Babytrage Test: Ruckeli Babytrage Organic Cotton

Babytragen im Test : Die Renaissance des Tragens

von
Veröffentlicht 28.08.2020

Auch hierzulande wird das Tragen von Kindern immer beliebter, denn Babys, die getragen werden, sind oft ruhiger und weinen weniger. Babytragen benötigen außerdem wenig Platz, sind leicht, günstig und können überall mitgenommen werden – auch auf Reisen.

Andrea Zschocher
Andrea Zschocher
schreibt als freie Journalistin und Bloggerin bevorzugt über Familie und mehr und testet Produkte für Babys und Kleinkinder.

Mit allen Babytragen aus unserem Test kann man das Kind vor dem Bauch mit dem Blick zum Elternteil tragen, in vielen auch auf dem Rücken und teilweise sogar auf der Hüfte. Manche Trage-Modelle bieten die Möglichkeit das Kind vor dem Bauch mit Blick nach vorn zu tragen – eine sehr umstrittene Trageweise.

Die 26 Test-Tragen haben wir eingehend über etliche Wochen mit einem Baby im Alter von fünf Monaten getestet. Die Tragen bis maximal 20 Kilogramm testeten wir noch zusätzlich mit einem zweieinhalb Jahre alten Kleinkind. Die preisliche Bandbreite ist dabei recht groß: von 20 bis 190 Euro ist für jeden etwas dabei.

Variabel und praktisch: Ruckeli Basic Slim

Variabel und praktisch

Ruckeli Basic Slim

Test Babytrage: Ruckeli Babytrage
Die Trage bietet vier Tragevarianten und überzeugt durch ein durchdachtes Konzept.

Die preisliche Positionierung im Mittelfeld sorgt für den ersten Pluspunkt in unserem Test. Die Ruckeli eignet sich für das Tragen von Geburt an bis circa drei Jahre. Das entspricht einem Gewicht ab 3,5 bis etwa 20 Kilogramm. Bauch-, Rücken- und Hüfttrageweise sind mit diesem Modell möglich. Das Hüfttragen empfiehlt sich dann, wenn der Rücken des Tragenden entlastet werden soll. Dazu platziert man das Kind ohne Schultergurte an der Hüfte. Die Trage wird dann einfach in einer Baumwolltasche deponiert. Erdacht zum praktischen Verstauen, bekommt die Ruckeli-Tasche auf diese Weise noch eine zusätzliche Funktion.

Babytrage Test: Ruckeli Babytrage Hüftsitz
Die Ruckeli lässt sich sehr gut als Hüft-Trage benutzen.

Die Ruckeli ist in zwei Größen verfügbar: Slim und Regular. Dabei ist nur die Länge der Gurte für die Schultern unterschiedlich. Größe Regular empfiehlt sich für Tragende mit der Kleidergröße XL, schmale Personen greifen eher zur Slim-Variante. Sollte man unsicher in Bezug auf die passende Größe sein, hilft ein kurzer Check auf der Hersteller-Website.

Passend zu den Farbwünschen der Eltern wird eine breite Palette an Modell-Farben angeboten. Selbst beim Sonnenschutz sollte farblich das passende für Sie dabei sein. Besondere Designs bekommen Sie mit einem Aufpreis, das Basismodell liegt bei etwa 140 Euro.

Der Teil am Windel-Po, der erfahrungsgemäß am schnellsten verschmutzt, kann separat gewaschen werden. Sollte Ihnen ein Windel-Malheur in der Trage passieren, werden Sie diese Funktion schätzen. Einfach bei 40 Grad in der Maschine waschen und schon steht dem nächsten Ausflug nichts mehr im Weg. Damit sich die empfohlene Anhock-Spreizhaltung auch im späteren Alter des Babys sicherstellen lässt, können Rücken-Panel und Stegbreite unkompliziert mit einigen Handgriffen individuell ans Kind angepasst werden.

Praktisch: Sollten Sie die Ruckeli nicht benötigen, lässt sie sich klein zusammenfalten. Die Trage wird einfach komfortabel in einem Beutel verstaut. Dann kann sie für Kleinkinder als Hüftsitz benutzt werden. Das Kind sollte dafür aber schon gelernt haben, sicher auf dem Arm zu sitzen. Im Test konnte man übrigens keine der anderen Tragen ohne Gurte verwenden.

