Streaming-Box Test: Amazon Fire Tv Stick

Streaming-Boxen im Test : HD auf Abruf

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Veröffentlicht 16.03.2020

Auch in Zeiten von Smart TVs haben Streaming-Boxen nicht ausgedient. Sie erweitern das Medienangebot, lassen sich oft nach eigenen Wünschen anpassen und an jedem Bildschirm betreiben, der über einen HDMI-Anschluss verfügt. Wir haben 12 Modelle getestet.

Boris Hofferbert
Boris Hofferbert
schreibt als freier Redakteur unter anderem für digitalPhoto, Tech.de und PC Welt und betreibt das Hilfe-Portal Tutonaut. Er testet am liebsten Tablets, eBook-Reader und Fernseher.

Aktuelle Smart TVs kommen bereits mit einer Reihe Apps, um Inhalte von Netflix, Amazon und Co ins Wohnzimmer zu holen, andere lassen sich im Nachhinein installieren. Vielen Leuten reicht das, doch wer sich umfangreichere Möglichkeiten wünscht, lieber auf einen PC-Monitor zurückgreift oder noch einen älteren Fernseher ohne Smart-Funktionen nutzt, muss nicht auf den Heimkino-Spaß verzichten. Streaming-Boxen sind vielfältiger einsetzbar, verfügen meist über einen größeren Funktionsumfang und im Gegensatz zu Smart TVs bekommen sie auch häufiger Software-Updates.

Unter 12 getesteten Modellen waren vier, die ihre Sache besonders gut gemacht haben. Hier sind unsere Empfehlungen.

Günstig: Amazon Fire TV Stick 4K

Der Amazon Fire TV Stick ist schon fast ein moderner Klassiker. Das mag zum einen am günstigen Preis der Hardware liegen, zum anderen aber auch an Amazons hauseigenen Streaming-Dienst Prime Video. Seit einiger Zeit bietet der Online-Riese auch eine Variante mit dem Namenszusatz »4K« an, der, wie schon zu vermuten ist, die Wiedergabe hochaufgelöster Videos mit 4096 × 2160 oder 3840 × 2160 Pixeln beherrscht.

Günstig

Amazon Fire TV Stick 4K

Die »Box« ist eigentlich viel mehr ein kleiner Stick, der, ähnlich einem USB-Speicher, in eine freie HDMI-Buchse am Fernseher oder Monitor gesteckt wird. Was die Hardware betrifft, ist die Installation damit schon abgeschlossen.

Neben dem Stick selbst gehört auch eine Fernbedienung zum Lieferumfang. Diese ist kompakt bemessen, übersichtlich und lässt neben Eingaben per Tastendruck auch Sprachbefehle an Alexa zu. Eine schöne Nebenfunktion der Fernbedienung ist auch die Möglichkeit, andere Geräte – etwa den Fernseher selbst – damit zu bedienen. Meistens funktioniert das einigermaßen gut, ist bislang aber noch fehlerbehaftet. So war es beispielsweise nicht möglich, an unseren Fernsehern den Sender zu wechseln. Die alte Fernbedienung einmotten können Sie mit der Fire TV Remote also nicht.

Nimmt man den Fire TV Stick 4K in Betrieb, verbindet man ihn zuallererst einmal mit dem WLAN. Da das Gerät keine Ethernet-Buchse besitzt, ist das die einzige Möglichkeit, es ins Netzwerk zu bringen. Die WLAN-Verbindung beherrscht sowohl den 2,4-GHz- als auch den 5,0-GHz-Standard, beide laufen angenehm schnell und stabil. Ähnliches gilt auch für die Navigation durch das etwas unübersichtliche Hauptmenü: Alles geht flott von der Hand, Ruckler traten während des Tests keine auf.

Sofern man über einen Amazon Prime-Account verfügt, kann das Streaming-Vergnügen nun losgehen. Gerade die eigenen Inhalte gibt das kleine, schwarze Kästchen tadellos wieder und unterstützt dabei sogar die Standards Dolby Vision und HDR10+. Passende Apps weiterer Anbieter, darunter selbst des großen Konkurrenten Netflix, erweitern das Portfolio noch einmal um ein Vielfaches. Grund zur Klage gibt es aber dennoch: Aufgrund des ewig schwelenden Streits zwischen Amazon und Google sind Dienste wie YouTube nur über inoffizielle Umwege nutzbar. Ähnliches gilt für das Angebot des Pay-TV-Senders Sky – mangels offizieller App muss man auf Notlösungen zurückgreifen.

