Test: Smartphone

Mittelklasse-Smartphones im Test : Solide Technik trotz Kompromissen

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Update 10.09.2020

Günstigere Smartphones müssen sich nicht mehr vor den teuren großen Brüdern verstecken. Sie kommen mit hochauflösenden Displays, großartigen Kameras und leistungsstarken Akkus. Im Gegensatz zu den Premium-Smartphones sprengen sie nicht das Budget und was man heutzutage für wenig Geld kriegt, ist überraschend gut.

Update 10. September 2020

Nach dem Test einiger neuer Smartphones haben wir zwei neue Empfehlungen mit im Programm: Das LG G8S ThinQ und das Huawei P40 Lite 5G.

Thomas Johannsen
Thomas Johannsen
ist Chefredakteur der Zeitschrift Tablet und Smartphone. Als Hifi- und Heimkino-Experte schreibt er unter anderem für Fachzeitschriften wie Heimkino und Digital Home.

Die rasanten Fortschritte in der technischen Ausstattung für Smartphones machen es möglich, dass sehr gute Technik günstig zu haben ist. Für rund 300 Euro kriegt man bereits einiges an Qualität. Nicht nur die Kameras können überzeugen, sondern auch hochauflösende Displays und gute Designs, denn den Geräten sieht man den geringen Preis überhaupt nicht an.

In dieser Preisklasse sind dennoch der ein oder andere Kompromiss nötig, so wird häufig ein größerer Akku verbaut, der das Gerät ein wenig dicker macht,  aber dafür auch eine bessere Akkuleistung mit sich bringt als bei so manchem Smartphone der Premium-Klasse. Die meisten Geräte lassen sich über USB-C auch sehr schnell wieder aufladen.

Außerdem können häufig zwei SIM-Karten genutzt oder zusätzlicher Speicher über eine SD-Karte hinzugefügt werden. Mehr Speicherplatz ist vor allem für diejenigen ein Kaufkriterium, die ihre Kamera intensiv nutzen. Mittlerweile schießen die Mittelklasse-Smartphones sehr gute Fotos, sogar in der Dunkelheit oder mit Unschärfe im Hintergrund, dem sogenannten Bokeh.

Fast schon Premium: LG G8S ThinQ

Erst dem Segment der Flaggschiffe zugehörig, fand das LG G8S ThinQ kurze Zeit später seinen Weg in die Smartphones der Mittelklasse und der Preis sank dementsprechend – ganz zu unserer Freude! Die Qualität der Technik war zuvor nämlich den Premium-Modellen vorbehalten. Bei vielem setzt LG auf bewährte Elemente, weshalb auch der Preis nicht zu sehr in die Höhe schoss.

Fast schon Premium

LG G8S ThinQ

Test: Lg G8s Thinq
Das LG G8S ThinQ ist ein Premium-Smartphone zum Schnäppchenpreis.

Das LG G8S ThinQ besitzt einen Kopfhöreranschluss und im Lieferpaket enthalten ist sogar ein hochwertiges Headset, mit dem sehr gut telefoniert wie auch Musik gehört kann. Auch hinsichtlich des Fingerprint-Sensors folgt der Hersteller keinen aktuellen Trends, sondern setzt ihn gut erreichbar auf die Rückseite des Geräts.

Beim G8S ThinQ können 128 Gigabyte frei genutzt werden. Wem das nicht reicht, kann den Speicher im Hybrid-Kartenslot sogar um bis zu 2 Terabyte vergrößern.

Der Snapdragon-855-Chipsatz, eher bekannt von Premium-Smartphones, befeuert das G8S. Eher Standardausstattung sind dagegen die sechs Gigabyte RAM. Im Feld der Mittelklasse kann das G8S ThinQ so zu Höchstleistungen auffahren.

Wenn auch noch bis zum jetzigen Zeitpunkt nur mit Android 9, läuft das Gerät einwandfrei und flüssig. Unser Highlight: Je nach Nutzung, sei es für Spiele, Videos oder andere Inhalte, kann in den Voreinstellungen zwischen verschiedenen Bildschirmdarstellungen gewählt werden.

Kompromisse zeigen sich in Akku- und Ladeleistung. Mit ungefähr 3.500 mAh schafft das Gerät eine Laufzeit von circa 17 Stunden – der Preis für das schlanke Design. Das Ladegerät zählt auch zu den Sparmaßnahmen – eine volle Ladung dauert schon mal zwei Stunden.