Laut Hersteller stammt die Ruckeli aus fairer und nachhaltiger Produktion. Wir begrüßen das, denn gerade zahnende Babys knabbern die in Reichweite liegenden Schultergurte gern an. So besteht keine Gefahr, dass dabei Giftstoffe vom Kind aufgenommen werden. Sollte Ihnen das Design der Trage Kopfzerbrechen bereiten, es gibt separat erhältliche Gurtschoner zu kaufen.

Dass die Komfort-Trage sich hervorragend an den Körper des Kindes anpasst, finden wir sehr gut. Sie haben sogar die Möglichkeit, den Po wie bei einem Tragetuch zu beuteln. Diese Anpassungsfähigkeit bewerten wir positiv. Ein weiterer erfreulicher Punkt ist die Weichheit des Stoffes der noch neuen Trage.

Die Frage der Gewichtsverteilung ist allen Eltern wichtig: Hier punktet die Ruckeli ebenfalls. Das Gewicht liegt gleichmäßig verteilt auf beiden Hüften, dadurch werden die Schultern merklich entlastet. Das schaffen nicht alle der getesteten Tragen. Und ein weiterer Pluspunkt: Weder die Schultern noch unser Rücken waren nach dem mehrstündigen Tragetest verspannt. Die Ruckeli wird mit einer detaillierten Anleitung und Sicherheitshinweisen geliefert.

Auf der Ruckeli selbst ist eine Anleitung für die Bauchtrageweise aufgedruckt. Nach mehrmaligen Tragen haben Sie die aber verinnerlicht. Das Anlegen funktioniert sehr einfach: Die Trage wird auf die Hüfte gelegt, zugeklippt und je nach Körperumfang festgezogen. Dann wird das Baby hineingehoben und in der optimalen Anhock-Spreizhaltung gut eingebeutelt. Man kann das ruhig vor einem Spiegel üben: Man sieht sofort, wenn das Baby nicht in der Mitte sitzt.

Dann werden die Gurte über die Schultern gezogen, womit das Kind schon gehalten wird. Damit hat man freie Hände für den nächsten Schritt: Sie klippen die übrigen Gurt-Enden der Schultergurte in die jeweiligen Löcher am Rücken des Säuglings. Das Gewicht wird durch die doppelseitige Gurtführung optimal verteilt. Vom optischen Eindruck her ist die Trage toll verarbeitet. Wer keinen Gefallen an der grauen Farbe findet, wird vielleicht bei den farblich auffälligeren Sondermodellen fündig. Ein leichter Sonnenschutz, der auch als Säuglings-Kopfstütze benutzt werden kann, rundet das Bild ab.

Das Allroundtalent: Manduca XT

Das Allroundtalent

Manduca XT

Test Babytrage: Manduca XT
Eine der beliebtesten Tragen, die uns in der Neuauflage überzeugt.

Zu den bekanntesten Tragehilfen gehören die Modelle von Manduca. Die Manduca XT  ist eine Komfort-Trage mit Trägern, Hüftgurt und Schnallen. Vor allem Langlebigkeit zeichnet die Babytragen von Manduca aus. Auch ältere und schwerere Kleinkinder können mit ihnen bequem getragen werden. Das Kind kann in der XT ebenfalls vor dem Bauch, auf der Hüfte oder dem Rücken sitzen. Das Bauchtragen ist auf zwei verschiedene Arten möglich.

Manche Eltern haben Schwierigkeiten, den Brustgurt einer Trage am Rücken zu schließen. Das ist bei der Manduca XT nicht zwingend nötig, denn man kann sie sowohl in der bequemeren Kreuz- oder in der klassischen H-Form tragen. Das Anlegen geht unkompliziert und schnell. Dabei ist es fast unmöglich, etwas falsch zu machen, sollten Sie den Blick in die Anleitung scheuen.

Die recht starren Schultergurte waren von unserem Testbaby innerhalb kürzester Zeit angekaut und durchnässt. Im täglichen Gebrauch kann dann der Stoff ausbleichen oder dünner werden. Gurtschoner sorgen hier für Abhilfe.

