Test: Blue Yeti Nano

USB-Mikrofone im Test : Damit Stimmen stimmen

Veröffentlicht 22.01.2021

Mikrofone mit USB-Anschluss lassen sich spielend leicht an jeden PC anschließen und stellen eine erhebliche Verbesserung zu den internen Tonaufnahmegeräten dar. Wir haben getestet, mit welchen Geräten die besten Ergebnisse im Stream und in der Videokonferenz erreicht werden.

Michael Beck
ist leidenschaftlicher Gamer und Musiker. Schon als kleiner Knirps hat er den Arbeitscomputer seines Vaters zur Spielemaschine umfunktioniert. Er schreibt unter anderem für Mobygames und GameStar. Als langjähriger Pop-Kultur- und Videospiel-Experte bei Fandom hat er zudem viel Erfahrung mit Audio- und Videoproduktion gesammelt.

USB-Mikrofone sind nicht nur für Streamer und Online-Gamer interessant, die von ihrem Publikum gut verstanden werden wollen, sondern auch für alle, die von zuhause aus arbeiten und an Videokonferenzen teilnehmen. Zwar kommt es bei Videokonferenzen vor allem auf die Webcam und damit das Bild an, aber auch der Ton macht einen beträchtlichen Unterschied, weshalb sich die Anschaffung eines guten Mikrofons in jedem Fall lohnt.

Um herauszufinden, mit welchem USB-Mikrofon man beste Tonqualität bekommt und gleichzeitig angenehm und intuitiv arbeiten kann, haben wir 17 USB-Mikrofone getestet.

Solide und klangstark: Blue Yeti Nano

Das Yeti Nano von Blue macht einen soliden Eindruck, kommt aber im Vergleich zum Yeti X und Yeti nicht ganz so massiv rüber. Fragile Bauteile, die abbrechen könnten, sucht man hier vergebens. Wer unbedingt das Haar in der Suppe suchen will, der findet es wohl in Form des ein wenig wackeligen Lautstärkereglers. Für eine schicke Optik sorgt neben dem dezent glänzenden Mikrofongitter der spiegelnde Ring, der einen schönen Kontrast zur ansonsten mattschwarzen Oberfläche des Mikrofons darstellt.

Das Metallstativ gibt dem Yeti Nano einen sicheren und stabilen Halt und sorgt ferner dafür, dass sich das USB-Mikrofon spielend leicht kippen lässt. Arretieren lässt es sich mithilfe der zwei seitlich angebrachten Schrauben. Die kleine Aussparung an der Rückseite dient dazu, Kopfhörer- und USB-Kabel sauber nach hinten wegzuführen.

Erschütterungen, die durch das Tippen auf der Tastatur und kleinere Stöße entstehen können, werden im Gegensatz zu vielen Konkurrenzmodellen von der Kapsel des Mikrofons nicht so leicht übertragen. Wie die meisten Mikrofone mit USB-Anschluss lässt sich auch das Blue Yeti Nano einfach an den Computer anstöpseln und wird automatisch erkannt. Seine Einsatzbereitschaft signalisiert es durch den grünen Leuchtring. Drückt man darauf, schaltet das Mikrofon auf stumm, was man auch optisch durch den Wechsel von Grün zu Rot gut erkennen kann.

Man kann zwischen zwei verschiedenen Richtcharakteristiken wählen: Kugel (omnidirektional) und Niere (unidirektional). Für die meisten Nutzer dürften diese beiden Richtcharakteristiken völlig ausreichend sein und der positive Nebeneffekt ist, dass man als Anwender nicht mit vielen Zusatzfunktionen überfordert wird. Um beim Monitoring keine Verzögerung zu haben, gibt es einen Kopfhörerausgang (3,5mm).

Dass das Yeti Nano von einer Firma hergestellt wird, die ihr Handwerk versteht und seit 15 Jahren den Markt der USB-Mikrofone aufmischt,, merkt man ihm an. Was die Aufnahmequalität anbelangt, so muss sich das Nano keineswegs hinter den anderen Mikrofonen dieser Reihe verstecken. Der größte Unterschied zu den teureren Schwestermodellen ist im abgespeckten Funktionsumfang zu sehen, klanglich sind die Unterschiede marginal, bei Stimmaufnahmen lässt sich so gut wie kein Unterschied feststellen.