Bei Amazons eigenen Inhalten stört wiederum, dass in der Gesamtübersicht Bezahlinhalte und jene, die bereits in der Prime-Mitgliedschaft enthalten sind, wild durcheinandergewürfelt werden und nicht direkt erkennbar sind. Erst die Detailansicht gibt Auskunft darüber, ob man erneut zur Kasse gebeten wird.

Dennoch ist der Amazon Fire TV Stick 4K eine ausgereifte Streaming-Box, die neben ihrer leistungsstarken Hardware vor allem durch ihren niedrigen Preis besticht. Besonders Nutzer von Amazon Prime kommen auf ihre Kosten, aber auch Fans anderer Anbieter können damit ihren Spaß haben – vor allem, wenn sie nicht davor zurückschrecken, ab und zu die offiziellen Pfade zu verlassen.

Luxuriös: Apple TV 4K

Luxuriös

Apple TV 4K

Wenn es noch etwas mehr sein soll, ist der Apple TV 4K die erste Wahl – allerdings auch eine teure. Gegenüber dem Vorgänger ohne »4K« im Namen wurde das Gerät technisch stark aufgebohrt. Der schnellere Prozessor macht sich bezahlt: Hochaufgelöste Streams werden butterweich wiedergegeben – eine ausreichend schnelle Internetverbindung vorausgesetzt. Dabei unterstützt der Apple TV 4K sowohl Dolby Vision und Dolby Atmos als auch HDR10, nicht aber HDR10+.

Anders als beispielsweise der Amazon Fire TV Stick 4K, verfügt der Apple TV 4K über einen Ethernet-Anschluss. Wer die Verbindungssicherheit eines Kabels gegenüber WLAN bevorzugt, kommt also auf seine Kosten. Einen USB-Anschluss für eigene Speichermedien bietet das Gerät zwar nicht, per AirPlay lassen sich aber zumindest Inhalte von gängigen Apple-Geräten, wie iPhone und iPad, auf den Apple TV 4K streamen. Die Geräte lassen sich zudem als Fernbedienung nutzen, was im Test exzellent funktionierte.

Alternativ kann man aber auch die beiliegende Fernbedienung nutzen. Diese verfügt über ein Touchpad, das eine komfortable Steuerung ermöglicht, und ein Mikrofon, um Sprachbefehle für Siri entgegenzunehmen. Beides funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnung relativ gut, nur Siri zeigt gelegentlich Verständnisschwierigkeiten.

Das Menü ist ausgereift und läuft schnell und ruckelfrei in geschmeidigen 60 Hertz über den Bildschirm. Startet man einen Film, erkennt die Software automatisch die Bildwiederholrate und schaltet entsprechend um – praktisch! Noch praktischer ist aber die Suche nach Inhalten: Statt jede App einzeln zu starten und zu durchsuchen, listet die Oberfläche des Apple TV 4K alle Treffer schon im Menü übersichtlich auf.

Dieser Vorteil wiegt noch schwerer, wenn man einen Blick auf das Video-Angebot wirft, denn das ist riesig: Momentan gibt es keine Streaming-Lösung, die mehr Auswahl zur Verfügung stellt. Nachdem sich Amazon lange Zeit gegen eine App für seinen Video-Dienst gesträubt hatte, hat sich das inzwischen geändert und Amazon Prime Video ist offiziell per Apple TV erreichbar. Hinzu kommt eine steigende Zahl an Eigenproduktionen, sofern man den hauseigenen Streaming-Service Apple TV+ abonniert. Wem das immer noch nicht reicht, kann außerdem auf Netflix, die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen TV-Sender und sogar Sky zugreifen.

Selbst Gaming ist mit dem Apple TV 4K möglich, Voraussetzung ist jedoch der Erwerb eines separat erhältlichen Controllers. Auf den ersten Blick scheint Apple damit in den Gefilden des Nvidia Shield TV zu wildern, tatsächlich ist die Spielefunktion aber eher ein Bonus. Das Streamen komplexer PC-Spiele, wie es das Shield TV als Schwerpunkt verfolgt, ist mit der Apple-Hardware nicht möglich. Für ein kurzweiliges Spiel zwischendurch ist es aber durchaus eine nette Dreingabe.

