Digital kreativ Test: Wacom Intuos Pro M

Grafiktabletts im Test : Digital kreativ

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Veröffentlicht 16.03.2020

Mit Grafiktabletts eröffnen sich für Kreative völlig neue Möglichkeiten. Als Arbeitsgerät dient hier statt Pinsel oder Stift der sogenannte Stylus, der das Gemalte digital auf den PC überträgt. Wir haben 12 Grafiktabletts getestet. Darunter sind Geräte mit und ohne Display.

Sven Kloevekorn
Sven Kloevekorn
ist Technik-Journalist und Fotograf. Er schreibt unter anderem für Giga, AndroidNext und Notebookcheck. Er testet regelmäßig Drucker, Scanner, Speichergeräte und mehr.

Schon seit Jahrtausenden nutzt der Mensch Schreib-, Zeichen- und Maltechniken, um Gedankengut festzuhalten, Botschaften zu überbringen oder der Kreativität freien Lauf zu lassen. Lange Zeit kamen dafür Meißel, Pinsel, Leinwand, Stifte und Papier zum Einsatz.

Mit der digitalen Variante werden die gewohnten Bewegungen zwar übernommen – man hat einen Stift in der Hand – allerdings überträgt sich das Analoge hier ins Digitale. Der Stylus wird wie ein herkömmlicher Kuli benutzt – mit der Maus oder einem Joystick gelingen präzise Arbeiten nämlich eher schlecht als recht. Eine große Eingewöhnungsphase fällt bei Grafiktabletts also schon einmal aus.

Die Eingabegeräte sind schon seit einigen Jahren auf dem Markt, daher gibt es auch schon günstige Auslaufmodelle. Grafiktabletts mit Display hingegen sind noch nicht ganz so lange verfügbar und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und kosten dementsprechend mehr. Wir haben 12 Grafiktabletts aus verschiedenen Preisklassen getestet und verraten Ihnen, welche wir empfehlen.

Reibungslos: Wacom Intuos Pro M

Das qualitativ hochwertige Intuos Pro M eignet sich bereits für fortgeschrittene Anwender. Besonders der leistungsstarke Treiber ist hier ein dicker Pluspunkt. Auch der Stylus überzeugte am meisten unter den Testkandidaten – Gleich neun Tasten und ein nützliches Stellrädchen unterstreichen den großen Funktionsumfang des Grafiktabletts.

Es bietet eine große Fläche zum Zeichnen und die Verarbeitung befindet sich auf einem hohen Niveau. Per USB-C oder Bluetooth kann es sich mit dem PC verbinden. Ganze 8.192 verschiedene Druckstufen kann der Stylus erkennen und ermöglicht so eine höchst filigrane Arbeitsweise.

Das Grafiktablett ist nur acht Millimeter dünn, erhält aber durch seinen Aluminiumrücken genügend Robustheit. Dafür gehört es aber mit etwa 700 Gramm zu den schwereren Geräten. 332 Quadratzentimeter Fläche hat man hier zur Verfügung, um seine Kunstwerke zu zeichnen – das ganze im Seitenverhältnis von 3:2.

Die tatsächliche Zeichenfläche wird mit hellen Eckpunkten markiert, was nicht bei allen Grafiktabletts im Test der Fall ist. Die Oberfläche des Wacom Intuos Pro M kann man austauschen. Geliefert wird es mit einer glatten Standard-Fläche, es gibt aber auch noch Smooth- und Rough-Oberflächen, die optional erhältlich sind.

Der Stylus Wacom Pro Pen 2 ist relativ dick. Es gibt aber auch andere Stifte von Wacom, die man zusätzlich kaufen kann. Der Griff hat eine angenehme Haptik – nichts rutscht oder wackelt. Falls man mehrere Stifte mit unterschiedlichen Einstellungen nutzt, kann man verschiedenfarbige Metallringe aufsetzen, um sie voneinander zu unterscheiden. Sogar einen »Radiergummi« gibt es hier am Ende des Stifts, man kann die Stelle aber auch mit anderen Funktionen belegen.

