Test: Smartphone

Mittelklasse-Smartphones im Test : Solide Technik trotz Kompromissen

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Veröffentlicht 24.07.2019

Günstigere Smartphones müssen sich nicht mehr vor den teuren großen Brüdern verstecken. Sie kommen mit hochauflösenden Displays, großartigen Kameras und leistungsstarken Akkus. Im Gegensatz zu den Premium-Smartphones sprengen sie nicht das Budget und was man heutzutage für wenig Geld kriegt, ist überraschend gut.

Thomas Johannsen
Thomas Johannsen
ist Chefredakteur der Zeitschrift Tablet und Smartphone. Als Hifi- und Heimkino-Experte schreibt er unter anderem für Fachzeitschriften wie Heimkino und Digital Home.

Die rasanten Fortschritte in der technischen Ausstattung für Smartphones machen es möglich, dass sehr gute Technik günstig zu haben ist. Für rund 300 Euro kriegt man bereits einiges an Qualität. Nicht nur die Kameras können überzeugen, sondern auch hochauflösende Displays und gute Designs, denn den Geräten sieht man den geringen Preis überhaupt nicht an.

In dieser Preisklasse sind dennoch der ein oder andere Kompromiss nötig, so wird häufig ein größerer Akku verbaut, der das Gerät ein wenig dicker macht,  aber dafür auch eine bessere Akkuleistung mit sich bringt, als bei so manchem Smartphone der Premium-Klasse. Die meisten Geräte lassen sich über USB-C auch sehr schnell wieder aufladen.

Außerdem können häufig zwei SIM-Karten genutzt oder zusätzlicher Speicher über eine SD-Karte hinzugefügt werden. Mehr Speicherplatz ist vor allem für diejenigen ein Kaufkriterium, die ihre Kamera intensiv nutzen. Mittlerweile schießen die Mittelklasse-Smartphones sehr gute Fotos, sogar in der Dunkelheit oder mit Unschärfe im Hintergrund, dem sogenannten Bokeh.

Fast schon Premium: Google Pixel 3a

Fast schon Premium

Google Pixel 3a

Google hat sich mit HTC zusammengetan und bedient mit dem Pixel 3a den günstigeren Smartphone-Markt. Der erste Eindruck trügt, das Display ist oben und unten umrandet und auf der Rückseite befindet sich nur eine Kamera, das erinnert an alte Smartphone-Modelle. Schaut man genauer hin, überzeugt das 5,6 Zoll OLED-Display in jedem Pixel.

Auch die Kamera kann viel mehr, als ein ungeübtes Auge vermuten lässt. Die Auflösung beträgt zwar nur 12 Megapixel, das hat aber den entscheidenden Vorteil, dass die wenigen Pixel viel Raum haben auf dem Sensor und so mehr Licht eindringen kann. Das garantiert sogar in der Dämmerung und Dunkelheit gute Bilder, aber auch beim Fotografieren gegen die Sonne, konnte die Kamera sehr gute Ergebnisse erzielen. Wir haben außerdem Studioaufnahmen simuliert, in denen das Licht nur ca. 30 Lux beträgt, so kann man prüfen, ob die Kameras richtig belichten können. Hier konnte das Pixel 3a überzeugen, während die meisten anderen versuchen durch künstliche Korrekturen eine falsche Belichtung auszugleichen, schießt das Handy von Google kontrastreiche und trennscharfe Bilder. Im Porträtmodus kann man den Hintergrund in der Unschärfe verschwimmen lassen.

Mit dem Snapdragon 670 wurde in leistungsstarker und gleichzeitig effizienter Prozessor verbaut, der in unserem Benchmark-Test,  die zweitbeste Leistung abliefern konnte. Speicherplatz kann nicht mehr hinzugefügt werden, aber sollten die 64 Gigabyte voll sein, kann man die Google Cloud nutzen. Eine zweite SIM-Karte kann dagegen problemlos genutzt werden. Entsperrt wird das Google Pixel 3a wie man es bereits von den Vorgängern kennt, per Fingerabdruck auf der Rückseite.

