Test: Luftreiniger Aufmacher

Luftreiniger im Test : Die Luft ist rein

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Veröffentlicht 23.12.2020

Luftreiniger machen Allergikern das Leben leichter und entfernen unangenehme Gerüche. Zudem könnten sie im Kampf gegen das Coronavirus eine gute Alternative zum Lüften darstellen – oder? Wir haben 12 Modelle getestet und erklären, was Luftfilter können und woran sie scheitern.

Lars Schönewerk
Lars Schönewerk
testet als Technik-Redakteur vorwiegend Elektrokleingeräte und Fahrrad-Zubehör.

Die Luftqualität rückt in steter Regelmäßigkeit in den Fokus des öffentlichen Interesses. Aktuell stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob sich mit gereinigter Luft die Ansteckungsgefahr mit Corona-Viren reduzieren lässt. Ist das der Fall, wären Luftreiniger für diese Aufgabe besonders gut geeignet. Abseits davon sind Luftreiniger aber vor allem auch für Allergiker interessant, denn allergische Reaktionen lassen sich durch das Reinigen der Luft lindern. Ist der Luftreiniger mit einem Aktivkohlefilter ausgestattet, filtert er zudem unangenehme Gerüche aus der Raumluft, die beispielsweise beim Kochen entstehen.

Wir haben Geräte zwischen 40 und 600 Euro getestet. Die Reiniger unterscheiden sich nicht nur im Preis, sondern auch was ihre Leistung, die eingebauten Filter und nicht zuletzt ihre Größe angeht. Weil ein Luftreiniger natürlich die komplette Lauft eines Raumes reinigen soll, ist eine der wichtigsten Nenngrößen, wie viel Kubikmeter Luft er innerhalb einer Stunde reinigen kann. Große Geräte sind in dieser Disziplin natürlich deutlich im Vorteil.

Gelungen: Xiaomi Mi Air Purifier 3H

Gelungen

Xiaomi Mi Air Purifier 3H

Test Luftreiniger: Xiaomi Mi Air Purifier 3H
Was Xiaomi für den günstigen Preis aus dem Hut zaubert, ist phänomenal. Lediglich der Zwang zu Originalfiltern trübt die Freude etwas.

Der Mi Air Purifier 3H von Xiaomi beweist eindrucksvoll, dass hervorragende Geräte auch günstig sein können, denn trotz seines geringen Preises lieferte er eine der höchsten Reinigungsleistungen im ganzen Testfeld. Dazu ist die Verarbeitung des Luftreinigers – typisch Xiaomi eben – tadellos. Die schneeweiße Aufmachung und die abgerundeten Ecken sorgen dafür, dass sich er sich gut in eine moderne Wohnlandschaft einfügt.

Informationen wie die Luftqualität oder der Reinigungsmodus lassen sich auf dem runden OLED-Display ablesen, das die Gerätefront ziert und das sich nicht nur abschalten, sondern auch dimmen lässt. Die Grundfläche des Luftreinigers ist quadratisch, die Kantenlänge beträgt 24 Zentimeter. Mit seinen 52 Zentimetern in der Höhe bewegt er sich in dieser Disziplin im Mittelfeld.

Der Nachtmodus des Mi Air Purifier 3H ist extrem leise, wir mussten sogar mit der Hand prüfen, ob das Gerät überhaupt arbeitet und auch in der nächsthöheren Stufe war es noch flüsterleise. Bringt man den Xiaomi jedoch in der höchsten Stufe an seine Leistungsgrenzen, ist er 63 Dezibel laut. Einen Tag im Büro möchte man bei diesem Lautstärkepegel wohl nicht verbringen. In diesem Modus schafft er es aber auch, in einer Stunde 380 Kubikmeter Luft durch seine Filter zu schleusen, ein Spitzenwert in unserem Test.

Die CDR allein sagt jedoch noch nichts über die Reinigungsleistung des Geräts aus. Doch auch in dieser Disziplin konnte der Xiaomi überzeugen. 10 Minuten dauerte es nur, bis der Mi Air Purifier 3H die Aerosolkonzentration in unserem Test-Raum auf 50 Prozent des ursprünglichen Wertes reduziert hatte. 90 Prozent der Aerosole waren binnen 32 Minuten entfernt. Selbst als wir die Leistung des Geräts reduzierten, waren die Reinigungsergebnisse sehr gut.

