Test: Bridge Kamera

Bridge-Kameras im Test : Zwischen System- und Kompaktkamera

Veröffentlicht 10.01.2019

Wer guten Zoom bei seiner Kamera möchte, aber nicht dauernd Ersatz-Objektive tragen will, sollte sich Bridge-Kameras ansehen. Wir haben 8 davon ausgiebig getestet.

Jan-Markus Rupprecht
ist Chefredakteur und Herausgeber von digitalkamera.de und digitalEyes und testet alle Arten von Kameras.

Bridge-Kameras haben fest eingebaute Zoom-Objektive, so muss man die Ersatz-Objektive nicht immer mitnehmen, dennoch kommt man mit solch einer Kamera recht nah an System- und Spiegelreflexkameras heran, was die Bildqualität angeht.

Wir haben uns dabei die wichtigsten Modelle genauer angesehen und können drei der Kameras besonders empfehlen.

Ausgewogen: Panasonic Lumix FZ2000

Ausgewogen

Panasonic Lumix FZ2000

Panasonic Lumix DMC-FZ2000
Sehr ausgewogene Kamera für Fotografen und Videofilmer, dabei noch bezahlbar.

Die Allround-Eigenschaften der Lumix FZ2000 sind hervorragend, außerdem ist ihre Ausstattung exzellent. Auch der Preis ist inzwischen nicht mehr ganz so hoch.

Von der Größe her gleicht sie einer mittelgroßen Systemkamera, ihr Gewicht beträgt fast ein Kilo. Man bekommt ein Objektiv mit riesigem Zoombereich, die Kleinbild-equivalente Brennweite ist 24 bis 480 mm, das heißt 20-facher Zoom, die Lichtstärke ist recht gut, man bekommt viel Weitwinkel und sehr viel Tele.

Bridge-Kamera Test: Panasonic Fz2000

Hätte man stattdessen eine Systemkamera zur Hand, wären mehrere Objektive erforderlich, um einen solchen Brennweitenbereich abzudecken würde mehrere Objektive erfordern. Zumal man die Objektive dann immer wechseln müsste. Wer das nicht will, schafft sich eine Kamera wie die von Panasonic an.

Es gibt einen 1-Zoll-Sensor und 20 Megapixel. Bei den Kompaktkameras ist diese Art von Sensor recht in Mode, denn die Größe ermöglicht eine bessere Aufnahmequalität als bei kleinen Sensoren. Dafür müssen aber die Objektive dementsprechend größer sein und mit ihnen auch die Kamera, das führt bei diesem Exemplar zu einem Kilo Gewicht und zur der Größe.

Das rechtfertigt aber definitiv die Bildqualität. Modelle mit kleinerem Sensor haben wir auch getestet und empfehlen einige, das liegt aber an extremen Brennweiten, Baugröße oder dem Preis.

Bridge-Kamera Test: Panasonic Fz2000

Diese Kamera gibt einem bisschen das Gefühl, eine Systemkamera zu halten und auch die Bedienung ist ähnlich. Sie fühlt sich hochwertig an und liegt außerdem angenehm handlich. Als Unterschied könnte man den Zoomhebel nennen am Auslöser. Es gibt per Zoomring aber am Objektiv auch einen elektromotorischen Zoom.

Im Objektiv ist ein Bildstabilisator verbaut, der hilft vor allem im Telebereich und verhindert Verwacklungen. Beim Objektiv gibt es außerdem eine Besonderheit: wenn man sie einschaltet, wird das Objektiv in seine Betriebsstellung ausgefahren, die Länge verändert sich dann nicht mehr im Betrieb. Dezent und auch leise geht das Scharfstellen und Zoomen innerhalb vom Objektiv.

Außerdem – ebenfalls besonders – ist der mehrstufig schaltbare Neutraldichtefilter (ND-Filter) fest eingebaut. Videofilmer dürfte das freuen und auch für Fotografen gibt es damit schöne Effekte, außerdem muss man nicht mehrere ND-Filter kaufen.

Was die Videos angeht: Diese Kamera ist sowohl Foto- als auch Videokamera, hier werden auch Video-Filmer mit der Ausstattung glücklich. So gibt es Anschlüsse für Kopfhörer und Mikrofon, manuelle Ton-Aussteuerung und Videos können unbegrenzt lang aufgezeichnet werden. Besonders ist das, da bei einigen Fotokameras aufgrund von EU-Zollbestimmungen maximal 30 Minuten gefilmt werden darf.

Außerdem filmt diese Kamera auch in 4K-Auflösung anstatt nur im UHD-Auflösung im 16:9-Seitenverhältnis mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde, wenn man möchte auch mit »Cinema-4K« mit 17:9-Seitenverhältnis mit 24 Bildern in der Sekunde. Außerdem kann die Kamera Stop-Motion und Zeitraffer.