Ob man bereit ist, den hohen Preis zu bezahlen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für einen Kauf sprechen in jedem Fall die leistungsstarke Hardware, das ausgereifte Menü und vor allem die extrem hohe Angebotsbreite – mehr Streaming gibt es momentan sonst nirgends. Und aufgrund des Zusammenspiels mit iPhone und iPad ist der Apple TV 4K vor allem für Bestandsnutzer der Marke sehr empfehlenswert.

Sprachaffin: Amazon Fire TV Cube

Sprachaffin

Amazon Fire TV Cube

Der Amazon Fire TV Cube ist der konsequente nächste Schritt Amazons bei seinem Plan, seinen Sprachassistenten Alexa in die Wohnzimmer zu bringen. Folgerichtig erfüllt der Fire TV Cube neben den typischen Streaming-Funktionen auch welche, die man traditionell von der »Echo« getauften Lautsprecherreihe kennt. Darüber hinaus verfügt das Gerät über einen Infrarotsender, dass den Würfel in eine Schaltzentrale verwandelt. Selbst alte Geräte aus Zeiten, in denen noch nie jemand etwas von Smart Home gehört hatte, werden somit empfänglich für Sprachbefehle.

Trotz seiner vielseitigen Ausrichtung und des verhältnismäßig großen Gehäuses ist der Würfel nicht gerade mit Anschlüssen gesegnet – weder ein USB-Port für Wechseldatenträger noch ein Ethernet-Port sind vorhanden. Möchte man das Gerät trotzdem per Kabel ins Netzwerk einbinden, legt Amazon immerhin einen passenden Adapter bei.

Dem Fire TV Cube gegenüber seinem Stick-Cousin mehr Leistungsreserven zur Verfügung, außerdem profitiert er enorm von der vereinfachten Bedienung, denn wie es sich für die Echo-Geräte gehört, besitzt natürlich auch der Cube Fernfeld-Mikrofone – satte acht Stück sind verbaut. Unverständlich ist aber, dass der Würfel trotz ebenfalls eingebauten Lautsprechers keinen Mucks von sich gibt, wenn der Fernseher nicht eingeschaltet ist – einen vollwertigen Echo bekommt man somit nicht, obwohl das notwendige Rüstzeug vorhanden wäre.

Die Steuerung über Sprache funktioniert in der Praxis sehr gut, für spezifische Wünsche muss man aber doch von Zeit zu Zeit auf die Fernbedienung zurückgreifen. Was Angebot, Oberfläche und unterstützte Formate angeht, bietet der Cube das gleiche, was uns schon vom Fire TV Stick 4K bekennt ist.

Ob der Amazon Fire TV Cube für Sie eine Anschaffung wert ist oder Sie doch lieber dem Fire TV Stick 4K den Vorzug geben, liegt an Ihren Ansprüchen: Wenn Sie gute Verwendung für die Schaltzentrale und die bessere Sprachsteuerung haben, greifen Sie zum Cube. Wenn Sie hingegen nur streamen wollen, ist der Fire TV Stick 4K die günstigere Lösung.

Verspielt: Nvidia Shield TV

Verspielt

Nvidia Shield TV

Streaming Box test: Nvidia Shield TV
Das Shield TV bietet Gaming-Features und ein breites Streaming-Angebot, aber weniger 4K-Content.

Keine Preise gefunden.

Das Nvidia Shield TV richtet sich vor allem an Gamer. Die Box wird mit einem Controller ausgeliefert, im Zusammenspiel mit einem Gaming-PC samt GeForce-Grafikkarte lässt sich das Spielgeschehen – eine solide Netzwerkverbindung vorausgesetzt – vom Computer auf den Fernseher streamen – so spart man sich eine extra Konsole. Damit alles reibungslos klappt, verfügt die Box neben WLAN auch über eine Ethernet-Buchse zwecks Kabelverbindung.

Aber auch für Video-Inhalte eignet sich das Shield TV sehr gut, denn im Gegensatz zu den Platzhirschen von Amazon, Apple und Google verfügt das Gerät über einen USB-Anschluss für Wechseldatenträger. So gelangen nicht nur Netflix und Konsorten, sondern auch die Videos aus dem letzten Familienurlaub auf den Bildschirm.

Apropos Chromecast: Das Shield TV unterstützt Googles Streaming-Standard, allerdings nicht den Google-eigenen Video-Dienst Google Video. Amazon und Netflix stehen hingegen zur Verfügung und unterstützen auch die Wiedergabe in 4K. Damit siedelt sich das Shield TV bezüglich der Angebotsbreite zwischen Amazon und Apple an. Für verspielte Zeitgenossen steht neben dem Angebot an Android-Spielen auch ein eigener Game-Shop bereit.