Die Aufbewahrung wurde mit einem schlichten runden Ständer gelöst, in den man den Stylus – ähnlich wie bei edlen Kulis – einfach hineinstellt. Darin werden zusätzlich die verschiedenen Stiftspitzen (sechs normale und vier mit Filz) und das Werkzeug dazu gelagert.

Die zwei Tasten am Stylus stießen weniger auf Begeisterung: Sie haben leider keinen schönen Druckpunkt, aber das ist schon Meckern auf höchstem Niveau. Wichtiger ist die tolle Dosierbarkeit des Aufdrückens – hier hat der Stylus von Wacom im Vergleich besonders viel Spielraum, da man sehr fest zudrücken muss, bis die höchste Stufe erreicht ist. Die kann man aber auch mit dem Treiber manuell einstellen.

Eine weitere Besonderheit des Wacom Intuos Pro M ist die präzise Neigungserkennung in 60 Stufen. Man kann dabei die Empfindlichkeit manuell justieren, um so Schraffierungen oder Schatten realistisch zu gestalten.

Mit dem Wacom Desktop Center kann man am PC viele Einstellungen, wie die Tastenbelegung, vornehmen. Auch der Ladestand des Tabletts wird angezeigt, was leider keine Selbstverständlichkeit ist. Programme, die mit dem Tablett kompatibel sind, werden in der Regel automatisch erkannt und in die Anwendungsliste eingetragen.

Man kann das Grafiktablett von Wacom ebenfalls wie ein normales Touchpad mit den Fingern bedienen. Im Treiber gibt es hier die Möglichkeit, bestimmte Gesten zu speichern. Die Touch-Funktion kann man ein- und ausschalten.

Ein Nachteil des Wacom Intuos Pro M: Die Standard-Stiftspitzen des Stylus nutzen sich leider sehr schnell ab und Ersatzspitzen kosten gerne mal um die zwei Euro. Insgesamt ist das Grafiktablett aber ein super Gerät, das in der Handhabung und Funktionalität überzeugt und im Gegensatz zu anderen Modellen komplett reibungslos funktioniert.

Schnäppchen: XP-Pen Deco 3

Das XP-Pen Deco 3 hat dafür, was es bietet, einen fairen Preis. Das Gerät funktioniert auch kabellos und sechs frei belegbare Tasten, stehen zur Verfügung. Ein Einstellrädchen rundet die angenehme Handhabung ab. Der Stylus des Deco 3 bietet einen großen Druck-Spielraum und wird auch hier einfach in einem  Stifthalter verstaut.

Schnäppchen

XP-Pen Deco 3

Das Deco 3 ist leicht und nur acht Millimeter dick. Die Verarbeitung stimmt – nur die Ein- und Austaste wirkt nicht ganz robust. Die Oberfläche des Tabletts fühlt sich sehr angenehm an und ist erfreulicherweise nicht empfindlich für Fingerabdrücke.

Die Zeichenfläche hat ein Seitenverhältnis von 16:9 – genauso wie die meisten Monitore, was das Arbeiten am PC erleichtert. Falls der eigene Monitor andere Maße hat, kann man die Fläche mit dem Treiber anpassen.

Auch beim Deco 3 ist der Stylus relativ dick und mit zwei Tasten ausgestattet, die bessere Druckpunkte haben könnten. 8.192 Druckstufen ermöglichen präzises Arbeiten mit dem Stift.

Der Treiber ist leider schlecht übersetzt, bietet ansonsten aber alle wichtigen Funktionen. Man kann u.a. die Tasten frei belegen und die Druckempfindlichkeit des Stylus anpassen.

Das Einstellrädchen ist sowohl für Links- als auch für Rechtshänder gut erreichbar. Es rastet gut ein und eignet sich somit super zum Einstellen der Stiftspitzen oder der Zeichenfläche. Auch Zoomen funktioniert damit optimal. Insgesamt ist das Deco 3 ein gutes Grafiktablett zu einem fairen Preis, das sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene interessant ist.