Die Testkinder saßen bequem in der richtigen Anhock-Spreizhaltung in der Trage. Das Panel am Rücken lässt sich mit Reißverschlüssen variabel an die Größe des Kleinkindes anpassen. Die Gewichtsspanne beträgt von 3,5 bis 20 Kilogramm.

Zusätzlich gibt es einen langen Sonnenschutz, der einfach über dem Baby angeklippt wird und eine aufrollbare Kopfstütze. Das Gewebe ist im direkten Vergleich zur Ruckeli etwas fester, viele Eltern bevorzugen das aber auch. Die Manduca XT ist in der Maschine bei maximal 30 Grad waschbar.

Bekannt und langlebig: Ergobaby Omni 360

Bekannt und langlebig

Ergobaby Omni 360

Babytrage Test: Omni360 Icymint Frontdw Us
Unsere Empfehlung für alle Eltern, die ihr Baby gern mit dem Blick nach vorn tragen möchten.

Keine Preise gefunden.

Wir empfehlen die Ergobaby Omni 360, wenn Sie Ihr Kind mit Blick nach vorn transportieren möchten. Diese Trageweise wird zwar nicht empfohlen, da dadurch viele Reize ohne Filter auf das Kind einströmen und der Bezug zum Tragenden darunter leidet, aber letztlich kommt es immer aufs Kind an. Wenn Ihr Kind partout nach vorne schauen möchte, ist die Ergobaby Omni 360 für uns die beste Wahl, denn hier sitzt das Kind richtig, was bei vielen anderen Tragen bei dieser Tragerichtung nicht der Fall ist. Aber auch hier sei angemerkt: Ergobaby empfiehlt nur zehn- bis fünfzehnminütigen Tragezeiten mit nach vorn gerichteter Blickrichtung.

Bei der Ergobaby helfen Gleiter aus Stoff, dass der Po des Babys gut gestützt wird und das Kind nicht gebeutelt wie in einem Sack nach unten hängt. Zudem lässt sich die Stegbreite anpassen. Damit werden die Gelenke des Babys geschont, der Rücken orthopädisch einwandfrei gerundet  und die Hüfte ausreichend gestützt. In dieser Form war das bei keiner der anderen getesteten Tragen möglich.

Selbstverständlich kann man sein Kind ebenfalls in zu sich gerichteter Bauch-an-Bauch-Haltung tragen, huckepack in Rückentrage, wie auch bequem in Hüfttrage.

Ein Sonnenschutz und eine Kopfstütze sind bei der Ergobaby mit dabei. Sie kann bequem in der Waschmaschine bei 30 Grad gewaschen werden. Je nachdem, mit welcher Variante sich der Tragende wohler fühlt, kann die Ergobaby Omni 360 als Bauchtrage mit den Schultergurten in X-Form oder klassischer H-Form getragen werden. Die Gewichtsverteilung der Trage ist gut, sie trägt Kinder von 3,2 bis 20 Kilo.

Für Säuglinge: Marsupi

Für Säuglinge

Marsupi Babytrage

Test Tragehilfe für Babys und Kleinkinder: Marsupi Babytrage
Hält mit Klettverschlüssen und ist damit so unkompliziert anzulegen, wie keine andere Trage.

Wenn Sie eine Trage für die Anfangsmonate suchen und nicht viel dafür ausgeben möchte, ist die Marsupi die beste Wahl. Sie erhielt von der Hebammen-Zeitschrift die Note »sehr gut« und war unter unseren getesteten Tragen am leichtesten anzulegen. Sie eignet sich als Bauch- oder Hüfttrage in vorbildlicher Anhock-Spreizhaltung. Die Trage lässt sich auf Reisen gut verstauen und ist mit 400 Gramm ein Leichtgewicht.

Die Trage wird einfach mit zwei starken Bändern per Klettverschluss geschlossen. Der Vorteil daran: Wenn mehrere Personen das Baby abwechselnd tragen möchten, braucht man nichts umzustellen – sehr praktisch! Der Klettverschluss hat aber auch einen Nachteil: Die Verschlüsse machen beim Öffnen ein recht lautes Geräusch, schlafende Babys können davon aufwachen.