Unterhalb des Displays befindet sich ein berührungsempfindliches Bedienfeld, mit dem sich der Xiaomi steuern lässt. Wer es lieber etwas bequemer hat, für den gibt es auch eine App (Xiaomi Home), die zudem auch Sprachsteuerung (Google Home und Alexa) unterstützt. Mit der Software lässt sich nicht nur das Piep-Geräusch abstellen, mit dem jedes Betätigen der Funktionstaste quittiert wird, sondern auch eine Zeitschaltung programmieren und Softwareupdates durchführen. Allerdings muss man sich registrieren, um die App nutzen zu können.

Was den Filterwechsel angeht, so scheint der Xiaomi von dem Konzept der Druckerhersteller inspiriert. Zwar ist das Gerät selbst relativ günstig in der Anschaffung, weil jedoch aufgrund des verbauten RFID-Chips nur originale Wechselfilter verwendet werden können, ist man hier als Kunde dazu gezwungen, die 40 Euro teuren Originale zu kaufen. 180 Tage sollen die Filter halten, unter normalen Nutzungsbedingungen sollte eher das Doppelte realistisch sein.

Cleverer Automatikmodus: Philips AC2889/10

Cleverer Automatikmodus

Philips AC2889/10

Test: Philips Ac2889/10
Wer den Xiaomi nicht mag, kann alternativ auch zu Philips greifen. Beide Geräte spielen in vieler Hinsicht in derselben Liga.

Der AC2889/10 von Philips ähnelt zumindest optisch der Konkurrenz von Panasonic und Beurer. Was die Reinigungsleistung und die App-Vernetzung angeht, liegt der Philips auf einem ähnlichen Niveau wie das Modell von Xiaomi. Die Front ist in schlichtem Weiß gehalten, Akzente setzt hier lediglich ein kreisförmiges, farbiges Licht. Welche Farbe von den LEDs angezeigt wird, hängt von der Luftqualität ab. So reicht ein kurzer Blick auf den Philips, um über die aktuelle Luftqualität Bescheid zu wissen.

Der »AeraSense« genannte Automatikmodus misst die Luftqualität und regelt die Lüftergeschwindigkeit entsprechend. Abseits des Automatikmodus hat man fünf weitere Stufen zur Auswahl. Wie der Xiaomi, lässt sich auch der Philips über Touch-Tasten oder eine App namens »Clean Home+« steuern. Neben praktischen Bedienhilfen bietet die Software auch nützliche Tipps sowie die Möglichkeit, weitere Einstellungen vorzunehmen. Zwar wird Googles Sprachassistent nicht unterstützt, Siri und Alexa hingegen schon.

Die Kosten eines neuen Aktivkohlefilters belaufen sich auf ca. 28 Euro. Der Filter hält dann laut Philips ein Jahr. Doppelt so lange, nämlich zwei Jahre, halten die Nano-Protect-Filter, die 44 Euro kosten. In unseren Messungen zeigte der Philips vorbildliche Leistungen, die auf demselben Niveau wie die des Xiaomi lagen. Erfreulich ist auch seine solide Reinigungsleistung im Ruhemodus.

Während sich die Luftreiniger von Xiaomi und Philips bei der Leistung nicht viel nehmen, gibt es beim Preis erhebliche Unterschiede, denn das Modell von Philips kostet mehr als zweimal so viel. Wer auf Vernetzung und App-Steuerung verzichten kann, der könnte auch mit der etwas abgespeckten Version des Philips glücklich werden, die etwas günstiger ist.

Solide: Philips AC0820/10

Solide

Philips AC0820/10

Test: Philips Ac0820/10
Der Philips AC0820/10 konzentriert sich auf seine Basisfunktionen – mit Erfolg. In kleineren Zimmern fühlt er sich am wohlsten.

Der AC0820/10 von Philips ähnelt mit seinem Design ein wenig dem Xiaomi, seine Grundform ist jedoch rund und nicht quadratisch. Bei der Verarbeitungsqualität und Haptik bewegt sich der Philips auf dem für diese Marke typischen, hohen Niveau. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder, hat Philips dem AC0820/10 keine App zur Seite gestellt, bedient wird der Luftreiniger mit einem farbig umrandeten Sensorfeld an seiner Oberseite sowie einem Kippschalter zum Aus- und Einschalten.