Für Anfänger: Huion Inspiroy H640P

Das Huion Inspiroy H640P ist gut verarbeitet und nicht teuer. Für den günstigen Preis hat es dennoch einiges zu bieten: sechs frei belegbare Tasten, eine glatte Oberfläche und einen Ständer für den Stylus bringt das Gerät mit. Auch der Treiber hat alle benötigten Funktionen. Das Huion hat im Bereich der günstigen Grafiktabletts immer noch eine große Zeichenfläche.

Für Anfänger

Huion Inspiroy H640P

Die glatte Oberfläche gibt wenig Feedback und die Eckmarkierungen, die den Arbeitsbereich angeben, liegen nicht ganz korrekt. Auch Fingerabdrücke sind deutlich zu sehen. Das sind aber alles verschmerzbare Punkte, die durch den guten Preis wieder wettgemacht werden.

Die Tasten am Huion Inspiroy H640P haben einen guten Druckpunkt, sie sind allerdings ein bisschen wacklig. Der leichte Ständer des Stylus ist nicht rutschfest, man kann aber alle Ersatzspitzen und das Werkzeug dafür in ihm lagern. Wirklich aufrecht und stabil steht der Stift darin leider nicht.

Der Stylus selbst ist dafür gummiert, hat ein mittleres Gewicht und ist robust gebaut. Er hat zwei belegbare Tasten mit einem schönen Druckpunkt.

Die Spitze des Stylus bietet nicht ganz so viel Druck-Spielraum wie andere Geräte. Das merkt man daran, dass der Höchstdruck schon zu früh erreicht ist. Auch eine entsprechende Einstellung im Treiber hilft nur wenig.

Insgesamt ist das Huion H640P dennoch ein gutes Grafiktablett, das für seinen Preis viel zu bieten hat. Es ist gerade für Anfänger zu empfehlen, die noch nicht so viel Wert auf besonders empfindliche Tablett-Stifte legen.

Freie Sicht: Wacom Cintiq Pro 16

Das Wacom Cintiq Pro 16 mit Display ist ganze 15,6 Zoll groß und hat einen 4K-Bildschirm. Da man das Bild hier genau vor sich hat, wird direkt darauf gezeichnet und gemalt. Man muss sich also nicht erst an das blinde Zeichnen gewöhnen, wie es mit dem Großteil der anderen Grafiktabletts der Fall ist.

Das Grafiktablett von Wacom bietet viel Zubehör, ist aber auch ganz schön teuer. Leider gibt es bei diesem Gerät dennoch leichte Eingabeverzögerungen. Man kann das Tablett mit zwei kleinen Ständern auf der Rückseite um 20 Grad anwinkeln. Ein Lüfter ist ebenfalls verbaut, der keine störend lauten Geräusche von sich gibt. Vier Tasten mit den Funktionen Tablet-Modus, Desktop Center, Tastatur und Touch gehören zur Ausstattung. Wie viele andere hochwertige Modelle kann man auch das Cintiq Pro 16 als Touchpad verwenden.

Die matte Oberfläche des Wacom Cintiq Pro 16 lässt sich sehr leicht reinigen, ein Mikrofasertuch genügt. Die Farben wirken aber nicht so brillant wie auf einem PC-Monitor. Auch wirkt das Bild generell etwas dunkel. Man kann, wenn das Pen-Display angeschlossen ist, den Hauptbildschirm duplizieren oder den Desktop sogar auf das Gerät erweitern. Der Stylus ist auch hier der Pro Pen 2, der ein sehr hochwertiger und funktionaler Tablett-Stift ist.

Drei USB-C-Anschlüsse sind für Bildübertragung und Stromversorgung verfügbar. Einen Akku bringt das Wacom nicht mit, es muss immer mit einer Stromquelle verbunden sein. Im Lieferumfang sind zusätzliche Kabel und Adapter enthalten, die auch HDMI- oder Mini-DisplayPort-Ausgänge bedienen.