Da die Schultergurte ungepolstert sind, ist die Marsupi nicht ganz so lange einsetzbar wie andere Tragen, denn bei Kindern mit etwas mehr Gewicht wird das schnell unbequem. Die Marsupi eignet sich aber sehr gut für Neugeborene bis 9 Monate. Mithilfe eines »Bändigers« kann die Stegbreite reguliert und an die Größes Ihres Babys angepasst werden.

Die Marsupi ist in drei verschiedenen Größen (S/M, L und XL) und sechs Farben verfügbar. Wenn Mutter und Vater tragen wollen, empfehlen wir die Größen L beziehungsweise XL.

Eine Alternative zum Tragetuch: Hoppediz Primeo

Eine Alternative zum Tragetuch

Hoppediz Primeo

Test: Hoppediz Primeo
Eine Trage, die durch tolle Schulterraffung an ein Tragetuch erinnert.

Für Eltern, die lieber ein Tragetuch hätten, aber damit nicht zurecht kommen, ist die Hoppediz Primeo eine gute Alternative, denn sie kann ohne zeitaufwendiges Raffen und Binden langer Stoffbahnen schnell angelegt werden.

Die sehr breiten Tragegurte lassen sich im Schulterbereich bequem gliedern und sorgen durch eine bestmögliche Gewichtsentlastung für das charakteristische Tragetuchgefühl. Das Binden, das den Einsatz eines Tragetuchs etwas umständlich macht, entfällt bei der Primeo.

Ein Klick-Verschluss schliesst die Trage im Hüftbereich schnell und sicher. Um ihn wieder zu öffnen, werden beide Seiten und der Knopf in der Mitte gedrückt. Ist der Gurt passend auf den Hüftumfang des Trägers eingestellt, wird das Baby in die Trage gesetzt. Da der Gurt sehr lang ist, kommen auch etwas kräftigere Tragende gut mit der Trage zurecht. Zum Schluss werden die Träger mit Schnallen zugeklickt, ein gängiges Prinzip wie bei den anderen Tragen.

Die Trägerbreite macht den Unterschied: Aus Gewohnheit hatten wir im Test die Träger anfangs lediglich sehr eng über die Schultern gezogen. So ist die Babytrage aber nicht sehr effektiv, denn wir spürten die Last des Kindes mehr als deutlich. Wir merkten sofort, dass wir uns von allein wieder mehr aufrichteten, als wir die Träger weiter auseinander zogen. Das Gewicht verteilte sich so besser und entlastete die Schultern.

Da sich die Primeo wunderbar auf unterschiedliche Bedürfnisse einstellen lässt, können Sie ein noch sehr kleines Baby mit dem kleinen Verschluss einbeuteln und umso mehr für das typische Tragetuchgefühl sorgen. Im Test konnten das nur wenige der anderen Tragen.

Sollte es große Größenunterschiede bei den tragenden Elternteilen geben, muss die Trage bei jedem Wechsel neu angepasst werden. Das geht dank der Tragegurt-Markierungen der Primeo recht leicht, weil sich so jeder Tragende so seine Einstellung am Träger merken kann. So dauert das Umstellen von einem Träger auf den anderen nur wenige Sekunden.

Für größere Kinder: Kinderkraft Milo

Für größere Kinder

Kinderkraft Milo

Test: Kinderkraft Milo
Eine gute Trage die recht preiswert ist und lange genutzt werden kann.

Wer sich erst später fürs Tragen entscheidet, für den ist die Milo von Kinderkraft eine Überlegung wert. Für ganz kleine Kinder ist sie nicht zu empfehlen, da bei ihr die korrekte Anhock-Spreizhaltung nur unzureichend gewährleistet ist. Wenn Ihr Kind schon eigenständig sitzen kann, ist das nicht mehr so entscheidend.

Das komfortable Tragegefühl und der kleine Preis macht die Milo auch für »Spätgebärende« unter den tragenden Eltern attraktiv. Weil sie sehr weich, kuschelig und anschmiegsam ist, wurde sie von unserem Testkind öfters gestreichelt und mit dem Gesicht gekuschelt.