Um den Akku zu testen, haben wir ein HD-Video in Dauerschleife abgespielt, während das Smartphone mit dem WLAN verbunden war, das Pixel 3a konnte 15 Stunden durchhalten. Insgesamt ist das günstige Google-Smartphone eine wirklich gute Wahl, wenn man nicht mehr als 300 Euro ausgeben möchte. Hervorragend sind Display, Kamera, sowie Akku- und Prozessorleistung.

Höchstgeschwindigkeit: Xiaomi Mi 9

Höchst-­geschwindigkeit

Xiaomi Mi 9

Test Solide Technik zum günstigen Preis: Xiaomi Mi 9
Beim Mi 9 hat Xiaomi richtig rangeklotzt. Innen werkelt mit dem Snapdragon 855 einer der schnellsten Prozessoren, der findet sich sonst nur in Premium-Modellen.

Xiaomi ist schon lang kein unbekannter Name mehr und auch das MI 9 wird positiv zu seiner Bekanntheit beitragen. Neben dem ansprechendem Design kann vor allem der kraftvolle und extrem schnelle sechs Gigabyte RAM Prozessor überzeugen. Der Akku konnte in unserem Test satte 16 Stunden durchhalten und war bereits nach 90 Minuten wieder bei 100%.

Beim MI 9 sucht man vergeblich nach einer AUX-Buchse, dafür wird ein Adapter für USB-C mitgeliefert. Außerdem dabei ist eine Schutzhülle aus Silikon, welche das für Kratzer anfällige Gehäuse schützt. Genauso wie beim Google Pixel 3a kann man eine zweite SIM-Karte einsetzen, nicht jedoch den Speicher per SD-Karte erweitern. Dafür gibt es das MI 9 auch mit 128 Gigabyte Speicher, das ist selbstverständlich nochmal teurer.

Die drei Kameras konnten bei schwierigem Licht und im Studio-Test sehr gute Ergebnisse erzielen. Die Farben sind gut gesättigt und die Bilder waren auch bei schwachem Licht recht scharf. Schießt man ein Foto bei guten Lichtverhältnissen, gibt es nichts zu meckern, nicht ganz zufriedenstellend waren dagegen die Fotos im ganz Dunkeln, in denen leuchtende Tafeln, die Kamera überforderten.

Insgesamt erhält man mit dem MI 9 ein Smartphone, das immer wieder die Nähe zur Spitzenklasse durchblitzen lässt. Der Preis dagegen befindet sich in der Mittelklasse, da kann man leicht über minimale Unzulänglichkeiten hinwegsehen.

Echter Hingucker: Oppo Reno2 Z

Echter Hingucker

Oppo Reno2 Z

Das Oppo Reno2 Z nutzt eine interessante Methode, damit das Display ohne Notch für die Frontkamera auskommt und die Vorderseite komplett ausfüllt, wird die 16 Megapixel-Kamera einfach ausgefahren. Diese Technik wurde zwar kopiert, aber immerhin gut und günstig nachgemacht. Insgesamt wurde viel Wert auf ein ansprechendes Design gelegt, ohne dass darunter die Funktion leidet oder der Preis in die Höhe getrieben wird.

Deutlich wird das, bei der stabilen mitgelieferten Hülle und dem Head-Set, das eindeutig von den Kopfhörern von Apple inspiriert ist. Den ohnehin schon großzügigen 128 Gigabyte Speicher kann man problemlos mit einer SD-Karte erweitern und zusätzlich zwei SIM-Karten nutzen.

Der Akku hat in unserem Test, bei dem ein HD-Video unter ständiger Wiederholung abgespielt wurde sagenhafte 21 Stunden durchgehalten und war auch dank der hauseigenen Dash-Ladefunktion extrem schnell wieder einsatzbereit.

Mit gleich vier Kameras können kreative Fotoliebhaber sich ordentlich austoben und mit 48 Megapixel und HDR knackscharfe Bilder schießen. In unseren Tests machte sie bei allen Bedingungen eine gute Figur und gute Bilder. Selbstverständlich können die Kameras mit der Tiefenschärfe und Unschärfe spielen und schöne Bokeh-Effekte abliefern.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber auf den zweiten Blick überzeugend, ist die auf Android 9 basierte Nutzeroberfläche ColorOS. Wem das Design des Oppo Reno2 Z zusagt, der sollte hier zuschlagen, denn im Inneren des Handys steckt viel Qualität.