Die Frontkamera erreicht acht Megapixel und wird mit einem Tiefensensor ergänzt, der für den Bokeh-Effekt zuständig ist. Die drei Rückkameras haben drei verschiedene Brennweiten: Ein normales Objektiv mit 12 Megapixeln und einer Blende von F1.8, ein Weitwinkel- und ein Teleobjektiv. Vor allem die Kamera mit normalem Objektiv eignet sich sehr gut für Lowlight-Aufnahmen. Aber auch insgesamt kann mit der Bildverarbeitung auch bei schlechten Lichtverhältnissen ein optimales Ergebnis erzielt werden.

Aufnahmen mit wenig Licht oder extremem Gegenlicht kann das LG G8S hervorragend meistern. Der HDR-Modus kann bei Dunkelheit auch noch einiges herausholen.

 

Lowlight-Aufnahmen fordern alle Smartphones heraus: Meist wird eine Verstärkung notwendig, die Bildrauschen mit sich zieht. In der Bildverarbeitung wird versucht, dieses zu glätten, was allerdings auch gleich viele Bilddetails mit glättet. Beim G8S sind kaum Rauschen und trotzdem noch feine Details erkennbar. Teilweise geht allerdings die Sättigung zurück, aber wenige Konkurrenten schaffen das besser.

Nachteile? In jedem Fall das schwache Ladegerät, das kann aber hinsichtlich des Preises des LG G8S ThinQ verschmerzt werden. Allerdings sollte LG schnell das Betriebssystem aktualisieren, die Konkurrenz ist da bereits weiter.

Google-Alternative: Huawei P40 Lite 5G

Google-Alternative

Huawei P40 Lite 5G

Test: Huawei P40 Lite 5g
Huawei hat sich beim P40 Lite 5G von den Google Diensten verabschiedet, und bietet erstmals eine eigene App-Plattform an.

Das Huawei P40 Lite 5G kommt ohne Google-Dienste aus und somit auch ohne Play Store. Als Alternative bietet Huawei eine eigene AppGalarie, die zwar noch über ein überschaubares Angebot verfügt, aber die wichtigsten Anwendungen sind vorhanden. Komplett ohne Googles Betriebssystem funktioniert das Gerät von Huawei zwar nicht, es wird aber wohl zwangsläufig irgendwann Ersatz für das Android-System geben.

Die winzige Selfie-Kamera und der schmale Rand resultieren in einem sehr großen, fast vollständig nutzbaren Display. Und der hat auch noch eine hervorragende Qualität!

Durch den hauseigenen Kirin 820 Chip und sechs Gigabyte Arbeitsspeicher ist eine solide Leistung garantiert. Das Betriebssystem ist das aktuelle Android 10, das mit Huaweis EMUI 10.1.1 kombiniert wird.

Der Akku mit 4.000 mAh erreichte in unserem Test 23 Stunden Laufzeit. Aufgeladen ist das P40 Lite binnen einer Stunde.

Beim P40 Lite 5G sind vier Kameras auf der Rückseite zu finden: Ein Weitwinkel mit 64 Megapixeln, ein Ultraweitwinkel, ein Macro und ein Tiefensensor, letztere mit je zwei Megapixeln Auflösung. Deren gutes Zusammenspiel mit der Bildverarbeitung zeigt sich bei schweren Lichtverhältnissen: Bei Gegenlicht, sehr hellem oder dunklem Licht fangen die Kameras die Umgebung gut ein. Nachtaufnahmen schafft das P40 Lite 5G ohne Probleme, nur die Leuchtschrift ist ohne den Nacht-Modus nicht lesbar.

Im Studio und bei einfacheren Lichtbedingungen gab es dann auch keine großen Überraschungen. Erstaunlicherweise patzte die Kamera ausgerechnet bei ausreichendem Licht – hier erzeugte das künstliche Nachschärfen deutliche Doppelkonturen. Lowlight-Aufnahmen funktionierten auch im Studio einwandfrei. Der Nacht-Modus sorgte für einen optimalen Weißabgleich mit wenig Rauschen und vielen Details.

Das Huawei P40 Lite 5G ist nicht nur eine Alternative zu Google, sondern hat viel mehr zu bieten. Und fehlen ein paar Apps in der Gallery, können sie über Umwege im Browser heruntergeladen werden.

Echter Hingucker: Oppo Reno2 Z

Echter Hingucker

Oppo Reno2 Z

Das Oppo Reno2 Z nutzt eine interessante Methode: Damit das Display ohne Notch für die Frontkamera auskommt und die Vorderseite komplett ausfüllt, wird die 16 Megapixel-Kamera einfach ausgefahren. Diese Technik wurde zwar kopiert, aber immerhin gut und günstig nachgemacht. Insgesamt wurde viel Wert auf ein ansprechendes Design gelegt, ohne dass darunter die Funktion leidet oder der Preis in die Höhe getrieben wird.

