OLED-Fernseher Test: Lg C9

OLED-Fernseher im Vergleich : Die Königsklasse der TV-Geräte

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Veröffentlicht 16.03.2020

OLEDs bilden inzwischen die Luxuskategorie unter den TV-Geräten. Sie überzeugen vor allem durch hervorragende Bildqualität, sind aber auch in anderen Funktionen vielseitig. Dabei kommt es vor allem auf Sound und Benutzerfreundlichkeit an.

Boris Hofferbert
Boris Hofferbert
schreibt als freier Redakteur unter anderem für digitalPhoto, Tech.de und PC Welt und betreibt das Hilfe-Portal Tutonaut. Er testet am liebsten Tablets, eBook-Reader und Fernseher.

Besonders durch grandiose Bildeigenschaften zeichnen sich OLED-Fernseher aus. Dank selbstleuchtenden Bildpunkten wirkt schwarz sehr satt, was wiederum für deutliche Kontraste und damit ein beeindruckendes Bilderlebnis sorgt. Auch die gängigen HDR-Standards tragen dazu bei, indem etwa Helligkeit feiner abgestuft werden kann. Selbst scheinbar schwächere Modelle bestechen so durch ihre Bildqualität.

Das schlägt sich logischerweise auch im Preis nieder. Allerdings kann man mittlerweile kleinere Geräte mit 55 Zoll Bildschirmdiagonale schon unter 2.000 Euro erwerben. Wir haben insgesamt 19 OLED-Fernseher verglichen, davon sind aktuell noch 11 verfügbar. Unterschiede gibt es vor allem im Klang, der Bedienung des Betriebssystems und den verwendeten HDR-Formaten.

Preiswerter Allrounder: LG OLED C9

Preiswerter Allrounder

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OLED-Fernseher Test: Lg Oled C9
Top-Bild, Top-Ausstattung: LG macht mit dem C9 praktisch alles richtig.

Mit dem OLED C9 hat LG ein Fernseher auf den Markt gebracht, der nicht nur mit der Bildqualität besticht. Auch das Betriebssystem mit Smart-Assistenten sowie Ausstattung und Design können überzeugen. Darüber hinaus macht der C9 im Vergleich zu seinem Vorgängermodell C8 Fortschritte, was den Sound betrifft. Der OLED C9 ist mit 55, 65 und 77 Zoll Bildschirmdiagonale erhältlich. In unserem Vergleich beschränken wir uns auf die 55 Zoll-Variante, da sie sich ansonsten nicht von den größeren Modellen unterscheidet.

Bezüglich der Anschlüsse hat sich der C9 gegenüber seinem Vorgänger ebenfalls verbessert: Die vier HDMI-Anschlüsse verfügen inzwischen über den in Zukunft wichtigen HDMI-2.1.-Standard und unterstützen somit auch den Audio-Rückkanal eARC. Dadurch ist hohe Audioqualität gewährleistet, Dolby-Atmos- sowie DTS:X-Signale etwa können per HDMI-Kabel übertragen werden. Der HDMI-2.1.-Standard ist außerdem von Vorteil, wenn 2020 erscheinende Spielkonsolen am Fernseher genutzt werden, die Konsolen setzen auch auf den neuesten HDMI-Standard. Der Vorteil für das Gaming hierbei: Mit der sogenannten VRR-Funktion (Variable Refresh Rate) von HDMI-2.1. kann der Fernseher dynamisch die Bildwiederholrate an das Abspielmedium anpassen. Das erlaubt eine sehr flüssige Bildwiedergabe und verringert die Eingabeverzögerung. Gerade bei niedrigeren FPS macht diese Technik den Unterschied zwischen spielbar und zu ruckelig aus.

Das bereits im Vorgängermodell C8 hervorragende Bild konnte mithilfe von »AI«, also künstlicher Intelligenz, noch weiter verbessert werden. Diese soll Helligkeit mittels Echtzeitanalyse der Bildinhalte an die Lichtverhältnisse anpassen, was auch in der Praxis gut funktioniert. Die Helligkeit des OLED-Panels kommt zwar nicht an High-End-LCDs heran, überzeugt aber dennoch. Mit der Option »Dynamic Tone Mapping« erscheinen außerdem Kontraste und Farben noch natürlicher, auch weil der Kinofarbraum P3 beinahe komplett abgedeckt wird. Selbstverständlich sind die KI-Verbesserungen optional, gefallen Ihnen die Einstellungen der künstlichen Intelligenz nicht, können Sie die KI deaktivieren. Gerade für Gamer ist der OLED C9 somit zu empfehlen, da auch schnellere Spiele flüssig dargestellt werden und die Eingabeverzögerung im Vergleich zum Vorgänger auf weniger als 15 Millisekunden reduziert werden konnte.