Elegant & Kompakt: Motorola One Vision

Elegant & Kompakt

Motorola One Vision

Test Mittelklasse-Smartphone: Motorola One Vision
Motorola überspringt die Notch und liefert ein Full-Size-Display à la Galaxy, nur viel günstiger.

Keine Preise gefunden.

Das Motorola One Vision hat sich in Sachen Frontkamera ein bisschen bei der Konkurrenz umgesehen und die kreisrunde Kamera, wie man es vom Samsung Galaxy S10 kennt, links oben ins Full-Size-Display gesetzt. Das sieht ganz gut aus und lässt nicht vermuten, dass man dieses Modell schon ab 250 Euro bekommt. Das HD-Display hat eine Punktdichte von 432 ppi, was sich in der Auflösung bemerkbar macht.

Unseren Akkutest schließt es mit 16 Stunden überdurchschnittlich gut ab und das bei schmalem Design. Auch im Bereich Speicher kann das Motorola One Vision Punkte sammeln, da über einen Hybrid-Slot zu den 128 Gigabyte per SD-Karte noch mehr Speicher hinzugefügt werden können, solange man nur eine SIM-Karte nutzt.

Sowohl Frontkamera, 25 Megapixel als auch die Rückkameras 48Megapixel und 5 Megapixel leisten hervorragende Arbeit. Gegenlicht stellt sie vor keinerlei Probleme, die Farben werden realistisch wiedergegeben. Bei Low-Light schärft sie allerdings ein bisschen nach, was sich mit dem HDR-Modus verhindern lässt, dabei werden wiederum die Details nicht so genau aufgenommen, nichtsdestotrotz liefert sie eine mehr als zufriedenstellende Kameraleistung ab.

Das Android-One-Smartphone kommt im eleganten und modernen Glas-Design, ist sehr schmal und wirklich günstig zu haben.

Robust und Smart: Doogee S90

Robust & Smart

Doogee S90

Mittelklasse-Smartphone Test: Dogee S90
Das Doogee S90 gibt sich robust, wasserdicht und lässt sich zudem mit Zusatzmodulen leicht erweitern.

Für all diejenigen, bei denen es im Alltag etwas ruppiger und wilder zugeht, ist das Doogee S90 eine gute Lösung. Aber auch in Sachen Technik ist das Rugged-Smartphone bestens ausgestattet und ist weit mehr als nur ein gut geschütztes Baustellen-Handy. Das Smartphone ist mit der Schutzklasse IP68 versehen, was bedeutet, dass weder Wasser noch Staubpartikel dem Gerät etwas anhaben können.

Der sechs Gigabyte RAM Prozessor arbeitet mit Android 8.1 sauber und lässt das Gerät flüssig laufen. Der Speicher beträgt 128 Gigabyte und kann über den Hybrid-Slot mit einer SD-Karte sogar noch verdoppelt werden, sofern man nur eine SIM-Karte nutzt. Das Display löst in HD auf, hat allerdings nur eine Pixeldichte von 403ppi. Das Doogee S90 kommt mit zwei Hauptkameras, die mit 16, beziehungsweise 8 Megapixel solide arbeiten, jedoch bei schlechten und dunklen Lichtverhältnissen nicht mit der Konkurrenz mithalten können.

Das Gerät wird mit einigem Zubehör in einer HardCase-Tasche geliefert, ein Teil davon ist ein Adapter für die USB-C Ladebuchse und ein Zusatzakku, der einfach hinten auf das Handy geschoben wird und mit Magneten fixiert wird. Darüber hinaus können weitere Zusatzmodule erworben werden, wie eine Night-Vision-Kamera, ein Walkie-Talkie oder ein Modul, welches das Handy in eine Spielkonsole mit Joystick verwandelt.

Auch wenn das Doogee S90 einen sehr robusten Eindruck hinterlässt, hat es sich die Aluminium-Rückseite bei unserem Foto-Shooting im Freien bereits Kratzer im Lack eingefangen und das beim Ablegen auf einem Stein. Manch einen stört das vielleicht, anderseits unterstützen die Kratzer auch den Outdoor-Charakter.