Wie schon erwähnt, leiden Grafiktabletts mit Display gern an einer Eingabeverzögerung. Im Test klappte die Anwendung des Geräts auf MacOS noch gut, während die Benutzung unter Windows 10 untragbar war. PC-Nutzern raten wir also von dem Gerät ab, während Mac-Nutzer ruhig einen Blick darauf werfen können.

Insgesamt ist das Wacom Cintiq Pro 16 ein sehr wertiges Grafiktablett mit Display, das zwar einen stattlichen Preis hat, aber für Apple-User eine Überlegung Wert sein kann.

Was gibt es sonst noch?

Wer eine besonders große Zeichenfläche haben möchte, sollte zum Gaomon M10K2018 greifen. Es bietet viele Tasten und ein Touch-Multifunktionsrad. Leider ist die höchste Druckstufe des Stylus hier schon sehr früh erreicht.

Das Gaomon S620 ist günstig – das merkt man ihm allerdings auch in Sachen Verarbeitung an. Der Stylus ist ergonomisch, aber auch hier wünschen wir uns mehr Druckspielraum.

Das große Huion HS610 ist dünn und hat ein geringes Gewicht. Die raue Oberfläche gibt gutes Feedback, produziert aber Geräusche beim Zeichnen. Allerdings hat man hier ganze 13 frei belegbare Tasten und ein Touch-Rad, was eine tolle Handhabung ermöglicht. Der Ständer des Stylus gefällt uns leider weniger gut.

Was Sie über Grafiktabletts wissen sollten

Mit Grafiktabletts kann man am PC zeichnen, malen und Grafiken erstellen. Man malt dabei mit einem Eingabestift, auch Stylus oder Digitizer genannt, auf das Display – die Bewegungen werden parallel mit elektrischen oder magnetischen Impulsen auf den PC übertragen. Es gibt Grafiktabletts mit und ohne Display. Erstere werden auch Pen-Displays genannt und bilden eigentlich nochmal eine Extra-Klasse. Hier malt man direkt auf das Bild, während man beim klassischen Grafiktablett auf eine schwarze Fläche malt und den Blick auf den PC-Monitor gerichtet hat.

Die meisten Grafiktabletts arbeiten mit Grafik-, Zeichen- und Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, Illustrator oder Corel Draw zusammen. Oft verfügen sie über Bluetooth, sodass man auch bequem auf dem Schoß arbeiten kann. Über einen USB-Anschluss verfügen die Geräte immer. Manche haben einen Akku, andere müssen ständig an der Stromversorgung hängen. In letzterem Fall gibt es natürlich mehrere Ausgänge.

Wer mit Bluetooth arbeiten will, sollte sich vergewissern, dass der eigene PC über ein zugehöriges Modul verfügt – Laptops sind in der Regel immer damit ausgestattet.

Der jeweilige Eingabestift hat eine Spitze, die druckempfindlich ist. Per Induktion wird er über die Berührung mit dem Tablett geladen und oft verfügen sie über zusätzliche Tasten oder etwa eine Radiergummi-Funktion.

Manche Stifte sind dicker, manche dünner. Man kann die Spitzen austauschen, da sie sich abnutzen. Es gibt Digitizer mit einem hohen Druck-Spielraum, andere erreichen schon sehr früh die höchste Stufe. Manche Stifte haben auch eine Neigungsfunktion, die aber eher für Profis relevant ist. Sie ist vor allem bei Schraffierungen nützlich.

Grafiktabletts haben verschiedene Oberflächen: eine glatte oder eine raue Struktur. Im Bestfall kann man die Oberflächen austauschen und je nach Bedarf wechseln. Raue Flächen geben mehr Feedback, haben aber einen erhöhten Widerstand. Die meisten Tabletts sind mit Tasten versehen, die man frei mit Funktionen belegen kann.

Es gibt ebenfalls Grafiktabletts mit Einstellrädchen und -tasten, die besonders praktisch zum Zoomen, Einstellen der Pinselgröße oder der Zeichenfläche sind. Die jeweiligen Treiber ermöglichen zusätzlich noch eine Fülle von Einstellungsmöglichkeiten.

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