DSLR-Vollformatkameras im Test : Die Profi-Liga der DSLRs

Veröffentlicht 23.11.2020

Für Fotografien mit Top-Bildqualität sowie einen schnellen Autofokus sind digitale Spiegelreflexkameras bzw. DSLRs noch immer die beste Wahl. Um auch jeden Foto-Perfektionisten abzuholen, haben wir 11 DSLR-Vollformatkameras der obersten Liga getestet.

Martin Vieten
ist Chefredakteur des Photo-Magazins Photoscala und Autor zahlreicher Ratgeber zu Kameras und digitaler Bild­ver­ar­bei­tung.

Einer von vielen Vorteilen der DSLRs ist die Möglichkeit, je nach Motiv zum passenden Objektiv wechseln zu können – und das auch noch, wenn sie schon viele Jahrzehnte hinter sich haben. Vollformatkameras haben einen Bildwandler von der Größe eines Kleinbildkamera-Negativs. Damit sind sie doppelt so groß wie APS-C-Sensoren. So liefern Vollformat- und Kleinbild-DSLRs selbst bei wenig Licht noch super Fotos mit knackiger Schärfe und frischen Farben.

So eine enorme Bildqualität hat aber natürlich auch ihren Preis. Zum Glück gibt es mittlerweile dennoch qualitative Vollformatkameras, die ein nicht ganz so großes Loch auf dem Konto hinterlassen.

Vergleichstabelle
Vergleichstabelle
UngeschlagenBesondere BauartRobustPreisempfehlung
Test  Vollformatkamera: Nikon D850Test  Vollformatkamera: Canon EOS 6D Mark II
Modell Nikon D850 Sony Alpha SLT-A99 II Ricoh Pentax K-1 Mark II Canon EOS 6D Mark II
Pro
  • Markiert derzeit die Spitze der Spiegelreflex-Baukunst
  • Einzigartige Kombination aus extrem hoher Auflösung und rasanter Serienbildgeschwindigkeit
  • GPS-Empfänger
  • Starker Wetterschutz
  • GPS eingebaut
Contra
  • Wuchtig und schwer
  • Etwas geringe Serienbildrate
  • Sehr geringe Akkureichweite
  • Sehr geringe Serienbildrate
  • Lahmer Autofokus
  • Bildqualität leidet bei wenig Licht
Bester Preis
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Ungeschlagen: Nikon D850

Ungeschlagen

Nikon D850

Test  Vollformatkamera: Nikon D850
Gebaut wie ein Panzer, feinste Bildqualität und ein sehr guter Autofokus – mit dieser Kamera werden Sie viele Jahre Freude haben.

Das derzeit beste Modell auf dem Markt ist die Nikon D850. Die DSLR hat eine ordentliche Serienbildrate, sehr hohe Auflösung sowie einen üppigen Ausstattungsumfang, der auch anspruchsvolle Fotografen gut bedient.

Dagegen ist die Kamera für Gelegenheitsknipser nicht geeignet, Vollautomatik und Motivprogramme gibt es nicht. Wer danach sucht, ist mit den anderen Modellen besser beraten.

Die Bildqualität des Modells von Nikon ist ungeschlagen. Der Bildwandler löst mit über 45 Megapixeln auf, was für Plakate und Poster mehr als locker reicht. Insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen kann die D850 durch ihren Kleinbildsensor punkten. Selbst ein schummriger Partykeller wird noch mit gut abgestuften Kontrasten und frischen Farben dargestellt.

Bedienung

Da die Nikon für Profi-Fotografen gemacht wurde, können die wichtigen Einstellräder mithilfe einer Sperre festgestellt werden, um nicht unbeabsichtigt etwas zu verstellen. Alternativ kann die Kamera mit dem berührungsempfindlichen Display bedient werden.

Bei der D850 hat so gut wie jede Funktion ein festgelegtes Bedienelement. Zunächst wirkt sie durch die Taster, Rädchen und Schalter etwas überladen. Nach kurzer Erkundungszeit weiß man aber, wo was ist und merkt, dass Nikon alle Funktionen ergonomisch und geschickt positioniert hat.

