Test: Personenwaage Gruppenfoto

Smarte Personenwaagen im Test : Mehr als nur Gewicht messen

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Veröffentlicht 06.11.2020

Die Selbstoptimierung macht auch vor der guten alten Personenwaage nicht halt. Neben dem Gewicht messen sie nun auch Körperfettanteil, Muskelmasse oder den Puls. Anschließend werden alle Messdaten an eine App übertragen. Wir haben 34 smarte Personenwaagen getestet.

Doreen Menz
Doreen Menz
testet als passionierte Hobbyköchin nicht nur Küchen- und Haushaltsgeräte sondern interessiert sich auch für Gesundheitsthemen.

Die Features smarter Personenwaagen gehen inzwischen weit über die reine Messung des Körpergewichts hinaus: Körperfettanteil, Muskelmasse, Puls – alles ist möglich. Während die Angabe des Gewichts in der Regel sehr zuverlässig ist, überzeugt die Messgenauigkeit der weiteren Messdaten, vor allem bei der Körperfettmessung, jedoch nicht immer. Wer den Anteil des Körperfetts zuverlässig messen möchte, sollte zu einer Caliper-Zange greifen.

Smarte Personenwaagen sind trotzdem sinnvoll, da man die Messwerte auf dem Smartphone in einer App speichern kann. So hat man den zeitlichen Verlauf der Daten und eventuelle Veränderungen immer gut im Blick. Eine wirklich smarte Waage überträgt dabei die täglichen Messwerte automatisch auf das Smartphone. Doch nicht alle Modelle, die wir getestet haben, können das.

Viele Features: Withings Body+

Die Withings Body+ ist nicht nur hochwertig verarbeitet, sondern bietet auch eine tolle App. Diese informiert beim Wiegen über den Körperzustand. Für die Synchronisation der Messwerte muss man sein Smartphone nicht in die Hand nehmen. Sie funktioniert im Hintergrund problemlos über WLAN.

Das Display der smarten Personenwaage zeigt Gewicht, Muskelmasse, Körperfettanteil, Gesamtkörperwasseranteil, Herzfrequenz und Schrittzahl an. Die Anzeige kann man individuell anpassen, sodass einem nur die gewünschten Werte angezeigt werden und auch die Reihenfolge kann geändert werden. Zudem wird eine Wettervorhersage mit Temperatur und Sonnenschein eingeblendet. Die Anzeige lässt sich auch über die App steuern: Klickt man hier auf »Schritte«, blendet die Anzeige die Schrittzahl ein.

Der Normalbereich aller Werte wird anhand eines dickeren Balkens auf einer Linie dargestellt und ein Pfeil zeigt an, wo genau man sich in diesem Bereich befindet. Bei der Gewichtsmessung zeigt die Waage die Veränderung zum Vortag, sowie den Verlauf der letzten Woche an. Nur wenn man sich die Daten von mehreren Wochen oder Monaten ansehen möchte, muss man die App zur Hand nehmen.

Die Withings Body+ hat eine tolle Verarbeitung und hat mit ihrem Gewicht einen sicheren Stand. Auf der Standfläche wurden die Elektroden in einem Streifenmuster angeordnet. In den Ecken des Displays zeigen Pfeile an, ob man richtig steht und die Verteilung des Gewichts korrekt ist. Die benötigten vier Batterien werden mitgeliefert. Ein integrierter Akku wie bei der teureren Withings Body Cardio wäre noch besser.

Über die App »Health Mate« erhält die smarte Personenwaage eine Verbindung zum WLAN. Die Erstinstallation ist gut erklärt und die App stellt die Messwerte vorbildlich dar. Die Übersicht zeigt die aktuellen Messwerte. Wählt man einen Eintrag aus, erscheinen Diagramme die die Messdaten im Zeitverlauf anzeigen. Man kann hier auch Vergrößern oder Verkleinern, sowie sich die Messwerte einzelner Tage ansehen. Es können maximal acht Profile angelegt werden. Anhand des Gewichts kann die Waage erkennen, wer sie gerade benutzt und ordnet so die Messdaten selbstständig dem richtigen Nutzerprofil zu. Liegen die Messwerte von zwei Nutzern zu nah beieinander, zeigt die Withings Body+ beide Profile an. Das richtige Profil kann dann per Gewichtsverlagerung auf einen Fuß ausgewählt werden.