Diese gab das Mikrofon voll, klar und warm wieder. Ist man über 40 Zentimeter weit vom Mikrofon entfernt, zeigt sich, dass der Lautstärkepegel ein wenig abnimmt, aber trotzdem noch deutlich ist. Weil am Mikrofon leider kein Verstärkerregler verbaut ist, muss der Mikrofonpegel mithilfe von Software nachjustiert werden, das ist allerdings nur in Ausnahmefällen der Fall.

Wie bei fast allen Kondensatormikrofonen hört man auch beim Nano, wenn im Hintergrund getippt und geklickt wird, im Test hat das aber nicht weiter gestört. Grund zum Meckern lieferte uns das Mikrofon im Test nicht, umständlich fanden wir lediglich, dass die Charakteristikumschaltung nicht an der Vorder-, sondern an der Rückseite angebracht ist. So ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, welche Charakteristik gerade aktiv ist.

Guter Klang: Razer Seiren X

Das Seiren X von Razer kann es in puncto Aufnahmequalität durchaus mit dem Yeti Nano aufnehmen, muss sich diesem aber beim Funktionsumfang und bei der Verarbeitung geschlagen geben. Auch, dass das USB-Mikrofon vorrangig aus Plastik besteht, mindert das Wertigkeitsgefühl. Zielgruppe des Mikrofons sind in erster Linie Streamer und Gamer, was man auch an der Supernierencharakteristik des Mikrofons erkennt, die für die meisten Anwendungsfälle jedoch völlig ausreichend sein sollte.

Die integrierte Mikrofonspinne sorgt dafür, dass Tastatureingaben oder Stöße gut abgefedert und dementsprechend nicht aufgezeichnet werden. Was den Klang der Aufnahme angeht, so muss man im Vergleich zum Nano ein paar Abstriche machen und auch bei der Lautstärke kann das Seiren X nicht ganz mithalten. In Summe ist die Aufnahmequalität des Mikrofons aber gut, für Nahaufnahmen sollte man allerdings einen Popschutz verwenden, sonst werden Zischlaute und Plosive schnell störend.

Zum Stummschalten des Mikrofons gibt es einen Knopf an der Vorderseite, ist es zur Aufnahme bereit, wird das durch das typische Razer-Grün angezeigt. Der Kopfhörereingang für das Mikrofon (3,5mm), befindet sich an der Unterseite. Weil der Abstand zum Tisch bei diesem Anschluss allerdings sehr gering ist, muss das Kabel geknickt werden. Das gleiche Problem hat man beim Micro-USB-Kabel, hier ist allerdings eine abgewinkelte Version im Lieferumfang enthalten. Das mitgelieferte Stativ lässt sich um etwa 20 Grad in jede Richtung neigen.

Unterm Strich handelt es sich beim Seiren X um ein Mikrofon, das man schnell mitnehmen und direkt loslegen kann. Wer beim Funktionsumfang Abstriche macht, der erhält hier für einen moderaten Preis einen mehr als soliden Klang.

Alleskönner: Blue Yeti X

Das Yeti X von Blue ist der große Bruder des Nano. Das USB-Mikrofon für so ziemlich jedes Einsatzszenario geeignet und lässt, was Ausstattung und Leistung angeht, keine Wünsche offen. Neben einem tollen Klang bietet das Mikrofon vier verschiedene Richtcharakteristiken (Kugel, Niere, Stereo, Acht), Mix-Balance-Einstellungen, Live-Monitoring und noch einiges mehr. Das alles hat natürlich seinen Preis, für den Alleskönner werden vom Hersteller satte 175 Euro aufgerufen.

Für diesen Preis bekommt man aber auch viel Mikrofon, genauer gesagt 1,25 Kilogramm Mikrofon, die, einmal auf dem Schreibtisch positioniert, stolze 30 Zentimeter in die Höhe ragen. Aber auch die inneren Werte des Mikrofons überzeugen und sein voller und warmer Klang lässt keine Details vermissen. Wie es bei den Mikrofonen von Blue üblich ist, wird die Klangcharakteristik an der Rückseite des Gerätes umgeschaltet, was in unseren Augen ein wenig umständlich ist.