Wie bereits angedeutet kann der C9 mittlerweile selbst mit dem Sound überzeugen. Zwar können die integrierten Lautsprecher natürlich nicht ein Surround-System ersetzen, aber sie klingen dennoch lauter, ausgewogener und bassintensiver als die des C8. Die Lautstärke kann zudem über ein in der Fernbedienung integriertes Mikrofon den Räumlichkeiten angepasst werden.

Leicht bedienbar, aber dennoch vielseitig ist das Smart-TV-Betriebssystem webOS 4.5, zu dem ein neues Hilfesystem gehört, das die Bedienungsschritte begleitet. Gesteuert wird webOS per Bewegung der Magic Remote, was nach kurzer Eingewöhnungszeit einwandfrei funktioniert. Streaming-Dienste wie Amazon Video und Netflix lassen sich über die Fernbedienung direkt aufrufen, während viele andere Plattformen über den App Store installierbar sind.

Inzwischen setzt LG in seinem WebOS 4.5 auf Sprachsteuerung über Google Assistant, die via Fernbedienung, Smartphone oder Google-Home-Lautsprecher genutzt werden kann. Damit können etwa Programminfos abgerufen, TV-Funktionen gesteuert oder Apps durchsucht werden. Amazon Alexa ist mittlerweile ebenfalls mit dem OLED C9 kompatibel; ebenso werden nun AirPlay 2 und Apple HomeKit unterstützt. Natürlich ist webOS 4.5 aber auch ohne die Features von Google, Amazon, etc. sehr gut nutzbar.

Wenn überhaupt irgendwas bemängelt werden kann, dann nur, dass weiterhin auf HDR10+ verzichtet wird. Ob das problematisch werden könnte, wie weit HDR10+ sich in nächster Zeit durchsetzen wird und ob es genügend Content für dieses HDR-Format geben wird, ist jedoch noch nicht abzusehen. Ein Update seitens LG, mit dem man dieses Format nachreichen könnte, ist unwahrscheinlich, da man ohnehin mit Updates des Betriebssystems geizt.

Insgesamt besticht der LG OLED C9 jedoch auf allen Ebenen, sei es Bild, Sound oder Betriebssystem. Wer einen vergleichsweise sehr preiswerten OLED-Fernseher sucht, kommt kaum am C9 vorbei.

Klangstarker Neuling: Sony AF9

Klangstarker Neuling

Sony AF9

OLED-Fernseher Test: Sony Af9
Sonys Vertreter aus der Master-Serie überzeugt mit großartigem Bild und gutem Ton.

Der Sony AF9, das erste Modell der Sony Master-Serie, orientiert sich am 2017 erschienenen A1 OLED. Auffällig ist besonders das Stand-Design und der wiederum starke »Acoustic Surface«-Lautsprecher, wobei der AF9 aber auch in einem Surround-System als Center-Box fungieren kann.

Um ein gutes Bild zu verarbeiten, verwendet Sony mit dem X1 Ultimate seinen momentan besten Bildprozessor, der laut Betriebsangaben doppelt so leistungsfähig ist wie der X1 Pro ist. Zwar unterstützt Sony hier noch nicht HDR10+, dennoch zeigt sich an den neuen OLED-Panel, dass HDR-Inhalte absolut natürlich und realistisch erscheinen. Full-HD-Medien können außerdem auf 4K-Auflösung skaliert. Die von Haus aus starke Bewegtbildverarbeitung gewährleistet, dass selbst Action-Szenen absolut flüssig und ohne Seifenopern-Effekte übertragen werden.

Da die Standardbildeinstellung nicht unbedingt immer die beste ist, muss hier gegebenenfalls selbst noch das ein oder andere Detail geändert werden. Überzeugen kann Sony hingegen mit dem kalibrierten Modus für Netflix, mit dem Serien und Filme tatsächlich exakt so aussehen, wie von den Regisseuren geplant.

Als Betriebssystem beim AF9 wird auf Android TV gesetzt. Die Bedienung fällt durch die aufgeräumtere Startseite leichter als bei vorherigen Versionen, bedarf aber immer noch einer gewissen Einarbeitungszeit und hat deswegen gegenüber den Systemen von LG oder Panasonic das Nachsehen. Die Auswahl im App-Store hingegen ist hervorragend. Termine für Updates von Android TV sind noch nicht bekannt.