Das Anlegen geht schnell: den Gurt über der Hüfte schließen, das Baby wird hinein gesetzt und zum Schluss die Tragegurte zusammen geklickt. Die Milo ist zum Tragen am Bauch und auf dem Rücken und für Kinder mit einem Eigengewicht von bis zu 20 Kilogramm geeignet. Mit dem fast 20 Kilo »leichten« Kleinkind ging das im Test zwar auch, aber ganz ehrlich, weder Eltern noch Kind hatten Lust auf das Geschleppe.

Was uns komplett überzeugt hat, waren die angenehme Gewichtsverteilung und der gute Sitz der Trage. Im Hüftbereich gibt es eine kleine Tasche, die für kleinere Dinge wie ein Handy oder Hartgeld gedacht ist. Ein netter Gedanke, aber die Tasche befindet sich unter dem Po des Kindes, man kommt also nur schlecht dran.

Was gibt es sonst noch?

In der Ergobaby Adapt können Babys mit einer Gewichtsspanne von 3,2 bis 20 Kilogramm in Vorder- Rücken- und Hüfttrageweise getragen werden. Die Verpackung der Adapt wirbt damit, dass auch das Stillen in der Trage möglich ist. Wie das funktionieren soll, wird leider nicht erklärt.

Da unser Testbaby eine sehr empfindliche Haut hatte, erlitt es innerhalb kürzester Zeit in der Adapt einen leichten Ausschlag. Unsere Empfehlung: Vor dem ersten Tragen bitte erst einmal waschen. Auch bei der Ergobaby kann vor dem Bauch in X- Form oder H-Position getragen werden. Damit entscheiden die Eltern selbst, ob sie die einfache Version mit gekreuzten Trägern nehmen, oder den Brustgurt auf dem Rücken schließen. In beiden Fällen wird das Gewicht sehr gut verteilt und der Sicherheit tut es keinen Abbruch.

Das Tragen in der Ergobaby Adapt empfanden wir als sehr angenehm. Dass die Ergobaby auf Sicherheit ausgerichtet, ist uns positiv aufgefallen. Alle Schnallen sind zweifach abgesichert, weil sie zusätzlich durch Schlaufen gesichert werden. Zum Zubehör gehören eine Kopfstütze und ein Sonnenschutz.

Wenn Sie schwanger oder sehr sensibel in der Bauchregion sind und trotzdem tragen möchten, dann könnte die Kokadi von Onbu das Passende für Sie sein, denn sie verfügt über keinen Gurt für den Bauch. Das hat uns zunächst etwas erstaunt, und wir sahen uns gezwungen im Internet erst nach einer Trageanleitung suchen, denn der Trage lag leider keine bei. Bevor Sie die Trage testen können, muss Ihr Kind das Sitzen sicher beherrschen. Man setzt das Kind auf den unten liegenden Stoffteil, geht in die Hocke und schultert Kind und Trage wie bei einem Rucksack auf dem Rücken. Obwohl wir Zweifel hatten, ob das funktioniert, wurden wir positiv überrascht. Alles hielt bombensicher, selbst als das einjährige Kind fröhlich auf und ab wippte. Obwohl das Gewicht aufgrund des nicht vorhandenen Gurtes am Bauch auf den beiden Schultern liegt, haben wir kaum etwas davon gemerkt.

Für den Einsatz in Bauch- sowie Rückentrageweise ist die Bondolino von Hoppediz entwickelt. Während der kompletten Tragezeit kann sie ohne zusätzliches Zubehör verwendet werden. Noch nicht mal ein Einsatz für Neugeborene ist nötig. Durch das Fehlen von lästigen Schnallen oder Knöpfen kann sie sehr einfach gehandhabt werden. Die Bondolino kann von körperlich unterschiedlichen Eltern benutzt werden, ohne dass vorher kompliziert etwas eingestellt werden muss. Sie kann in der Waschmaschine gewaschen werden und liegt vom Kaufpreis im mittleren Teil des Preissegments.