Auf Wunsch können die Messwerte auch mit der Health App von Apple geteilt werden. Die Schrittmessung der Apple App wird auch in der App der Waage angezeigt. Hier kann man sich auch Gehdistanz, Kalorienverbrauch und andere Kategorien ansehen.

Die smarte Personenwaage hat beim Wiegen eine sehr gute Messgenauigkeit. Die Werte zu Körperfett, Knochenmasse und Wasseranteil sind allerdings etwas ungenau und geben nur einen Anhaltspunkt. Insbesondere die einzelnen Messwerte schwanken teilweise unerklärlich, diese Schwankungen gleichen sich aber über längere Zeit aus. So geben die Verlaufsdiagramme einen guten Überblick über langfristige Veränderungen. Möchte man ein genaueres Ergebnis des Körperfettanteils, sollte man eine Caliper-Zange benutzen.

Zu der Withings Body+ gibt es zwei Alternativen desselben Herstellers: Wer auf die Messung der Körperzusammensetzung ganz verzichten möchte, kann die Withings Body kaufen, die ansonsten dasselbe bietet. Diese Waage ist etwas günstiger. Die Body Cardio zeigt zusätzlich zur Körperanalysemessung die Pulswellengeschwindigkeit und die Herzfrequenz an. Es bleibt aber zu bezweifeln, ob diese Daten tatsächlich aussagekräftig sind. Außerdem ist der Preis für diese zusätzlichen Funktionen recht happig.

Umfangreiche App: Beurer BF 710

Die Beurer BF 710 lieferte die genauesten Ergebnisse. Allerdings scheint es ab und zu Probleme mit der Kalibrierung zu geben, sodass die Waage manchmal einen falschen Messwert angezeigt hat. Wiegt man sich noch einmal, wird aber der richtige Wert angezeigt. Die Verbindung zwischen Waage und Smartphone funktioniert über Bluetooth. Die Ersteinrichtung nimmt aber ein bisschen Zeit in Anspruch.

Smarte Waagen im Test: Testsiger InnoBeta Fitfy FF20G.
Die Beurer B 710 ist in diversen Designs erhältlich.

Die dazugehörige App heißt BodyShape und ist ansprechend gestaltet. Man kann hier sein Körpergewicht und die sonstigen Messwerte zur Körperzusammensetzung in einem längeren Zeitverlauf beobachten. Außerdem kann man ein Zielgewicht festlegen. Darüber hinaus lässt sich ein Ernährungstagebuch anlegen, in dem man die zu sich genommenen Getränke und Speisen einträgt und so die eingenommen Kalorien im Überblick hat. Zu guter Letzt gibt es ein Fitnessprogramm, das die Nutzer, unterteilt in Anfänger und Fortgeschrittene, durch ein Zirkeltraining nach Wahl führt. Die App scheint aber farblich und inhaltlich stark auf weibliche Nutzer ausgelegt zu sein.

Die Beurer BF 710 kann die Daten für maximal acht Nutzer automatisch zuweisen. In der App kann man jedoch nur einen Nutzer speichern, somit braucht jeder Nutzer seine eigene App. Die Messdaten werden auch synchronisiert, wenn die App nicht geöffnet ist, allerdings muss sich dafür das Smartphone in Reichweite der Personenwaage befinden.

Das Display hat keine Beleuchtung, sodass man bei schummrigen Licht die klein geschriebenen Infos kaum lesen kann. Außerdem ist die Bluetooth-Verbindung nicht zuverlässig, besonders dann wenn mehrere Nutzer mit verschiedenen Smartphones versuchen, eine Verbindung mit der Waage herzustellen. Doch abgesehen davon ist die Beurer BF 710 eine tolle smarte Personenwaage, die besonders mit der umfangreichen App überzeugt.

Kleiner Preis: Etekcity ESF37

Die Etekcity ESF37 misst zuverlässig, hat ein großes Display, ist gut verarbeitet und das alles zu einem kleinen Preis. Die Standfläche ist schön groß und die App zeigt diverse Messwerte an. Mitgeliefert werden ein Maßband und Batterien.

 smarte Personenwaage Test: Etekcity
Die Etekcity hat ein schlichtes, modernes Design.