Der Ring wechselt je nach Luftqualität die Farbe. Der Sensor, der die Luftqualität prüft, kann im Automatikmodus auch die Lüftergeschwindigkeit regulieren. Neben dem Automatikmodus ist noch ein Schlaf- sowie ein Turbomodus verfügbar. Im Schlafmodus ist der Luftreiniger angenehm leise. Weil im Philips kein Aktivkohlefilter verbaut ist, entfernt er Gerüche nicht aus der Luft.

Trotz seiner geringen Größe sind die Reinigungsleistungen des AC0820/10 gut. Natürlich gibt es Reiniger, die schneller bzw. gründlicher arbeiten, sie kosten aber auch ein Vielfaches im Vergleich zum AC0820 und beanspruchen auch deutlich mehr Platz für sich. Für kleine Räume ist seine Leistung völlig ausreichend. Ersatzfilter gibt es für um die 18 Euro. Pro Jahr steht ein Filterwechsel an, womit sich die monatlichen Kosten auf 1,50 Euro belaufen. Die geringen Kosten sind dabei zum Teil auf den fehlenden Aktivkohlefilter zurückzuführen.

Mit EPA-Filter: Soehnle Airfresh Clean Connect 500

Mit EPA-Filter

Soehnle Airfresh Clean Connect 500

Test: Soehnle Airfresh Clean Connect 500
Wer zwar per App steuern, dem Luftreiniger aber keinen WLAN-Zugang geben möchte, liegt bei Soehnle richtig.

Der Airfresh Clean Connect 500 von Soehnle erinnert optisch an einen mittelgroßen Zylinder. Bedient wird er mithilfe der Tasten auf seiner Oberseite. Dort gibt es auch eine LED-Anzeige, die für die nötige Orientierung sorgt. Gefallen hat uns nicht nur das minimalistische Design des Luftreinigers, sondern auch seine geringe Lautstärke. Während die Konkurrenz bei den drahtlosen Anschlussmöglichkeiten des Luftreinigers auf WLAN setzt, kommt beim Soehnle Bluetooth zum Einsatz. Zwar macht das eine Sprachsteuerung des Luftreinigers unmöglich, in Anbetracht von Soehnles breitem Produktportfolio ist das aber durchaus sinnvoll.

Im Vergleich zur App von Xiaomi und Philips erscheint die des Soehnle ein wenig hakelig und es dauert ein wenig, sich damit zurechtzufinden. Zwar muss Soehnle mit der App nicht nur den Luftreiniger, sondern auch zahlreiche weitere Produkte unter einen Hut bekommen, ein wenig mehr Geradlinigkeit bei der Bedienung hätte der Software wohl trotzdem recht gut getan.

Beim verbauten Filter handelt es sich nicht um einen HEPA-, sondern um einen EPA-Filter (Klasse: E12). Unsere Messergebnisse fielen jedoch überraschend gut aus, die Filterleistung des Soehnle war sogar überdurchschnittlich. Einzig der Schlafmodus war uns etwas zu laut und leistete im Vergleich zu den Spitzenreitern in dieser Disziplin deutlich weniger.

Ersatzfilter für den Airfresh Clean Connect 500 schlagen mit etwa 41 Euro zu Buche und halten nach Angaben von Soehnle 4.320 Stunden durch. Das heißt, man kann den Reiniger 180 Tage und Nächte durchlaufen lassen, oder bei entsprechend moderaterer Nutzung mit einer einjährigen Nutzungsdauer der Filter rechnen. In diesem Fall kommt man auf 3,42 Euro an monatlichen Betriebskosten.

Der große Vorteil des Soehnle ist, dass er eine Steuerung per App ermöglicht, ohne dafür eine Internetverbindung zu benötigen. Ferner ist das Gerät natürlich auch für jene besonders interessant, die bereits das ein oder andere Connect-Produkt von Soehnle besitzen. Aufgrund der geringen monatlichen Kosten ist der Luftreiniger für den Langzeitbetrieb besonders attraktiv.