Da sich das Gewicht des Kindes sehr gut auf Hüften und Schultern verteilt, ist das Tragen mit der Bondolino sehr angenehm. Ein kleiner Nachteil: Weil die Schulterbänder ziemlich lang sind, können sie beim Binden über den Boden gezogen werden und verschmutzen. Bei der Slim-Version sind die Schulterbänder etwas schmaler, sie ist damit für zierliche Personen geeignet.

Die bekannte Babybjörn One gibt es auch als erneuertes Modell: Die Babybjörn One Air soll eine verbesserte Luftdurchlässigkeit bieten und kommt in einem luftigeren 3D-Mesh Design daher. Das sehr weiche und dünne Material hat uns gut gefallen. Der Mesh-Stoff sorgt dafür, dass die Trage schnell trocknet. Die Feuchtigkeit wird gut aufgenommen, es gibt keine Schweißflecken. Der leichte und weiche Stoff ermöglicht es, die Trage optimal ans Baby anzupassen. Im Gegensatz zum Vorgängermodell aus Baumwolle gibt das Mesh-Material mehr nach. Das größte Manko: Auch bei dieser Trage sitzt das Baby nicht immer in der korrekten Anhock-Spreizhaltung – seit Jahren ist das einer der größten Kritikpunkte an den Babybjörn-Tragen. Immerhin kann man beim neuen Modell den Einsatz für kleinere Babys höher stellen und die Beine in Schlaufen legen, aber ganz glücklich sind wir mit dieser Lösung nicht, weshalb es für uns nicht zur Empfehlung reicht.

Die Amazonas Smart Carrier Ultralight gehört zu den leichtesten Tragen in unserem Test.  Die Trage ist für Kinder von 3,5 bis 15 Kilogramm geeignet.  Durch das sehr leichte Material, das wie Fallschirmseide anmutet, empfehlen wir, beim Erreichen des zweistelligen Kilobereichs den Wechsel auf eine andere Trage. Hals und Rücken schmerzten uns nach kurzer Zeit schnell, obwohl das Baby erst fünf Monate alt war. Das Gewicht wurde nicht optimal verteilt und das spürten wir im Halsbereich deutlich.

Wissenswertes über Babytragen

Ein Baby ist ein Tragling und kein Liegling. Der Kinderwagen, wie ihn jeder kennt, wurde erst spät im Jahr 1880 erfunden. Vorher trugen Mütter ihre Babys. Noch heute tragen zwei Drittel der Bevölkerung weltweit ihre Babys, statt Kinderwagen zu benutzen.

Auch hierzulande wird das Tragen der Kinder immer beliebter. Zeitgleich wächst das Angebot an Tragen auf dem Markt. In den 1970er-Jahren erschienen Tragetücher auf dem Markt, doch vielen Eltern erschienen diese zu knifflig und »zu alternativ«.

Die bekannte Firma Babybjörn entwickelte dann eine Trage, die schnell und einfach wie ein Rucksack geschultert werden konnte. Diese Neuerung galt unter Eltern als schick und war viel unkomplizierter als ein Tragetuch. Damit hat Babybjörn der Verbreitung des Tragens den Weg geebnet. Mütter und Väter, die ein Baby tragen, gehören seitdem ins Alltagsbild.

Das Angebot an Baby-Carriern oder Komforttragen ist groß. Neben Spezialisten bieten inzwischen auch viele große Hersteller klassischer Baby-Artikel Babytragen an. Die Bandbreite an Möglichkeiten des Tragens ist dabei groß. Vom Tragetuch über sogenannten Half Buckle (Bondolino von Hoppediz) bis zur Full Buckle (die meisten Testmodelle) ist alles vertreten.

Wir empfehlen eine Trageberatung, denn nicht jede Trage passt jeder Statur. Für die einen komfortabel, sorgt eine Trage bei den anderen für Rückenschmerzen. Es könnte auch sein, dass sich das Baby in der Trage unwohl fühlt, also probieren Sie die Trage am besten vorher aus.