Ein externen Recorder kann dank HDMI-Ausgang auch ein 10-Bit-Signal abgreifen und für Profis gibt es für einen kostenpflichtigen Lizenzcode auch eine V-LOG L Videoaufzeichnung, die nachgerüstet werden kann, das entspricht etwa Raw-Dateien, nur für Video. Einige Kunden kaufen diese Kamera speziell zum Filmen anstatt zum Fotografieren.

Fürs Fotografieren wird aber auch alles geboten, extrem schneller Autofokus, pro Sekunde sieben Bilder und ohne Autofokus-Nachführung zwölf Bilder. Wenn die Auflösung auf 8,3 Megapixel abgesenkt ist, also 4K-Fotofunktion, sind auch 30 Bilder in der Sekunde drin. Dabei gibt es eine Pro-Burst-Funktion, vor der Auslösung einige Aufnahmen im Pufferspeicher hält, beim Auslösen ist damit dann sicher das passende Bild im Speicher abgelegt.

Der Monitor ist hochauflösend, es gibt eine Million Bildpunkte, außerdem kann man ihn schwenken und drehen und auch eine Touchscreen-Funktion wird geboten. Der elektronische Sucher löst mit 2,36 Millionen Bildpunkten noch höher auf, es wird ein Bild geboten, das kontrastreich ist und auch für Brillenträger gibt es keine Probleme. Nicht nur die Automatik-Funktion ist ausgereift, fast alles kann irgendwie manuell eingestellt werden. Dementsprechend komplex kann dann auch die Bedienung werden. Wenn man sich das nicht zutraut, kann man einfach die Automatik nutzen.

Auszusetzen haben wir an dieser Kamera fast nichts, nur eine längere Akkulaufzeit wäre schön, das kann man aber mit einem Wechsel-Akku umgehen. Trotz des Gewichts und der Größe liegt sie noch schön handlich und Wechselobjektive braucht man dank 20-fachem-Zoomobjektiv auch nicht.

Edel: Sony DSC-RX10 IV

Edel

Sony DSC-RX10 IV

Die Baureihe RX10 von Sony ist ein Konkurrent unserer ersten Empfehlung, inzwischen gibt es hier vier Modelle, die sehen sich alle recht ähnlich und wurden weiterentwickelt. Die Sony RX10 IV ist das Modell von 2017 und noch immer die aktuellste Kamera von Sony. Es ist eines der besten Geräte – für viele Fans das beste Gerät – was Kameras mit 1-Zoll-Sensor betrifft.

Es gibt ein 24-600mm-Objektiv, das mehr Tele bietet, ohne Verluste beim Weitwinkel-Ende, dabei wird das Sony-Objektiv noch lichtstärker als das von Panasonic. Der Telebereich kann außerdem ans Motiv noch dichter heranrücken, toll für Makroaufnahmen.

Für Serienaufnahmen ist diese Kamera auch bestens geeignet, in voller Auflösung schafft sie ganze 24 Fotos in der Sekunde, beinahe 10 Sekunden wird das durchgehalten. Anschließend sind im Pufferspeicher 221 JPEG-Aufnahmen, die auf die SD-Karte geschrieben werden, was aber bis zu 90 Sekunden dauert.

Bei allen Modellen der Serie gibt es ein Status-Display, das großzügig ausfällt oben an der Kamera, eigentlich ist so etwas den gehobeneren Systemkameras vorbehalten. Die Verarbeitung dieser Kamera ist edel, ebenso die Bedienelemente, dafür kostet sie aber auch einiges, um die 2000 Euro kann man hier schon investieren.

Günstig: Panasonic Lumix FZ1000

Günstig

Panasonic Lumix FZ1000

Panasonic Lumix DMC-FZ1000
Die kleine Schwester unseres Testsiegers macht ihre Sache auch gut und kostet weniger.

Ebenfalls ein Konkurrent für die anderen beiden ist die Lumix FZ1000 von Panasonic. Hierfür gibt man etwa 500 Euro aus. Dafür bekommt man aber genug Gegenwert, hier ist der Zoombereich nicht viel kleiner als bei der ersten Empfehlung mit 25 bis 400 mm und auch die Lichtstärke ist gut. Weniger umfangreich ist die Ausstattung bei Video und Foto, auch die Serienbildgeschwindigkeit ist langsamer.

Technische Eckwerte stimmen und für den Preis bekommt man hier mehr geboten als normalerweise. Wer nicht so viel Geld in eine Bridge-Kamera investieren möchte, ist hier richtig.

Was gibt es sonst noch?