Mit fast einem Kilo ist die Nikon kein Leichtgewicht, was allerdings der Preis für Stabilität und Schutz gegen Spritzwasser ist. Gegen den spontanen Regenguss sind die anderen Testmodelle aber auch gerüstet. Das Gewicht erträglicher macht der Handgriff an der rechten Seite des Gehäuses, der so geformt ist, dass sich die Kamera auch gut länger in der Hand halten lässt.

Von wegen, »nachts sind alle Katzen grau«: Der Nikon D850 reicht das Licht einer funzligen Straßenlaterne, um farbstarke, scharfe Fotos aufzunehmen. Model: Lina Deerman. © Martin Vieten.
Der D850 genügt das Licht von nur einer Straßenlaterne, um scharfe, farbstarke Fotos zu schießen. Model: Lina Deerman. © Martin Vieten.

Für Liebhaber von DSLRs sind die optischen Sucher in der Regel der Hauptgrund, keine spiegellosen Kameras mit elektronischen Suchern zu nutzen. Blickt man durch den Sucher einer D850, erklärt sich das recht schnell: Das Sucherbild wird groß, hell und klar angezeigt – und das auch in strahlendem Sonnenschein.

Selbst mit Brille kann man ohne Einschränkungen durch den Sucher schauen. Doch das heißt nicht, dass die Sucher anderer Kameras schlecht seien. Ganz im Gegenteil: Die Unterschiede zeigen sich nur in einem direkten Vergleich. Die einzige Ausnahme in unserem Test ist die Sony Alpha 99 II, die mit elektronischem Sucher ausgestattet ist. Der zeigt Farben nahezu naturgetreu, löst sehr hoch auf und gibt auch in dunkler Umgebung noch ein klares Bild wieder.

Statt dem Sucher kann bei der Nikon auch das Display auf der Rückseite im Live-View verwendet werden. Das Display lässt sich nach unten und oben klappen – praktisch für Aufnahmen mit Stativ. Klappbare Displays haben die meisten Kameras im Test, einzig die Nikon D610 nicht.

Serienbilder und Autofokus

Auch bei Actionfotos, bei denen ein schneller Autofokus wichtig ist, macht die Nikon D850 eine gute Figur.
Actionfotos mit schnellem Autofokus schafft die Nikon D850 problemlos.

Der Autofokus der D850 ist im Vergleich zu den anderen Testkandidaten am fortschrittlichsten. Er reagiert extrem schnell, die Nikon packt das Motiv sofort, wenn es beispielsweise hinter einer Ecke hervortritt. Bildfolgen von 7 Bildern in der Sekunde (bzw. 9 Bildern bei zusätzlichem Batteriegriff MB-D18) schafft der Autofokus mühelos und ein rennender Hund oder ein rasender Formel-1-Rennwagen werden problemlos scharf gestellt.

Auch in Dunkelheit ist der Autofokus des Nikon-Modells an der Spitze. Kein anderes Modell schafft es, Landschaften in fahlem Mondlicht oder eine Kirche in Kerzenschein so scharf zu stellen. Der Autofokus der Canon EOS 5D IV ist aber sowohl bei Dunkelheit als auch schnellen Motiven kaum schlechter.

Ein schneller Autofokus ist insbesondere für Bildserien entscheidend, denn bei denen soll jede Aufnahme scharf sein. Die Sony Alpha 99 II schafft das mit ihrem AF-System mit links –12 Bilder in der Sekunde sind in diesem Testfeld die absolute Spitzenzahl. Die D850 erreicht rund 9 Bilder pro Sekunde, die EOS 5D IV nur 7 Bilder.

Bildqualität und Auflösung

Die D850 von Nikon löst mit knapp 46 Megapixeln auf, rund 42 Megapixel hat die Alpha 99 II zu bieten. Die D750 und D610 aus gleichem Hause haben dagegen nur etwas über 24 Megapixel, die EOS 6D II knapp 26 Megapixel.

Spiegeln sich diese Unterschiede der Sensorauflösung sichtbar in der Bildqualität wieder? Nein! Gedruckt auf übliche Postergrößen oder digital auf TV-Bildschirmen sind zwischen 46 und 24 Megapixeln keinerlei Unterschiede zu erkennen.

Solch hohe Auflösungswerte benötigen vor allem Profi-Fotografen. Fotos lassen sich dadurch nachträglich stark zuschneiden und auch einige Bild- und Werbeagenturen verlangen Bilddateien mit so vielen Megapixeln.