Abseits davon lassen sich alle übrigen, für die Toneinstellung relevanten, Einstellungen mit einem Multifunktionsregler vornehmen. Hält man diesen länger gedrückt, kann man zwischen den einzelnen Features durchschalten.

Weil der Hersteller Blue mittlerweile zum Logitech-Imperium gehört, lässt sich das Yeti X mühelos in »G-Hub«, die Gaming-Software von Logitech, integrieren. Damit können dann diverse Feineinstellungen und Voreinstellungen am Yeti X vorgenommen werden, um auch das letzte bisschen Qualität aus dem Mikrofon heraus zu kitzeln. Zudem lässt sich damit die Beleuchtung der betreffenden Anzeigen-LEDs individualisieren.

Für Streamer und Gamer gibt es zudem eine 30 Euro teurere Word-of-Warcraft-Edition, mit der sich die Stimme an die Spielcharaktere anpassen lässt und sich ferner einige Audio-Effekte generieren lassen.

Für Anfänger: Maono AU-PM421

Für Anfänger

Maono AU-PM421

Das Maono AU-PM421 bietet für vergleichsweise überschaubare 80 Euro nicht nur eine sehr gute Stimmaufnahme von Einzelpersonen, sondern kann darüber hinaus mit einer für diese Preisklasse eher unüblichen Auswahl an Zubehör aufwarten. Weil das Mikrofon im Vergleich zu den anderen Empfehlungen allerdings weniger empfindlich ist, fällt seine Aufnahmelautstärke entsprechend geringer aus, man sollte beim Hineinsprechen also die Distanz ein wenig verkürzen. Weil dadurch auch störende Nebengeräusche minimiert werden, fällt der fehlende Kopfhöreranschluss aus unserer Sicht nicht groß ins Gewicht.

Positiv ist, dass das Mikrofon auch über einen Gain-Regler verfügt, den man auch dringend benötigt, da ansonsten nämlich die Gefahr besteht, dass die Aufnahme zu leise gerät. Stummgeschaltet wird das Mikrofon mithilfe einer Touch-Schaltfläche, einen physischen Knopf gibt es nicht, was störende Klick-Geräusche vorbeugt.

Trotz des fehlenden Tisch-Stativs kann die Ausstattung des Maono getrost als Highlight durchgehen. Neben einem Mikrofonarm und einer Mikrofonspinne ist ein Popschutz, sowie ein Windschutz im Lieferumfang enthalten.

Wem es bei der Aufnahmequalität nicht auf das letzte Quäntchen Qualität ankommt, der sollte sich das Maono AU-PM421 allein schon wegen seiner ellenlangen Zubehörliste genauer ansehen. Dabei stellt das Mikrofon nicht nur eine erhebliche Verbesserung zu den integrierten Tonaufnahmegeräten von Laptop und Co. dar, sondern ist auch genau das Richtige, um die ersten Schritte bei eigenen Streams und YouTube-Videos zu gehen.

Mit mehrfarbiger Beleuchtung: Trust GXT 258 Fyru

Das GXT 258 Fyru von Trust bewegt sich preislich im Mittelfeld, bietet aber einen gelungenen Kompromiss aus Qualität, Funktionalität, Preisgestaltung und kleinen Spielereien. Die Tonqualität des Mikrofons liegt ein wenig über dem Durchschnitt, Stimmen werden zwar gut verständlich aufgenommen, wirken aber ein wenig kraftlos und matt. Das macht das Mikrofon für Stimmaufnahmen keineswegs ungeeignet, im Profi-Bereich sollte es allerdings nicht eingesetzt werden.

Auf der Vorderseite ist das USB-Mikrofon mit je einem Regler zum Einstellen der Kopfhörer- und Mikrofonlautstärke ausgerüstet. Darunter befindet sich der Kopfhörerausgang, der erfreulicherweise auch Echtzeit-Monitoring unterstützt. Die vier unterschiedlichen Richtcharakterisitken (Kugel, Niere, Stereo und Acht), werden mithilfe des gummierten »Mode«-Knopfes eingestellt. Um diesen herum sind vier Punkte platziert, die durch Leuchten anzeigen, welche Richtcharakteristik gerade eingestellt ist.