Vorteile des Tragens

Das Tragen bringt den Babys viele Vorteile. Wird es viel getragen, werden seine Sinne altersgerecht stimuliert. Der ständige, enge Körperkontakt beeinflusst die Kindesentwicklung genauso positiv wie die Beziehung zwischen Kind und Eltern. Für Eltern mit mehreren Kindern bedeutet Tragen auch: Einfach mal beide Hände frei zu haben. Laut neueren Forschungen schreien getragene Babys weniger und das Tragen beugt Hüft-Fehlstellungen vor oder kann sie sogar kurieren.

Babytragen sind zudem preislich günstiger und viel leichter als Kinderwagen. Sie sind platzsparend und können gut auf Reisen mitgenommen werden.

Die Diskussion um die richtige Trage

Die Frage nach der richtigen Trage hat große Diskussionen ausgelöst und sogar einen neuen Berufstand hervorgebracht – den der TrageberaterInnen. Dieser Begriff ist weder staatlich anerkannt, noch geschützt. Es gibt keine einheitliche Ausbildung, keinen Berufsverband und keine Dachorganisation. Jeder kann sich somit Trageberater nennen oder eine Trageschule gründen. Ausbildungen können kostenpflichtig angeboten und Zertifikate ausgestellt werden. Aktuell existieren im deutschen Sprachraum acht Trage-Schulen und ca. 2.000 TrageberaterInnen mit Zertifikat.

Anhock-Spreizhaltung
Korrekte Anhock-Spreizhaltung (Foto: DIDYMOS).

Einig ist sich fast alle Berater: Eine Trage soll die Beine eines Babys so unterstützen, das sie über 90 Grad »angehockt« sind. Anhock-Spreizhaltung nennt das der Fachmann. Bezeichnet wird die Körperhaltung, die ein Neugeborenes von selbst einnimmt, wenn man es anhebt: Angehockte Beine, die Knie auf Bauchnabelhöhe, die Oberschenkel leicht abgespreizt. So kann das Baby auf die Hüfte gesetzt und getragen werden.

Für die richtige Anhock-Spreizhaltung sollte sich der Steg, der sich zwischen den Beinen befindet, breit genug sein. Die Beine hängen sonst einfach herunter. Das Baby kann dann ins Hohlkreuz kippen, was seinem Rücken nicht gut tut. Die Anhock-Spreizhaltung wird über die verschiedenen Altersstufen am besten mit dem Steg gewährleistet – so die durchgehende Meinung der TrageberaterInnen.

In den ersten Lebensmonaten des Babys soll sich der Rücken in der Trage leicht runden und gut gestützt werden. Viele TrageberaterInnen meinen, das sei nur durch besonderen Tragetuchstoff aus 100 Prozent Baumwolle gewährleistet. Die Tragehilfe muss bei sehr kleinen Babys zusätzlich den Kopf stützen, da es ihn nicht selbstständig halten kann. Viele dieser Ansichten sind jedoch eher von persönlichen Vorlieben geprägt und kaum wissenschaftlich belegt.

Wichtig: Die Trage sollte sich einfach an Kind und tragende Person anpassen lassen. Sie sollte bequem und für den Tragenden entlastend wirken, denn selbst die leichtesten Babys werden zu schwer, wenn sie viel und über Stunden herumgetragen werden. Das Material der Tragehilfe ist ebenfalls wichtig. Da Babys gern in die Gurte beissen, sollten sie giftfrei sein. Die Jahreszeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Dünne Stoffe, die atmungsaktiv sind, sind im Sommer deutlich angenehmer als dicke Gewebe.

So haben wir getestet

Wir haben gründlich recherchiert und vor allem Babytragen ausgewählt, die oft von Tragberaterinnen empfohlen oder häufig im Alltag anzutreffen sind. Über etliche Wochen hinweg haben wir das Tragen mit einem fünfmonatigen Baby getestet. Tragen, die auf maximal 20 Kilogramm Tragkraft ausgerichtet waren, haben wir zusätzlich mit einem zweieinhalbjährigen Kind getestet. Im Update 2020 haben wir mit einem einjährigen und einem vierjährigen Kind getestet.

   Unsere Empfehlungen sind redaktionell unabhängig.

Dieser Artikel enthält sogenannte Affiliate-Links, die mit markiert sind. Kaufen Sie über diese Links ein Produkt, erhalten wir eine kleine Provision. Mehr dazu.