Im virtuellen Tool-Bag befinden sich in Form von vorinstallierten Apps, Helferlein für die Baustelle zuhause, dazu gehören unter anderem eine Wasserwaage und Winkel- oder Lotmesser. Insgesamt gelingt es dem Doogee S90 mit den Smartphones seiner Preisklasse noch mitzuhalten und zusätzlich einen unzerstörbaren Eindruck zu hinterlassen, sofern man kleinere Kratzer bei dem Outdoor-Look akzeptieren kann.

Was gibt es sonst noch?

Das Blackberry KEY2 LE macht vieles anders, das fängt schon beim Design an. Es hat kein Full-Screen-Display, sondern das untere Viertel ist mit der bekannten BlackBerry Tastatur inklusive Fingerabdruck-Sensor belegt. Insgesamt liegt der Fokus mehr im funktionalem und geschäftstauglichen Bereich, als auf besonderen Spielereien oder extravaganten Designs. Die Rückseite besteht nicht aus Glas sondern aus einem weichem, rutschfestem, gummiartigen Material. Das Blackberry KEY2 LE kommt mit einer vorinstallierten App, mit der die Sicherheit der eigenen Daten überprüft und zusätzlich geschützt werden kann. Die Kamera macht bei guten Lichtverhältnissen akzeptable Fotos, für Kreative-Fotokünstler ist das Gerät aber nicht konzipiert worden, sondern eher für einen sicheren Business-Alltag.

Das Sony Xperia 10 besticht durchweg mit solider Leistung und angenehmen Design. Der Fingerabdruck-Sensor befindet sich auf der Seite und das HD-Display mit 450ppi kann sich sehen lassen. Positiv ist außerdem, dass man dank des eigens von Sony entwickelten LDAC-Codecs Musik in bester Qualität hören kann, auch per Bluetooth-Kopfhörer. Die Kamera arbeitet in Ordnung, kann aber nicht voll überzeugen.

Das Xiaomi Mi 9T hatte die ausfahrbare Vorder-Kamera bereits vor dem Oppo Reno2 Z. Den Vorsprung in Sachen auffälligem und hochwertigen Design gegenüber dem MI 9  kann es aber nicht halten und verliert ihn im Punkto Prozessor-Schnelligkeit, auch die Kameras können nicht ganz mithalten, arbeiten aber trotzdem solide. Fans von Xiaomi können sich trotzdem über ausgefallene Technik zu einem günstigen Preis freuen.

Das Galaxy A6+ ist ein erschwingliches Gerät aus dem Hause Samsung und macht im Aluminium-Case einen stabilen Eindruck. Das Display ist oben und unten begrenzt. Ansonsten arbeitet der Prozessor unauffällig und auch die Kamera ist für die Preisklasse durchschnittlich gut. Hervorragend dagegen war die Akkuleistung, erst nach 20 Stunden war der Akku bei unserem Test leer. Letzterer wird über Micro-USB zügig in zweieinhalb Stunden geladen. Das  Galaxy A6+ gehört nicht zu den Premium-Geräten von Samsung, aber für die Mittelklasse kriegt man einiges geboten.

So haben wir getestet

Die Rechenleistung der Smartphones haben wir mit Benchmark-Messsystemen von Antutu und CF-Bench überprüft. Anhand eines Videos in Full-HD-Auflösung, das im Loop wiederholt wurde, haben wir getestet, wie lange der Akku hält. Dabei wurde die Helligkeit auf 50% gestellt und das WLAN war eingeschaltet.

Am aufwendigsten wurden die Kameras geprüft, da diese mittlerweile als ein sehr entscheidendes Kriterium von Käufern gesehen werden. Dazu haben wir bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen fotografiert. Zuerst wurden in einem Studio optimale Lichtverhältnisse geschaffen, dann wurden die Performances auch unter schwieriger zu bewältigende Bedingungen, wie Dunkelheit und Lowlight, geprüft. Darüber hinaus haben wir die Kameras auch in anspruchsvollen, natürlichen Lichtsituationen ausprobiert, beispielsweise indem wir gegen die Sonne fotografiert haben.

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