Im Studio macht die Nikon D850 ebenfalls eine gute Figur. Auch weil sich das Sucherbild auf dem klappbaren Display immer gut kontrollieren lässt.
Auch im Studio schlägt sich die D850 gut. Praktisch ist, dass das Sucherbild am aufgeklappten Display gut kontrolliert werden kann.

Wem im puncto Bildqualität einzig das Beste gut genug ist, sollte definitiv zur Nikon D850 greifen. Sowohl hinsichtlich der Auflösung als auch bei der Feinheit der Abstufungen von Hell und Dunkel ist sie ungeschlagen. Das gilt ebenso bei schwächerem Licht und den dafür benötigten hohen ISO-Werten. In solchen Szenarien kann sogar meist auf Blitzlicht verzichtet werden. Nur geringfügig schlechter ist die Alpha 99 II, lediglich bei hohen ISO-Werten fällt die Bildqualität bei ihr ab. Sparfüchse können auch zur Pentax K-1 II greifen.

Aber auch weniger Megapixel wie 24 oder 26 machen ihren Job gut. Mit geringerer Auflösung wird übrigens auch weniger Speicher verbraucht – das spart natürlich Platz, sowohl auf Speicherkarten als auch auf Festplatten. Zudem haben kleinere Bilder geringere Anforderungen an Computer sowie Bildbearbeitungssoftwares.

Filmen mit Vollformatkameras

Kleinbild-DSLRs können zudem beeindruckende Videos erzeugen. Die Kameras nehmen mindestens mit Full-HD auf, teurere Modelle auch in 4K. So eine hohe Auflösung ist allerdings nur sinnvoll, wenn man auch ein Gerät besitzt, das diese Qualität wiedergeben kann. Auch die Nachbearbeitung ist bei 4K-Aufnahmen umständlicher als mit Full-HD-Material.

Wer bisher mit guten Kompaktkameras oder spiegellosen Kameras filmte, wird sich beim Drehen mit DSLRs etwas umgewöhnen müssen, denn bei ihnen funktioniert der Autofokus längst nicht auf dem gleichen Niveau. Einzig bei der Alpha 99 II funktioniert er gut, bei der D850 ist er noch nutzbar. Bei anderen Kameras sollte besser von Hand scharfgestellt werden.

Objektive und Zubehör

Vorteil von DSLRs: Das Objekt kann je nach Aufnahmesituation gewechselt werden. Für einen Kirchturm in der Ferne setzt man ein Teleobjektiv, bei einem weiten Landstrich ein Super-Weitwinkelobjektiv auf das Gehäuse. Auch Spezialobjekte können verwendet werden: Makros, die selbst winzige Ameisen einfangen oder auch lichtstarke Objektive, die Hauptmotive scharf vor unscharfen Hintergründen absetzen.

Auch als »Immerdrauf-Zoom« bekannte Objektive mit einem sehr großen Brennweitenbereich von Tele- bis Weitwinkelobjektiv können montiert werden – dafür sind solch gute Kameras aber fast zu schade.

Kaum zu glauben, aber diese Aufnahme mit der Alpha 99 II von Sony wurde lediglich von einer Schreibtischlampe beleuchtet. Da lässt sich das fehlende Blitzgerät leicht verschmerzen.
Man mag es kaum glauben, aber die Alpha 99 II konnte dieses Foto nur mit Schreibtischlampe beleuchtet einfangen. So lässt sich ein fehlendes Blitzgerät definitiv verschmerzen.

Das Angebot von Canon und Nikon an Wechselobjektiven ist sehr reichhaltig. Aber auch Fremdhersteller produzieren Objektive für die Kamerasysteme. Sony bietet für seine DSLRs nicht nur viele Objektive an, auch Minolta-Objektive ab Baujahr 1985 passen. Dagegen ist die Auswahl für die K-1 II nicht sehr üppig, das Wichtigste ist aber verfügbar.

In Sachen Spezialzubehör stechen Nikon und Canon eindeutig hervor. Ethernet-Anschluss, WLAN-Adapter, externer GPS-Empfänger, Sucherlupen – alles ist möglich. GPS-Empfänger ist bei den Modellen EOS 5D IV, EOS 6D II und Pentax K-1 II dafür schon verbaut.