Deutlich wird das bei der stabilen mitgelieferten Hülle und dem Head-Set, das eindeutig von den Kopfhörern von Apple inspiriert ist. Den ohnehin schon großzügigen 128 Gigabyte Speicher kann man problemlos mit einer SD-Karte erweitern und zusätzlich zwei SIM-Karten nutzen.

Der Akku hat in unserem Test, bei dem ein HD-Video unter ständiger Wiederholung abgespielt wurde, sagenhafte 21 Stunden durchgehalten und war auch dank der hauseigenen Dash-Ladefunktion extrem schnell wieder einsatzbereit.

Mit gleich vier Kameras können kreative Fotoliebhaber sich ordentlich austoben und mit 48 Megapixel und HDR knackscharfe Bilder schießen. In unseren Tests machte sie bei allen Bedingungen eine gute Figur und gute Bilder. Selbstverständlich können die Kameras mit der Tiefenschärfe und Unschärfe spielen und schöne Bokeh-Effekte abliefern.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber auf den zweiten Blick überzeugend, ist die auf Android 9 basierte Nutzeroberfläche ColorOS. Wem das Design des Oppo Reno2 Z zusagt, der sollte hier zuschlagen, denn im Inneren des Handys steckt viel Qualität.

Elegant und kompakt: Motorola One Vision

Elegant & Kompakt

Motorola One Vision

Test Mittelklasse-Smartphone: Motorola One Vision
Motorola überspringt die Notch und liefert ein Full-Size-Display à la Galaxy, nur viel günstiger.

Das Motorola One Vision hat sich in Sachen Frontkamera ein bisschen bei der Konkurrenz umgesehen und die kreisrunde Kamera, wie man es vom Samsung Galaxy S10 kennt, links oben ins Full-Size-Display gesetzt. Das sieht ganz gut aus und lässt nicht vermuten, dass man dieses Modell schon ab 250 Euro bekommt. Das HD-Display hat eine Punktdichte von 432 ppi, was sich in der Auflösung bemerkbar macht.

Unseren Akkutest schließt es mit 16 Stunden überdurchschnittlich gut ab und das bei schmalem Design. Auch im Bereich Speicher kann das Motorola One Vision Punkte sammeln, da über einen Hybrid-Slot zu den 128 Gigabyte per SD-Karte noch mehr Speicher hinzugefügt werden kann, solange man nur eine SIM-Karte nutzt.

Sowohl Frontkamera, 25 Megapixel als auch die Rückkameras 48Megapixel und 5 Megapixel leisten hervorragende Arbeit. Gegenlicht stellt sie vor keinerlei Probleme, die Farben werden realistisch wiedergegeben. Bei Low-Light schärft sie allerdings ein bisschen nach, was sich mit dem HDR-Modus verhindern lässt. Dabei werden wiederum die Details nicht so genau aufgenommen, nichtsdestotrotz liefert sie eine mehr als zufriedenstellende Kameraleistung ab.

Das Motorola One Vision kommt im eleganten und modernen Glas-Design, ist sehr schmal und wirklich günstig zu haben.

Robust und smart: Doogee S90

Robust & Smart

Doogee S90

Mittelklasse-Smartphone Test: Dogee S90
Das Doogee S90 gibt sich robust, wasserdicht und lässt sich zudem mit Zusatzmodulen leicht erweitern.

Für all diejenigen, bei denen es im Alltag etwas ruppiger und wilder zugeht, ist das Doogee S90 eine gute Lösung. Aber auch in Sachen Technik ist das Rugged-Smartphone bestens ausgestattet und ist weit mehr als nur ein gut geschütztes Baustellen-Handy. Das Smartphone ist mit der Schutzklasse IP68 versehen, was bedeutet, dass weder Wasser noch Staubpartikel dem Gerät etwas anhaben können.

Der sechs Gigabyte RAM Prozessor arbeitet mit Android 8.1 sauber und lässt das Gerät flüssig laufen. Der Speicher beträgt 128 Gigabyte und kann über den Hybrid-Slot mit einer SD-Karte sogar noch verdoppelt werden, sofern man nur eine SIM-Karte nutzt. Das Display löst in HD auf, hat allerdings nur eine Pixeldichte von 403ppi. Das Doogee S90 kommt mit zwei Hauptkameras, die mit 16, beziehungsweise 8 Megapixel solide arbeiten, jedoch bei schlechten und dunklen Lichtverhältnissen nicht mit der Konkurrenz mithalten können.

Das Gerät wird mit einigem Zubehör in einer HardCase-Tasche geliefert, ein Teil davon ist ein Adapter für die USB-C Ladebuchse und ein Zusatzakku, der einfach hinten auf das Handy geschoben und mit Magneten fixiert wird. Darüber hinaus können weitere Zusatzmodule erworben werden, wie eine Night-Vision-Kamera, ein Walkie-Talkie oder ein Modul, welches das Handy in eine Spielkonsole mit Joystick verwandelt.

