Navigationsgeräte im Test : Sicher ans Ziel

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Veröffentlicht 16.03.2020

Sind Navis noch zeitgemäß oder reicht das Smartphone? Viele Hersteller verschwinden vom Markt, aber TomTom und Garmin können weiterhin mit leistungsfähigen Geräten überzeugen. Wir haben 16 Navigationsgeräte getestet.

Jochen Wieloch
Jochen Wieloch
schreibt unter anderem für Audiovision und i-fidelity und testet überwiegend Unterhaltungselektronik, Sport- und Fitnessgeräte sowie Video-Drohnen.

Der Absatz von Navigationsgeräten ging 2018 um ganze 21,6 Prozent zurück – das Zeitalter der Smartphones ist schuld. Für ein Navigationsgerät muss man nochmal extra ein Sümmchen auf die Ladentheke legen – das Smartphone ist in den meisten Fällen schon vorhanden und die App oft kostenfrei. Allerdings verbraucht die Nutzung einer App Daten und der Bildschirm ist bei Navis meist größer – es kommt also darauf an.

Tolle Bedienbarkeit: Garmin Drivesmart 65

Das knackscharfe Display des Garmin Drivesmart 65 ist 6,95 Zoll groß – damit gehört es zu den größeren Navis. Jedes Detail ist hier gut erkennbar. Dadurch geht auch die Handhabung leicht von der Hand, es wird einem außerdem viel Ausstattung geboten. Die Routenführung funktioniert zuverlässig – mit dem Garmin bekommt man also das perfekte Gesamtpaket.

Das Garmin kann man sehr hell einstellen, sodass es auch bei starker Sonne noch gut lesbar bleibt. Das Design ist mit einem dünnen Rand und dem flachen Gehäuse modern gehalten. Mit einem Saugnapf wird das Gerät an der Windschutzscheibe befestigt. Dabei kommt ein Kugelgelenk zum Einsatz, das schön fest sitzt und variabel einstellbar ist.

Für 46 Länder aus Europa sind bereits Karten vorinstalliert, die per WLAN aktualisiert werden können. Gleiches gilt für die Software des Navis. Das Drivesmart 65 läuft mit einem Dual-Core-Prozessor, die Leistung dahinter macht das Gerät spürbar schnell – nach wenigen Sekunden ist es einsatzbereit. Gleiches gilt für die Berechnung der Routen – auch mit Zwischenstopps gelingt das schnell.

Das Menü ist einfach gestaltet und da das Display schön groß ist passieren auch keine Vertipper. Das Hauptmenü ist klar strukturiert in: Ziel, Karte, Stopp, Apps, Lautstärke und Einstellungen. Damit kommen auch Leute zurecht, die mit den gängigen Apps nicht gut vertraut sind.

Auch die Sprachsteuerung ist praktikabel: Selbst bei geöffnetem Fenster werden die Befehle gut erkannt und ausgeführt. Mit der vorangestellten Wortgruppe »Ok Garmin« werden die Sprachbefehle erteilt. Vor allem bei kurzfristigen Zieländerungen während der Fahrt ist die Spracheingabe viel sicherer, als mit der Hand am Gerät herumfummeln zu müssen.

Mittlerweile hat auch Alexa Einzug in das Garmin-Ökosystem gefunden – wenn das Gerät mit der Garmin-Drive-App gekoppelt ist, kann man Infos zur Route oder zum Wetter einholen sowie Nachrichten und den Kalender checken.

Seinen Strom bekommt das Garmin über den Zigarettenanzünder, allerdings ist auch ein zusätzlicher Akku verbaut, der etwa eine Stunde durchhält. Das gilt allerdings nicht für den Einsatz mit einer hohen Helligkeitsstufe. Bei 70 Prozent ist schon nach etwa 30 Minuten Schluss.

Wenn das Navi per Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt ist, kann man es auch als Freisprecheinrichtung nutzen. Eine Blitzerwarnung ist ebenfalls an Bord. Die Nutzung geht aufs eigene Risiko, da das Gerät auch beschlagnahmt werden kann, falls die Funktion während der Fahrt genutzt wird.