Besondere Bauart: Sony Alpha 99 II

Besondere Bauart

Sony Alpha SLT-A99 II

Keine andere Kamera bietet eine derart gelungene Kombination aus sehr hoher Auflösung und rasanter Serienbildgeschwindigkeit.

So sehr man die D850 von Nikon auch loben kann, Videoaufnahmen und Live-View-Modus sind nicht auf höchstem Niveau. Wenn Sie genau danach suchen, greifen Sie besser zur Sony Alpha 99 II. Sie zählt nicht zu den reinrassigen Spiegelreflexkameras, denn in ihr steckt ein Videosucher, mit dem sie allen anderen DSLRs in den Punkten Video und Live-View voraus ist.

Der Autofokus der Alpha 99 II ist sehr hoch entwickelt. Hier hat die Kamera wie beabsichtigt auf das startende Schleppflugzeug scharf gestellt, obwohl sich der Mast mit dem Windsack in den Vordergrund geschoben hat.
Der Autofokus von Sony ist sehr gut entwickelt. Die Kamera stellte wie gewünscht das Schleppflugzeug scharf und das obwohl der Mast im Vordergrund zu sehen ist.

Die Sony Alpha 99 II hat eine ganz besondere Bauart: In ihr findet sich ein teildurchsichtiger, fest stehender Spiegel. Somit ist sie zwar eine Spiegelreflexkamera, aber mit einem elektronischen Sucher.

Eingefleischte Fans müssen sich möglicherweise erst an den Spiegelreflexsucher gewöhnen. Das Konzept ist aber durchaus vorteilhaft, beispielsweise bei schummrigen Lichtverhältnissen. Zudem kann mit elektronischem Sucher das zu erwartende Foto bereits vor dem Auslösen gesehen werden. Fehler können so schon im Vorhinein vermieden werden.

Die Kamera von Sony hat im Gegensatz zur Nikon einen Bildstabilisator verbaut. Für diejenigen, die mit langer Belichtungszeit fotografieren, ist das ein echter Pluspunkt. In Kombination mit einem stabilisierenden Objektiv ergibt das ein sehr gutes Ergebnis.

Im Test erhält die Sony außerdem mit 12 Bildern in der Sekunde den Preis der schnellsten Kleinbild-DSLR. Das ist angesichts der Bilder mit 42 Megapixeln noch beeindruckender. Der Pufferspeicher ist daher auch mit 61 Fotos bzw. fünf Sekunden Daueraufnahmen voll – längere Serienbildreihen braucht es aber ohnehin selten. Falls doch, kann die Kamera aber einen Gang heruntergeschaltet werden.

Die Sony Alpha 99 II ist eine der leichtesten DSLR im Testfeld und liegt hervorragend in der Hand.
Das Modell von Sony liegt sehr gut in den Händen und ist unter den leichtesten DSLRs im Test .

Der Autofokus von Sony steht der Nikon kaum nach. Die Autofokussensoren der Alpha 99 II decken einen so riesigen Bildbereich ab, wie es keine andere Kamera in diesem Test konnte. Selbst Bereiche am äußersten Rand sind noch im Fokus. Die Alpha 99 II übertrifft ihre Konkurrenz auch beim Live-View: Sie stellt sehr schnell scharf, weshalb sie für Videoaufnahmen so geeignet ist.

Die Bildqualität kommt nah an die Nikon D850 heran. Die Auflösung ist extrem hoch, kräftige, aber nicht zu übertrieben leuchtende Farben sowie starke Kontraste schafft sie mit links. Nur die Akkulaufzeit der Sony Alpha 99 II lässt zu wünschen übrig, nur unter 400 Aufnahmen sind möglich. Da sollte ein Zweitakku stets bereit liegen.

Robust: Ricoh Pentax K-1 II

Robust

Ricoh Pentax K-1 Mark II

Eine extrem robuste DSLR mit hoher Auflösung und überbordender Ausstattung. Aber langsam bei Serienbildern und beim Scharfstellen.

Die Ricoh Pentax K-1 II ist ein Arbeitstier und kommt dementsprechend wuchtig und kantig daher. Und wie man es sich von einem guten Werkzeug wünscht, liegt sie trotz hohem Gewicht optimal in den Händen. Das Gehäuse wirkt so robust, dass mit ihr gefühlt Nägel in Wände gehauen werden können. 90 Dichtungen geben der Kamera Schutz vor Dreck, Spritzwasser und Staub, sodass sie auch beim Segeln oder auf Baustellen gut zurecht kommt.

