

Solide und kraftvoll: Caso FW2000

Solide und kraftvoll

Caso FW2000

Test: Caso Fw2000
Kraftvoll, solider, schwerer Metallkorpus, standsicher, langsam & schnell – ein Fleischwolf mit Fokus aufs Wesentliche.

Der Caso FW2000 hat eine robuste Konstruktion, einen kraftvollen Antrieb, solide Bauteile sowie eine ergonomische Bedieneinheit. Das Gehäuse ist zudem leicht zu reinigen und hat mit 5,7 Kilo und zwei Saug- und Gummifüßen einen sicheren Stand. Das Wendelgehäuse wiegt 245 Gramm und ist aus poliertem Aluguss. Aus Aluminiumblech besteht die Trichterwanne. Die Lochscheiben dagegen sind aus Edelstahl. Die Wendel wird mithilfe eines Quetschhebels am Alu-Gehäuse fest fixiert.

Der Drehschalter des Caso hat einen Rückwärtsgang und einen Vorwärtsgang mit zwei Geschwindigkeiten. Der Schalter lässt sich selbst mit fettigen Händen gut bedienen und auch besser reinigen als Druckschalter oder Schaltwippen. Beim Wursten kann so der Motor schnell abgeschaltet oder in eine langsamere Geschwindigkeit gewechselt werden. Für die Bevorratung oder das Mischen von Zutaten ist die große Trichterplatte zwar praktisch, allerdings wackelt sie etwas.

Das Gehäuse besteht aus einem Stück, somit gibt es weder Spalten noch Fugen und der Fleischwolf kann einfach mit einem warmen Lappen gereinigt werden. Da es an der unteren Seite Öffnungen für die Kühlung des Motors gibt, sollte das Gerät nicht ins Wasser getaucht werden. Allenfalls die Kunststoff-Anbauteile können in der Spülmaschine gereinigt werden.

Mit 800 Watt zieht die Schnecke das Fleisch gut selbst ein, sodass kein zusätzlicher Stopfer nötig ist. Beim Wursten wird das bereits gewolfte Fleisch allerdings mithilfe des Stopfers in den Trichter gedrückt. So kann man auch selbst die Schnelligkeit bestimmen. Die Kunststoff-Wursttülle hat Luftrillen, sodass ein Platzen des Darms vermieden wird. Man kann Natur- oder Kunstdarm verwenden.

Die mehrsprachige und gut bebilderte Anleitung hält wertvolle Tipps für Fleischwolf-Einsteiger bereit. Die Anbauteile sind einfach und selbsterklärend zu handhaben, sodass Experten sofort loslegen können. Man kann das Zubehör auf der Trichterplatte aufbewahren, die wenigen Teilen werden dort sogar von einer Kunststoffaussparung sortiert. Dank des mitgelieferten Deckels staubt das Zubehör nicht ein.

Der Motor macht zwar ordentlich Lärm, jedoch ist das tiefe, dumpfe Geräusch ganz gut erträglich. Der Caso FW2000 kann auch Teig verarbeiten und bringt eine Schablone für Spritzgebäck mit, die Schnecke erwärmt sich jedoch. Plätzchenteig sollte wegen des hohen Buttergehalts aber kühl verarbeitet werden, sodass die warmen Teigstränge sofort an der Schablone abreißen.

Schneller Motor: Bosch MFW67440 ProPower

Schneller Motor

Bosch MFW67440 ProPower

Der Bosch MFW67440 ProPower bietet einen schnellen und kraftvollen Motor mit 700 Watt. Bosch gibt die Verarbeitungszeit mit 3,5 Kilo Fleisch pro Minute an. Das wurde im Test zwar nicht überprüft, allerdings schien es so, dass dieser Fleischwolf die Schüssel tatsächlich schneller füllt als die anderen Testgeräte. Das Fleisch wird von der Schnecke gut selbst eingezogen, sodass man den Stopfer kaum benutzen muss. Das Wendelgehäuse aus Aluminium sitzt in einer Bajonettfixierung aus Hartplastik, die den Fleischwolf stramm festhält.