Das Garmin warnt aber zudem bei Tempolimitwechsel, scharfen Kurven, Schulzonen, Wildwechseln und Bahnübergängen. Auch auf Pausen weist das Navi bei langen Fahrten hin. Wahlweise kann man sich die Smartphone-Benachrichtigungen auf dem Display anzeigen oder auch vorlesen lassen. Sofern eine Rückfahrkamera vorhanden ist, kann das Drivesmart 65 auch damit zusätzlich arbeiten.

Im Ladekabel verbirgt sich eine Antenne, mit der das Garmin Verkehrsmeldungen über DAB+ abrufen kann. Wenn man das Gerät mit der Garmin-App koppelt, können ebenso Live-Infos zu Verkehr, Parkplätzen, Wetter und Blitzern abgerufen werden.

Die Zielführung ist, wie gewohnt, einerseits optisch mit Spuranzeige und andererseits akustisch mit einer Frauenstimme gelöst. In der Kartenansicht werden große Gebäude sogar als 3D-Objekte angezeigt. Geschwindigkeit, Restkilometer und Ankunftszeitpunkt sind natürlich auch immer im Blick.

Falls man mal falsch abbiegt, wird schnell eine Ersatzroute gefunden – in unserem Test wurde stets die schnellste Route ausgewählt. Das Drivesmart 65 überzeugt mit seinem großen Display und der einfachen Bedienung. Wir haben nichts zu bemängeln.

Zuverlässige Verkehrsmeldungen: TomTom Go Premium

Mit dem TomTom Go Premium erhält man ein Navigationsgerät, das mit einer tollen Routenführung, super GPS-Empfang und gratis Karten-Updates punkten kann. Vor allem die Verkehrsmeldungen sind hier besonders hervorzuheben, die im Vergleich zu anderen Modellen durch Live-Traffic immer höchst aktuell und zuverlässig sind.

Die Routenauswahl erfolgt zügig und auch die Zielführung funktioniert angenehm und stressfrei. Größere Gebäude werden als 3D-Objekte dargestellt und auch zusätzliche Infos, wie Restkilometer und Ankunftszeitpunkt wurden gut in der Ansicht positioniert. Durch die verbaute SIM-Karte können Live-Verkehrsdaten kostenfrei empfangen werden. Das Gerät lässt sich alternativ auch mit der TomTom-App koppeln – so kann man ebenfalls Infos zum Verkehr und Radarkontrollen erhalten.

Mit einem fünf Zoll großen Display ist das TomTom GoPremium nicht besonders groß, aber auch nicht besonders klein. Allerdings finden wir die Auflösung von nur 480 x 272 Pixeln zu gering.

 Navigationsgerät Test: 20190801
Beim Go Premium merkt man sofort, dass es sich um ein TomTom-Gerät handelt.

Wenn man das Ziel eingibt, macht man das ähnlich wie in Google Maps: Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort werden einfach in eine Zeile eingetippt. Das funktioniert auch mit allgemeinen Begriffen wie »Restaurant« oder »Tankstelle«. In dem Fall werden einem dann verschiedene Adressen vorgeschlagen, aus denen man auswählen kann. Diese POIs (Points of Interest) kann man auch auf einer ganzen ausgewählten Route suchen, was sehr praktisch ist, um etwa Pausen einzuplanen. Auch die Suche per Sprachbefehl ist hier an Bord.

Auch mit Siri und Google Now ist das Go Premium kompatibel. Eine Freisprechfunktion und laufende Kartenupdates sind weitere Ausstattungsmerkmale des TomTom. Wie die meisten Navis wird auch das Go Premium von einem Saugnapf an der Frontscheibe gehalten. Mit dem integrierten Akku kommt man etwa eine Stunde hin, allerdings gilt das nicht bei einer höher eingestellten Helligkeit – im Test war es schon viel früher leer.