Ricoh, dem Pentax seit Kurzem gehört, versah die Kamera mit dezidierten Schaltern und Knöpfen. Ohne langes Suchen kann die K-1 II so intuitiv bedient werden und das sogar besser als bei mehrfach belegbaren Schaltern. Wenn es dunkel ist, leuchten die Bedienelemente durch einen Knopfdruck von innen heraus. Mit dem großen Sucher sowie angeschlagenem Display lässt sich mit der Pentax sehr gut fotografieren.

Für die Bildqualität sind die 36 Megapixel der K-1 II völlig ausreichend. In dem Modus »Pixel Shift« kann die Auflösung mit Mehrfachaufnahmen noch gesteigert werden. Das funktioniert bei statischen Fotomotiven sehr gut, bei Action-Aufnahmen leider nicht.

Die Ausstattung wurde von Ricoh sehr großzügig bemessen: Beispielsweise ist nicht nur ein einfacher GPS-Empfänger für Ortskoordinaten verbaut – die Kamera kann zusätzlich den Sensor bei Aufnahmen vom Sternenhimmel nachführen, wodurch Sterne in der fertigen Aufnahme nicht zum Strich, sondern zum Punkt werden.

Actionfotos sind weniger das Ding der K-1 II. Dafür ist die Serienbildrate von 4,4 Bildern in der Sekunde zu gering sowie der Autofokus zu langsam. Zudem gibt es auch weniger Objektive als bei Canon und Nikon. Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis der robusten Kamera mit sehr guter Auflösung stimmt und wer auf Action-Aufnahmen verzichten kann, wird mit der Ricoh Pentax K-1 II große Freude haben.

Preisempfehlung: Canon EOS 6D Mark II

Preisempfehlung

Canon EOS 6D Mark II

Test  Vollformatkamera: Canon EOS 6D Mark II
Trotz ihres verhältnismäßig kleinen Preises eine vollwertige Kleinbild-DSLR, bei der man kaum Abstriche machen muss.

Die EOS 6D Mark II konzentriert sich auf das Wesentliche und so fällt auch der Preis nicht allzu hoch aus. Dennoch fehlt der Canon keine wichtige Funktion.

Beispielsweise löst der Sensor dennoch mit 26 Megapixeln auf – völlig ausreichend. Die Aufnahmen sind knackig und trotzdem nicht überschärft. Anders als bei anderen japanischen Kameras sind die Farben etwas wärmer, wodurch Hauttöne sehr natürlich wirken. Lediglich sehr hohe Kontraste wie bei Gegenlicht-Motiven sind für die Kamera zu viel. Hohe ISO-Werte bereiten ihr aber keine Probleme, selbst in schummriger Umgebung kann man noch ohne Blitz fotografieren.

Die Canon EOS 6D II ist professionellen Produktionen spielend gewachsen. Model: Laura Eileen, Agentur: Splendide Models Berlin, Location: Teufelsberg © Martin Vieten.
Die Canon kann für professionelle Produktionen ohne Zögern verwendet werden. Model: Laura Eileen, Agentur: Splendide Models Berlin, Location: Teufelsberg © Martin Vieten.

Gespart hat Canon mitunter beim Autofokus. Die Sensoren stellen zwar den zentralen Bereich scharf, Randmotive werden aber nicht abgedeckt. Statische Motive verzeihen das, der endgültige Bildausschnitt kann auch festgelegt werden, nachdem scharf gestellt wurde. Für Reihenaufnahmen gilt das aber leider nicht und auch bei Schnappschüssen muss das Motiv mittig im Bild platziert sein. Falls das verschmerzt werden kann, geht die EOS aber in der Kategorie Actionfotos dennoch in Ordnung. Mit 6,5 Bildern in der Sekunde ist sie doch hinreichend schnell.

Der Autofokus im Live-View-Modus arbeitet sehr zackig. Bei Videoaufnahmen führt die Canon den Fokus flott nach. Die Sparmaßnahmen beim Sucher fallen kaum auf. Die 98 Prozent der Bildfeldabdeckung reichen allemal. Und man darf sich von dem wuchtigen Gehäuse nicht in die Irre führen lassen, die EOS wiegt nur 760 Gramm und damit nur geringfügig mehr als spiegellose Kleinbildsensor-Kameras.