Unterhalb des Mikrofons befindet sich ein USB-Anschluss (Typ-C) sowie ein Knopf, der zur Auswahl der Beleuchtungsfarben dient. Zur Auswahl stehen Weiß, Magenta, Grün, Gelb und Blau. Das Mikrofon steht auf einem metallenen Dreibein, das einen stabilen und wertigen Eindruck macht, aber auch wesentlich mehr Fläche für sich beansprucht, als es für ein Tonaufnahmegerät dieser Preisklasse üblich ist.

Das hintere Standbein lässt sich mithilfe einer Schraube in der Höhe verstellen, auf diese Weise lässt sich das Mikrofon selbst dann um bis zu 15 Grad nach hinten neigen. Mit der entsprechenden Neigung sorgt man für ein optimales Auftreffen des Schalls. Im Test mussten wir allerdings feststellen, dass die Schraube nach ein paar Regulierungen Kratzspuren hinterlassen hat. In Summe bekommt man mit dem GXT 258 Fyru ein durchaus gelungenes Mikrofon, das mit vielen Zusatzfunktionen aufwarten kann.

Was gibt es sonst noch?

Das NT-USB von Rode kommt in einem soliden Metallgehäuse daher und konnte uns im Test mit einer hervorragenden Aufnahmequalität überzeugen. Reguliert man den Abstand entsprechend, ist es dank seiner Nierencharakteristik in der Lage, Stimmen sehr gut einzufangen, im Nahbereich wird Stimmen so ein beeindruckendes Volumen zuteil. Um Aufgenommenes latenzfrei abzuhören, gibt es einen Kopfhörerausgang. Zwei Regler sorgen zudem dafür, dass man nicht nur die Kopfhörerlautstärke, sondern auch das Mischverhältnis von Stimme und Computersound gut einstellen kann.

Das Elgato Wave:3 kann zwar lediglich mit einer Nierencharakteristik aufwarten, besticht jedoch durch seine sehr gute Aufnahmequalität. Auch die Verarbeitungsqualität kann sich bei diesem Mikrofon sehen lassen. Als störend empfanden wir allerdings den Low-Cut-Filter, dessen Aufgabe es ist, tiefe, störende Frequenzen herauszufiltern. Dieser lässt sich nämlich nicht abschalten und hat den störenden Nebeneffekt, dass er Stimmen ihres Volumens beraubt. Neben einem integrierten Popschutz hat Elgato dem Wave:3 eine Clipguard-Funktion spendiert. Diese soll während der Aufnahme vor plötzlich auftretenden, lauten Geräuschen schützen.

Der Alleskönner von Mackie heißt EM-Carbon und bietet gleich fünf verschiedenen Richtcharakteristiken (Kugel, Acht, Niere, Stereo, Superniere), was ihn für so ziemlich jeden semiprofessionellen Anwendungszweck geeignet macht. Das schwere Tischstativ unterstreicht die Ambitionen des USB-Mikrofons zusätzlich und sorgt ferner für einen sicheren Halt. Leider führt das schwere Tischstativ auch dazu, dass das Mikrofon hoch über den Schreibtisch thront und Tastaturgeräusche wahrnehmbar übertragen werden. Ein wenig enttäuscht hat uns im Test auch der Kopfhörerausgang, denn dieser unterstützt nämlich kein Live-Monitoring.

Das Samson Satellite ist nur 330 Gramm schwer und damit ideal zum Mitnehmen geeignet, was nicht zuletzt auch an seinem Tischstativ liegt, das im Mikrofon integriert ist. Die Aufnahmequalität des Mikrofons empfanden wir im Test als sehr hoch, wobei es auch recht empfindlich war, weshalb es nur bedingt für die Aufnahme bei lauten Umgebungsgeräuschen geeignet ist. Die drei verbauten Elektret-Kondensatoren sorgen dafür, dass man drei unterschiedliche Richtcharakteristiken einstellen kann (Kugel, Acht, Niere). Gut gefallen hat uns auch die leichtgängige und geräuschlose Stummschaltung des Mikrofons sowie die Darstellung von Aufnahmespitzen mittels roter LEDs.