Was gibt es sonst noch?

Der LP60 von Venta war der mit Abstand größte Luftreiniger in unserem Test. Das gerillte Gehäuse weckt Assoziationen zu einem alten Radiator, beim Einschalten spätestens bemerkt man aber, dass es sich hier um ein modernes Gerät handelt. Gesteuert wird der Bolide über einen Touchscreen, der nicht nur überraschend groß geraten ist, sondern zudem knackscharf ist. Für Smartphone-Affine gibt es zudem die Möglichkeit, das Gerät via App zu steuern.

Luftreiniger Test: Venta Lp60 Rel
Platz vier gab es im Test für die Reinigungseffizienz des LP60.

Während die Reinigungsleistung sehr gute Ergebnisse lieferte, bot die Lautstärkemessung ein gespaltenes Bild. Während wir auf Stufe eins lediglich 38 Dezibel gemessen haben, röhrte die höchste Stufe mit 72 Dezibel auf Staubsauger-Niveau.

Der TruSens Z-3000 von Leitz verfügt nicht nur über interne, sondern auch externe Sensoren. Letztere senden ihre Daten per Funkverbindung an den Luftreiniger, was ihm eine effizientere Arbeitsweise bescheren soll. Was die Reinigungsleistung angeht, so landete der Leitz nur knapp hinter den Geräten von Philips und Xiaomi.

Luftreiniger Test: Leitz True Sens Z 3000 Rel
Die Filterleistung des Leitz ist sehr gut. Eine Empfehlung scheiterte lediglich an den teuren Ersatzfiltern.

Der Luftreiniger ist an seiner Oberseite abgeschrägt. Dort befindet sich auch, integriert in eine Plastikplatte, das Display. Die Ränder der Plastikplatte leuchten farbig, entsprechend der Luftqualität. Dort oben befinden sich auch die Touch-Tasten, auf eine Steuerung per App muss man bei diesem Gerät leider verzichten. Die integrierte UV-Lampe des Z-3000 sorgt dafür, dass Keime abgetötet werden. Weil die HEPA-Filter für dieses Gerät allerdings 42 Euro kosten, für drei Aktivkohlefilter im Paketpreis ebenfalls 13 Euro fällig werden und der Hersteller lediglich von einer dreimonatigen Nutzungsdauer ausgeht, sind die Betriebskosten des Luftreinigers zu hoch für eine Empfehlung.

Der LR 500 von Beurer ist in etwa so groß wie die Geräte von Panasonic und Xiaomi. Der Luftreiniger verfügt über WLAN und lässt sich über die übersichtliche und gut funktionierende App steuern. Lediglich auf einen Sprachassistenten muss man hier verzichten. Bei den Messwerten haben wir den Beurer ohne Turbo gemessen. Der Grund: Nach 15 Minuten im Turbo-Betrieb schaltet der Luftreiniger automatisch wieder in den normalen Betrieb.

Luftreiniger Test: Beurer Lr 500 Ohne Turbo Rel
Die Reinigungsleistung des Beurer bewegt sich im Mittelfeld.

In Stufe vier war das Messergebnis solide. An die Reinigungsleistung unserer Empfehlungen reicht die des LR 500 aber nicht heran. Zudem sind die Kosten für Filter bei diesem Modell vergleichsweise hoch.

Der Pure Hot and Cool von Dyson ist nicht nur ein Luftreiniger, sondern auch ein Ventilator mit Heißluftfunktion. Das alles gibt es zudem in einem sehr schicken Design und auch die Verarbeitung ist sehr hochwertig. Zwar ist der Dyson irgendwie überall zuhause, im Vergleich zur Konkurrenz ist seine Reinigungsleistung allerdings ziemlich ernüchternd.

Luftreiniger Test: Dyson Pure Hot And Cool Rel

Für Freunde des Dyson-Designs, die auf der Suche nach einem Alleskönner sind, ist er aber dennoch eine Überlegung wert.

Wissenswertes über Luftreiniger

In unserer Atemluft befinden sich nicht nur Gase, sondern auch Staub, Sporen und Pollen sowie die ein oder andere Kohlenstoffverbindung, wie beispielsweiße Ruß. Weil diese Stoffe eigentlich nicht in die Lunge gehören, können sie Allergiesymptome auslösen und sogar chronische gesundheitliche Probleme nach sich ziehen.