Die App VeSync muss immer zuerst geöffnet werden, bevor die Messwerte gespeichert werden. Die Messdaten werden farblich markiert, um sie besser einschätzen zu können: Zu niedrige Werte sind blau, gute Werte grün und zu hohe Werte orange markiert. Klickt man auf den Messwert, wird auch angezeigt, wo genau man im Normalbereich liegt oder wie weit man von diesem entfernt ist. Die Zusatzwerte sind eher Schätzungen, die man aber als Orientierung nutzen kann. Die Registrierung in der App geht schnell und ohne Probleme. Es gibt ein Postfach und man kann die smarte Waage mit Google Assistant oder Alexa verbinden. Die Health App von Apple ist aber nicht kompatibel.

Die Etekcity ESF37 ist weiß, in der Oberfläche befinden sich eingearbeitete Metallelemente. Das Display der smarten Personenwaage ist groß und gut ablesbar: Die großen weißen Zahlen heben sich von dem blauen Grund deutlich ab.

Was gibt es sonst noch?

Die Withings Body wiegt nur das Körpergewicht, jegliche Daten zur weiteren Körperanalyse gibt es nicht. Dafür ist die Waage auch günstiger als die Body+. Verarbeitung, App, sowie die Informationen des Displays sind identisch. Diese Waage ist perfekt für alle, die lediglich das Gewicht messen und über einen längeren Zeitverlauf beobachten wollen.

Die Withings Body Cardio misst zusätzlich die Pulswellengeschwindigkeit und die Herzfrequenz. Diese Funktionen haben aber auch ihren Preis. Die smarte Waage ist in weiß und schwarz erhältlich und wird mit einem Akku betrieben. Dieser wird über ein microUSB-Kabel geladen, den Ladestand kann man sich in der App ansehen oder seitlich an der Waage anzeigen lassen.

Die smarte Personenwaage von Eufy sieht schick aus und ist gut verarbeitet. Die Messdaten sind konsistent, können aber bis zu 400 Gramm zum Referenzwert abweichen. Mit einem iPhone klappt die Inbetriebnahme problemlos, mit einem Android-Smartphone dagegen überhaupt nicht. Für die App muss man sich per Mail anmelden. Sie ist schön und übersichtlich gestaltet.

Die Beurer BF 195 misst Gewicht und Körperfett, speichert die Daten aber nicht in einer App, denn es gibt keine. Die Messgenauigkeit war hier allerdings die beste im Test. Die Einrichtung der Waage ist einfach und sie kann von bis zu zehn Nutzer benutzt werden.

Die Etekcity ESF28 ist schön und erschwinglich. Auf dem großen Display werden die Ziffern gut lesbar dargestellt. Die smarte Personenwaage wird mit der neuen App »VeSyncFit« verbunden, die mit dem BMR einen weiteren Messerwert anzeigt. Dieser Wert wird aus Größe, Alter und Gewicht errechnet. Per App ist die Waage einfach eingerichtet und schnell einsatzbereit. Auf Wunsch zeigt die App die Veränderungen der körperlichen Fitness im zeitlichen Verlauf an. Weicht ein Wert mal zu stark ab, werden außer dem Körpergewicht und dem BMI keine anderen Daten angezeigt. Hier hilft nur, ein neues Nutzerprofil anzulegen.

Wissenswertes über smarte Personenwaagen

Auch die gute alte Personenwaage kommt an dem Trend zur Selbstoptimierung nicht vorbei: Sie messen nicht mehr nur das Körpergewicht, sondern auch die Zusammensetzung des Körpers und speichern die Messdaten in einer App auf dem Smartphone. So kann man die Daten über einen längeren Zeitraum beobachten und auch entsprechend visualisieren. Meist können für die Waage auch mehrere Nutzerprofile angelegt werden, in denen die Daten gespeichert werden, sodass die Waage von der ganzen Familie genutzt werden kann.