Geht es an die technischen Formate, ist das Nvidia Shield TV relativ gut aufgestellt: 4K wird ebenso unterstützt wie HDR10 bei 24p, Dolby Vision allerdings nicht. Als Betriebssystem kommt Android TV zum Einsatz.

Unterm Strich eignet sich das Nvidia Shield TV somit vor allem für Gamer. Da das Gerät preislich nicht allzu weit vom Apple TV 4K entfernt ist, raten wir reinen Kino-Enthusiasten eher zu selbigem. Für begeisterte Zocker bietet das Shield TV aber Vorteile, die eine Entscheidung gegen das etwas größere Angebot des iPhone-Herstellers wettmachen.

Was gibt es sonst noch?

Der normale Amazon Fire TV Stick ist noch immer eine gute Wahl, wenn es nicht unbedingt 4K-Auflösung sein muss. Der Funktionsumfang ist mit dem großen Bruder vergleichbar, lediglich mit den neuesten Formaten, wie zum Beispiel HDR und eben 4K, kann der Stick nicht dienen. Dafür ist er schon für wenig Geld zu bekommen.

Ähnliches gilt für den Apple TV: Das Angebot an Apps und Filmen unterscheidet sich nicht, lediglich in technischer Hinsicht müssen Einbußen in Kauf genommen werden, was egal ist, wenn man ihn nicht an einem 4K-fähigen Bildschirm betreiben möchte. Anders als beim Fire TV Stick halten wir den Preis des Apple TVs aber für zu hoch.

Der Google Chromecast ist ungewöhnlich, denn er wird ohne Fernbedienung ausgeliefert. Stattdessen erfolgt die Zuspielung über die »Cast«-Funktion des Smartphones oder per Sprachbefehl an Google Home. Der Chromecast unterstützt eine lange Reihe von Diensten, dazu gehört allerdings nicht Amazon Video. Ganz wie die Konkurrenzsysteme gibt es auch den Chromecast in einer günstigeren Standardvariante und einer teureren 4K-Version mit HDR-Unterstützung – letztere finden wir für den gebotenen Gegenwert aber etwas zu teuer.

Die Xiaomi Mi Box 3 ist eine verhältnismäßig günstige Lösung, um 4K-Inhalte wiederzugeben. Eine Besonderheit ist, dass als Betriebssystem Android TV zum Einsatz kommt. Leider gab es im Test Probleme mit der HDR-Darstellung, außerdem kommen Software-Updates nur sehr spärlich und recht spät – einschließlich der wichtigen Sicherheits-Patches.

Wissenswertes über Streaming-Boxen

Bevor man sich für eine Streaming-Lösung entscheidet, sollte man bedenken, welche Dienste man in Anspruch nehmen möchte, denn nicht jede Box unterstützt die Angebote sämtlicher Streaming-Anbieter. Wer wirklich sicher gehen will, dass seine vorhandene Medienbibliothek ohne Zwischenfälle wiedergegeben wird, greift am besten zur Hardware des jeweiligen Streaming-Anbieters. Das bedeutet: Wenn Sie ohnehin schon im Apple-Kosmos beheimatet sind, bietet sich ein Apple TV an, für Amazon Video eignet sich vor allem ein Gerät aus der Fire TV-Reihe.

Zwar bieten einige Hersteller Apps für die Boxen anderer Hersteller an, im Einzelfall gilt es aber nachzuprüfen, ob Ihr Anbieter dabei ist. Vor allem Google und Amazon schließen sich aufgrund des Zwists zwischen den beiden Parteien gerne gegenseitig aus – aber nicht zwingend vollständig: Während etwa der Google-Dienst YouTube nur mittels inoffizieller Umwege per Fire TV Stick erreichbar ist, gibt ein Chromecast zwar Audio-Inhalte von Amazon Music wieder, nicht aber die Videogegenstücke von Prime Video. Am kompatibelsten ist derzeit Apple: Für Apple TV stehen sowohl YouTube als auch Amazon Video offiziell zur Verfügung.

Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt, ist der eigene Bildschirm: Neuere Modelle unterstützen neben der höheren 4K-Auflösung auch einige technische Standards, wie HDR10, Dolby Vision und das Raumklang-Format Dolby Atmos. Allerdings sind die entsprechenden Boxen teurer als ihre Pendants ohne »4K«-Zusatz und bringen Besitzern eines älteren Fernsehers mit FullHD-Auflösung keine Vorteile.

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