Besonders Feinstaub rückte deshalb zuletzt in den Fokus des öffentlichen Interesses. Der ist zwar eigentlich natürlich und wird bei Waldbränden und Gesteinserosionen frei, der Großteil davon stammt mittlerweile aber aus menschlicher Produktion, denn auch beim Feuerwerk oder im Straßenverkehr, beispielsweise durch den Abrieb von Bremsen und Reifen, wird Feinstaub freigesetzt.

Luftreiniger Test: Staub
Die Luft ist voll von Teilchen, die kurzfristige und langfristige gesundheitliche Folgen nach sich ziehen können.

Zwar widmet sich die Politik in den letzten Jahren dem Problem der Feinstaubbelastung durch den Straßenverkehr intensiv und durchaus auch mit Erfolg, von einer Lösung des Problems kann man aber keinesfalls sprechen. Es überrascht daher auch nicht, dass Luftreiniger vor allem in Wohnungen und Häusern vorzufinden sind, die in verkehrsintensiven Gegenden liegen.

Neben dem Feinstaub reinigen diese Geräte die Luft auch von Pollen und Hausstaub, weshalb auch Allergiker von ihnen profitieren können. Manche Modelle informieren sich sogar im Internet über den aktuellen Pollenflug und planen die Luftreinigung entsprechend, wobei das nicht unbedingt notwendig ist, denn ein Partikelsensor, der in dieser Preiskasse nicht unüblich ist, erzielt ein ähnlich smartes Ergebnis.

Wirksamkeit gegen Viren

Eine weitere Frage, die sich bei Luftreinigern aufdrängt, ist ihre Wirksamkeit gegenüber COVID-19, denn es zeigt sich zunehmend, dass die Erreger nicht durch eine Schmierinfektion, sondern über Aerosole, die stundenlang in der Luft umherschweben.

Luftreiniger Test: Maske
Es wird vermutet, dass Luftreiniger die Corona-Viren-Belastung in Räumen effektiv senken können.

Aerosole lassen sich mit handelsüblichen Luftreinigern aus der Raumluft entfernen. Trotzdem, dass fast alle Raumluftfilter, die von uns getestet wurden, mit einem HEPA-13-Filter ausgestattet sind, können die Viren selbst dabei nicht abgeschieden werden. Die Ansteckung selbst funktioniert aber über Aerosole. Zudem wird angenommen, dass eine recht große Virenzahl erforderlich ist, damit es überhaupt zu einer Ansteckung kommt.

Um eine Ansteckung in Innenräumen zu vermeiden und die Viruslast zu reduzieren, wird von Gesundheitsämtern regelmäßiges Lüften empfohlen, was im Winter oft nicht leicht fällt. Luftreiniger können hier Abhilfe schaffen. Dieser Ansicht ist auch Christian Kähler. Der Wissenschaftler der Bundeswehr-Universität München spricht sich in seiner Studie dafür aus, dass Luftreiniger mindestens über eine Luftwechselrate von 6 verfügen sollten, um das Ansteckungsrisiko deutlich zu reduzieren. Mit dem Wert 6 ist gemeint, dass die gesamte Luft im Raum innerhalb einer Stunde sechsmal vollständig gefiltert wird.

Ein Luftreiniger muss bei einem Raum mit einer Grundfläche von 20 Quadratmetern und 2,5 Meter hohen Decken eine Clean Air Delivery Rate (CADR) von 300 Kubikmetern pro Stunde haben. In unserem Test waren dazu nur die leistungsstärksten Luftreiniger bei maximaler Leistung fähig, wobei sie etwa 63 Dezibel laut waren. Für ein Büro ist das natürlich zu viel. Lösen lässt sich dieses Problem, wenn nicht nur ein Luftreiniger, sondern mehrere in einem Raum aufgestellt werden, die dann in einer niedrigeren Leistungsstufe und dementsprechend leiser arbeiten können.