Die drei Lochscheiben oder andere Kleinteile können in das integrierte Zubehörfach am Gehäuse gelegt werden. Die gute gemachte Anleitung enthält Rezepte. Die Wursttülle hat Luftrinnen, so macht das Wursten Spaß. Der Fleischwolf hat mit 4,66 Kilo einen soliden Stand. Das gilt allerdings nicht für die Trichterplatte aus Kunststoff: Die wackelt und schiebt sich manchmal nach oben heraus, wenn das Lebensmittel beim Stopfen nach oben drückt. Auch die helle Lautstärke fällt negativ auf.

Zum schnellen Schalten sind die Tasten ganz gut geeignet, allerdings lassen sie sich schlecht reinigen. Auch einen Sicherheitsschalter gibt es nicht. Der Rückwärtsgang ist nicht mechanisch von dem Vorwärtsgang getrennt, sondern liegt unmittelbar daneben. Läuft also der Motor nach links, wird die Verpolung direkt auf Rechtslauf gewechselt, was zu Funkenflug auf der unteren Seite führt. Daher muss man immer darauf achten, vor dem Rückwärtsgang auszuschalten. Trotzdem ist der Bosch MFW67440 ProPower mit seiner Geschwindigkeit und hohem Durchsatz eine gute Wahl.

Multifunktional: Aicok MG2950R

Multifunktional

Aicok MG2950R

Test: Aicok Mg2950r 5 In 1
Dank des vielen Zubehörs bietet der Aicok noch mehr Möglichkeiten in der Küche.

Der Aicok MG2950R kann nicht nur Fleisch wolfen, sondern auch Entsaften und Schreddern. Mit 500 Watt ist die Leistung nicht ganz so stark, dafür ist der Fleischwolf aber weniger laut. Über den »Slow«-Gang kann das dumpfe Betriebsgeräusch auch noch etwas gemindert werden. Für das Fleischwolfen und Wursten reicht die Kraft des Fleischwolfs aus. Das Messer muss konstruktionsbedingt auch beim Befüllen aufsitzen, somit gibt es nur feine Wurst. Da die Wursttülle Luftfugen hat, wird ein Platzen des Darms verhindert.

Trotz seiner 3,65 Kilo rutscht der Aicok MG2950R ein wenig, was an mangelnden Saugnapf-Füßen liegt. Die Trichterplatte wackelt in ihrer Fassung. Statt ergonomisch ungünstiger Klippschalter gibt es hier qualitativ minderwertige Taster, die ergonomisch besser sind. Allerdings ist auch hier kein Sicherheitsschalter vorhanden.

Im Zubehör befindet sich ein Entsafter, mit dem man Früchte mit viel Flüssigkeit wie Weintrauben entsaften kann. Daneben gibt es einen Schredder mit vier Rolleneinsätzen für das Raspeln oder Schneiden von Gemüse. Der Kunststoffaufsatz wird dafür einfach anstelle des Fleischwolfkopfes an das Gerät gesteckt.

Was gibt es sonst noch?

Der Moulinex ME6868 hat mit 4,15 Kilo einen sicheren Stand. Auch das Edelstahl-Wendelgehäuse ist mit 415 Gramm schwerer und wertiger als die Gehäuse aus Aluminium. Auf der Gegenseite stehen unergonomische und minderwertige Taster, eine wacklige Fixierung des Wendelgehäuses, eine nicht optimale Wursttülle, sowie ein kreischendes und ungleichmäßiges Betriebsgeräusch.

Der Bomann FW 447 CB ist sehr preisgünstig, hat dafür aber auch eine recht unglückliche Bauart. Das Wendelgehäuse ist nicht keilförmig, im Schneckengang sind die Züge gerade – daher zieht die Schnecke schlecht ein und man muss häufig den Stopfer zur Hilfe nehmen. Auch die Kippschalter und die hohe Lautstärke fallen negativ auf. Überzeugender sind die moderate Leistung, die solide Trichterplatte, sowie die ideale Wursttülle.