Das TomTom kann man auch dank IFTTT (If This Than That) mit dem Smart Home kombinieren. Zum Beispiel lassen sich so von unterwegs Thermostate steuern oder man kann das Garagentor vom Auto aus öffnen. Insgesamt handelt es sich hier um ein tolles Gerät mit komplexer Ausstattung und sehr zuverlässigen Verkehrsinformationen.

Guter Preis: TomTom Go Essential

Mit dem TomTom Go Essential erhält man ein preisgünstiges Navi, das zuverlässige Infos liefert und einfach zu bedienen ist. Trotz des geringen Preises wird einem eine gute Ausstattung geboten, die unter anderem die Nutzung von Siri und Google Assistant ermöglicht.

Das TomTom Go Essential liefert regelmäßige kostenfreie Karten-Updates für ganz Europa. Den Radarkameradienst kann man ein halbes Jahr kostenlos nutzen. Wie fast alle Navigationsgeräte wird das TomTom per Saugnapf und Magnetismus an der Frontscheibe befestigt. Dabei kann man es durch den Drehmechanismus in die gewünschte Position bringen. Es ist sowohl in der Größe 5 Zoll als auch 6 Zoll erhältlich.

Die Menüs sind einfach gestaltet und auch die Routenberechnung gelingt schnell und ohne Probleme. Auch während der Fahrt werden alle Infos rechtzeitig preisgegeben, sodass man stressfrei von A nach B kommt. Den Strom bezieht es vom Zigarettenanzünder – der eingebaute Akku hält aber im Notfall auch mal ein Stündchen durch.

Über WLAN kann man Karten und Updates laden, auch eine Freisprechfunktion ist an Bord – die Tonqualität könnte hier aber besser sein. Um Infos zur aktuellen Verkehrslage zu erhalten, muss man das Gerät mit dem Smartphone koppeln. Hier muss man bedenken, dass das auch Datenvolumen und Akku vom Handy zieht.

Für den unschlagbaren Preis bekommt man mit dem TomTom Go Essential dennoch ein tolles Navi, das schnell und zuverlässig arbeitet.

Hilfreiche Darstellung: Garmin DriveSmart 61

Das Garmin DriveSmart 61 empfängt Staumeldungen kostenfrei über DAB+. Somit benötigt man hier keinen Mobilfunk und auch kostenlose Karten-Updates sind Teil der Ausstattung. Auch der Fahrspurassistent konnte uns optisch sehr überzeugen.

Auch das Garmin DriveSmart 61 bietet kostenfreie Karten-Updates per WLAN für ganz Europa. Die Infos zum Verkehr bekommt Garmin von der Firma »Here« – sie sind allerdings nicht ganz so zuverlässig wie bei TomTom. Dafür werden Staumeldungen über DAB+ empfangen, was kein Mobilfunknetz voraussetzt. Alternativ kann man den Garmin auch mit dem Smartphone verknüpfen, um aktuelle Verkehrsinfos zu erhalten – dann natürlich wieder auf Kosten von Handy-Akku und Datenvolumen.

Die schöne Darstellung der Routen und Anweisungen gefällt uns hier ganz besonders. Abfahrten werden fast schon realistisch angezeigt und der Fahrspurassistent unterstreicht die tolle Wegführung. Auch die vereinfachten Kommandos sind alltagstauglich – zum Beispiel sagt das Navi nicht, dass man in Straße XY links einbiegen soll, sondern dass man nach der Tankstelle links abbiegt.

Auch das DriveSmart 61 hat eine Freisprechfunktion an Bord. Das Gerät kann mit dem Handy gekoppelt werden und Nachrichten werden dann auf dem Navi angezeigt. Auf Siri und Google Now muss man hier aber verzichten.

Alles in allem ist das DriveSmart 61 ein solides Navigationsgerät, das besonders durch seine schöne Darstellungsweise hervorsticht.