Die Lumix FZ1000 II ist der Nachfolger der FZ1000 und in einigen Punkten gibt es Verbesserungen, so können nun etwa auch 4K-Videos mit europäischer PAL-Version mit 30 Bildern in der Sekunde aufgenommen werden, 60 Bilder pro Sekunde bei FullHD. Beim Sucher ist der Vergrößerungsfaktor etwas größer, insgesamt ist aber der Sucher besser, vor allem für Brillenträger. Beim LCD-Monitor gibt es eine etwa 25% feinere Auflösung, außerdem hat er eine Touch-Funktion und ist heller. Der Pufferspeicher wurde auch vergrößert, so können jetzt mehr Serienbilder zwischengespeichert werden, ehe sie auf die Speicherkarte geschrieben werden. Bluetooth gibt es jetzt auch. Insgesamt fanden wir die Kamera im Test recht gut, einziges Problem: der Preis.

Die Sony DSC-RX10 III ist von 2016, hat aber das gleiche Objektiv wie unsere Empfehlung. Ganz so schnell ist sie nicht, aber 14 Serienbilder in der Sekunde sind drin. Dafür hat sie aber keine Touch-Funktion und kein Bluetooth. Als Alternative eignet sie sich dennoch, da sie günstiger ist.

Die Sony DSC-RX10 II ist von 2015 und im Gegensatz zu den neueren Modellen hat sie ein 24-200mm-Objektiv, es bietet aber eine hohe Lichtstärke über den ganzen Brennweitenbereich von F2,8. Wer nicht so viel Tele benötigt, dem sollte der Brennweitenbereich ausreichen. Abgesehen vom Objektiv sind Mark II und III identisch, sie kann also auch 4K-Videos sowie schnelle Serienbilder. Bluetooth und Touchscreen fehlen aber, dafür ist dieses Modell mit etwa 900 Euro bezahlbarer.

2013 war die Sony DSC-RX10 die erste der Baureihe, ebenso damals die erste Bridge-Kamera mit einem 1 Zoll Sensor, sie wird noch immer angeboten. Was Verarbeitung und Design angeht, gibt es keinen Unterschied zu den neueren. Sie kostet etwa 600 Euro, ihre Technik ist aber heute nicht mehr aktuell, 4K-Videos etwa gibt es nicht. Wen das nicht stört, der bekommt eine gute Kamera mit edler Verarbeitung und 8,3-fach Zoom, so wird der wichtigste Brennweitenbereich 24 bis 200 Millimeter lichtstark abgedeckt.

Wissenswertes über Bridge-Kameras

Bridge-Kameras sind welche mit einem fest eingebauten Objektiv, von der Leistung her also die Brücke zwischen den Systemkameras und (kleinen) Kompaktkameras. Ausstattungsmerkmale sind die umfangreichen manuellen Einstellungsmöglichkeiten, die sollten auch einen fortgeschrittenen Benutzer zufriedenstellen, ebenso ein Blitzschuh, so können auch Aufsteckblitze genutzt werden.

Mittlerweile gehört zu den Ausstattungsmerkmalen auch ein großer Brennweitenbereich beim Objektiv. Damit zusammen hängt eine entsprechende Baugröße. Somit sind die aktuellen Bridge-Kameras weder klein noch leicht, jedoch leistungsfähig.

Der Vorteil gegenüber einer Systemkamera inklusive Wechselobjektiven ist, dass alle Brennweiten mit dem fest eingebauten Zoom-Objektiv abgedeckt werden. Somit spart man sich im Vergleich also Gewicht und Geld. Nachteil gegenüber den Systemkameras gibt es bei der kleineren Sensorgröße, wodurch man eine etwas schlechtere Bildqualität bekommt, vor allem, wenn es wenig Licht gibt. Mit einem 1 Zoll großen Sensor sollten aber auch Bridge-Kameras für die meisten eine gute Bildqualität liefern.

Und Superzoom-Kameras?

Alternativen gibt es natürlich auch noch. Vor allem, da »Bridge-Kamera« als Begriff schwer abzugrenzen ist und sich auch verändert. Vor den guten und großen Kameras mit einem 1-Zoll-Sensor wurden auch zoomstarke und gut ausgestattete Kamera mit einem kleineren Sensor zu den Bridge-Kameras.

Die würden wir heute eher als Superzoom-Kameras bezeichnen, hier ist der Vorteil nämlich definitiv der Zoomfaktor. Der wird zunehmend spektakulärer, etwa 50-, 60- und 83-fach Zoom oder auch 125-fach-Zoom mit 3.000 mm Kleinbild-Telebrennweite (3 Meter!). Das wäre vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen, es geht aber nur mit einem Bildsensor der kleiner ist, also 1/2,3 Zoll, bei der Bildqualität kommt er an die 1 Zoll aber nicht heran.

Somit sind diese Zoom-Wunder keine Brücke zu Systemkameras für uns, somit auch keine Bridge-Kameras. Für extremen Zoom eignen sich etwa Sony DSC-HX400VPanasonic Lumix DC-FZ82, Nikon Coolpix P900 und Nikon Coolpix P1000.

   Unsere Empfehlungen sind redaktionell unabhängig.

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