Wissenswertes über Fleischwölfe

Mithilfe einer langsam drehenden Schnecke im Wendelgehäuse zieht ein Fleischwolf Lebensmittel zu einem Messerkreuz. Dieses dreht sich mit seiner scharfen Seite an einer Lochscheibe und schneidet die Lebensmittel klein. Aus der Lochscheibe fallen dann kleine Würstchen des verarbeiteten Materials. Die Lochscheiben sind in unterschiedlichen Durchmessern erhältlich – je größer der Durchmesser, desto mehr Lebensmittel kann der Fleischwolf verarbeiten. Außerdem kann der Loch-Durchmesser fein, mittel oder grob sein.

Obwohl ein Fleischwolf hauptsächlich zur Zerkleinerung von Fleisch eingesetzt wird, gibt es diverse Aufsätze mit denen man das Gerät auch zum Zerkleinern von Gemüse oder Entsaften benutzen kann. Einige Geräte können auch Teig verarbeiten und bringen die passende Schablone zum Beispiel für Spritzgebäck gleich mit.

Für die Herstellung von Bratwurst wird ein Wurstaufsatz benötigt, den man unter den Verschluss klemmt. Die Art der Lochscheibe bestimmt dabei im ersten Arbeitsgang die Konsistenz der Wurst (fein, mittel, grob). Dann wird die Wurst befüllt. Idealerweise hat die Wursttülle hierfür kleine Rinnen oder Längsstege, damit die Luft entweichen kann. Bei einer glatten Wursttülle kann der Darm beim Befüllen leicht platzen. Es kann Natur- oder Kunstdarm verwendet werden.

Die Anbauteile des Fleischwolfs aus Edelstahl oder Aluminiumguss dürfen nicht in die Spülmaschine und können besser mit warmer Seifenlauge gereinigt werden. Das Gehäuse darf nicht ins Wasser getaucht werden, aber man kann es mit einem feuchten Wischtuch säubern. Bei Geräten mit vielen Fugen oder tiefsitzenden Schaltern sammelt sich viel Schmutz an. Besser sind daher fugenlose Gehäuse aus einem Stück.

In den Trichter dürfen keine Finger oder anderen Werkzeuge gesteckt werden! Stopfen sollte man nur mit dem mitgelieferten Stopfer, der die passende Länge hat und die Schnecke nicht berührt. Leider sind die Stopfer immer aus Kunststoff und meistens minderwertig. Möchte man sich einen Ersatz aus Holz anschaffen oder selbst herstellen, muss man nur Durchmesser und Länge kopieren.

So haben wir getestet

Wir haben insgesamt 8 Fleischwölfe getestet. Hierbei sollte vor allem das Einsteigersegment für den privaten Gebrauch abgedeckt werden. Die Fleischwölfe wurden über mehrere Wochen im Heimbereich getestet. Dabei wurden kiloweise Hack, Wurst und Katzenfutter hergestellt und alle Geräte mehrfach für verschiedene Zwecke eingesetzt. Waren bei einem Gerät auch Gemüseschneider oder andere Aufsätze vorhanden, wurden diese auch getestet.

Für die Bewertung wurde auf die Standsicherheit, die stabile mechanische Verbindung zwischen Schneckengehäuse und Motor, sowie auf die Ausführung der Schalter am Gerät geachtet. Leider fehlte bei allen getesteten Geräten ein Sicherheitsschalter. Dafür besitzen alle Geräte einen thermischen Leistungsschutz – eine Abschaltung bei Überhitzung des Motors.

Ein schweres Gerät ist standfester, was vor allem beim Stopfen wichtig ist, da man hier den Fleischwolf nicht festhält. Leichte Geräte rutschen eher weg oder kippen um. Manche Geräte sind hiergegen mit Saugnapf-Füßen ausgestattet, das ist aber keine perfekte Lösung.

Für eine Einschätzung der Motorkraft ist die nominale Leistung relevant: Die lag bei allen getesteten Fleischwölfen zwischen 300 und 800 Watt.

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