Wissenswertes über USB-Mikrofone

Bei USB-Mikrofonen geht es darum, Schwingungen in ein digitales Signal umzuwandeln. Dabei gilt: Nicht jedes Mikrofon ist gleichermaßen gut für jedes Anforderungsprofil zu gebrauchen. Hier spielen unter anderem die Empfindlichkeit des Mikrofons, seine Ausstattung und Richtcharakteristik, sowie die Aufnahmequalität selbst eine Rolle.

Zwar sind Mikrofone heutzutage bereits in vielen Geräten, vom Laptop bis zum Kopfhörer, integriert und für eine kleine Sprachnotiz oder den kurzen Plausch zwischendurch auch völlig ausreichend, wer jedoch öfter mithilfe eines Mikrofons kommuniziert oder in der Videokonferenz einfach nur besser verstanden werden will, der sollte zu einer externen Lösung greifen. Den Aufpreis ist der damit verbundene Qualitätssprung allemal wert.

Die von uns getesteten Mikrofone waren alle sogenannte Kondensatormikrofone Deren Stärke liegt vor allem in der Aufnahme von Stimmen. Weil sie recht empfindlich sind, ist ihr Aufnahmequalität, verglichen mit jener von dynamischen Mikrofonen, meist höher. Letztere kommen hingegen zum Einsatz, wenn es auch mal ein bisschen ruppiger zugeht, beispielsweise auf Live-Konzerten.

Die hohe Empfindlichkeit von Kondensatormikrofonen sorgt ferner dafür, dass man selbst bei einem Abstand zum Mikrofon von etwa 20 Zentimetern noch gut Aufnahmeergebnisse bekommt. Für ein optimales Ergebnis sollte man mit dem Mikrofon ein wenig experimentieren, eine pauschale Aussage über den idealen Abstand fällt hier schwer.

Was die technischen Werte angeht, so scheiden sich bei USB-Mikrofonen die Geister. Die Marketingabteilung der Hersteller verspricht freilich hohe Abtastraten des Audiosignals und ebenso eine hohe Bittiefe, der Wert selbst sagt jedoch noch nichts darüber aus, wie gut die Aufnahme später tatsächlich klingt. Die Meisten werden kaum den Unterschied zwischen 192 kHz/24 bit und 44,1 kHz/16 bit hören, zudem ist es auch einfach oft Geschmackssache, was besser klingt.

Einsatzzweck und Richtcharakteristik

Die Richtcharakteristik ist etwas, das allen Mikrofonen gemein ist. Manche sind sogar in der Lage, dass man zwischen verschiedenen Richtcharakteristiken wählen kann. Gemeint ist damit das »Hineinhören« eines Mikrofons in den Raum und von welchen Richtungen aus der Ton schließlich aufgenommen wird. Die Namen der jeweiligen Richtcharakteristik orientieren sich an den Winkel, von denen aus der Schall absorbiert wird (von oben aus betrachtet).

Die »Niere« ist dabei eine der bekanntesten Charakteristiken und heißt so, da sie von oben aus betrachtet eben diese Form aufweist. Ausgelegt sind Mikrofone mit Nierencharakteristik (cardioid/unidirektional) für Aufnahmen, die von einer einzigen Schallrichtung ausgehen. Ein klassischer Anwendungsfall wäre beispielsweise das Home Office oder die Aufnahme eines Podcasts. Grund hierfür ist der relativ enge Schallwinkel, den beide Szenarien dem Mikrofon und damit der Charakteristik abverlangen.

Nach vorne hin noch enger wird der Winkel bei sogenannten Supernieren (supercardioid/unidirektional), Nebeneffekt dieser Charakterisitik ist, dass Nebengeräusche, welche sich hinter dem entsprechenden Mikrofon befinden, schnell als störend auf der Aufnahme wahrgenommen werden können.

USB-Mikrofon Test: Blue Yeti Nano

Eine weitere Form der Richtcharakteristik ist die Kugelcharakteristik, die im Gegensatz zur unidirektionalen Nierencharakteristik omnidirektional ist. Das heißt, dass der Ton von allen Richtungen aus (auch von oben) gleichermaßen gut vom Mikrofon aufgezeichnet wird. Weil man damit die Soundkulisse eines ganzen Raumes abdecken kann,  sin Konferenzräume und Gruppen-Podcasts das natürliche Habitat eines Mikrofons mit Kugelcharakteristik.