Besonders durch den starken Bildprozessor und den kräftigen Sound weiß Sony zu überzeugen. Lediglich bei der Benutzerfreundlichkeit des Betriebssystems offenbart der AF9 gegenüber der Konkurrenz noch Schwächen. Wer jedoch schon Erfahrungen mit der Bedienung von Android TV gemacht hat, dem bietet Sony ein rundum zufriedenstellendes Produkt.

Vielseitig und leicht bedienbar: Panasonic FZW954

Vielseitig und leicht bedienbar

Panasonic FZW954

OLED-Fernseher Test: Panasonic Fzw954
Großartiges Bild, tolle Funktionen, ausgereifte Bedienung: Panasonic macht fast alles richtig.

Als schon etwas älteres Modell steht der Panasonic FZW954 seiner Konkurrenz trotzdem in nichts nach. Als Quasi-Nachfolger des EZW1004 ist er sowohl mit 55, als auch mit 65 Zoll Bildschirmdiagonale erhältlich. Auffällig ist zunächst die in das Gehäuse fest integrierte Lautsprecherleiste. An die Acoustic-Surface-Lautsprecher von Sony kommt Panasonic zwar nicht heran, aber im Vergleich zum LG OLED C9 klingt der Sound doch kräftiger.

Wie auch andere OLED-Fernseher überzeugt der FZW954 gerade mit der Bilddarstellung. Abheben von der Konkurrenz kann sich Panasonic mit der Unterstützung von HDR10+ (neben HDR10 und HLG), auf Dolby Vision muss hingegen verzichtet werden. Der Bildprozessor Studio Colour HCX liefert nahezu perfekte Bilder, egal ob es sich um 4K-, HDR-, Full-HD- oder SD-Inhalte handelt. Darüber hinaus bietet Panasonic im Modus »True Cinema« natürliche Farben und tolle Kontraste. Andere Modi, beispielsweise THX oder »ISF Tag/Nacht« sind ebenso schnell einstellbar. Farbenthusiasten können übrigens über die CalMan-Kalibrierungssoftware mit einem Messgerät die Farbabstimmung weiter feintunen.

Ein übersichtliches Menü, das aber dennoch viele Apps und Einstellungsmöglichkeiten bietet, ist typisch für Panasonic. Mit der TV-IP-Unterstützung kann Panasonic ebenso punkten: Damit ist es möglich, TV-Inhalte innerhalb eines Netzwerks auf ein Tablet oder Smartphone zu übertragen. Wirkliche Schwächen offenbart der FZW954 einzig bei der Sprachsteuerung, die nicht gegen die Google-unterstützten Steuerungen von LG oder Sony ankommt.

Ansonsten bekommt man bei Panasonic für einen vergleichsweise höheren Preis einen OLED-Fernseher, der gerade im Bereich Bild und Extrafunktionen überzeugt. Wer außerdem Wert auf HDR10+ legt, ist hier an der richtigen Adresse.

Auffälliges Design: LG OLED E8

Auffälliges Design

LG 55E8

Test OLED-Fernseher: LG 55E8
Das 2018er-Modell kann nach wie vor problemlos mithalten.

Wer von LG-OLED-Fernsehern überzeugt ist, doch nicht so tief in die Tasche greifen möchte, für den ist der LG OLED E8 eine Alternative zum C9. Die 8er-Serie steht den aktuelleren Modellen in Sachen Bild kaum in etwas nach. Auf diverse KI-Features, die beispielsweise der C9 bietet, muss hier zwar verzichtet werden, dennoch arbeiten die OLED-Panel und der Bildprozessor ähnlich stark. Positiv hervorzuheben ist sicherlich die Optik: Durch das »Picture on Glass«-Design wirkt es, als würde das Bild eben direkt auf der Glasscheibe liegen. Das verbessert zwar nicht die Bildqualität, macht aber optisch dennoch einiges her. Schick.

Die integrierte Soundbar bietet einen soliden Klang, kann aber nicht ganz mit der Konkurrenz mithalten, weswegen ein zusätzliches Surround-System eine Überlegung wert ist. Im vorinstallierten Betriebssystem webOS4.0 fehlen Funktionen der neueren Version wie etwa die Hilfestellung, ansonsten weiß webOS4.0 aber wie auch 4.5 zu überzeugen: In Sachen Menüführung, Einstellungen oder der Auswahl der Apps steht das Betriebssystem seinem Nachfolger in nichts nach.

Im Gegensatz zum C9 fehlen dem E8 außerdem HDMI-2.1.-Anschlüsse sowie die Kompatibilität mit AirPlay 2. Für die 9er-Serie ist AirPlay 2 im Sommer 2019 noch nachträglich integriert worden. Gerade für Liebhaber des Designs, die wenig bis keine Einbußen in Sachen Bildqualität in Kauf nehmen wollen, bietet der LG OLED E8 aber eine echte Alternative.