Smarte Personenwaagen messen neben dem Gewicht auch die Körperzusammensetzung, also etwa Muskelmasse und Körperfettanteil. Denn es macht einen großen Unterschied, ob das Gewicht zu großen Teilen aus Fett oder aus Muskeln besteht. Der reine BMI ist da keine große Hilfe: Jemand mit viel Muskeln und wenig Fett hat dennoch einen hohen BMI, ohne übergewichtig zu sein. Leider ist die Messung der Muskelmasse, des Körperfettanteils, des Knochengewichts und des Wasseranteils notorisch ungenau.

Die Körperzusammensetzung wird mithilfe der bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) ermittelt, die auch die smarten Personenwaagen nutzen. Hierbei fließt ein sehr schwacher Strom durch den Körper und da die Elektrizität von Fett schlechter geleitet wird als von Muskeln, ergeben sich so im Körper unterschiedliche Widerstände. Diese werden von der Waage erfasst und zusammen mit dem Gewicht, Geschlecht, Alter und der Größe der Person wird der Körperfettanteil errechnet. Damit das Ergebnis dann auch stimmt ist es wichtig, die korrekten Körpermaße anzugeben, bevor man sich wiegt.

Der Nachteil ist, dass sich die Elektroden für die Messung nur in der Standfläche befindet und so der Strom nur von einem Fuß zum anderen fließt. Dabei durchquert er nur die Beine und die Leistengegen. Alles was darüber liegt, wird in der Messung nicht erfasst. Diese 2-Punkt-BIA funktioniert bei Frauen noch eher als bei Männern, da sich bei ihnen das Fettgewebe mehr an Hüfte und Gesäß sammelt. Die Problemzonen beim Mann werden allerdings nicht mehr erfasst, da sich hier das Fettgewebe vor allem an Bauch und Brust befindet.

Eine genauere Messung erhält man mit einer BIA, die mit zusätzlichen Elektroden an den Händen durchgeführt wird. Dann fließt der Strom fast durch den gesamten Körper. Die Ergebnisse werden zwar exakter, doch auch hier kann der Wert bei manchen einigermaßen passen, bei anderen aber völlig daneben liegen. Auch andere Faktoren wie eine volle Blase, nasse Füße oder Feuchtigkeitscreme auf der Haut können die Messdaten erheblich beeinflussen.

Wer einen wirklich aussagekräftigen Wert über den Körperfettanteil erhalten möchte, sollte sich also nicht auf eine BIA-Messung verlassen. Zuverlässiger ist da eine Messung mit der Caliper-Zange (Fettzange), die allerdings auch etwas aufwendiger ist.

So haben wir getestet

Die Waagen wurden in insgesamt drei Durchgängen getestet. Um die Messgenauigkeit bewerten zu können, wurden ein männlicher Proband und eine weibliche Probandin auf einer geeichten Waage gewogen. Gegen diesen Referenzwert mussten sich die Testgeräte behaupten. Beide Probanden wurden zudem zweimal mit 4-Punkt-BIA vermessen, um den Körperfettanteil zu bestimmen. Dafür wurde zum einen eine Personenwaage benutzt, die zusätzlich zwei Handgriffe mit Elektroden bietet. Zum anderen wurde mit einem reinen Körperanalysegerät gemessen. Hier wurden vier Elektroden am Körper befestigt.

Die Probanden haben alle Testgeräte eine Woche lang benutzt. Dabei erfolgte die Messung immer zur selben Tageszeit. Danach wurden die Messergebnisse untereinander und dann mit den Referenzwerten verglichen. So konnte die Genauigkeit der Messung beurteilt werden. Bei der Messung des Körpergewichts ging es vor allem darum, Veränderungen festzustellen und nicht darum, das Gewicht aufs Gramm genau zu bestimmen.

Die Bestimmung des Körperfettanteils ist mehr eine Schätzung als eine Messung und daher nicht unbedingt aussagekräftig. Die Körperfettmessung wurde daher auch bei der Bewertung der Produkte außen vor gelassen.

Stärker bewertet wurde dagegen wie sich die smarten Personenwaagen im alltäglichen Gebrauch schlagen, ob die Verbindung zum Smartphone funktioniert und wie die App fürs Smartphone aufgebaut sind.

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