Unsere Testgeräte sind daher nicht für Klassenzimmer oder große Büroräume geeignet, erfüllen ihren Zweck aber in kleinen Zimmern, die sich nur schlecht lüften lassen. Dabei sollte allerdings klar, sein, dass diese Reiniger das Ansteckungsrisiko nur reduzieren und nicht ausschließen können, denn eine Ansteckung mit virenbelasteten Aerosolen ist möglich, wenn man diese einatmet, bevor der Raumluftfilter sie entfernen konnte.

Ferner gibt es noch keinen Beweis, dass Raumluftfilter das Ansteckungsrisiko mit Coronaviren reduzieren, denn die Versuche von Christian Kähler wurden wie auch die Tests von uns mit Prüfaerosolen durchgeführt. Es wurden Partikel mit einer Größe zwischen 0,3 und 1 Mikrometern generiert und im Raum verteilt. Partikel solcher Größe werden von uns auch beim Sprechen, Husten und Atmen ausgestoßen.

Eine weitere Frage, die in diesem Zusammenhang noch nicht geklärt ist, ist die des Filterwechsels. Muss man regelmäßig die Filter wechseln, oder müssen diese einer Bestrahlung mit ultraviolettem Licht unterzogen werden, damit die im Luftfilter angesammelten Viren unschädlich gemacht werden?

Funktionsweise eines Luftreinigers

Die Funktionsweise eines Luftreinigers ist denkbar einfach. Die Geräte saugen die Raumluft mithilfe eines Ventilators an, jagen sie durch einen Filter (bei manchen Modellen sind es auch mehrere Filter) und blasen die gereinigte Luft wieder heraus. Wie viel Luft innerhalb einer bestimmten Zeit gereinigt werden kann, hängt von zwei Faktoren ab: der Größe des Rotors und seiner Rotationsgeschwindigkeit.

Luftreiniger Test: Xiaomi Mi Air Purifier 3h
Meist befindet sich der Luftauslass oben, hinter dem Kunststoffgitter befindet sich der Ventilator.

Weil die Lautstärke beim Reinigen der Luft meist eine wichtige Rolle spielt, sollte man beim Luftreiniger immer auch einen Blick auf die Rotoren werfen. Je kleiner sie sind, desto schneller müssen sie sich drehen, um die gleiche Menge Luft umzuwälzen und desto lauter sind sie folglich. Man sollte also größere Rotoren bevorzugen.

Oberklasse-Geräte verfügen zudem oft über Sensoren, welche die Qualität der Raumluft messen. Die Ventilatorleistung wird dann entsprechend der Luftqualität angepasst. Zudem lassen sich manche Luftreiniger mit einer App steuern und beherrschen umfangreiche Automatisierungsmöglichkeiten. Selbst die Bedienung mithilfe eines Sprachassistenten ist oft möglich.

Welche Filter gibt es?

Grundsätzlich sollte man Luftreiniger von Luftwäschern unterscheiden. Zwar sind die Wäscher auch mit einem HEPA-Filter ausgerüstet, sie nutzen zur Reinigung aber ein Wasserbad, womit zugleich auch die Luftfeuchtigkeit im Raum erhöht wird. Der Nachteil an Luftwäschern ist, dass mit ihnen nur große Partikel sowie wasserlösliche Stoffe aus der Luft entnommen werden können.

Luftreiniger Test: Filter
Die Luftfilter unterscheiden sich nicht nur in ihrer Form, sondern auch in ihrer Bauweise. Bei den beiden oberen Filtern handelt es sich um Kombinationsfilter, bei den unteren Modellen handelt es sich um einen Vorfilter, einen Aktivkohlefilter, sowie einen HEPA-Filter (v.l.n.r.). Alle drei unteren Filter gehören zum Philips AC2889/10.

Die Reinigungsleistung eines Luftfilters hängt maßgeblich vom verbauten Filter ab, wobei meist mehrere Filter zum Einsatz kommen. Folgende Filtertypen gibt es:

Um grobe Verunreinigungen kümmert sich der Vorfilter. Darin sammeln sich Haare, Hausstaub und Hautschuppen. Der Vorfilter ist vergleichbar mit einem Sieb und sorgt dafür, dass grobe Verunreinigungen es gar nicht erst bis zu den feinen Filtern schaffen. Als einziger Filter lässt sich der Vorfilter waschen bzw. reinigen.