Was gibt es sonst noch?

Eine interessante Alternative stellt der Grundig GOB 9990 dar. Aus der FineArt-Serie stammend weist der GOB 9990 ein sehr gutes Bild sowie einen soliden Klang auf. Das Betriebssystem Visio OS ist ebenso ohne lange Einarbeitung leicht bedienbar. Lediglich bei der Ausstattung mangelt es etwas: Nur drei HDMI-Eingänge sind verfügbar und neben einem Twin-Tuner fehlen auch die Apps von Amazon Video und Netflix.

Der Panasonic FZW804 ist eine günstigere Version des FZW954. Dabei kommt sogar der gleiche Bildprozessor wie im teureren Modell zum Einsatz, die intuitive Bedienung haben die Modelle ebenso gemein. Einbußen müssen beim Sound in Kauf genommen werden, da hier kein zusätzlicher Lautsprecher eingebaut ist. Wer dann auf keine Soundanlage zurückgreifen kann, muss mit einem dünneren Ton leben.

Als Nachfolger des Sony AF9 brachte Sony 2019 den AG9 auf den Markt. Bedeutende Änderungen sind das wieder traditionellere Design und das überarbeitete Soundsystem »Acoustic Surface Audio+«. Im Bereich der Bildeigenschaften hat sich allerdings nichts getan: Es werden die gleichen OLED-Panel und Bildprozessor verwendet, weswegen der AG9 in dieser Hinsicht kein Update darstellt. Da er außerdem teurer als sein Vorgänger ist, spricht im direkten Vergleich wenig für den AG9.

Einen vielversprechenden Ansatz verfolgt der Philips OLED803. Mit der bunten Hintergrundbeleuchtung Ambilight werden plastische Bilder erzeugt. Der Bildprozessor Philips P5 kann gerade mit Ambilight weitestgehend überzeugen. Alle wichtigen Apps sind vorhanden, das Betriebssystem Android TV ist hingegen gewöhnungsbedürftig. Eine kleine Besonderheit sind außerdem die zwei mitgelieferten Fernbedienungen: Eine normale und eine reduzierte, die nur auf die wichtigsten Funktionen reduziert ist. In Kombination mit einem vergleichsweise günstigen Preis kann der OLED803 doch einige Vorteile aufweisen.

Wissenswertes über OLED-Fernseher

OLED bedeutet organic light-emitting diode und ist mittlerweile die gefragteste Bildtechnik. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass der Bildschirm aus selbstleuchtenden Bildpunkten aufgebaut ist. Eine zusätzliche Lichtquelle wird somit nicht gebraucht.

Der große Vorteil davon ist, dass Schwarz wirklich schwarz wirkt, was wiederum hohe Kontrastwerte garantiert. Problematisch war in der Vergangenheit, dass die OLED-Panels mit ihrer Helligkeit nicht an LC-Displays rankamen. Mittlerweile wurde diese Schwäche jedoch weitestgehend ausgemerzt. Daher sind OLED-TVs aktuell die Königsklasse unter den Fernsehern.

Lange hatte LG eine Art Vormachtstellung im Bereich der OLED-Fernseher. Inzwischen haben andere Hersteller stark aufgeholt, kaufen die Panels aber immer noch von LG ein. Unterschiede in der Qualität sind aber weiterhin vorhanden.

Ein zentraler Streitpunkt ist weiterhin der um die verschiedenen HDR-Formate (»High Dynamic Range«). HDR bewirkt, dass Bilder kontrastreicher sind und feinere Helligkeitsabstufungen darstellen. Allerdings befinden sich momentan vier verschiedene, gängige HDR-Standards auf dem Markt, die nicht alle von jedem Fernseher unterstützt werden. Fast alle Geräte bieten HDR10 und HLG (Hybrid Log Gamma). Bei den aufwändigeren Standards Dolby Vision und HDR10+ wird es komplizierter, da diese nicht von jedem TV unterstützt werden. Beide Versionen verleihen jeder Filmszene eine eigene HDR-Einstellung, was zu einem noch besseren Bilderlebnis führt.

Da sie aber eben noch nicht komplett marktübergreifend gängig sind, kommt es hier zu Problemen bei der Kompatibilität zwischen TV-Herstellern und Serien- und Filmproduzenten. Beispiel: LG, Sony und Netflix setzen auf Dolby Vision, während Samsung, Panasonic, 20th Century Fox oder Amazon HDR10+ nutzen. Welche Version sich letztendlich durchsetzen wird, ist noch nicht absehbar.

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