In der Canon-Kamera ist ein GPS-Empfänger verbaut und sie kann Aufnahmen per Bluetooth oder WLAN direkt an Smartgeräte weiterleiten oder via App gesteuert werden. Wer keine Action-Kamera sucht und sich mit 26 Megapixeln Auflösung begnügt, hat mit der EOS 6D Mark II das richtige Modell gefunden.

Was gibt es sonst noch?

Die Nikon D750 ist eine Kamera fürs Wesentliche. Sparmaßnahmen zeigen sich beim Bildsensor (wobei eine Auflösung mit 24 Megapixeln noch immer hoch ist), beim Autofokus, der vor allem die Bildmitte fokussiert, sowie bei lediglich 6 Bildern in der Sekunde bei Sportaufnahmen. Dafür besitzt sie einen großen Sucher, Bordblitz und WLAN-Anbindung. Der Autofokus im Live-View ist nicht der schnellste, die Bildqualität ist aber dennoch sehr gut. Bei diesem Modell finden sich auch Motivprogramm und Vollautomatik.

Derzeit am günstigsten zu haben ist die Nikon D610. Dennoch bietet sie dank 24 Megapixeln und Vollformat-Sensor eine hervorragende Bildqualität. Der Sucher deckt das Bildfeld zu 100 Prozent ab. Sogar ein Aufklappblitz ist an Bord. Allerdings schwächelt die D610 beim Autofokus, der nur das Bildzentrum abdeckt und im Live-View sehr langsam ist. Das Gehäuse ist dafür robust und wettergeschützt und die Nikon hat Automatikfunktionen mit im Programm. GPS und Wifi gibt es nicht, kann aber nachgerüstet werden.

Die Canon EOS 5D IV ist eine Kleinbild-DSLR, die sich an anspruchsvolle Fotografen richtet. Der Autofokus sticht besonders hervor – er lässt sich gut anpassen und ist schnell. Das Gehäuse ist robust und wettergeschützt. Die Bildqualität ist mit 30 Megapixeln gut. Die EOS 5D IV erinnert an die Nikon D850, aber deren Bildqualität ist doch noch ein Stück weit besser.

Wissenswertes über DSLR-Vollformatkameras

Kleinbild-DSLRs sind schon lange auf dem Thron der Digitalkameras – und das zurecht. Dennoch rücken spiegellose Kameras ihnen immer näher und versuchen, die Spitze für sich zu erobern.

Der große Vorteil der DSLRs ist ihr Autofokus. Die AF-Sensoren können sich bei Vollformatkameras voll und ganz aufs Scharfstellen konzentrieren, während Spiegellose dafür nur den Bildsensor haben. Besonders bei Aufnahmen mit schwachem Licht macht sich das bemerkbar. Versteckt im Dickicht stellen auch Tierfotografen im entscheidenden Moment mit einer DSLR schlicht schneller scharf. Das lässt sich ebenso auf Foto-Kulissen wie eine schummrige Sporthalle oder eine nächtliche Straßenszene übertragen.

Kleinbild-Look: Das Spiel von Schärfe und Unschärfe gelingt mit einer Kleinbild-DSLR (hier: Nikon D850) besonders gut. Model: Marina Daschner. © Martin Vieten
Das Spiel mit Unschärfe und Schärfe gelingt durch eine Kleinbild-DSLR (in diesem Fall: Nikon D850) sehr gut. Model: Marina Daschner. © Martin Vieten

Unterschiede in unserem Testfeld gab es vor allem in der Anzahl von AF-Sensoren. Je teurer das Modell, desto mehr hat es auf diesem Gebiet zu bieten. Im Praxisgebrauch merkt das aber nur, wer häufig Actionfotos mithilfe schneller Bildserien schießt.

Der Vorteil in der Nutzung der AF-Sensoren gilt aber nur für Aufnahmen mit dem Sucher – nutzt man den Live-View, der das Sucherbild auf dem Monitor anzeigt, stellt die DSLR meist langsamer scharf. Auf die Nikon D850 und die Sony Alpha 99 II trifft das aber nicht zu, ihr Autofokus ist auch beim Live-View schnell.