Ferner gibt es noch eine Charakteristik namens Acht, welche sich dadurch auszeichnet, dass Geräusche von hinten und vorne, jedoch nicht links und rechts aufgezeichnet werden. Damit ist die Acht ideal das Aufnehmen von Dialogen geeignet, sofern sich die beiden Personen gegenübersitzen.

Die Stereocharakteristik ist, wenn man so will, das Gegenstück zur Acht, denn hier werden die seitlichen Geräusche aufgezeichnet. Für Chöre oder das stimmungsvolle Einfangen von Geräuschkulissen ist diese Charakteristik sehr interessant.

Echtzeit-Monitoring

Kondensator-Mikrofone haben in der Regel eine hohe Hörreichweite. Wird nun der Ton direkt über einen Lautsprecher ausgegeben, kann das dazu führen, dass sich unerwünschte Nebengeräusche oder gar ein Echo auf die Aufnahme schleichen. Abhilfe schaffen hier Kopfhörer, wobei je nach Kopfhörer-Modell die Gefahr besteht, seine eigene Stimme lediglich noch gedämpft wahrzunehmen. Qualitativ hochwertige Mikrofone lösen dieses Problem mithilfe von Live- oder Echtzeit-Monitoring. Damit ist es möglich, einen Kopfhörer am entsprechenden Ausgang des Mikrofons anzuschließen und so ohne Verzögerung, also latenzfrei, das Signal vom Mikrofon am Kopfhörer zu empfangen kann.

Auch Tonsignale des Computers lassen sich hier »zwischenschalten«, weshalb manche Mikrofone zudem mit einen Mix-Regler ausgestattet sind, um das Lautstärkeverhältnis der beiden Audioquellen (Computer und Mikrofon) regulieren zu können. Zwar braucht es für Monitoring nicht zwangsläufig einen entsprechenden Ausgang am Mikrofon, der ansonsten nötige Umweg über den Computer kann jedoch zu minimalen Verzögerungen führen. Die Folge ist, dass man ständig sein eigenes Echo im Ohr hat.

Positionierung des Mikrofons

Mikrofone, die über eine Nierencharakteristik verfügen, sollten so positioniert werden, dass in Richtung des Aufnahmegeräts gesprochen wird. Das sorgt für eine ideale Aufnahmequalität. Für die perfekte Position am Schreibtisch sollte das Mikrofon deshalb am besten zwischen Tastatur und Monitor positioniert werden, beziehungsweise vor der Tastatur. Weil das Mikrofon dabei schon auch mal die Sicht auf den Bildschirm versperren kann, tendieren manche auch dazu, das Mikrofon etwas seitlich zu positionieren. Der Aufnahmequalität ist das jedoch nicht zuträglich.

Um Tastaturgeräusche zu minimieren empfiehlt sich zudem die Anschaffung einer Mikrofonspinne. Ein »Popschutz« sorgt ferner dafür, dass hart ausgesprochene Plosive wie »P«, sowie Zischlaute (»S«), abgeschwächt werden.

So haben wir getestet

Die Mikrofone wurden von uns ohne die jeweilige Zusatzsoftware des Herstellers und unter exakt gleichen Bedingungen getestet. Ferner wurden alle Mikrofone an ein und denselben Laptop angeschlossen, der mit dem »High Definition Audio«-Codec von Realtek arbeitete.

USB-Mikrofon Test: Usb Mikrofone Gruppenbild November 2020
Die erste Testrunde vom November 2020 mit insgesamt 17 verschiedenen Mikrofonen.

Aufgebaut wurden die Mikrofone zwischen Monitor und Tastatur, »gefüttert« wurden sie mit unterschiedlichen Texten, die aus verschiedenen Positionen eingesprochen wurden. Nahaufnahmen wurden ebenso durchgeführt wie ein praxisnaher Test mit Tastaturgeräuschen und Hintergrundgesprächen. Als Audio-Software kam das kostenlose Programm Audacity zum Einsatz.

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