Mit Dashcam-Funktion: Garmin DriveAssist 51

Das DriveAssist 51 von Garmin sticht vor allem durch seine rückseitige Kamera hervor. Damit ist es auch als Dashcam nutzbar. Es ist 5 Zoll groß und ansonsten ähnlich wie die DriveSmart-Modelle ausgestattet.

Der Fahrspurassistent des Garmin arbeitet sehr zuverlässig: Durch die Kamera werden Fahrbahnmarkierungen im Auge behalten und der Fahrer wird gewarnt, falls sie mal überschritten oder berührt werden. Leider ist diese Funktion aus anfällig für Fehlwarnungen, was nerven kann. Abhilfe schafft eine korrekte Ausrichtung der Kamera. Die Funktion ist nicht voreingestellt, man kann sie also auf Wunsch aktivieren oder abgeschaltet lassen. Auch bei einem zu dichten Auffahren warnt die Kamera den Fahrer.

 

Nicht nur ein Navigationsgerät: Eine Dashcam-Funktion ist ebenfalls integriert.

Wenn man das Navi auch als Dashcam benutzt, genießt man alle gewohnten Funktionen: Es wird fortlaufend gefilmt und die Aufnahmen werden als 60-Sekunden-Videos gespeichert. Sobald die Speicherkarte voll ist, werden ältere Aufnahmen überspielt. Wenn mal starkes Bremsen oder eine Kollision vorfällt, wird das Video sogar automatisch dauerhaft gesichert.

Was gibt es sonst noch?

Wem das Garmin DriveSmart 65 gefällt, man aber Geld sparen möchte oder einfach mit einem kleineren Display zufrieden ist, der sollte sich das Garmin Drivesmart 55 anschaffen. Es ist das gleiche Modell, nur mit einer anderen Größe.

Das Garmin Drive 52 ist besonders für Einsteiger geeignet. Es setzt zügig Befehle um und Anweisungen kommen rechtzeitig und stressfrei. Auch hier genießt man die Garmin-typische schöne Darstellung und Zielführung.

Das TomTom Go 5200 ist ein Klassiker, mit dem man nichts verkehrt macht. Karten sind europaweit verfügbar, die eingebaute SIM ermöglicht den Empfang exakter Verkehrsdaten und auch mit dem Smartphone lässt es sich problemlos koppeln. Auch Siri und Google Now sind hier kompatibel.

Was Sie über Navigationsgeräte wissen sollten

Ein klassisches Navigationsgerät wird per Zigarettenanzünder mit Strom versorgt. Man bringt es mit einer Saugnapfhalterung an der Windschutzscheibe an – meist sehen sie aus wie ein üppiges Smartphone oder ein kleines Tablet.

Für welchen Hersteller man sich am Ende entscheidet, ist Geschmackssache. Die Unterschiede der Routenführung sind gerade bei Platzhirschen wie TomTom oder Garmin sehr gering. Wenn man allerdings den Bedienkomfort anschaut, gibt es Unterschiede. Die Routenansagen und das Kartenmaterial fallen mal qualitativer aus und mal weniger.

Der Vorteil gegenüber des Smartphones ist, dass die Karten lokal im Gerät gespeichert sind. Man benötigt also keine Internetverbindung während der Fahrt. Straßenkarten von ganz Europa sind bei guten Geräten oft vorinstalliert – nur um sie zu aktualisieren muss das Navi mal ans WLAN.

Auch die Bedienung gelingt mit einem Navi oft angenehmer als auf dem Smartphone. Da das Gerät nur für diesen Zweck ausgelegt ist, sind die Menüs klar strukturiert und einfach zu handhaben – zumal hat man bei Navis häufig ein größeres Display zur Verfügung, was die händische Nutzung erleichtert. Darüber hinaus wurden die Funktionen der Geräte in den letzten Jahren zurückgeschraubt, um die Fahrer nicht zu überfordern.

Ein weiterer Vorteil gegenüber des Handys ist, dass das Navi fest im Auto installiert ist. Man muss nicht erst das Smartphone platzieren und einstellen und sich außerdem nicht um den Akkustand oder das Datenvolumen sorgen.

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