Aktivkohlefilter reinigen die Luft von den darin enthaltenen organischen Verbindungen. Hierzu zählen auch Gerüche, die beim Kochen entstehen. Weil die Oberfläche der Aktivkohle aufgrund ihrer zahlreichen feinen Poren sehr groß ist, funktionieren diese Filter äußerst effektiv.

In nahezu allen Luftreinigern ist auch ein HEPA-Filter verbaut. Laut EU-Norm EN 1822-1:2009 werden unter dem Begriff »HEPA« (High-Efficiency Particulate Air/Arrestance) die Filterklassen H14 und H13 zusammengefasst. Filter dieses Typs sind dazu in der Lage, sehr kleine Partikel aus der Luft herauszufiltern. Dazu zählen Pollen, Schimmel und Feinstaub. Zudem besteht die Möglichkeit, dass mithilfe der Filterklasse H14 Viren gefiltert werden können.

Bei dem ein oder anderen teureren Gerät ist zudem ein UV-Leuchtmittel verbaut, dessen Strahlung Keime abtöten und den Filter so desinfizieren soll.

Luftreiniger Test: Luftreiniger Gruppenfoto
Die zwölf getesteten Luftreiniger.

So haben wir getestet

Um messen zu können, wie effektiv die Geräte die Luft reinigen, haben wir professionelle Messausrüstung verwendet. Neben einem Partikelgenerator (Topas ATM 226) haben wir eine Sonde mit Verdünnungsstrecke (RR V100) sowie einen Partikelzähler (Lighthouse Solair 3100) dazu verwendet.

Das Prüfaerosol (DEHS) des Partikelgenerators erzeugt Aerosole mit einer Partikelgröße von 0,3 Mikrometern, das wir in unserem Testraum mit 29 Quadratmetern (Volumen: 71,7 Kubikmeter) verteilt haben. Im Anschluss daran durften dann die Luftreiniger ran. Der Reihe nach mussten sie je eine Stunde lang unter Volllast die Luft reinigen. In einmütigen Testintervallen zeichnete der Partikelzähler die Partikelkonzentration auf. Damit konnten wir dann ein Diagramm anfertigen, welches die Abnahme der Partikelkonzentration graphisch darstellt und ferner dokumentiert, wie effektiv das jeweilige Gerät arbeitet.

Luftreiniger Test: Luftreiniger
Die Effizienz der Luftreiniger wurde von uns mithilfe einer professionellen Messausrüstung ermittelt.

Um die Reinigungswirkung des Luftfilters genauer zu ermitteln, wurden zudem Partikelmessungen anderer Leistungsstufen, nämlich der niedrigsten sowie der höchsten Stufe, die akustisch nicht wahrnehmbar ist, vorgenommen. Weil die emittierten Prüfaerosole nach einer gewissen Zeit der Schwerkraft zum Opfer fallen, wurde von uns zudem eine Referenzmessung durchgeführt, bei der wir die »natürliche« Abnahme der Konzentration des Prüfaerosols in der Luft dokumentierten.

Luftreiniger Test: Referenz Rel
Die Konzentration der DEHS-Partikel in der Luft nimmt auch ohne das Eingreifen eines Luftreinigers stetig ab.

Die Geräuschentwicklung der Luftreiniger wurde von uns mit einem entsprechenden Messgerät im Abstand von einem Meter ermittelt. Gemessen wurden sämtliche Modi jedes Luftreinigers. Die Lautstärke des Luftreinigers ist besonders dann wichtig, wenn er auch nachts laufen soll, denn beim Schlafen können bereits sehr leise Lüftergeräusche stören.

Ein weiteres Testkriterium sind die laufenden Kosten eines Luftreinigers, die beim Wechseln der Filter entstehen. Weil wir in unserem Test die Nutzungsdauer nicht weiter beurteilen können, beziehen wir uns hier auf die jeweiligen Angaben des Herstellers, wann der Filter gewechselt werden muss. Die für die Filter aufgerufenen Preise haben wir in Online-Shops ermittelt. Ferner hatten auch die Bedienung, der Funktionsumfang und die Verarbeitungsqualität Einfluss auf das Testergebnis.

Luftreiniger Test: Xiaomi Mi Air Purifier 3h

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