Durch den Kleinbildsensor kann mit einer sehr hohen Auflösung fotografiert werden. Die Nikon D850 sowie auch die Alpha 99 II von Sony lassen die 40-Megapixel-Grenze hinter sich – doch braucht es das? Streng genommen nicht, für einen Druck sind circa 18 Megapixel völlig ausreichend. Aber die hohe Sensorauflösung hat trotzdem einen Vorteil: Möchte man sein Bild ohne Verlust der Qualität im Nachhinein zuschneiden, ist das mit diesem Weg möglich.

Mit steigenden Megapixeln des Sensors muss bei Bildserien auch der Bildprozessor härter arbeiten. Spezielle Sportkameras haben daher oft nur maximal 24 Megapixel. Eine Bildrate im zweistelligen Bereich bietet in unserem Test nur die Sony Alpha 99 II. Bei den anderen Modellen muss man mit maximal sieben Bildern in der Sekunde klarkommen – außer man erweitert die Nikon D850 durch einen Batteriegriff, denn dann schafft sie circa neun Bilder in der Sekunde.

Noch ein Vorteil des Vollformatsensors: Auch in schlechtem Licht liefert er noch Fotos mit geringem Rauschen, knackigen Kontrasten und satten Farben – da hält keine APS-C-Kamera mit. Durch ihre spezielle Bauweise ist in diesem Punkt nur die Sony Alpha 99 II im Vergleich zu ihren Kleinbildkollegen etwas schlechter. Das gleicht sie mit ihrem integrierten Bildstabilisator aber wieder aus.

Objektive und Bildstabilisator

Bildstabilisatoren ermöglichen längere Belichtungszeiten beim aus der Hand fotografieren, ohne dabei zu verwackeln. Hersteller bauen heutzutage zwar auch in Objektive Stabilisatoren, aber eben noch nicht jeder und ältere Modelle sind ohnehin nie stabilisiert. Mit der Sony Alpha 99 II oder der Pentax K-1 II ist man da eindeutig im Vorteil: Bei ihnen stabilisiert zusätzlich der Sensor der Kamera.

Die höherpreisigen Kameras aus dem Test sind eher für Profifotografen geeignet. Dementsprechend umfassend gestaltet sich auch die Ausstattung. Kein Fotograf wird wohl jemals jedes dieser Features gebrauchen, das Canon EOS 5D IV, Pentax K-1 II oder Nikon D850 bieten. Dennoch ist es gut, für jeden Fall gerüstet zu sein.

Gleiches gilt für das Zubehör und vor allem die Objektive. Nikon und Canon fallen besonders auf, kein anderer Hersteller hat so viele Wechselobjektive im Programm und ist sogar für alle Spezialfälle gewappnet. Das Angebot von Sony ist dünner, reicht aber völlig aus – zumal ohnehin auch alle Minolta-Objektive, die seit 1985 produziert wurden, mit der Alpha 99 II kompatibel sind.

Mechanikwunder

Spiegelreflexkameras sind mechanische Wunderwerke. Das Herzstück ist der Schwingspiegel. Durch ihn wird das Licht, das durch das Objekt einfällt, so umgelenkt, dass dieses beim Sucherokular wieder hervortritt. Mit dem Auslösen der Kamera geht der Spiegel im Inneren nach oben, woraufhin das Licht ohne Umwege auf den Sensor fallen kann. Die Serienbildrate ist daher davon abhängig, wie schnell die Kamera den Spiegel nach oben und unten klappen kann.

Mit dem optischen Sucher von DSLRs wird so ein unverfälschtes, direktes Bild des Motivs gezeigt. Viele Fotografen bevorzugen elektronische Sucher, durch die zu erwartende Aufnahmeergebnisse zu sehen sind. DSLR-Sucher eignen sich vor allem für helle Umgebungen, wie eine Schneelandschaft an einem sonnigen Tag. Bei einer sehr dunklen Kulisse sind elektronische Sucher passender.

Heutige Spiegelreflexkameras können ihren Spiegel für eine bestimmte Zeit durchgehend oben halten. Der Sucher ist dann dunkel. Stattdessen wird das Sucherbild auf dem Display gezeigt. Diesen Betriebsmodus nennt man »Live-View«, dabei funktionieren DSLRs ähnlich wie Spiegellose.

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