Auch wenn das Doogee S90 einen sehr robusten Eindruck hinterlässt, hat sich die Aluminium-Rückseite bei unserem Foto-Shooting im Freien bereits Kratzer im Lack eingefangen und das beim Ablegen auf einem Stein. Manch einen stört das vielleicht, anderseits unterstützen die Kratzer auch den Outdoor-Charakter.

Im virtuellen Tool-Bag befinden sich in Form von vorinstallierten Apps, Helferlein für die Baustelle zuhause. Dazu gehören unter anderem eine Wasserwaage und Winkel- oder Lotmesser. Insgesamt gelingt es dem Doogee S90 mit den Smartphones seiner Preisklasse noch mitzuhalten und zusätzlich einen unzerstörbaren Eindruck zu hinterlassen, sofern man kleinere Kratzer bei dem Outdoor-Look akzeptieren kann.

Was gibt es sonst noch?

Das Google Pixel 4a ist der Nachfolger des Pixel 3a. Es hat ein kleines Display und eine Akkulaufzeit von 18 Stunden. Auf der Rückseite ist zwar nur eine Kamera verbaut, aber die kann sich durch ihre sehr gute Fotoleistung sehen lassen. Nur auf eine Brennweite mit gleichbleibender Auflösung muss verzichtet werden.

Das Gerät gibt es nur in schwarz und auch nur mit den verbauten 128 Gigabyte – eine Dual-SIM oder eine microSD-Karte lassen sich nicht einsetzen. Google geht wohl davon aus, dass Nutzer ihre Daten in die Google Cloud hochladen. Das Betriebssystem ist selbstredend das aktuelle Android 10 und trotz nicht ganz aktuellem Chipsatz läuft das System, unterstützt von sechs Gigabyte RAM, flüssig. Nur bei einigen Spielen kann es zu Rucklern kommen.

Beim OnePlus Nord muss man vor dem Kauf zwischen einer Speicherkapazität von 128 oder 256 Gigabyte und einem jeweiligen Arbeitsspeicher von 8 oder 12 RAM entscheiden. Nachrüsten lässt sich dieser nämlich nicht. Nur eine weitere SIM-Karte findet in dem Slot Platz.

Die Kameraleistung ist bei dem Nord-Modell durchwachsen: Nacht- und Gegenlichtaufnahmen schafft es gut, bei Standardlicht ist das Ergebnis weniger zufriedenstellend. Dennoch ist das Gerät sehr leistungsstark, hat einen schnellen Chipsatz und einen ausdauernden Akku. Auch das AMOLED-Display mit 400 ppi und einer Bildwechselfrequenz von 60 bis 90 Bildern finden wir sehr gut.

Poco ist eine Untermarke von Xiaomi und den Mi-Smartphones und geht mit dem Poco F2 Pro auf den Markt. Die hohe Leistung ist seine Kernkompetenz und auch die Akkulaufzeit von 30 Stunden kann begeistern.

Die vier Kameras des Geräts produzieren bei wenig Licht leider deutliches Rauschen und bei normalem Licht werden die Bilder eher überbelichtet. Die Selfie-Kamera wird ausgefahren. Gelegenheitszocker und Leistungsfetischisten werden Spaß an dem Smartphone haben, allerdings ist die Speicherausstattung etwas sparsam und auch nicht aufzustocken.

Der Speicher des Xiaomi Mi 9 kann nicht nachgerüstet werden, weshalb von Beginn die Entscheidung für eine Speichervariante getroffen werden muss. Die Bildqualität der drei Hauptkameras ist dafür sehr beachtlich und spielt ganz oben mit.

So haben wir getestet

Die Rechenleistung der Smartphones haben wir mit Benchmark-Messsystemen von Antutu und CF-Bench überprüft. Anhand eines Videos in Full-HD-Auflösung, das im Loop wiederholt wurde, haben wir getestet, wie lange der Akku hält. Dabei wurde die Helligkeit auf 50% gestellt und das WLAN war eingeschaltet.

Am aufwendigsten wurden die Kameras geprüft, da diese mittlerweile als ein sehr entscheidendes Kriterium von Käufern gesehen werden. Dazu haben wir bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen fotografiert. Zuerst wurden in einem Studio optimale Lichtverhältnisse geschaffen, dann wurden die Performances auch unter schwieriger zu bewältigende Bedingungen, wie Dunkelheit und Lowlight, geprüft. Darüber hinaus haben wir die Kameras auch in anspruchsvollen, natürlichen Lichtsituationen ausprobiert, beispielsweise indem wir gegen die Sonne fotografiert haben.

   Unsere Empfehlungen sind redaktionell unabhängig.

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